{"id":1069542,"date":"2026-06-04T14:36:19","date_gmt":"2026-06-04T14:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1069542\/"},"modified":"2026-06-04T14:36:19","modified_gmt":"2026-06-04T14:36:19","slug":"vollgeballert-mit-gender-sex-und-trans-bei-mir-muss-man-nichts-einordnen-sagt-chris-kolonko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1069542\/","title":{"rendered":"Vollgeballert mit Gender, Sex und Trans? &#8222;Bei mir muss man nichts einordnen&#8220;, sagt Chris Kolonko"},"content":{"rendered":"<p>Die B\u00fchne unten gegen\u00fcber der gro\u00dfen Bar und Theke im Hofspielhaus scheint eine einzige Garderobe zu sein. Dutzende Kost\u00fcme h\u00e4ngen an der Wand, lugen aus Koffern. Aus Hutkartons spitzen Wuschelfedern hervor. Chris Kolonko sitzt noch ungeschminkt da, wo abendlich bis zu 70 Zuschauer sitzen werden und schaut auf die kleine Fl\u00e4che, die er bespielen wird mit \u201eSummer, Beats &amp; Travestie!\u201c. So hei\u00dft der Untertitel der kommenden drei Wochen hier.<\/p>\n<p><strong>AZ: Drei Wochen En suite? Da muss man doch ein bisschen nerv\u00f6s sein?<\/strong><br \/>CHRIS KOLONKO: Zugegeben. Aber der Grund f\u00fcr die vielen \u201eSummer Nights\u201c ist ein anderer: Ich betreibe hier so einen Aufwand, dass man das nicht dauernd auf- und abbauen kann. 85-Lichtstimmungen sind einprogrammiert, viele Dutzend Musikst\u00fccke eingespielt &#8211; und hier h\u00e4ngen Hundert Kost\u00fcme und viele Accessoires &#8211; alle an einem bestimmten Platz, dass ich alles spontan sofort finden kann.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1698196_artikelbild-75proz_1G8o7v_zpElfo.jpg\" alt=\"Chris Kolonko mit der Prinzipalin des Hofspielhauses, Christiane Brammer.\" title=\"Chris Kolonko mit der Prinzipalin des Hofspielhauses, Christiane Brammer.\" width=\"609\" height=\"714\"\/><\/p>\n<p>      Chris Kolonko mit der Prinzipalin des Hofspielhauses, Christiane Brammer.<br \/>\n      \u00a9 HSpH<\/p>\n<p>    Chris Kolonko mit der Prinzipalin des Hofspielhauses, Christiane Brammer.<\/p>\n<p>von HSpH <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p><strong>Aber das kann man doch alles an einem Showabend gar nicht ausspielen?<\/strong><br \/>Aber es sind M\u00f6glichkeiten. Ich muss auf alles reagieren k\u00f6nnen, was sich mit dem Publikum entwickelt. Das ist der Zauber der Show. Nur der Einstieg steht fest. Da kommt meine Figur \u201eBerta\u201c auf die B\u00fchne, erinnert sich, dass sie Showgirl war, zeigt ein bisschen die Kost\u00fcme und alles, was hier so rumh\u00e4ngt &#8211; und verwandelt sich in Chris. Aber ab da passiert alles auf Zuruf und aus Einf\u00e4llen &#8211; und so ergibt eins im flie\u00dfenden \u00dcbergang das andere.<\/p>\n<p>Kolonko geht nach vorne und l\u00f6st die Nebelmaschine aus. Dann f\u00fchrt er das Moderationslicht vor, dann romantische Ausleuchtungen. Hinter ihm glitzert etwas.<\/p>\n<p><strong>Ist das nicht das Glitzerkleid von Marlene, das da neben dem roten Teufelskleid h\u00e4ngt?<\/strong><br \/>Ja, aber ich habe auch ihr Kost\u00fcm aus \u201eDestry Rides Again\u201c in petto\u2026 in der Kiste hier auf der B\u00fchne. Hoffentlich kommen wir spontan auch zu Marlene mit ihren speziellen Songs und Kost\u00fcmen.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1698198_artikelbild-75proz_1G8kuV_k2xY7V.jpg\" alt=\"Chris Kolonko als Marlene Dietrich: \u201eDazu habe ich f\u00fcr diesen Abend drei Kost\u00fcme in petto.\u201c\" title=\"Chris Kolonko als Marlene Dietrich: \u201eDazu habe ich f\u00fcr diesen Abend drei Kost\u00fcme in petto.\u201c\" width=\"609\" height=\"738\"\/><\/p>\n<p>      Chris Kolonko als Marlene Dietrich: \u201eDazu habe ich f\u00fcr diesen Abend drei Kost\u00fcme in petto.\u201c<br \/>\n      \u00a9 Manuel Jacob<\/p>\n<p>    Chris Kolonko als Marlene Dietrich: \u201eDazu habe ich f\u00fcr diesen Abend drei Kost\u00fcme in petto.