{"id":105758,"date":"2025-05-12T22:04:23","date_gmt":"2025-05-12T22:04:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105758\/"},"modified":"2025-05-12T22:04:23","modified_gmt":"2025-05-12T22:04:23","slug":"kokain-korruptionsprozess-staatsanwalt-weist-vorwuerfe-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105758\/","title":{"rendered":"Kokain-Korruptionsprozess: Staatsanwalt weist Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend seiner Zeit als Staatsanwalt soll Yashar G. Informationen an eine Kokain-Bande verkauft haben.<strong> <\/strong>Nun kam er im Prozess am LG Hannover selbst zu Wort \u2013 und wies die Vorw\u00fcrfe entschieden zur\u00fcck. Nicht er sei der Maulwurf im System.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Der wegen Korruption angeklagte Staatsanwalt Yashar G. hat den Vorwurf, Gesch\u00e4fte mit der Kokain-Mafia gemacht zu haben, vor dem Landgericht Hannover von sich gewiesen. Der Jurist, der jahrelang Drogenkriminelle erfolgreich vor Gericht brachte, bestreitet, mit einer international operierenden Kokainbande gemeinsame Sache gemacht zu haben.\u00a0<\/p>\n<p>Schon <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/justiz-lg-hannover-99kls3\/25-korruption-staatsanwalt-kokain-mafia-prozess\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noopener\">bei Prozessbeginn gab er den Prozessbeteiligten zu verstehen, dass an dem, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, nicht viel dran sei.<\/a> Jetzt, am zweiten Verhandlungstag, kam der 39-J\u00e4hrige ausf\u00fchrlicher zu Wort und wies die Anschuldigungen scharf zur\u00fcck. Die Chatprotokolle, die ihn belasten sollen, h\u00e4lt er f\u00fcr ein Missverst\u00e4ndnis. &#8222;Die Beweisaufnahme wird zeigen, dass nicht ich, sondern ein Beamter des Landeskriminalamts Niedersachsen der &#8218;Cop&#8216; aus den entschl\u00fcsselten Chats ist&#8220;, sagte er vor dem Landgericht Hannover. Es sei nicht seine Absicht, jemanden zu bezichtigen: &#8222;Ich erfahre am eigenen Leib, was falsche Anschuldigungen bedeuten.&#8220;<\/p>\n<p>Seit Oktober sitzt der ehemalige Leiter der Bet\u00e4ubungsmittelabteilung der Staatsanwaltschaft Hannover in Untersuchungshaft. Die Anklage wirft ihm vor, zwischen Juni 2020 und M\u00e4rz 2021 gegen Bezahlung interne Informationen an eine Kokainbande weitergegeben zu haben \u2013 unter anderem habe er vor einer bevorstehenden Razzia gewarnt, woraufhin sich mehrere Drogenbosse ins Ausland absetzten.<\/p>\n<p>Dem Juristen werden insgesamt 14 F\u00e4lle besonders schwerer Bestechlichkeit zur Last gelegt. Zus\u00e4tzlich ist er wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses sowie Strafvereitelung im Amt angeklagt.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;So dumm bin ich nicht&#8220;<\/p>\n<p>Mit auf der Anklagebank sitzt der 41-j\u00e4hrige Boxtrainer Amir-Houman F., der laut Staatsanwaltschaft in zw\u00f6lf F\u00e4llen als Mittelsmann der Bande fungiert haben soll. Die angeblichen Bestechungsgelder in H\u00f6he von monatlich 5.000 Euro habe er in seinem Kampfsportstudio, in dem auch G. Mitglied gewesen sein soll, an den Staatsanwalt \u00fcbergeben.\u00a0<\/p>\n<p>Der Angeklagte bestreitet jedoch, der gesuchte Maulwurf zu sein \u2013 und verweist auf vermeintlich widerspr\u00fcchliches Verhalten: &#8222;Wenn ich das gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mich bestimmt nicht offiziell in dem Studio angemeldet, dort Selfies gemacht und das Geld am selben Tag am Automaten eingezahlt.&#8220; Er betonte: &#8222;So dumm bin ich nicht. Ich bin ein erfahrener Ermittler.&#8220;<\/p>\n<p>Auch finanzielle Motive weist er zur\u00fcck. Er sei nicht in Geldnot gewesen, die angeblichen Bestechungsgelder seien ein Witz. F\u00fcr solch eine Summe h\u00e4tte er &#8222;nicht meinen Job, meine Arbeit, mein Renommee, meine Pension, meine gesamte Existenz aufs Spiel gesetzt&#8220;. