{"id":1070615,"date":"2026-06-05T01:08:21","date_gmt":"2026-06-05T01:08:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1070615\/"},"modified":"2026-06-05T01:08:21","modified_gmt":"2026-06-05T01:08:21","slug":"wie-spricht-man-mit-kindern-ueber-sexuellen-missbrauch-familien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1070615\/","title":{"rendered":"Wie spricht man mit Kindern \u00fcber sexuellen Missbrauch? | Familien"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Wie erkl\u00e4rt man seinem Kind etwas, wovon schon die Vorstellung kaum auszuhalten ist? Sexueller Missbrauch geh\u00f6rt zu den Themen, bei denen vielen Erwachsenen die Worte fehlen, aus Unsicherheit, aus Angst, vielleicht sogar aus eigener Betroffenheit.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Zu schweigen ist sicher die schlechteste aller M\u00f6glichkeiten. Denn das hie\u00dfe, die Augen zu verschlie\u00dfen vor einer tats\u00e4chlichen Gefahr: Mehr als 17.500 Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen wurden 2024 \u2013 das sind die aktuellsten vorliegenden Zahlen \u2013 polizeilich registriert. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. \u00abMit der digitalen Welt hat sich das Grundrisiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, deutlich versch\u00e4rft\u00bb, kommentierte die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, die Zahlen.<\/p>\n<p><a class=\"use-fancybox d-block\" href=\"https:\/\/www.mt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xcCszZHpWd25BUTFDTU56MGdJYkQvUWZTVmgyZ1I3bDVheEQ5eGJLd2NxdGs1UFIyYkNoZWh4R0hwWkFYTFQya1NkRWpnZnlYZ2FMSTd0UCtxSWFJYnFKYXZsWjd5ekQyb28wR3dzK3hOT3gwMVBRTzhwZjdpbzJCME05YWZCSUI\/260605-0007-urn-newsml-dpa-com-20090101-260604-935-1387366.webp%22\" data-fancybox=\"images\" data-caption=\"Stop! Meine Meinung z\u00e4hlt auch: F\u00fcr Kinder ist es wichtig, dass Eltern sie in Entscheidungen miteinbeziehen. - \u00a9 Silvia Marks\/dpa-tmn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" class=\"figure-img   margin-bottom-0\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/260605-0007-urn-newsml-dpa-com-20090101-260604-935-1387366.webp\" loading=\"lazy\" width=\"500\" alt=\"Stop! Meine Meinung z\u00e4hlt auch: F\u00fcr Kinder ist es wichtig, dass Eltern sie in Entscheidungen miteinbeziehen. - \u00a9 Silvia Marks\/dpa-tmn\"\/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Stop! Meine Meinung z\u00e4hlt auch: F\u00fcr Kinder ist es wichtig, dass Eltern sie in Entscheidungen miteinbeziehen. &#8211; \u00a9 Silvia Marks\/dpa-tmn<\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Wie also geht man in der Familie mit dem Thema am besten um? Sollte man abwarten, bis Fragen kommen? Oder das Gespr\u00e4ch aktiv suchen? Und mit welchen Worten?<\/p>\n<p>Warum es so wichtig ist, \u00fcber Gef\u00fchle zu sprechen<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">Pr\u00e4vention kann und sollte fr\u00fch beginnen und besch\u00e4ftigt sich zun\u00e4chst gar nicht konkret mit dem Thema Missbrauch. \u00abDer beste Schutz ist, Kinder ernst zu nehmen und sie darin zu best\u00e4rken, auf ihre Gef\u00fchle zu h\u00f6ren\u00bb, sagt Tanja von Bodelschwingh. Die Sozialp\u00e4dagogin leitet die Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend, kurz N.I.N.A. e.V., die ihren Sitz in Kiel hat.