{"id":1063312,"date":"2026-06-02T03:12:16","date_gmt":"2026-06-02T03:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1063312\/"},"modified":"2026-06-02T03:12:16","modified_gmt":"2026-06-02T03:12:16","slug":"bazon-brock-wird-90-wach-sein-das-ist-alles-nrw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1063312\/","title":{"rendered":"Bazon Brock wird 90: \u00abWach sein, das ist alles\u00bb | NRW"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Er nennt sich \u00abDenker im Dienst\u00bb und \u00abK\u00fcnstler ohne Werk\u00bb. Bazon Brock ist aber vor allem eines: ein wortgewaltiger Philosoph im Kunstbetrieb. Und Alter spielt da keine Rolle. Am 2. Juni wird der emeritierte Wuppertaler \u00c4sthetik-Professor und Weggef\u00e4hrte von Joseph Beuys (1921-1986) 90 Jahre alt.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Brock fragt man nicht einfach, wie es ihm geht. Die Antwort ist eine Philosophie f\u00fcr sich: \u00abIch verfolge die apokalyptische optimistische Haltung, wie sie f\u00fcr Europa individuell wie auch kulturell und theologisch vermittelt ist\u00bb, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. \u00abIn meinem Ende liegt mein Anfang.\u00bb<\/p>\n<p><a class=\"link-img\" href=\"https:\/\/www.mt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xSkZrbm5qenlidjRuZ05UTUhWYjVScUtnSUtPclp5cmk1OFk2d1FCTTgrU0ppQmtheFR3UnpZZ2xnMDVPeUZKTkJUWUJVaW5OMUE3dWZYcklqTUY3NitoWUlKVUtBWnM0WFBmN2ZQQmhJUnBHYUNMY1puQTV6QWU2L2JPZnhrcTg\/260602-0432-urn-newsml-dpa-com-20090101-260602-935-1380675.webp\" data-fancybox=\"images\" data-caption=\"Bazon Brock hielt in fr\u00fcheren Jahren Vortr\u00e4ge auf dem Kopf stehend. - \u00a9 Bernd von Jutrczenka\/dpa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n<img decoding=\"async\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/260602-0432-urn-newsml-dpa-com-20090101-260602-935-1380675.webp\" loading=\"lazy\" width=\"1000\" alt=\"Bazon Brock hielt in fr\u00fcheren Jahren Vortr\u00e4ge auf dem Kopf stehend. - \u00a9 Bernd von Jutrczenka\/dpa\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Bazon Brock hielt in fr\u00fcheren Jahren Vortr\u00e4ge auf dem Kopf stehend. &#8211; \u00a9 Bernd von Jutrczenka\/dpa<\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Die Frage nach dem Ruhestand ist f\u00fcr Brock mehr oder weniger eine Beleidigung: \u00abJeder, der intelligent ist, hat noch nie an so etwas gedacht, wie sich zur Ruhe zu setzen.\u00bb Schon zu seinem 85. Geburtstag hatte der Denker mit dem schlohwei\u00dfen Haar gewarnt: \u00abAlte Leute sind gef\u00e4hrlich, ihnen ist die Zukunft v\u00f6llig egal.\u00bb<\/p>\n<p>Erster Professor f\u00fcr \u00abProphetie\u00bb<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">\u00abDenk-Artist\u00bb wird Brock auch genannt, streitbarer Performance-Philosoph mit Hang zu endlosen Monologen und einer wuchernden Gedankenwelt.<\/p>\n<p id=\"absatz7\" class=\"em_text\">Brock gr\u00fcndete zahlreiche Institute, darunter das Institut f\u00fcr Rumorologie\/Ger\u00fcchteverbreitung, das Labor f\u00fcr Universalpoesie und Prognostik, das B\u00fcro f\u00fcr Evidenzkritik und das Pathosinstitut Anderer Zustand. 2014\/2015 wurde Brock an der Hochschule der Bildenden K\u00fcnste Saar zum Honorarprofessor mit dem Lehrgebiet \u00abProphetie\u00bb ernannt &#8211; das war einmalig in der deutschen Universit\u00e4tslandschaft.<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Seit 2011 betreibt Brock in Berlin &#8211; seiner zweiten Heimat neben dem \u00abBasislager\u00bb Wuppertal &#8211; die \u00abDenkerei\u00bb als \u00abInstitut f\u00fcr theoretische Kunst, Universalpoesie und Prognostik\u00bb mit dem Schwerpunkt \u00abArbeit an unl\u00f6sbaren Problemen\u00bb. Der intellektuelle Salon hat im Hoftheater Kreuzberg Unterschlupf gefunden.<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">In Berlin wird auch Brocks 90. Geburtstag gefeiert. Dazu wollen Schauspieler wie Martin Wuttke, Angela Winkler und Fabian Hinrichs \u00abeinen erhebenden Radau\u00bb pr\u00e4sentieren, hei\u00dft es in der Ank\u00fcndigung. Zum Feiern hat Brock auch seine eigene Meinung: \u00abDie Geburtstagsfeier gilt nicht dem Geburtstagskind, sondern denjenigen, die dem Geburtstagskind das Leben erm\u00f6glichen.