{"id":105945,"date":"2025-05-12T23:51:18","date_gmt":"2025-05-12T23:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105945\/"},"modified":"2025-05-12T23:51:18","modified_gmt":"2025-05-12T23:51:18","slug":"aus-berliner-hotel-verschwunden-wo-ist-aleph-von-fellenberg-mutter-aeussert-kritik-an-polizei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105945\/","title":{"rendered":"Aus Berliner Hotel verschwunden: Wo ist Aleph von Fellenberg? Mutter \u00e4u\u00dfert Kritik an Polizei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach einem Besuch im Berliner Privatclub Soho House kehrt ein deutsch-chilenischer Gesch\u00e4ftsmann in sein Hotelzimmer zur\u00fcck &#8211; und wird anschlie\u00dfend nie wieder gesehen. W\u00e4hrend die Ermittler seine Ausweise und Handys finden, startet die Mutter des Vermissten eine eigene Suchaktion. <\/strong><\/p>\n<p>Marisol Palma Behnke ist ausgelaugt. Vor rund drei Wochen stieg die Historikerin aus Chile Hals \u00fcber Kopf ins Flugzeug und reiste nach Berlin. Schlaf bekommt sie seitdem kaum, Verzweiflung und Hoffnung bestimmen im Wechselschritt ihren Alltag. Den verbringt die 54-J\u00e4hrige gr\u00f6\u00dftenteils auf den Stra\u00dfen der Hauptstadt: Bis zu 14 Stunden am Tag zieht sie durch die Bezirke, befragt Passanten, klappert Notaufnahmen, Obdachlosenunterk\u00fcnfte und Sp\u00e4tis ab. Etliche Flugbl\u00e4tter hat Palma Behnke bereits verteilt, tausende Plakate h\u00e4ngen mittlerweile in Berlin. &#8222;Missing&#8220; steht darauf ganz oben in wei\u00dfer Schrift auf rotem Untergrund. Darunter sind drei Fotos eines jungen Mannes zu sehen.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/MISSING-Vermisst-Mit-diesem-Plakat-sucht-Marisol-Behnke-Palma-berlinweit-nach-ihrem-Sohn.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;MISSING&quot; (&quot;Vermisst&quot;): Mit diesem Plakat sucht Marisol Behnke Palma berlinweit nach ihrem Sohn.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/MISSING-Vermisst-Mit-diesem-Plakat-sucht-Marisol-Behnke-Palma-berlinweit-nach-ihrem-Sohn.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">&#8222;MISSING&#8220; (&#8222;Vermisst&#8220;): Mit diesem Plakat sucht Marisol Behnke Palma berlinweit nach ihrem Sohn.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Solveig Bach)<\/p>\n<p>Der vermisste Mann ist Palma Behnkes Sohn. Aleph Christian von Fellenberg Palma kam am 15. April f\u00fcr eine Gesch\u00e4ftsreise nach Berlin. Der 33-J\u00e4hrige betreibt eine Personalvermittlung in Chile und Kolumbien, um Arbeitskr\u00e4fte nach Europa zu vermitteln. Zwei Wochen wollte der Deutsch-Chilene in der Hauptstadt bleiben, dann sollte es f\u00fcr ihn weiter nach London gehen, wie seine Mutter ntv.de erz\u00e4hlt. Doch von Fellenberg Palma reiste nie nach England. Vor gut drei Wochen, in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag, verschwand der 33-J\u00e4hrige. Das letzte Mal gesehen wurde er in seinem Hotel in Berlin-Mitte, die letzte Nachricht verschickte er gegen 23 Uhr. Seitdem fehlt von dem 33-J\u00e4hrigen jede Spur. <\/p>\n<p>&#8222;Wir haben am 20. noch einmal telefoniert&#8220;, sagt Palma Behnke \u00fcber den letzten Kontakt zu ihrem Sohn. Sie habe nichts Ungew\u00f6hnliches bemerkt, im Gegenteil, von Fellenberg Palma sei es gut gegangen, er habe wie immer gescherzt. Das Telefonat habe zu ihrer Mittagszeit stattgefunden. In Berlin war es bereits Nachmittag. Anschlie\u00dfend sei der 33-J\u00e4hrige allein im Privatclub Soho House in Berlin-Mitte gewesen. Nach einem kurzen Abstecher in seinem Hotel, das Hilton am Gendarmenmarkt, habe er in einem Fitnessstudio in der N\u00e4he trainiert. Er habe noch kurz etwas zu essen bestellt und sei schlie\u00dflich in sein Hotelzimmer zur\u00fcckgekehrt. So rekonstruiert die Polizei Berlin die letzten Stunden vor dem Verschwinden des 33-J\u00e4hrigen. Auch Palma Behnke hat bis zu diesem Punkt keine Einw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Handys und Rolex im Hotel<\/p>\n<p>Was im Folgenden passierte, ist hingegen weitaus schwammiger. Um 23 Uhr habe von Fellenberg Palma das letzte Mal mit einem Freund \u00fcber Whatsapp geschrieben. Doch schon die Frage, wo er zu diesem Zeitpunkt war, ist ungekl\u00e4rt. Man wisse nicht, wann der Vermisste sein Hotelzimmer verlassen habe, erkl\u00e4rte die Berliner Polizei gegen\u00fcber Medien. Auch ein m\u00f6glicher Grund bleibt bisher im Dunkeln. Denn: Ihr Sohn hatte laut Chatverlauf keine weiteren Verabredungen an jenem Tag, so seine Mutter.