\u201c<\/p>\n<p>von Manuel Jacob <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p><strong>Notfalls kann man ja ein Medley machen.<\/strong><br \/>Ja, das geht, weil ich auch der DJ des Abends bin und mischen kann. Die Idee zu der \u201eChris Kolonko Summer Night\u201c ist mir gekommen, weil ich dachte: Man wei\u00df gar nicht mehr, was die Leute sehen und h\u00f6ren wollen und wie lange sie Aufmerksamkeit f\u00fcr etwas aufbringen? Jetzt kann ich elegant und schnell auf alles reagieren, auch ausblenden, wenn die Spannung nachl\u00e4sst und sofort die n\u00e4chste Idee verwirklichen. Im Zusammenspiel mit dem Publikum schaffe ich kontrollierte Chaotik &#8211; mit hohem Unterhaltungsniveau. Aber es ist keine Parodie-Revue. Es soll wie eine gro\u00dfe Party wirken, wo sich durch Gespr\u00e4che Assoziationen entwickeln, die ich dann in Kunst verwandle.<\/p>\n<p>Kolonko geht vor an ein dekoriertes Pult, auf dem ein Laptop aufgeklappt ist.<br \/>Ich kann hier hundert verschiedene Musiken abspielen &#8211; und sogar den Charakter der Begleitung bestimmen: Hall oder nicht, wie schnell, traditionell oder Dixielandversion, Cabaret oder Schlagerparade!<\/p>\n<p><strong>Aber wenn man schnell noch ein Kost\u00fcmwechsel hinbekommen muss, braucht das ja auch noch Zeit?<\/strong><br \/>Da muss dann eben auch vielleicht mal jemand aus dem Publikum Garderobiere machen.<br \/><strong>Was machen Sie, wenn das Publikum zu befangen ist?<\/strong><br \/>Ich kann das l\u00e4ssig \u00fcberbr\u00fccken, Geschichten erz\u00e4hlen \u00fcber Partnerschaft, Singlesein, Sex &#8211; und alles musikalisch illustrieren und ich kann Fragen stellen.<\/p>\n<p>Als Peter Pan ziehe ich mich fast ganz aus<\/p>\n<p><strong>Und wenn Sie einen H\u00e4nger haben?<\/strong><br \/>Nat\u00fcrlich hat man vor sowas Angst. Aber dann denke ich mir: Ich habe so viele M\u00f6glichkeiten an diesem Abend weiterzumachen, und unter Stress f\u00e4llt mir spontan oft das Beste ein\u2026 Ich kann steppen oder tanzen &#8211; bishin zu meiner Rolle als Peter Pan, wozu ich mich dann auch fast ausziehe.<\/p>\n<p><strong>Welchen Aufwand m\u00fcssen Sie \u00fcber das \u00dcben hinaus f\u00fcr das alles hier betreiben?<\/strong><br \/>Ich trainiere im Studio, schaue, dass ich Kraft habe, aber die Muskeln nicht zu stark spielen, weil das bei Travestie komisch r\u00fcberk\u00e4me, zu m\u00e4nnlich. Ich z\u00e4hle auch Kalorien und ern\u00e4hre mich so, dass alles passt.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1698197_artikelbild-50proz_1G8kuT_6Z63PT.jpg\" alt=\"Der 57-J\u00e4hrige Travestiek\u00fcnstler hatte vor 40 Jahren seinen ersten B\u00fchnenauftritt. Seit den 90ern hat Kolonko Variet\u00e9- und Dinnershows, Marlene-Dietrich-Produktionen sowie Engagements in Roncalli\u2019s Apollo Variet\u00e9 und in den GOP Variet\u00e9-Theatern. Dazu kommen eigene Comedy-Programme.\" title=\"Der 57-J\u00e4hrige Travestiek\u00fcnstler hatte vor 40 Jahren seinen ersten B\u00fchnenauftritt. Seit den 90ern hat Kolonko Variet\u00e9- und Dinnershows, Marlene-Dietrich-Produktionen sowie Engagements in Roncalli\u2019s Apollo Variet\u00e9 und in den GOP Variet\u00e9-Theatern. Dazu kommen eigene Comedy-Programme.\" width=\"406\" height=\"609\"\/><\/p>\n<p>      Der 57-J\u00e4hrige Travestiek\u00fcnstler hatte vor 40 Jahren seinen ersten B\u00fchnenauftritt. Seit den 90ern hat Kolonko Variet\u00e9- und Dinnershows, Marlene-Dietrich-Produktionen sowie Engagements in Roncalli\u2019s Apollo Variet\u00e9 und in den GOP Variet\u00e9-Theatern. Dazu kommen eigene Comedy-Programme.<\/p>\n<p>    Der 57-J\u00e4hrige Travestiek\u00fcnstler hatte vor 40 Jahren seinen ersten B\u00fchnenauftritt. Seit den 90ern hat Kolonko Variet\u00e9- und Dinnershows, Marlene-Dietrich-Produktionen sowie Engagements in Roncalli\u2019s Apollo Variet\u00e9 und in den GOP Variet\u00e9-Theatern. Dazu kommen eigene Comedy-Programme.