{"id":1065267,"date":"2026-06-02T21:44:13","date_gmt":"2026-06-02T21:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1065267\/"},"modified":"2026-06-02T21:44:13","modified_gmt":"2026-06-02T21:44:13","slug":"rene-moraldo-kuenstler-und-queerer-aktivist-in-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1065267\/","title":{"rendered":"Ren\u00e9 Moraldo: K\u00fcnstler und queerer Aktivist in D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ob mit Pinsel, Bleistift oder Kreide, ob auf Holz, Karton oder Packpapier, ob Batik, H\u00e4keleien oder Aquarelle: Die Techniken und Materialien, die der D\u00fcsseldorfer K\u00fcnstler Ren\u00e9 Moraldo nutzt, sind vielf\u00e4ltig \u2013 genau wie seine Kunstwerke, die die ganze Bandbreite seines Schaffens von den 1960er-Jahren bis heute abbilden. Darunter sind neben Fotografien, Selbstbildnissen und eigens geschneiderten Kost\u00fcmen auch Portr\u00e4ts ber\u00fchmter Musiker wie etwa Jim Morrison sowie eine Nachbildung von Claude Monets ber\u00fchmtem \u201eSeerosenteich\u201c \u2013 aus Wolle und T\u00fcll. Zeitkritische Gem\u00e4lde oder Plakate, mit denen Moraldo etwa den Ukraine-Krieg oder \u201eQueerness\u201c k\u00fcnstlerisch verarbeitet, geh\u00f6ren ebenfalls zur beeindruckenden Werkschau. Zu sehen ist diese unter dem Titel \u201eRetrospektive\u201c noch bis Ende Juni im Caritas Zentrum plus an der Eugen-Richter-Stra\u00dfe \u2013 als Zeugnis eines bewegten, facettenreichen Lebens und K\u00fcnstlerdaseins.<\/p>\n<p>Von Baden-Baden an die Kaiserswerther Stra\u00dfe      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Geboren wurde der heute 80-j\u00e4hrige Moraldo in Baden-Baden als Sohn einer Deutschen und eines franz\u00f6sischen Soldaten mit italienischen Wurzeln. Zwei Jahre sp\u00e4ter zog er nach <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/duesseldorf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00fcsseldorf<\/a> ins Haus der Gro\u00dfeltern an der Kaiserswerther Stra\u00dfe, wo er als Junge den Bau der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/theodor-heuss-bruecke\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theodor-Heuss-Br\u00fccke<\/a> im Jahr 1957 hautnah miterlebte. Schon im Kindergarten entdeckte Moraldo seine Leidenschaft f\u00fcrs Verkleiden. Lieber als mit Autos habe er mit Puppen gespielt, ihnen Z\u00f6pfe geflochten und Kost\u00fcme geschneidert, wie er erz\u00e4hlt. Seine erste Puppe sei ein Geschenk seiner Mutter gewesen. Schon fr\u00fch bemerkte sie, dass ihr Sohn \u201eanders\u201c ist und best\u00e4rkte ihn darin. Jahre sp\u00e4ter begleitete sie ihn sogar in Bars zum Tanzen. \u201eSie hat mich immer unterst\u00fctzt und war die Kraft gegen meinen Vater, der sehr streng war\u201c, sagt Moraldo. In seiner Schulzeit f\u00f6rderten Lehrer der Montessori-Schule sein Talent f\u00fcrs Malen und Modellieren. \u201eSie lie\u00dfen mich zu Weihnachten Strohsterne und Krippenfiguren basteln, w\u00e4hrend die anderen Kinder rechnen mussten\u201c.<\/p>\n<p>Ballettsch\u00fcler, Lehrling und Lehramtsstudent      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bisher habe er noch nie seine Kunst ausgestellt, \u201eeinzigartig und einmalig\u201c sei deshalb die M\u00f6glichkeit, die ihm Nana Buadze biete, die Leiterin des Zentrum plus in M\u00f6rsenbroich. Wie er verr\u00e4t, sei sein Traumberuf als Jugendlicher eigentlich nicht K\u00fcnstler, sondern Ballettt\u00e4nzer gewesen. Gerne habe er Auff\u00fchrungen im Fernsehen angeschaut, mit zw\u00f6lf Jahren habe er dann selbst zwei Jahre lang klassischen Ballettunterricht genommen \u2013 eingeweiht war nur seine Mutter.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nur widerwillig begann Moraldo danach seine Lehre zum Schaufensterdekorateur im Kaufhof an der K\u00f6 \u2013 lieber h\u00e4tte er weitergetanzt. Stattdessen lernte er, zu n\u00e4hen und Schaufenster zu bespannen. Es war keine einfache Zeit, wie er sich erinnert. \u201eUns Lehrlinge hat man ganz sch\u00f6n herumgescheucht, der Umgangston war rau.\u201c Nach einer weiteren Lehre zum Verk\u00e4ufer war er in verschiedenen namhaften H\u00e4usern t\u00e4tig \u2013 und stieg schlie\u00dflich zum Berater und Verk\u00e4ufer f\u00fcr junge Herrenmode auf. Doch Moraldo wollte mehr und holte mit Anfang 30 auf dem Abendgymnasium sein <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/abitur\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abitur<\/a> nach, um Kunst und Textilgestaltung auf Lehramt an der p\u00e4dagogischen Hochschule in Neuss zu studieren.