{"id":1059600,"date":"2026-05-31T14:02:24","date_gmt":"2026-05-31T14:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1059600\/"},"modified":"2026-05-31T14:02:24","modified_gmt":"2026-05-31T14:02:24","slug":"wie-in-muenchen-das-muslimische-opferfest-gefeiert-wird-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1059600\/","title":{"rendered":"Wie in M\u00fcnchen das muslimische Opferfest gefeiert wird &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Maryan Ali Barre sitzt mit dem R\u00fccken zum Stand der Somalischen Gemeinde an einer Biergarten-Garnitur. Sie g\u00f6nnt sich eine Pause, es l\u00e4uft alles, auch ohne sie. Die Sambus, die mit Hackfleisch, kleingeschnittenen Zwiebeln, Karotten, Knoblauch gef\u00fcllten Dreiecke, finden gro\u00dfen Anklang. Es fliegen ihr Komplimente zu. Bis tief in die Nacht hat die Verk\u00e4uferin nach der Arbeit mit anderen Frauen in der K\u00fcche der Moschee am Frankfurter Ring gestanden, Teig ausgewalzt, gef\u00fcllt und gefaltet. Auch ihre Tochter Zaynab war dabei. Die Krankenschwester, die ihren Hijab fest um ihr Gesicht gebunden hat, verkauft die Teigtaschen, gegrilltes Huhn und Reis mit Freundinnen unter einem Partyzelt. Sie blickt auf die vorbeiziehende Menschenmenge und sagt lachend: \u201eEs macht gro\u00dfen Spa\u00df, dass hier so viele verschiedene Leute zusammenkommen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2b55f9c7-6cbc-4f55-ad6a-7bbd50620923.jpg\"   alt=\"Das Essen beim M\u00fcnchner Opferfest wird von den verschiedensten Nationen zubereitet und ist selbstverst\u00e4ndlich halal.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Das Essen beim M\u00fcnchner Opferfest wird von den verschiedensten Nationen zubereitet und ist selbstverst\u00e4ndlich halal. Johannes Simon<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es ist Samstagnachmittag, auf den Gr\u00fcnfl\u00e4chen des Riemer Parks wird Eid al-Adha gefeiert. Das mehrt\u00e4gige Opferfest, arabisch \u012ad ul-Adha, t\u00fcrkisch Kurban Bayram\u0131, ist f\u00fcr Musliminnen und Muslime neben dem Zuckerfest am Ende des Ramadan die wichtigste Feierlichkeit. Das Fest wird vor allem mit der Familie gefeiert, seine Bedeutung ist vergleichbar mit der von Weihnachten. Es richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und findet an keinem festen Datum statt. Im vergangenen Jahr war \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> feiert Eid\u201c am Pfingstmontag im Schwabinger Luitpoldpark. Nach acht Jahren hatte der Muslimrat M\u00fcnchen 2025 die Veranstaltung erstmals wieder f\u00fcr eine gro\u00dfe \u00d6ffentlichkeit organisiert. Ein Kritikpunkt: viel zu wenig Platz. Hier im M\u00fcnchner Osten sind die Fl\u00e4chen nun wesentlich weitl\u00e4ufiger. Erstmals wird an zwei Tagen, Samstag und Sonntag, gefeiert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Rechts vom Eingang sind St\u00e4nde mit T\u00fcchern, Kleidern, Modeschmuck, Gebetsteppichen oder Parf\u00fcm\u00f6len zu finden. F\u00fcr Kinder gibt es einen Spielbereich mit H\u00fcpfburg und Bogenschie\u00df-Aktion. Menschen treffen und das gemeinsame Essen stehen aber im Vordergrund. Besonders an den Burger-St\u00e4nden, an denen es an den Grills kr\u00e4ftig raucht, bilden sich lange Schlangen. Ein Stand mit Erdbeeren ummantelt von fl\u00fcssiger Schokolade, aber auch Eis und Softgetr\u00e4nke sind begehrt. Es gibt \u00e4thiopische Sauerteigfladen, Injera, t\u00fcrkische Lahmacun und K\u00f6fte. Alles halal, alles f\u00fcr Muslime erlaubt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00c4hnlich wie auf Tollwood sucht sich jeder aus, worauf er Lust hat. Man setzt sich dann am Rand des Platzes auf mitgebrachte Decken oder trifft sich in der Mitte, wo Biertisch-Garnituren aufgebaut sind. Gro\u00dfer Unterschied allerdings zu anderen M\u00fcnchner Festen: Hier funkelt weder orangeroter Aperol-Spritz aus Gl\u00e4sern noch Bier. Alkohol ist kein Thema hier, und Rauchen ist auf dem gesamten Gel\u00e4nde verboten. \u201eWir waren in enger Abstimmung mit dem KVR. Uns ist wichtig, dass wir alles beachten, den Umweltschutz einhalten\u201c, sagt Rowan Yacoub, eine der ehrenamtlichen Helferinnen. Die Informatik-Studentin nennt sich selbst \u201eEventfl\u00e4chen-Koordinatorin\u201c und man merkt ihr an: Sie m\u00f6chte unbedingt vermeiden, dass es \u00c4rger gibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/0b8c1bbc-b167-49e3-86cc-6e4989883720.jpg\"   alt=\"Viel Platz, aber wenig Schatten: Am Rand des gro\u00dfen Gel\u00e4ndes im Riemer Park sitzen Familien auf mitgebrachten Decken zum Picknicken.