\u00bb<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Kunstvermittler<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Der Vorname Bazon ist \u00fcbrigens ein Pseudonym des 1936 im pommerschen Stolp geborenen J\u00fcrgen Johannes Hermann Brock. Sein Lateinlehrer hatte ihm den aus dem Griechischen stammenden Spitznamen \u00abSchw\u00e4tzer\u00bb verpasst. Die Erfahrung als Kriegskind, die Flucht vor der Roten Armee, Entbehrungen und Bombardements haben Brocks Denken gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">Er studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie &#8211; unter anderem bei Theodor W. Adorno in Frankfurt am Main. In den 60er und 70er Jahren geh\u00f6rte Brock zu den wichtigsten Kunstvermittlern. Er entwickelte die Methode des \u00abAction Teaching\u00bb, in dem jeder Satz zur B\u00fchne wird. Von 1968 bis 1992 f\u00fchrte er in Kassel die von ihm begr\u00fcndeten Documenta-Besucherschulen und brachte den Menschen Kunst nahe.<\/p>\n<p>Den B\u00fcrger professionalisieren<\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Brock hielt, als er j\u00fcnger war, auf dem Kopf stehend Vortr\u00e4ge und warf seine Schuhe in den \u00c4tna. Schon mit 29 Jahren bekam der gelernte Dramaturg und Doktor der Philosophie eine \u00c4sthetik-Professur in Hamburg.<\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Mit Peter Sloterdijk organisierte Brock \u00abProfi-B\u00fcrgerbewegungen\u00bb in Karlsruhe, um B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen als W\u00e4hler, Patienten oder Konsumenten zu \u00abprofessionalisieren\u00bb. Von 1981 bis zur Emeritierung 2001 hatte Brock die Professur f\u00fcr \u00c4sthetik und Kulturvermittlung an der Universit\u00e4t in Wuppertal inne.<\/p>\n<p id=\"absatz14\" class=\"em_text\">Nicht nur Beuys erweiterte den Kunstbegriff. Auch Brock trug in den 60er Jahren ma\u00dfgeblich zur \u00d6ffnung des Kunst- und \u00c4sthetikbegriffs bei &#8211; mit Ausf\u00fchrungen etwa zu Wohnstilen, Soziodesign oder Mode. Beuys und Brock veranstalteten auch zusammen Happenings und leisteten so einen wesentlichen Beitrag f\u00fcr die Performance-Kunst.<\/p>\n<p id=\"absatz15\" class=\"em_text\">Wie beschreibt Brock sich selbst? \u00abEin Mensch mit beispielhafter Geistesgegenwart\u00bb, sagt er. Und was will er? \u00abKeine ideologische Verblendung, weder links noch rechts, keine m\u00e4rchenhafte \u00dcbersteigerung, kein Mystizismus und der ganze Bl\u00f6dsinn. Sondern sagen: Wach sein, das ist alles.\u00bb<\/p>\n<p id=\"absatz16\" class=\"em_text\">In \u00f6ffentlichen Debatten meldet sich Brock weiterhin zu Wort, etwa zur Documenta 15, die 2022 von einem indonesischen Kollektiv gestaltet und wegen antisemitischer Darstellungen massiv kritisiert wurde. \u00abWir entsprechen mit dieser Documenta genau der Weltlage\u00bb, sagte Brock.<\/p>\n<p>Die Pflicht zum Optimismus<\/p>\n<p id=\"absatz17\" class=\"em_text\">Die Aufgabe der Kultur ist f\u00fcr den kantigen Denker: \u00abDie Leute zu bef\u00e4higen, sich zu entfalten, als w\u00e4ren sie unsterblich. Aber nicht im Sinne der Allmachtswahnsinnigen, der Psychopathen, sondern als w\u00e4ren sie bis zur letzten Stunde ihres Todes im Vollbesitz ihrer Aktionskraft.\u00bb<\/p>\n<p id=\"absatz18\" class=\"em_text\">F\u00fcr Brock gibt es eine Verpflichtung zum Optimismus, auch wenn einem das bei der aktuellen Weltlage schwerfalle. \u00abJeder wei\u00df, dass er einen Tag sterben wird\u00bb, sagt er. \u00abEr kann aber nicht durch die Gewissheit des Todes \u00fcberzeugt werden, \u00fcberhaupt nicht mehr zu leben. Die Gewissheit des Todes ist die Aufforderung anzufangen.\u00bb <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er nennt sich \u00abDenker im Dienst\u00bb und \u00abK\u00fcnstler ohne Werk\u00bb. Bazon Brock ist aber vor allem eines: ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1063313,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1840],"tags":[226754,296,3364,2520,29,3004,663,30,226753,6102,1209,4418],"class_list":["post-1063312","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wuppertal","tag-bazon-brock","tag-berlin","tag-de","tag-deutsche-presse-agentur","tag-deutschland","tag-documenta","tag-europa","tag-germany","tag-hochschule-der-bildenden-kuenste-saar","tag-joseph-beuys","tag-nordrhein-westfalen","tag-wuppertal"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116678331486781475","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063312","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1063312"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063312\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1063313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1063312"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1063312"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1063312"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}