{"id":1063127,"date":"2026-06-02T01:21:18","date_gmt":"2026-06-02T01:21:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1063127\/"},"modified":"2026-06-02T01:21:18","modified_gmt":"2026-06-02T01:21:18","slug":"kritik-an-alten-kinderliedern-soll-hoppe-hoppe-reiter-etwa-nicht-mehr-gesungen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1063127\/","title":{"rendered":"Kritik an alten Kinderliedern: Soll \u201eHoppe, hoppe Reiter\u201c etwa nicht mehr gesungen werden?"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Beitrag erschien bereits im Nordkurier. Aufgrund des gro\u00dfen Interesses ver\u00f6ffentlichen wir ihn erneut.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eNoch einmal, Mama\u201c, ruft der Junge und klatscht in die H\u00e4nde, wippt erwartungsvoll. Seine Mutter holt tief Luft &#8211; doch dann stockt sie. \u201eDie Affen rasen durch den Wald\u201c, das Lied war in ihrer Kindheit \u201eganz normal\u201c. Jetzt ist sie unsicher: <a data-li-document-ref=\"2945898\" href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/regional\/hagenow\/warum-es-quatsch-ist-dass-man-manches-nicht-mehr-sagen-darf-2945898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kann man das singen &#8211; oder steckt in den Zeilen mehr als eine aufgekratzte Tierhorde?<\/a> Debatten um politisch korrekte Sprache haben Kinderzimmer und Kitas l\u00e4ngst erreicht.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDrei Chinesen mit dem Kontrabass\u201c, der \u201espannenlange Hansel\u201c und die \u201enudeldicke Dirn\u201c geh\u00f6rten lange ins Repertoire jeder Bildungseinrichtung &#8211; geh\u00f6ren es teils immer noch. Letzteres ist aus Sicht des Musikethnologen Nepomuk Riva ein Problem.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/e414a948-37c0-4411-9170-c04feeaf51d9.jpeg\" alt=\"Der Musikethnologe Nepomuk Riva stellt das Liedgut f\u00fcr Kinder auf den Pr\u00fcfstand.\" fetchpriority=\"auto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"data:image\/svg+xml,%3csvg%20width='48'%20height='48'%20viewBox='0%200%2048%2048'%20fill='none'%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%3e%3crect%20width='48'%20height='48'%20rx='24'%20fill='white'%20fill-opacity='0.8'\/%3e%3cmask%20id='mask0_13797_3251'%20style='mask-type:alpha'%20maskUnits='userSpaceOnUse'%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%3e%3crect%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%20fill='%23D9D9D9'\/%3e%3c\/mask%3e%3cg%20mask='url(%23mask0_13797_3251)'%3e%3cpath%20d='M15%2033V25H17V29.6L29.6%2017H25V15H33V23H31V18.4L18.4%2031H23V33H15Z'%20fill='%231C1B1F'\/%3e%3c\/g%3e%3c\/svg%3e\"\/><\/p>\n<p>Der Musikethnologe Nepomuk Riva stellt das Liedgut f\u00fcr Kinder auf den Pr\u00fcfstand. (Foto: nepomuk-riva.de)<\/p>\n<p>\u201eRassismus passt nicht zu inklusiver P\u00e4dagogik\u201c<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Er hat zuletzt das Projekt \u201eFairplay in der Musikp\u00e4dagogik &#8211; Kultursensibler Umgang mit Kindermusik\u201c geleitet, eine Fortbildungsinitiative f\u00fcr P\u00e4dagogen, gef\u00f6rdert von der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung und der Th\u00fcringer Landesmusikakademie Sondershausen. \u201eDinge wie Rassismus, Bodyshaming oder Gewalt passen nicht mehr zu unserem Anspruch einer inklusiven P\u00e4dagogik\u201c, erkl\u00e4rt Riva.<\/p>\n<blockquote class=\"tw-m-0 tw-italic tw-flex tw-items-start before:tw-hidden\">\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Der Reiter darf nicht vom Pferd fallen. Hier wird das Spiel drohend mit einem Kindstod verbunden &#8211; das ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Nepomuk Riva, Musikethnologe<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auch scheinbar harmlose Reime wie \u201eHoppe, hoppe Reiter\u201c fallen f\u00fcr den Forscher in diese Kategorie. \u201eDas Lied hatte fr\u00fcher eine p\u00e4dagogische Funktion\u201c, erl\u00e4utert er: \u201eDer Reiter darf nicht vom Pferd fallen. Hier wird das Spiel drohend mit einem Kindstod verbunden, das ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.\u201c<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/d1f737ce-adc4-4da0-839b-e375ea58d7a0.jpeg\" alt=\"Dorota Wilke, Pressesprecherin des Vereins Deutsche Sprache, warnt davor, Kinderlieder zu verwoken.