{"id":1065026,"date":"2026-06-02T19:20:26","date_gmt":"2026-06-02T19:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1065026\/"},"modified":"2026-06-02T19:20:26","modified_gmt":"2026-06-02T19:20:26","slug":"erster-nachweis-von-methan-bei-einem-interstellaren-kometen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1065026\/","title":{"rendered":"Erster Nachweis von Methan bei einem interstellaren Kometen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der interstellare Komet 3I\/ATLAS hat bei seinem Flug durch das Sonnensystem \u00fcberraschend viel Methan freigesetzt \u2013 deutlich mehr, als f\u00fcr Kometen des Sonnensystems unter \u00e4hnlichen Bedingungen typisch. Das belegen neue Messdaten des James-Webb-Teleskops. Sie sind der erste Nachweis von Methan bei einem interstellaren Objekt, wie Astronomen berichten. Ebenfalls ungew\u00f6hnlich ist die verz\u00f6gerte Ausgasung des Methans \u2013 dies liefert spannende Hinweise auf die extrasolare Vergangenheit des Kometen.<\/strong><\/p>\n<p>Bisher haben Astronomen erst drei interstellare \u201eBesucher\u201c unseres Sonnensystems entdeckt und beobachtet \u2013 das Objekt 1I\/\u2019Oumuamua, den Kometen 2I\/Borisov und im Jahr 2025 den<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/astronomie-physik\/interstellarer-komet-3i-atlas-entstand-in-der-kaelte\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> interstellaren Kometen 3I\/ATLAS<\/a>. Dieser war mit rund 2,6 Kilometer Durchmesser das gr\u00f6\u00dfte, schnellste und wahrscheinlich \u00e4lteste der drei extrasolaren Himmelsk\u00f6rper. Er hat am 29. Oktober 2025 den sonnenn\u00e4chsten Punkt seiner Bahn passiert und ist seither auf dem Weg aus unserem Sonnensystem hinaus.<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend ihres kurzen Fluges durch unser Sonnensystem bieten uns solche interstellaren Objekte Einblicke in die Population kleiner extrasolarer Himmelsk\u00f6rper\u201c, erkl\u00e4ren Matthew Belyakov vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen. \u201eDeshalb gab es konzertierte Bem\u00fchungen, die Chemie der Koma von 3I\/ATLAS zu charakterisieren.\u201c Die gas- und staubreiche H\u00fclle um den Kometenkern entsteht, wenn durch Erw\u00e4rmung fl\u00fcchtige Substanzen aus dem Kern ausgasen. Bei 3I\/ATLAS haben Astronomen bereits Wasserdampf, Kohlenmonoxid (CO), ungew\u00f6hnlich viel Kohlendioxid (CO2) sowie Methanol und Cyanwasserstoff nachgewiesen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-06-02-3iatlas3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-346080 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-346080\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-02-3iatlas3-300x248.jpg\" alt=\"Methan-Spektralsignatur\" width=\"300\" height=\"248\"  \/><\/a>Mit dem MIRI-Spektrometer detektierte Spektralsignaturen von Methan (rot) in der Koma des interstellaren Kometen 3I\/ATLAS. \u00a9 Belyakov \/ The Astrophysical Journal Letters, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC-by 4.0<\/a>3I\/ATLAS setzt auch Methan frei<\/p>\n<p>Jetzt haben die Astronomen einen weiteren chemischen Bestandteil des interstellaren Kometen identifiziert: Methan (CH4). F\u00fcr ihre Analysen hatten sie 3I\/ATLAS am 16. und 27. Dezember 2025 mit dem MIRI-Spektrometer des James-Webb-Teleskops ins Visier genommen. Der interstellare Komet war zu dieser Zeit wieder auf dem Weg aus dem Sonnensystem hinaus und 329 beziehungsweise 379 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.<\/p>\n<p>Die im mittleren Infrarot aufgenommenen Spektraldaten zeigten gleich mehrere deutliche Signaturen von Methan. \u201eDies ist der erste direkte Nachweis von Methan auf einem interstellaren Objekl\u201c, schreiben die Astronomen. Bei der ersten Messung am 16. Dezember gaste 3I\/ATLAS demnach 4,2 x 10&gt;sup&gt;26 Methanmolek\u00fcle pro Sekunde aus. Diese Menge ist deutlich h\u00f6her als bisher bei Kometen des Sonnensystems gemessen, wie Belyakov und sein Team berichten. Bei der zweiten Messung zwei Wochen sp\u00e4ter war die Methan-Ausgasung jedoch nur noch halb so hoch.