{"id":1070281,"date":"2026-06-04T22:02:24","date_gmt":"2026-06-04T22:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1070281\/"},"modified":"2026-06-04T22:02:24","modified_gmt":"2026-06-04T22:02:24","slug":"kita-kitas-in-berlin-das-grosse-quasseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1070281\/","title":{"rendered":"Kita \u2013 Kitas in Berlin: Das gro\u00dfe Quasseln"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img322169\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322169.jpeg\" alt=\"Das Vorlesen und Diskutieren von Bilderb\u00fcchern spielt im p\u00e4dagogischen Konzept f\u00fcr Kitas eine zentrale Rolle.\"\/><\/p>\n<p>Das Vorlesen und Diskutieren von Bilderb\u00fcchern spielt im p\u00e4dagogischen Konzept f\u00fcr Kitas eine zentrale Rolle.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/dpa\/Bernd Thissen<\/p>\n<p>Schw\u00e4tzen, plappern, palavern: \u00bbDialogische Interaktionen im Alltag\u00ab stehen im Zentrum des p\u00e4dagogischen Konzepts f\u00fcr Kindertagesst\u00e4tten, das Bildungssenatorin Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch (CDU) im Rahmen eines Kongresses am Mittwoch offiziell vorstellte. Gemeint ist damit, dass Erzieher Kinder in allt\u00e4glichen Situationen zum Sprechen ermuntern sollen. So soll die Sprachf\u00e4higkeit der Kinder gest\u00e4rkt werden, die als Voraussetzung f\u00fcr den Kompetenzerwerb in anderen Bereichen betrachtet wird.<\/p>\n<p>Die Bewegung von formalen Sprach\u00fcbungen hin zu alltagsintegrierter Sprachf\u00f6rderung wird in dem Bildungsprogramm als \u00bbOrientierung am Kind und seiner Lebenswelt\u00ab bezeichnet. Erzieher sollen demnach auf Interessen und kulturelle Hintergr\u00fcnde der Kinder eingehen \u2013 im Bildungsprogramm wird das am Beispiel eines Gruppengespr\u00e4chs \u00fcber das Lieblingsessen erl\u00e4utert. Kindliche \u00c4u\u00dferungen sollen aufgegriffen und vertieft werden, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1197689.bildung-berliner-kitas-quasseln-bis-sie-es-koennen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">um so das Vokabular zu erweitern<\/a>.<\/p>\n<p>\u00bbDie gezielte Anbahnung der Bildungssprache Deutsch im Kita\u2010Alltag ist eine zentrale Aufgabe der p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte\u00ab, hei\u00dft es in dem Konzept. Korrekturen von Fehlern sollen dabei subtil erfolgen. Rufe ein Kind etwa \u00bbHund laut\u00ab, solle der Erzieher es nicht ermahnen, sondern die Aussage erweitern. \u00bbStimmt, der Hund hat laut gebellt\u00ab, wird als beispielhafte Antwort genannt.<\/p>\n<p>Auch andere Sprachen als Deutsch finden im Konzept Ber\u00fccksichtigung. Verschiedene Herkunftssprachen sollten \u00bbwertgesch\u00e4tzt\u00ab werden, hei\u00dft es in dem Konzept. Mehrsprachigkeit solle als Realit\u00e4t anerkannt werden. Beispielhaft wird vorgeschlagen, dass Kinder ermutigt werden sollen, Lieder in der Sprache zu singen, die in ihrer Familie vornehmlich gesprochen wird.<\/p>\n<p>Der Fokus auf Alltagssituationen setzt sich auch in anderen Bereichen fort. Um mathematische Kompetenzen zu st\u00e4rken, sollen die Kinder etwa beim Tischdecken Z\u00e4hlen \u00fcben. Im Idealfall, so die Vorgabe, sollten mehrere Kompetenzbereiche gleichzeitig trainiert werden. Etwa, indem beim Tischdecken auch \u00fcber eine faire Aufteilung des Essens gesprochen werde, um soziale Kompetenzen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>Eine verpflichtende Sprachstanderhebung soll k\u00fcnftig erstmals im Alter von zweieinhalb Jahren erfolgen.<\/p>\n<p>&#13;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Bildungssenatorin G\u00fcnther-W\u00fcnsch nennt das Bildungsprogramm laut einer Pressemitteilung \u00bbmodern und praxisnah\u00ab. Hinter dem Fokus auf Spracherwerb d\u00fcrfte aber auch ein praktischer Beweggrund liegen: Im laufenden Jahr findet erstmals das \u00bbKita-Chancenjahr\u00ab Anwendung. Dahinter verbirgt sich eine Kita-Pflicht f\u00fcr Kinder, die nur schlecht Deutsch sprechen. K\u00fcnftig k\u00f6nnen Geldbu\u00dfen gegen Eltern verh\u00e4ngt werden, die ihr Kind trotz Sprachdefiziten nicht in eine Kita senden. Etwa 2000 Kinder sollen so j\u00e4hrlich zus\u00e4tzlich in die Kitas str\u00f6men. Zugleich ist absehbar, dass <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200001.bildung-berlin-kinderfrei.