{"id":1062874,"date":"2026-06-01T22:56:24","date_gmt":"2026-06-01T22:56:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1062874\/"},"modified":"2026-06-01T22:56:24","modified_gmt":"2026-06-01T22:56:24","slug":"vandalismusprojekt-in-leopoldshoehe-geht-weiter-lokale-nachrichten-aus-leopoldshoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1062874\/","title":{"rendered":"Vandalismusprojekt in Leopoldsh\u00f6he geht weiter | Lokale Nachrichten aus Leopoldsh\u00f6he"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\">Leopoldsh\u00f6he. Zerst\u00f6rte Bushaltestellen, achtlos entsorgter M\u00fcll und wahllose Schmierereien sind der Gemeinde Leopoldsh\u00f6he ein Dorn im Auge, schlie\u00dflich binden die Reparaturen und Instandsetzungen Gelder, die an anderer Stelle besser verausgabt werden k\u00f6nnten. Nachdem im Jahr 2023 ein f\u00fcr Leopoldsh\u00f6her Verh\u00e4ltnisse vergleichsweises hohes Aufkommen an Vandalismus und Verschmutzung beobachtet werden konnte, pl\u00e4dierte Ratsmitglied Andreas Brinkmann f\u00fcr einen Strategiewechsel hinsichtlich der Causa.<\/p>\n<p id=\"absatz2\">Kurzerhand installierte Brinkmann einen Postkasten vor dem Rathaus, in den Leopoldsh\u00f6her B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Ideen, Impulse und Inspirationen f\u00fcr die Kommunalpolitik einwerfen konnten. \u201eDie Idee dahinter war, einerseits eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Dialog zu schaffen und andererseits verschiedene kreative Zug\u00e4nge und Perspektiven auf das Vandalismusproblem zu er\u00f6ffnen\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Brinkmann. \u201eZu diesem Zeitpunkt h\u00e4tte ich aber nicht erahnen k\u00f6nnen, worin dieses Unterfangen mal m\u00fcnden wird\u201c, erg\u00e4nzt Brinkmann.<\/p>\n<p id=\"absatz3\">Denn der Aufruf findet auf Umwegen seinen Weg zu Till Neuhaus. Neuhaus arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universit\u00e4t Bielefeld und besch\u00e4ftigt sich dort unter anderem mit Entscheidungsprozessen sowie Faktoren, die Entscheidungen beeinflussen k\u00f6nnen, wie es in einer Mitteilung hei\u00dft. Nach einem Blick in die Theorie sowie der Sichtung von bereits realisierten Praxisbeispielen schl\u00e4gt Neuhaus ein Konzept vor, das unter dem \u201eNudging\u201c (vom englischen Verb \u201eto nudge\u201c, anstupsen) bekannt geworden ist.<\/p>\n<p>\u201eAnstupser\u201c erweisen sich als erfolgreich<\/p>\n<p id=\"absatz4\">\u201eDie Idee ist, durch gezielte Impulse \u2013 zum Beispiel Ansprachen oder Ver\u00e4nderungen in der direkten Umwelt \u2013 erw\u00fcnschte Entscheidungen wahrscheinlicher zu machen, wie es weiter hei\u00dft. Und das ohne Verbote oder Sanktionen auszusprechen, sondern lediglich durch ein gezieltes Anstupsen\u201c, sagt Neuhaus. Bekannte Beispiele f\u00fcr erfolgreiche Nudges sind Aufkleber von Fliegen in Urinalen oder das Ausweisen eines Nutri-Scores auf Lebensmitteln.<\/p>\n<p id=\"absatz5\">\u201eObwohl es sich bei diesen Ma\u00dfnahmen lediglich um Kleinigkeiten handelt, haben diese teils enorme Effekte. Die Fliege im Urinal f\u00fchrte beispielsweise zu einer 80-prozentigen Reduktion der Verschmutzung in Flughafentoiletten und spart so eine Menge Geld\u201c, erkl\u00e4rt Neuhaus. Praxisbeispiele, theoretischer Unterbau und Statistiken schienen auch Andreas Brinkmann vom Ansatz des \u201eNudging\u201c zu \u00fcberzeugen, doch fr\u00fch wurde klar, dass noch weitere Akteure ben\u00f6tigt werden, um eine effektive Kampagne auf die Beine zu stellen.