<\/p>\n<p>Unerwartetes Verhalten<\/p>\n<p>Das \u00dcberraschende jedoch: Methan ist ein leicht fl\u00fcchtiges Gas und h\u00e4tte daher schon bei Ann\u00e4herung des Kometen an seinen sonnenn\u00e4chsten Punkt und w\u00e4hrend dieses Perihels stark ausgasen m\u00fcssen. Doch als Belyakov und seine Kollegen in Beobachtungsdaten des James-Webb-Teleskops vom 25. August 2025 nach der Spektralsignatur von Methan suchten, war diese bei 3I\/ATLAS zwar vorhanden, aber unerwartet schwach:<\/p>\n<p>\u201eDie CH4-Werte vom August sind fast eine Gr\u00f6\u00dfenordnung niedriger, als man anhand unserer sp\u00e4teren Messungen erwarten w\u00fcrde\u201c, erkl\u00e4rt das Team. Obwohl der interstellare Komet im August der Sonne n\u00e4her war und seine Oberfl\u00e4che folglich w\u00e4rmer war, trat zu diesem Zeitpunkt weniger Methangas aus dem Kometenkern aus. \u201eMethan ist hypervolatil und hat eine signifikant niedrigere Sublimationstemperatur als CO2\u201c, erkl\u00e4ren die Astronomen. \u201eDaher h\u00e4tte Methaneis auf der Oberfl\u00e4che von 3I\/ATLAS zu diesem Zeitpunkt heftig ausgasen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Erste Erw\u00e4rmung schon im Herkunftssystem?<\/p>\n<p>Wie ist dies zu erkl\u00e4ren? Nach Ansicht der Astronomen spricht dies daf\u00fcr, dass 3I\/ATLAS schon fr\u00fcher einmal st\u00e4rker erhitzt wurde \u2013 m\u00f6glicherweise noch in seinem Heimat-Planetensystem. Dadurch gaste ein gro\u00dfer Teil des Methaneises an der Kometenoberfl\u00e4che schon damals aus. \u201eDas \u00fcbrigbleibende Reservoir urspr\u00fcnglichen Methaneises liegt deshalb in tieferen Schichten des interstellaren Kometen\u201c, mutma\u00dfen Belyakov und seine Kollegen.<\/p>\n<p>Weil die W\u00e4rme der Sonnenpassage nur langsam bis in diese tieferen Bereiche des Kometenkerns vordrang, gaste dieses Methan mit Verz\u00f6gerung aus. \u201eDieses Verhalten zeigt sich auch beim Kohlenmonoxid \u2013 das noch fl\u00fcchtiger ist als Methan\u201c, berichten die Astronomen. \u201eDie Kohlenmonoxidproduktion lag in den Dezembermessungen um das 40-Fache h\u00f6her als beim Perihel von 3I\/ATLAS.\u201c Damit liefern die neuen Messungen ein weiteres Puzzleteil in der Erforschung des interstellaren Kometen.<\/p>\n<p>Quelle: Matthew Belyakov (California Institute of Technology, Pasadena) et al., The Astrophysical Journal Letters, 2026; <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/2041-8213\/ae5700\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.3847\/2041-8213\/ae5700<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der interstellare Komet 3I\/ATLAS hat bei seinem Flug durch das Sonnensystem \u00fcberraschend viel Methan freigesetzt \u2013 deutlich mehr,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1065027,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[135],"tags":[75912,227033,29,30,80240,132175,25082,42764,10740,227034,102624,190,189,194,191,193,192],"class_list":["post-1065026","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-3i-atlas","tag-ausgasung","tag-deutschland","tag-germany","tag-interstellar","tag-interstellarer-komet","tag-james-webb-teleskop","tag-koma","tag-komet","tag-kometenkern","tag-methan","tag-science","tag-science-technology","tag-technik","tag-technology","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116682137670643498","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1065026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1065026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1065026\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1065027"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1065026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1065026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1065026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}