<\/p>\n<p>Auftritte als Josephine Baker      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In seiner Freizeit ging er gerne in Bars wie das N\u00e4hk\u00f6rbchen in der Altstadt oder in Diskotheken wie das Le Pirate auf der Berger Stra\u00dfe. Besonderen Spa\u00df hatte er daran, an Karneval im Kleid und mit St\u00f6ckelschuhen durch die Stadt zu laufen \u2013 und die Blicke auf sich zu ziehen. \u201eTravestie und Collagen\u201c lautete dann sp\u00e4ter auch der Titel seiner Examensarbeit. Normalerweise habe er sich nur an Karneval als Frau verkleidet, sagt er. Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre aber macht er daraus eine Inszenierung im Caf\u00e9 Namenlos an der K\u00f6lner Stra\u00dfe, dem ersten queeren Zentrum D\u00fcsseldorfs \u2013 und schl\u00fcpft hierbei in die Rolle der S\u00e4ngerin, T\u00e4nzerin und Schauspielerin Josephine Baker, die neben der Designerin Vivienne Westwood eine seiner Ikonen ist.<\/p>\n<p>Ein Plakat zum ersten CSD in Kassel      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der Laudatio eines Freundes auf Moraldo, anl\u00e4sslich der Vernissage zur Ausstellung, sagt er, Moraldo habe sich selbst ausgestellt, ausgehalten \u201eals schwuler Mann begafft und bewertet zu werden\u201c \u2013 und sich damit aktivistisch f\u00fcr die Sichtbarkeit queerer Menschen eingesetzt. Und das tat Moraldo nicht nur auf k\u00fcnstlerische Weise, sondern auch im Schwulenreferat an der Uni D\u00fcsseldorf und sp\u00e4ter an der Uni <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kassel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kassel<\/a>. Dort organisierte er den ersten Christopher Street Day im Jahr 1992 mit und entwarf daf\u00fcr ein Plakat, das ebenfalls Teil seiner Ausstellung im Zentrum plus ist: \u201eSchwule raus aus Euren L\u00f6chern!\u201c steht darauf, zu sehen sind M\u00e4use im Versteck vor einer Katze, die \u00fcber ihnen lauert \u2013 doch eine Maus attackiert sie mutig mit einem Pfeil.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mehr als 20 Jahre lang blieb Moraldo in Kassel, wo er sich zum Ergotherapeuten umschulen lie\u00df und in diesem Beruf bis zur Rente arbeitete \u2013 um 2007 wieder nach Hause zur\u00fcckzukehren. \u201eD\u00fcsseldorf ist und bleibt meine Heimatstadt\u201c, ist er \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Renter hat er hier nun viel mehr Zeit f\u00fcr seine Kunst, sein Wohnzimmer in Derendorf ist sein Atelier. K\u00f6rperlich h\u00e4lt er sich mit Schwimmen und Gartenarbeit, geistig beim Rummikub- und Kartenspielen fit. Er trifft regelm\u00e4\u00dfig Freunde, die er teils seit Jahrzehnten kennt \u2013 und engagiert sich weiterhin sozial. So vielf\u00e4ltig wie seine Kunst und seine Interessen ist \u00fcbrigens auch sein Musikgeschmack, der von Klassik \u00fcber franz\u00f6sische Chansons von Edith Piaf oder Charles Trenet \u00fcber Jazz von Billie Holiday bis hin zu Rock von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/led-zeppelin\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Led Zeppelin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/pink-floyd\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pink Floyd<\/a> reicht und ihn auch zu seiner Kunst inspirierte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bemerkenswert ist Moraldos positiver Blick auf sein Leben, das nicht immer einfach war. Es habe etwa Arbeitgeber gegeben, die ihm nicht wohlgesonnen waren. Er erinnert sich auch an die Eltern eines Freundes, die ihrem Sohn den Kontakt zu ihm verboten h\u00e4tten. Doch alles in allem \u00fcberwiege das Positive. Noch heute ist Ren\u00e9 Moraldo gespannt darauf, immer wieder etwas Neues zu entdecken, sagt er. Und die Ausstellung sei nicht das Ende seiner Kunst, ist er sich sicher: \u201eIch mache weiter\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ob mit Pinsel, Bleistift oder Kreide, ob auf Holz, Karton oder Packpapier, ob Batik, H\u00e4keleien oder Aquarelle: Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1065268,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[2076,3364,29,3405,30,3910,227054,29969,1209,21293,27898,13885],"class_list":["post-1065267","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-ausstellung","tag-de","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-germany","tag-kuenstler","tag-moraldo","tag-moersenbroich","tag-nordrhein-westfalen","tag-rene","tag-werke","tag-zentrum"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116682704116679531","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1065267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1065267"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1065267\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1065268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1065267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1065267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1065267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}