<\/p>\n<p><a class=\"link-img\" href=\"https:\/\/www.mt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xSkZrbm5qenlidjRuZ05UTUhWYjVSZ2JLYVRaN0UwVHVnbHpqNlNxcU9XRVQydkpGTWp0WGsxTVY0eDg0aHpnMWYxQkxXNllyVE8xdFdsL0tBVFp1dFMrU041WCtKNVNBR1ZxVkZLUDVOUWd2cCtHZDJwMnZ3dHo2VldVV01uelI\/260605-0007-urn-newsml-dpa-com-20090101-260604-935-1387368.webp\" data-fancybox=\"images\" data-caption=\"Ob f\u00fcr den eigenen K\u00f6rper oder Spielzeugpuppen: Kinder sollten nicht nur Begriffe f\u00fcr Augen, Nase, Mund, Arme und Beine selbstverst\u00e4ndlich aussprechen, sondern gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Geschlechtsorgane. - \u00a9 Andrea Warnecke\/dpa-tmn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n<img decoding=\"async\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/260605-0007-urn-newsml-dpa-com-20090101-260604-935-1387368.webp\" loading=\"lazy\" width=\"1000\" alt=\"Ob f\u00fcr den eigenen K\u00f6rper oder Spielzeugpuppen: Kinder sollten nicht nur Begriffe f\u00fcr Augen, Nase, Mund, Arme und Beine selbstverst\u00e4ndlich aussprechen, sondern gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Geschlechtsorgane. - \u00a9 Andrea Warnecke\/dpa-tmn\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ob f\u00fcr den eigenen K\u00f6rper oder Spielzeugpuppen: Kinder sollten nicht nur Begriffe f\u00fcr Augen, Nase, Mund, Arme und Beine selbstverst\u00e4ndlich aussprechen, sondern gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Geschlechtsorgane. &#8211; \u00a9 Andrea Warnecke\/dpa-tmn<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Schon im fr\u00fchen Kita-Alter k\u00f6nne man ansetzen, k\u00f6nne sein Kind dabei unterst\u00fctzen, Worte zu finden f\u00fcr Emotionen. Und es sp\u00fcren lassen, dass man diese Gef\u00fchle respektiert, dass es in Ordnung ist, wenn der Sohn oder die Tochter traurig ist oder w\u00fctend. Der Hintergrund: Nur wer benennen kann, was sich gut oder unangenehm anf\u00fchlt, kann sich dar\u00fcber mitteilen.<\/p>\n<p>Kein schamhaftes Umschreiben f\u00fcr Geschlechtsorgane<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Auch f\u00fcr ihren eigenen K\u00f6rper sollten Kinder Begriffe haben, nicht nur f\u00fcr Augen, Nase, Mund, f\u00fcr Arme und Beine, sondern gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Geschlechtsorgane. Und auch hier geht es wieder darum, sich \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen, eine Sprache zu haben f\u00fcr Dinge, die m\u00f6glicherweise passiert sind.<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Schamhaftes Umschreiben von Begriffen wie Vulva oder Penis oder peinlich ber\u00fchrte Verlegenheit der Erwachsenen bei dem Thema sei kontraproduktiv, warnt Ann-Kristin Hartz. Die Diplom-Psychologin ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von \u00abSichtbar\u00bb, einem Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt in Braunschweig. \u00abWenn Kinder das Gef\u00fchl bekommen, dass die Eltern bei dem Thema komisch reagieren, dann trauen sie sich m\u00f6glicherweise nicht mehr, mit ihnen dar\u00fcber zu sprechen\u00bb, sagt Hartz.<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">Eng damit verbunden ist das Thema Grenzen. Und auch hier geht es noch gar nicht konkret um die Situation eines sexuellen Missbrauchs. Sondern um die Grundregeln des Zusammenlebens, um den Respekt vor einem \u00abNein\u00bb. Am Thema Kitzeln lasse sich das beispielsweise gut verdeutlichen, sagt Hartz: Manche Kinder m\u00f6gen es, manche finden es furchtbar unangenehm. Grenzen sind individuell und jede und jeder hat ein Recht darauf, dass sie akzeptiert werden.