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem d\u00fcrfte der 33-J\u00e4hrige kaum mehr als sein Portemonnaie bei sich gehabt haben. Seine beiden Handys, seine Rolex und auch seinen deutschen sowie chilenischen Pass wurden im Hotelzimmer gefunden, sagt Palma Behnke. Ebenso rund 1000 Euro Bargeld und die Zimmerkarten f\u00fcr sein Hotel.<\/p>\n<p>Die Durchsuchung des Zimmers im Hilton geh\u00f6rt zu den Ma\u00dfnahmen des Berliner Landeskriminalamtes im Fall von Fellenberg Palma. Die Ermittler k\u00f6nnen nicht ausschlie\u00dfen, dass sich von Fellenberg Palma &#8222;in einer Notlage&#8220; befindet &#8211; die Fahndung nach dem Vermissten wurde daher prompt eingeleitet. Zeugen seien vernommen worden, weitere &#8222;Absuchen&#8220; in Berlin f\u00e4nden statt. Au\u00dferdem setzen die Ermittler auf die Hilfe der Bev\u00f6lkerung: Seit der Ver\u00f6ffentlichung von mehreren Fotos und einer genauen Personenbeschreibung des Vermissten gingen ein paar Dutzend Hinweise ein, hei\u00dft es. Die Ermittler seien jedem einzelnen nachgegangen &#8211; zu einem Durchbruch konnten sie jedoch nicht f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Smartwatch an der Siegess\u00e4ule<\/p>\n<p>Behnke Palma sieht das Vorgehen der Beamten mittlerweile auch kritisch. &#8222;Warum haben sie das Zimmer zum Beispiel nicht als Tatort behandelt?&#8220;, fragt sie. &#8222;Immerhin k\u00f6nnte es sein, dass meinem Sohn schon im Hotel etwas passiert ist.&#8220; Die Mutter des Vermissten will auf einen bestimmten Punkt hinaus: &#8222;Man darf nichts ausschlie\u00dfen, weil wir bisher nichts wissen.&#8220; Zu d\u00fcnn sei die derzeitige Beweislage.<\/p>\n<p>So gehe die Polizei &#8222;vor allem wegen der Uhr&#8220; davon aus, dass ihr Sohn das Hotel verlassen habe. Behnke Palma spielt auf ein zun\u00e4chst vielversprechendes Indiz an: Knapp zwei Wochen nach dem Verschwinden fand ein Ermittler die Smartwatch des Vermissten in einem Geb\u00fcsch nahe der Berliner Siegess\u00e4ule. Dort soll sie sich zuletzt eingeloggt haben. Einen Hinweis auf den aktuellen Aufenthaltsort konnte die Uhr jedoch nicht liefern, wie der &#8222;Spiegel&#8220; berichtete.<\/p>\n<p>Behnke Palma sieht in dem Fund der Uhr zudem keinen eindeutigen Beweis daf\u00fcr, dass ihr Sohn das Hotel verlassen hat. Nichts in seinem Zimmer habe auf ein Verlassen hingedeutet. Vor allem aber, so die 54-J\u00e4hrige, gebe es bisher keine Beweise in Form von Aufnahmen einer \u00dcberwachungskamera oder \u00c4hnlichem. &#8222;Die w\u00fcrden wirklich helfen, zu verstehen, wo mein Sohn hingegangen ist&#8220;, sagt sie. &#8222;Allerdings hilft das Hilton Hotel nicht wirklich. Die Aufzeichnungen der Kamera durften wir bisher nicht sehen.&#8220;<\/p>\n<p>Kritik an Polizeiarbeit<\/p>\n<p>Hilfreich k\u00f6nnten zudem die Kreditkarten des Vermissten sein. Immerhin geh\u00f6ren sie zu den wenigen Dingen, die nicht im Hotelzimmer gefunden wurden. Von Fellenberg Palma k\u00f6nnte sie also bei sich gehabt haben, sollte er das Hotelzimmer verlassen haben. Die Polizei habe ihr zwar mitgeteilt, dass es nach dem Verschwinden &#8222;offenbar keine Bewegungen gab&#8220;, so Behnke Palma. Wann ihr Sohn wie viel Geld abgehoben hat und ob es m\u00f6glicherweise auff\u00e4llige Bewegungen gab, habe sie jedoch noch nicht erfahren. &#8222;Das ist doch eigentlich etwas, was man ganz schnell recherchieren kann&#8220;, sagt sie. Die Ermittler h\u00e4tten allerdings auf den Datenschutz verwiesen &#8211; das Einholen der genauen Kontobewegungen dauere entsprechend l\u00e4nger.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche \u00dcberweisungen, Bargeldabhebungen und die Aufnahmen aus dem Hotel &#8211; &#8222;all dies k\u00f6nnte vielversprechende Hinweise liefern&#8220;, f\u00e4hrt Behnke Palma fort. Dass diese Informationen allerdings auch drei Wochen nach dem Verschwinden ihres Sohnes nicht vorliegen, sei frustrierend. &#8222;Ich frage mich einfach: Nimmt die Polizei das ernst?