\" fetchpriority=\"auto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"data:image\/svg+xml,%3csvg%20width='48'%20height='48'%20viewBox='0%200%2048%2048'%20fill='none'%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%3e%3crect%20width='48'%20height='48'%20rx='24'%20fill='white'%20fill-opacity='0.8'\/%3e%3cmask%20id='mask0_13797_3251'%20style='mask-type:alpha'%20maskUnits='userSpaceOnUse'%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%3e%3crect%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%20fill='%23D9D9D9'\/%3e%3c\/mask%3e%3cg%20mask='url(%23mask0_13797_3251)'%3e%3cpath%20d='M15%2033V25H17V29.6L29.6%2017H25V15H33V23H31V18.4L18.4%2031H23V33H15Z'%20fill='%231C1B1F'\/%3e%3c\/g%3e%3c\/svg%3e\"\/><\/p>\n<p>Dorota Wilke, Pressesprecherin des Vereins Deutsche Sprache, warnt davor, Kinderlieder zu verwoken. (Foto: privat)<\/p>\n<p>Kinderlieder anders lesen als Kafka<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Klassiker wie \u201eHoppe, hoppe Reiter\u201c zu tabuisieren, davon h\u00e4lt die Sprecherin des Vereins Deutsche Sprache, Dorota Wilke, hingegen eher wenig. Im Gegenteil: \u201eDie Tradierung alter Lieder und Ausdrucksweisen ist eine Bereicherung f\u00fcr Kinder und vermittelt ihnen ein tieferes Verst\u00e4ndnis auch f\u00fcr die Entwicklungen, die eine moderne Sprache durchl\u00e4uft\u201c, sagt sie. \u201eSprache ist facettenreich und sollte es auch bleiben. Es ist schlicht realit\u00e4tsfern, alles zu canceln und bei jeder Kleinigkeit p\u00e4dagogisch durchzudrehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sicher seien bestimmte Ausdr\u00fccke auszuklammern, allen voran rassistische. Aber die Unterstellung, der Reiter-Reim w\u00fcrde Gewaltfantasien vermitteln, gehe \u00fcber das gew\u00fcnschte Ziel hinaus. Im Lied \u201eDie Affen rasen durch den Wald\u201c eine fremdenfeindliche Gesinnung zu vermuten, sei ebenso \u201eabsolut fehl am Platz\u201c, mahnt Wilke. \u201eDas sind Stellvertreter-Befindlichkeiten. Es geht hier um Tiere und nicht um Menschen, das ist nicht Kafka, sondern immer noch ein Kinderlied.\u201c<\/p>\n<p>Viele wollen alte Lieder nicht loslassen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das sieht Riva anders. Entscheidend sei, welches Weltbild man Kindern vermitteln wolle. Bei Kinderb\u00fcchern sei eine inklusive Sprache bereits weit verbreitet, bei Liedern sehe das anders aus, beklagt der P\u00e4dagoge. \u201eVielerorts wehren sich Menschen beharrlich dagegen, alte Lieder nicht mehr zu singen\u201c, hat er beobachtet. \u201eDie alten Lieder verbinden viele mit sch\u00f6nen Kindheitserinnerungen. Deshalb f\u00e4llt es schwer, sie kritisch zu betrachten.\u201c Daf\u00fcr habe er durchaus Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<blockquote class=\"tw-m-0 tw-italic tw-flex tw-items-start before:tw-hidden\">\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Lieder zu \u201averwoken\u201b, mag einer guten Gesinnung entspringen, tut aber weder Kindern noch Erwachsenen einen Gefallen.<\/p>\n<p>Dorota Wilke, Sprecherin des Vereins Deutsche Sprache<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wichtig ist ihm aber: \u201eEs geht nicht um das gesamte klassische deutsche Liedgut, sondern nur um etwa ein Dutzend der bekannten Kinderlieder. Viele der wirklich kritischen sind im \u00dcbrigen erst im 20. Jahrhundert entstanden, waren also nicht schon immer da.\u201c Um Rhythmus und Melodie zu erhalten, existieren von den meisten heiklen Texten inzwischen angepasste Versionen \u2014 oft als \u201ewoke\u201c verschrien. Das sieht Riva wiederum kritisch: Sinnvoller sei es, Neues zu schaffen, das mehr der heutigen Lebensrealit\u00e4t von Kindern entspreche.<\/p>\n<p>Reflexion als Erziehungsaufgabe<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dorota Wilke h\u00e4lt dagegen: \u201eLieder zu \u201averwoken\u201b, mag einer guten Gesinnung entspringen, tut aber weder Kindern noch Erwachsenen einen Gefallen.\u201c Kinder vor Worten, die nun einmal existierten, besch\u00fctzen zu wollen, nehme ihnen ein St\u00fcck Freiheit in ihrer Entwicklung und sei schlicht realit\u00e4tsfern. &#8222;Es ist vielmehr Aufgabe der Eltern, mehr zu erkl\u00e4ren und einzuordnen&#8220;, so Wilke.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Einig sind sich die beiden Fachleute darin: Am Ende liege die Verantwortung bei den Eltern. Entscheidend sei ein reflektierter Umgang mit Kultur. Und ein wenig mehr Gelassenheit und Reflexion statt pauschaler Urteile &#8211; das t\u00e4te generell wohl auch anderen gesellschaftlichen Bereichen gut.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Beitrag erschien bereits im Nordkurier. 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