<\/p>\n<p id=\"absatz6\">\u201eBei einem Projekt im Bereich Vandalismus ist es ausgesprochen wichtig, nah an Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu sein\u201c, sagt Andreas Brinkmann. Um diese Expertise mit abbilden zu k\u00f6nnen, wandte sich Brinkmann an das Jugend- und Familienzentrum Leos, dessen Leiterin, Sandra Linnenbecker, ebenso Teil des Projekts wurde.<\/p>\n<p id=\"absatz7\">Zusammen mit weiteren Akteuren der Gemeinde entwickelte die Gruppe Slogans und Designs f\u00fcr Plakate, Aufkleber und Sticker, die 2024 durch Mitarbeiter des Bauhofes in der Gemeinde angebracht wurden. Ein Jahr sp\u00e4ter, im Sommer 2025, konnte eine positive Bilanz gezogen werden.<\/p>\n<p id=\"absatz8\">\u201eDer Bauhof und weitere Teile der Gemeinde meldeten zur\u00fcck, dass Vandalismus und Verm\u00fcllung grunds\u00e4tzlich abgenommen haben und so Geld gespart werden konnte\u201c, sagt Andreas Brinkmann. <\/p>\n<p id=\"absatz9\">Doch kurz nachdem die Bilanz im Leopoldsh\u00f6her Rat publik gemacht worden ist, kam es erneut zu einem erh\u00f6hten Aufkommen an zerst\u00f6rten Bushaltestellen und Graffitis. \u201eImpulse dieser Art k\u00f6nnen wirken, doch es besteht eben auch die Gefahr, dass diese sich mit der Zeit abnutzen und nicht mehr den gew\u00fcnschten Effekt erzielen\u201c, erkl\u00e4rt Neuhaus.<\/p>\n<p>Jugendliche und junge Erwachsene einbeziehen<\/p>\n<p id=\"absatz10\">Und um das Thema Vandalismus, Verm\u00fcllung und Verschmutzung wieder st\u00e4rker ins Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit zu r\u00fccken, entwickelte die Gruppe eine neue Idee. \u201eIm zweiten Durchgang setzen wir bewusst st\u00e4rker auf Partizipation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen\u201c, sagt Sandra Linnenbecker. Um die Perspektiven von Jugendlichen einzubinden, kontaktierte Linnenbecker die Felix-Fechenbach-Gesamtschule und fragte, ob es Sch\u00fcler g\u00e4be, die Interesse h\u00e4tten das Projekt mit Entw\u00fcrfen und Ideen zu unterst\u00fctzen. <\/p>\n<p id=\"absatz11\">Die Anfrage wurde an die Kunstlehrerin Seher Tunali weitergeleitet, die zusammen mit den Sch\u00fclern der 9. Jahrgangsstufe Entw\u00fcrfe zum Thema entwickelte. \u201eWir haben eine ganze Reihe starker Entw\u00fcrfe vorgelegt bekommen. Leider k\u00f6nnen wir nicht alle umsetzen\u201c, wird Sandra Linnenbecker in der Mitteilung zitiert.<\/p>\n<p id=\"absatz12\">Um zu entscheiden, welche Entw\u00fcrfe zuk\u00fcnftig an den Leopoldsh\u00f6her M\u00fclleimern kleben werden, versammelte sich die Projektgruppe erneut und agierte dieses Mal als Jury. Unterst\u00fctzt wurden sie dabei von dem Sch\u00fcler Connor Smok. Er legt gegenw\u00e4rtig die letzten Abiturpr\u00fcfungen ab und beginnt im Anschluss seinen Bundesfreiwilligendienst im Jugend- und Familienzentrum Leos. Das Gremium konnte sich auf sechs Entw\u00fcrfe verst\u00e4ndigen, wobei vier als Sticker auf M\u00fclleimern angebracht werden sollen, zwei weitere dienen als Grundlage f\u00fcr Plakate, die in der Gemeinde aufgeh\u00e4ngt werden sollen.<\/p>\n<p id=\"absatz13\">\u201eWir \u00fcbergeben Entw\u00fcrfe jetzt einem Grafiker, der die Skizzen professionell umsetzt\u201c, sagt Linnenbecker. \u201eIch bin gespannt, wie die finalen Produkte aussehen werden, und bin insgesamt begeistert von der Form, die das Projekt inzwischen angenommen hat. Vielleicht entsteht daraus auch ein j\u00e4hrlicher Wettbewerb\u201c, sagt Neuhaus. Und nat\u00fcrlich wird auch an die Sch\u00fcler der Felix-Fechenbach-Gesamtschule gedacht. \u201eF\u00fcr ihre Kreativit\u00e4t und M\u00fche wird das Leos ein kleines Dankesch\u00f6n organisieren\u201c, sagt Linnenbecker. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leopoldsh\u00f6he. 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