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass G. neben den monatlichen 5.000 Euro f\u00fcr einzelne Tipps zu Haftbefehlen, Observationen oder Telekommunikations\u00fcberwachung jeweils nochmal 5.000 Euro erhalten hat. So sollen insgesamt 65.000 Euro in den knapp 9 Monaten ab Mitte 2020 an G. geflossen sein.<\/p>\n<p>Ermittler statt Erpresster<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich schilderte der Staatsanwalt seine Erfolge im Kampf gegen die Drogenkriminalit\u00e4t \u2013 etwa im sogenannten Komplex &#8222;Belarus&#8220;. Dort habe er gemeinsam mit Zielfahndern gefl\u00fcchtete Verd\u00e4chtige ausfindig gemacht und erfolgreich vor Gericht gebracht. &#8222;Macht das ein Staatsanwalt, der erpressbar ist?&#8220;, fragte G. rhetorisch. Auch seine damalige Vorgesetzte habe ge\u00e4u\u00dfert, dass er &#8222;schizophren&#8220; sein m\u00fcsste, wenn er einer T\u00e4tergruppe, gegen die er so rigoros vorgehe, gleichzeitig Informationen zugespielt h\u00e4tte.\u00a0<\/p>\n<p>Die angeklagten Taten st\u00fcnden kurz vor der Verj\u00e4hrung, so der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wolle deshalb offenbar &#8222;einen Kopf rollen sehen&#8220;. Er selbst sei zum S\u00fcndenbock geworden, kritisierte der Jurist. &#8222;W\u00e4hrend der Maulwurf noch drau\u00dfen frei ruml\u00e4uft, sich ins F\u00e4ustchen lacht und die Verj\u00e4hrung abwartet.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich wollte f\u00fcr die gute Seite arbeiten&#8220;*<\/p>\n<p>Insgesamt f\u00fcnf Stunden lang schilderte G. im Prozess seine Sicht der Dinge. Dabei betonte er, dass er mit seinen Pr\u00e4dikatsexamen ein Jobangebot von einer renommierten Kanzlei mit einem Einstiegsgehalt von 120.000 Euro brutto gehabt habe. &#8222;Ich wollte aus meiner Sicht f\u00fcr die gute Seite arbeiten&#8220;, so der Jurist. &#8222;Jetzt wird mir vorgeworfen, Schmiergeld von der Kokain-Mafia angenommen zu haben. Das ist absolut absurd.&#8220;<\/p>\n<p>Mehrere vom &#8222;Cop&#8220; verratene Informationen habe er zum Zeitpunkt ihrer Weitergabe noch gar nicht gekannt, erkl\u00e4rte G. Diese seien nur im LKA bekannt gewesen. Der anvisierte Tag der Razzia \u2013 der 3. M\u00e4rz 2021 \u2013 wiederum habe schon Ende 2020 festgestanden. Er gehe davon aus, dass einer der 1.000 involvierten Polizisten am Vorabend vor den Durchsuchungen gewarnt habe. F\u00fcr den Dauer-Maulwurf habe keine Notwendigkeit bestanden, vor der Razzia zu warnen, weil dessen Hauptgesch\u00e4ftspartner \u2013 die beiden K\u00f6pfe der Drogenbande \u2013 zu diesem Zeitpunkt bereits im Ausland waren.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn sei es unertr\u00e4glich gewesen, die Anklagevorw\u00fcrfe zu h\u00f6ren, so G. im Prozess. Er habe Hunderttausende Dateien durchgearbeitet. &#8222;Es werden weitere Ermittlungspannen und unterschlagene Chats herauskommen&#8220;, sagte der Jurist.<\/p>\n<p>Seine Einlassung soll am 13. Mai fortgesetzt werden. Am 15. Mai wird nach Planung des Gerichts mit den Zeugenvernehmungen begonnen. F\u00fcr den Prozess sind zun\u00e4chst 20 Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.<\/p>\n<p>dpa\/pa\/lmb\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>* Der Artikel wurde am Tag der Ver\u00f6ffentlichung um weitere Informationen erg\u00e4nzt, 17.47 Uhr.<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tAngeklagter Staatsanwalt wehrt sich gegen Korruptionsvorwurf:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t12.05.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/57176 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t13.05.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend seiner Zeit als Staatsanwalt soll Yashar G. Informationen an eine Kokain-Bande verkauft haben. 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