&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Beamten erkl\u00e4ren, &#8222;alle relevanten Ermittlungsschritte&#8220; auszusch\u00f6pfen, kann Behnke Palma nicht unt\u00e4tig bleiben. Sie ist sich sicher, dass ihrem Sohn etwas zugesto\u00dfen ist. Auf die Frage, ob ihr Sohn m\u00f6glicherweise aus freien St\u00fccken untergetaucht sein k\u00f6nnte, antwortet sie so prompt und bestimmt wie auf keine Frage zuvor: &#8222;Nein. Auf keinen Fall.&#8220; Ihr Sohn habe gerne gearbeitet und zudem Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft geschmiedet. Au\u00dferdem sei er ein zuverl\u00e4ssiger Mensch. Beinahe t\u00e4glich standen Mutter und Sohn in Kontakt. Gerade aus diesem Grund handelte die Chilenin ohne zu z\u00f6gern: Als sie nach Ostern zwei Tage lang keine Antwort auf Whatsapp erhielt, buchte sie ihren Flug nach Berlin.<\/p>\n<p>Die eigene Suchaktion<\/p>\n<p>Seitdem l\u00e4uft ihre selbst organisierte Suchaktion beinahe pausenlos. Plakate kleben, Freiwillige organisieren, Aufmerksamkeit generieren &#8211; und am n\u00e4chsten Tag von vorn. Mittlerweile wei\u00df Behnke Palma, wo sie ihre Flugbl\u00e4tter am besten platzieren kann. &#8222;Die kleinen L\u00e4den sind am hilfsbereitesten&#8220;, berichtet sie. &#8222;Die Ketten machen da nicht mit. Und die Deutsche Bahn auch nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Am Wochenende steht die 54-J\u00e4hrige besonders unter Strom. &#8222;Die Beamten arbeiten von montags bis freitags um 15 Uhr. Also bleibe ich auch das Wochenende 24 Stunden am Telefon, falls sich irgendjemand mit Hinweisen meldet.&#8220; Zwischendurch muss das eigene, auf Pause gestellte Leben organisiert werden. &#8222;Es ist alles sehr, sehr anstrengend, doch es hilft nichts. Wir d\u00fcrften keine Zeit verlieren.&#8220;<\/p>\n<p>Ein paar Mal schon schienen sich die Bem\u00fchungen auszuzahlen. Mitarbeitende eines Bio-Ladens in Prenzlauer Berg glaubten etwa, von Fellenberg Palma gesehen zu haben. Doch die Aufnahmen der \u00dcberwachungskamera des Marktes zeigten schlie\u00dflich einen anderen Mann. Behnke Palma legt nun viel Wert auf Hinweise mit Fotos.<\/p>\n<p>Der Verdacht<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nne sich jedoch vorstellen, dass ihr Sohn amnestisch durch die Stadt laufe. M\u00f6glicherweise im Stadtteil Prenzlauer Berg, denn dort lebten Mutter und Sohn in der Vergangenheit gemeinsam. \u00dcberhaupt kenne sich der 33-J\u00e4hrige gut in der Stadt aus. Immer wieder lebte er in Berlin, zuletzt bis Mitte vergangenen Jahres, als er bei einem Solarunternehmen arbeitete.<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht wurde er \u00fcberfallen und hat einen Schlag bekommen, sodass er sich an nichts mehr erinnern kann.&#8220; Freiwillig habe ihr Sohn nichts mit Drogen zu tun, &#8222;aber er k\u00f6nnte K.O.-Tropfen verabreicht bekommen haben&#8220;, sagt Behnke Palma. &#8222;Vielleicht steckt er auch irgendwo mit Leuten, die Drogen nehmen und ihn m\u00f6glicherweise entf\u00fchrt haben.&#8220;<\/p>\n<p>Behnke Palma wei\u00df, dass es bisher keine Beweise f\u00fcr diesen Verdacht gibt. Die Hoffnung, dass ihr Sohn am Leben ist, treibt sie trotzdem jeden Tag wieder auf die Stra\u00dfe. &#8222;Ein Mensch kann in dieser Stadt doch nicht einfach so verschwinden.&#8220; Irgendwann, so sagt die Mutter, k\u00f6nnte er in einem Krankenhaus landen, in einen Zug einsteigen oder einfach \u00fcber die Stra\u00dfe laufen. Dann tun die vielen Plakate und Flugbl\u00e4tter hoffentlich ihr \u00dcbriges, &#8222;und irgendjemand h\u00e4lt ihn fest&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach einem Besuch im Berliner Privatclub Soho House kehrt ein deutsch-chilenischer Gesch\u00e4ftsmann in sein Hotelzimmer zur\u00fcck &#8211; und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":105946,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,984,22407],"class_list":{"0":"post-105945","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-international","12":"tag-vermisste"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114497551445622030","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105945"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105945\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}