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wegen eines Geburtenr\u00fcckgangs insgesamt weniger Kinder eine Kita besuchen werden<\/a>. Der Anteil von Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache wird also perspektivisch steigen.<\/p>\n<p>Das neue p\u00e4dagogische Konzept ist eng mit einer Kompetenzerhebung verbunden, die f\u00fcr alle Kitas verpflichtend ist. Im Rahmen des sogenannten \u00bbBeokiz\u00ab-Verfahrens (\u00bbBeo\u00ab steht f\u00fcr \u00bbBeobachtung\u00ab und \u00bbkiz\u00ab f\u00fcr \u00bbkindzentriert\u00ab) sollen erstmals im Alter von zweieinhalb Jahren neben dem Sprachstand auch F\u00e4higkeiten in den Bereichen Bewegung, Soziales, Mathematik, Umwelt, Technik, Kunst und Medienbildung standardisiert erfasst werden. So soll F\u00f6rderbedarf fr\u00fcher und gezielter erkannt werden.<\/p>\n<p>Sprachstandserhebungen gibt es in Form des sogenannten Sprachlerntagebuchs zwar aktuell bereits, das neue Verfahren ist jedoch systematischer. \u00dcber jedes Kind soll demnach ein \u00bbPortfolio\u00ab erstellt werden, das Lernerfolge anhand von \u00bbMeilensteinen\u00ab dokumentiert. Als Beispiel f\u00fcr einen solchen Meilenstein im motorischen Bereich wird das Schlie\u00dfen eines Rei\u00dfverschlusses genannt.<\/p>\n<p>Dem Bildungsprogramm ging ein kontroverser Diskussionsprozess voran. Ein erster Entwurf hatte im Sommer vergangenen Jahres f\u00fcr breite Kritik von Tr\u00e4gern und Fachverb\u00e4nden gesorgt. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192657.kinderschutz-berliner-kitas-vielfalt-soll-entfallen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sexualp\u00e4dagogik werde in dem Konzept komplett ausgespart<\/a>, so der Vorwurf. Anderssprachigkeit werde den Kindern als Defizit ausgelegt, hie\u00df es in einer Stellungnahme des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbands.<\/p>\n<p>Im nun ver\u00f6ffentlichten Bildungsprogramm wird inklusive Bildung dagegen als ein \u00bbdurchg\u00e4ngiges Prinzip\u00ab bezeichnet. Neben dem Abbau von Barrieren f\u00fcr behinderte Kinder umfasse das auch die Anerkennung der Vielfalt von Sprachen, Kulturen, Geschlechtern, sozialen Lagen und F\u00e4higkeiten. Die Erzieher sollen demnach Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Diversit\u00e4t entwickeln.<\/p>\n<p>Kritik auch an der finalen Fassung gibt es trotzdem. Das neue Bildungsprogramm sei \u00bbkein Grund zum Feiern\u00ab, schreibt das B\u00fcndnis \u00bbVielfaltVerankern\u00ab, dem unter anderem die Gewerkschaften Verdi und GEW sowie verschiedene Tr\u00e4ger angeh\u00f6ren, in einer Pressemitteilung. Vielfalt verbleibe in dem Konzept ein Schlagwort, kritisiert das B\u00fcndnis. Deutsch zu sprechen, sei nicht das Einzige, was Kinder f\u00fcr ein gutes Aufwachsen br\u00e4uchten.<\/p>\n<p>\u00bbBesonders kritisch bewertet das B\u00fcndnis die zunehmende Standardisierung fr\u00fchkindlicher Bildung, insbesondere im Bereich der Sprachstandserhebungen\u00ab, hei\u00dft es weiter. Statt Messbarkeit sollten individuelle Entwicklungsverl\u00e4ufe im Fokus stehen. Das Programm m\u00fcsste durch praxisnahe Unterst\u00fctzung erg\u00e4nzt werden. \u00bbOhne diese Voraussetzungen droht, dass die bereits bestehende L\u00fccke zwischen Anspruch und Realit\u00e4t in den Einrichtungen sich weiter vergr\u00f6\u00dfert\u00ab, schreibt das B\u00fcndnis.<\/p>\n<p>Marianne Burkert-Eulitz, bildungspolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, kritisiert gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab den \u00bbintransparenten und chaotischen\u00ab Entstehungsprozess des Bildungsprogramms. \u00bbDass langj\u00e4hrige Expert*innen und Aktuere der fr\u00fchkindlichen Bildung ausgeschlossen wurden, hat unn\u00f6tig Unruhe in die Berliner Kita-Landschaft gebracht\u00ab, sagt sie. \u00bbZu begr\u00fc\u00dfen ist, dass nach entsprechend deutlichen R\u00fcckmeldungen aus der Fachwelt dei Themen Inklusion und Vielfalt nun st\u00e4rker im Bildungsprogramm verankert sind.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Vorlesen und Diskutieren von Bilderb\u00fcchern spielt im p\u00e4dagogischen Konzept f\u00fcr Kitas eine zentrale Rolle. 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