<\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Entscheidend sei die Botschaft, dass Kinder jederzeit \u00abNein\u00bb sagen d\u00fcrfen \u2013 auch zu Erwachsenen, sagt Tanja von Bodelschwingh. Und ja, es k\u00f6nne durchaus sein, dass Kinder dieses Recht dann auch im Alltag einfordern, wenn es ums Z\u00e4hneputzen geht oder um die Hausaufgaben. Aber das dann auszuhandeln, sei auch ein Teil des Lernprozesses.<\/p>\n<p>Warum Warnungen nicht sch\u00fctzen<\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Was Kinder hingegen nicht sch\u00fctzt, ist Angst. Von Bodelschwingh warnt davor, sie mit allgemeinen Warnungen vor gef\u00e4hrlichen Szenarien zu verunsichern. Das mache sie nur unsicherer und leiser \u2013 und gebe ihnen im Fall eines \u00dcbergriffs m\u00f6glicherweise auch das Gef\u00fchl, selbst schuld zu sein, weil sie nicht genug aufgepasst oder an die Warnungen nicht mehr gedacht haben.<\/p>\n<p id=\"absatz14\" class=\"em_text\">Zudem vermittle der Fokus auf \u00abFremde\u00bb ein verzerrtes Bild, betont Ann-Kristin Hartz: In der Mehrzahl der Missbrauchsf\u00e4lle kommen die T\u00e4ter aus dem Familien- oder Freundeskreis. Wichtiger sei es, Kinder generell f\u00fcr Grenzverletzungen zu sensibilisieren \u2013 unabh\u00e4ngig davon, von wem sie ausgehen. Und daf\u00fcr, dass man mit seinen Eltern \u00fcber Dinge sprechen kann, die einen belasten, auch wenn jemand sagt, dass man dies nicht tun soll: \u00abKinder m\u00fcssen wissen, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt\u00bb, so Hartz.<\/p>\n<p>Schutzkonzepte checken statt Verhaltensempfehlungen<\/p>\n<p id=\"absatz15\" class=\"em_text\">Die Diplom-Psychologin h\u00e4lt hingegen wenig davon, Kindern konkrete Verhaltensempfehlungen auf den Weg zu geben, wenn sie zum ersten Mal ins Ferienlager fahren oder ins Trainingscamp mit dem Sportverein. Hartz empfiehlt Eltern stattdessen, sich vorab \u00fcber Betreuungs- und Schutzkonzepte zu informieren. Eine offene, transparente Haltung der Verantwortlichen sei dabei ein gutes Zeichen. Seinen Kindern sollte man die Botschaft mitgeben: \u00abWenn etwas nicht passt, bin ich erreichbar und du kannst mir alles erz\u00e4hlen.\u00bb<\/p>\n<p id=\"absatz16\" class=\"em_text\">Je \u00e4lter die Kinder werden, umso mehr wird auch das Thema Sexualit\u00e4t eine Rolle spielen und umso wichtiger werde, sagt Tanja von Bodelschwingh, die Aufkl\u00e4rung \u00fcber positive Sexualit\u00e4t, die Sexualit\u00e4t als Sexualit\u00e4t benenne und Gewalt als Gewalt. Und die beinhalte, \u00abdass man jederzeit Nein sagen darf, auch wenn man vorher Ja gesagt hat\u00bb. Auch die Rechtslage sollten Jugendliche kennen: \u00abEine Lehrkraft, ein Trainer oder eine Trainerin d\u00fcrfen zum Beispiel keine Beziehung mit einer schutzbefohlenen Person anfangen.\u00bb<\/p>\n<p>Ernst nehmen, statt vorschnell handeln<\/p>\n<p id=\"absatz17\" class=\"em_text\">Und was, wenn es doch passiert? Wenn das Kind etwas erz\u00e4hlt, egal ob Andeutungen oder Konkretes? Ernst nehmen und nicht wegwischen, das sei als erste Reaktion wichtig, sagt von Bodelschwingh. Auch wenn der Reflex gro\u00df ist, sofort t\u00e4tig werden zu wollen, \u00absollte man nicht vorschnell handeln, sondern \u00fcberlegt vorgehen\u00bb.<\/p>\n<p id=\"absatz18\" class=\"em_text\">Beratungsstellen wie N.I.N.A., an die man sich auch anonym wenden kann, helfen, das Geschehen einzuordnen und die n\u00e4chsten Schritte zu planen. \u00abEntscheidend ist, dem Kind zu vermitteln, dass es ernst genommen wird und nicht allein ist.\u00bb <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie erkl\u00e4rt man seinem Kind etwas, wovon schon die Vorstellung kaum auszuhalten ist? 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