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Viel Platz, aber wenig Schatten: Am Rand des gro\u00dfen Gel\u00e4ndes im Riemer Park sitzen Familien auf mitgebrachten Decken zum Picknicken. Johannes Simon<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Alkohol werde oft zum Problem bei Festen in M\u00fcnchen, vor allem auf der Wiesn, wo sich ja eigentlich alles nur darum drehe, sagt eine junge Frau in einem langen wei\u00dfen Kleid. Sie ist zusammen mit ihrer Cousine und Tante hier. Die beiden j\u00fcngeren sind in M\u00fcnchen geboren, die Tante kam vor 40 Jahren aus Afghanistan. \u201eIch finde es gro\u00dfartig von der Stadt, dass wir hier feiern d\u00fcrfen\u201c, sagt sie. Ihre Begleiterinnen betonen, dass sie sich heute hier besonders sicher und gut aufgehoben f\u00fchlen, gesch\u00fctzt auch vor b\u00f6sen Kommentaren. \u201eFr\u00fcher hat man mit Freude und Stolz erz\u00e4hlt, woher man kommt\u201c, sagt die Tante, heute schweige sie lieber. Man m\u00fcsse heute vorsichtiger sein. Mit feinen Sinnen registrieren die drei Fremdenfeindlichkeiten. Wenn von einem Anschlag irgendwo die Rede sei, dann hofften sie inst\u00e4ndig, dass es kein Moslem war, sagen die jungen Frauen dann noch.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor den Tischen ist eine B\u00fchne aufgebaut, auf der es den Nachmittag \u00fcber Musikprogramm gibt.\u00a0Hier verk\u00fcndet auch ein Rufer die Gebetspausen. Zum Beten gibt es f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner getrennt ruhigere Orte. Die Tische leeren sich w\u00e4hrenddessen ein wenig, aber offensichtlich f\u00fchlen sich nicht alle angesprochen. Auch nicht alle Muslima haben ihr Haar bedeckt, von manchen aber sind nur die Augen zwischen Stoffschlitzen zu sehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/75c4fee3-7b1f-4834-97e6-687e6bbb5fc2.jpg\"   alt=\"Das Opferfest Eid al-Adha ist vergleichbar mit Weihnachten f\u00fcr Christen. Viele Frauen haben sich deshalb besonders fein gekleidet.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Das Opferfest Eid al-Adha ist vergleichbar mit Weihnachten f\u00fcr Christen. Viele Frauen haben sich deshalb besonders fein gekleidet. Johannes Simon<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zur Er\u00f6ffnung des Eid, was Fest bedeutet und in etwa wie das Englische aid (Hilfe) ausgesprochen wird, sind auch Vertreter der Stadt gekommen: Marian Offman (SPD), ehemaliger Vizepr\u00e4sident der Israelitischen Kultusgemeinde,\u00a0als Beauftragter f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog, Stadtr\u00e4tin Barbara Likus (SPD), Dimitrina Lang, Vorsitzende des Migrationsbeirates, und der neugew\u00e4hlte Stadtrat Nihat Demir (CSU). \u201eWir h\u00e4tten gerne Oberb\u00fcrgermeister Dominik Krause hier gehabt\u201c, sagt Sokol Lamaj, Erster Vorstandsvorsitzender des Muslimrats M\u00fcnchen. \u201eWir wollen Br\u00fccken bauen und zeigen, dass Muslime gerne und friedlich feiern. Der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Islam\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Islam<\/a> geh\u00f6rt zu M\u00fcnchen, etwa 200 000 Menschen muslimischen Glaubens leben in der Stadt.\u201c Etwa 9000 Leute waren allein am Samstag da, sch\u00e4tzt er.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Getragen wird \u201eM\u00fcnchen feiert Eid\u201c durch Spenden, an denen sich die gut 50 muslimischen Gemeinden der Stadt beteiligen. \u201eUnser Ziel ist, das Fest zu etablieren\u201c, sagt Lamaj. Er ist \u00fcberzeugt: \u201eDas st\u00e4rkt die Stadtgesellschaft.\u201c Und es k\u00f6nne Vorbild f\u00fcr andere sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2cb1c404-aca9-4f43-8f95-2c54ca0f859d.jpg\"   alt=\"Vorteil in M\u00fcnchen-Riem ist der Kopfbau, hier k\u00f6nnen Gegenst\u00e4nde gelagert werden und sich die Helfer besprechen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Vorteil in M\u00fcnchen-Riem ist der Kopfbau, hier k\u00f6nnen Gegenst\u00e4nde gelagert werden und sich die Helfer besprechen. Johannes Simon<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Etwa 200 Helfer koordiniert Mustafa Abdalla. Der gro\u00dfe, kr\u00e4ftige Mann sprudelt am Ende des ersten Tages gegen 19 Uhr, w\u00e4hrend andere um ihn herum Teppiche oder Tische in den sogenannten Kopfbau tragen: \u201eIch habe noch nie so viele verschiedene Menschen gesehen, Akzente und Dialekte geh\u00f6rt wie heute.\u201c Seine Eltern erz\u00e4hlten immer, wie fr\u00f6hlich das Zucker- und das Opferfest im Sudan gefeiert werden: mit vielen, vielen Leuten. Die meisten aber h\u00e4tten hier nur wenig Familie. Heute aber f\u00fchle er sich in einer gro\u00dfen, sch\u00f6nen Gemeinschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Maryan Ali Barre sitzt mit dem R\u00fccken zum Stand der Somalischen Gemeinde an einer Biergarten-Garnitur. 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