<br \/>\n &#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Man schaut sich ins Gesicht und fragt: Kann ich das noch spielen?<\/p>\n<p><strong>Haben Sie Angst vor dem Alter?<\/strong><br \/>Ich werde 58 Jahre. Ich habe aber mit dem \u00c4lterwerden kein Problem, bis ich merke, dass ich mich l\u00e4cherlich mache. Als Entertainer besch\u00e4ftigt man sich ja ohnehin immer mit sich selbst und der Rolle, die man spielt. Man schaut sich ins Gesicht und fragt: Kann ich das noch spielen? Die Leute sollen Spa\u00df haben, aber es darf nicht albern sein. Mir gibt das Alter auch gr\u00f6\u00dfere Souver\u00e4nit\u00e4t, Angebote abzulehnen. Dieses Lebensgef\u00fchl hat man mit 30 noch nicht. Da ist man noch unsicherer. Heute wei\u00df ich, wie endlich die Zeit auf der B\u00fchne ist, und versuche Wertvolleres zu machen.<\/p>\n<p><strong>Und wenn ein Veranstalter sagt, es solle richtig unter der G\u00fcrtellinie gehen?<\/strong><br \/>Sage ich Nein. Frech ist super, witzige Lebensgeschichte erz\u00e4hle ich gerne, was auf Pointen hinausl\u00e4uft, aber Ordin\u00e4res ist nicht mein Stil. Es geht mir um Entertainment und Verwandlung.<\/p>\n<p><strong>Was ist \u201eTravestie\u201c genau?<\/strong><br \/>Eine Kunst. Ich habe \u00fcber die Jahre gek\u00e4mpft akzeptiert zu sein &#8211; auch in der eigenen Szene. Fummeltante? Tunte? Dann kamen die Drags, die grell geschminkt und \u00fcberdreht durch die Stra\u00dfen laufen. Ich dagegen mache Gay-Pride seit Jahrzehnten und zw\u00f6lf Monate im Jahr auf der B\u00fchne ohne ausdr\u00fccklich zu sagen: Ihr m\u00fcsst mich akzeptieren als das, was ich geschlechtlich bin! Ich bin das Gegenteil vom Vorurteil \u00fcber den geschminkten Mann mit Per\u00fccke, \u00fcber den man schnell lacht, der auch gar nicht viel k\u00f6nnen muss. Ich mache eine Entertainment-Kunstform: Travestie &#8211; und bin stolz, dass ich singen, tanzen, in eine andere Welt entf\u00fchren kann, mir einen pr\u00e4sentablen K\u00f6rper erarbeitet habe. Daf\u00fcr sollen mich die Leute m\u00f6gen und nicht f\u00fcr eine Ideologie.<\/p>\n<p><strong>Aber wurde auf dem Gebiet der Akzeptanz nicht schon viel erreicht?<\/strong><br \/>Einerseits ja. Es gibt gro\u00dfartige Fakten, wie dass wir einen offen homosexuellen Oberb\u00fcrgermeister haben. Aber gleichzeitig wird ja die Zahl der Gesellschaften, die alles zur\u00fcckdrehen, wieder gr\u00f6\u00dfer. Das Spielfeld wird wieder enger.<\/p>\n<p><strong>Mir scheint es aber liberaler geworden zu sein.<\/strong><br \/>Aber vielleicht denken immer noch viele kurz nach, wie sie das jetzt finden d\u00fcrfen. Denn bei Travestie geht es ja immer auch um Sexualit\u00e4t. Vielleicht war es fr\u00fcher sogar einfacher: Da sind wenige \u00fcber die Schwelle gegangen, sich sowas anzuschauen, und die waren dann aber auch freier. Mary und Gordy haben das dann vom Rotlicht-Milieu befreit. Dann kamen \u201edie Herren Damen\u201c wie im glamour\u00f6sen Berliner Theater Chez Nous. Heute ist man zugeknallt mit den ganzen Themen Sex, Geschlecht, Transgender. Das macht alle wieder nerv\u00f6ser, weil alles eingeordnet wird. Bei mir muss man das nicht, ich will auch gar nicht wissen, was der andere sexuell tut, wer oder was er ist.<\/p>\n<p><strong>Was wollen Sie?<\/strong><br \/>Einen unterhaltenden Abend, der glitzert, groovt und aus dem Ruder tanzt. Ich schaffe eine Traumwelt, verwische Grenzen zwischen Musical, Stand-up-Comedy, Cabaret oder Chanson. Und dazu haben wir auch noch Cocktails und was zu essen vorbereitet.<\/p>\n<p>bis 21. Juni, \u201eChris Kolonkos Summer Night\u201c, Mi &#8211; Sa, jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr, Karten: 35 \/ 30 Euro, hofspielhaus.de und muenchenticket, Essen f\u00fcr 15 Euro zubuchbar, Getr\u00e4nke an der Bar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die B\u00fchne unten gegen\u00fcber der gro\u00dfen Bar und Theke im Hofspielhaus scheint eine einzige Garderobe zu sein. 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