{"id":1071671,"date":"2026-06-05T11:34:24","date_gmt":"2026-06-05T11:34:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1071671\/"},"modified":"2026-06-05T11:34:24","modified_gmt":"2026-06-05T11:34:24","slug":"eu-wirtschaftspolitik-europa-will-ein-ki-kontinent-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1071671\/","title":{"rendered":"EU-Wirtschaftspolitik: Europa will ein \u201eKI-Kontinent\u201c werden"},"content":{"rendered":"<p>Wichtige Daten liegen bei US-Cloud-Anbietern, Europas Autoindustrie z\u00e4hlt auf Chips aus China. Das soll sich nach dem Willen der EU-Kommission grundlegend \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Europa ist in vielen Bereichen abh\u00e4ngig von den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/USA\" title=\"USA\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a>. Sp\u00e4testens seit dem Amtsantritt von Donald Trump ist dieser Zustand ein wirtschaftliches und geopolitisches Risiko. Der US-Pr\u00e4sident nutzt solche Asymmetrien bisweilen r\u00fccksichtslos aus, um seine Machtpolitik auch gegen\u00fcber Partnern durchzusetzen. Ein solches Vorgehen bekam im vergangenen Jahr der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag zu sp\u00fcren, als Trump Sanktionen gegen mehrere Richter verh\u00e4ngte und ihren Zugang zu Amazon, Google und ihren Visa-Kreditkarten sperrte.<\/p>\n<p>Um die erdr\u00fcckende Abh\u00e4ngigkeit von den USA zumindest im digitalen Bereich zu reduzieren, stellte die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/EU\" title=\"EU\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>-Kommission in Br\u00fcssel ein F\u00f6rderpaket f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz, Clouddienste und Halbleiter vor. <\/p>\n<p>EU-Kommissionschefin warnt <\/p>\n<p>Das Vorhaben ist ambitioniert \u2013 Europa soll nach den Worten der EU-Kommission zu einem \u201e<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/KI\" title=\"KI\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">KI<\/a>-Kontinent\u201c aufsteigen. \u201eWir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, bei den Technologien, die unsere Krankenh\u00e4user am Laufen halten, unsere Energienetze stabilisieren und unsere Dienstleistungen sichern, von anderen abh\u00e4ngig zu sein\u201c, betont EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Europa fehle es nicht an Talenten, Forschungsexzellenz oder der industriellen Basis. Es sei aber notwendig, diese St\u00e4rken \u201ein technologische Souver\u00e4nit\u00e4t umzuwandeln\u201c. <\/p>\n<p>Das Paket umfasst zwei gro\u00dfe Bereiche. Einer davon ist der sogenannte \u201eChips Act 2.0\u201c. Das ist die Weiterentwicklung einer \u00e4lteren Strategie zur Entwicklung und dem Bau von Halbleitern. Ohne diese Mikrochips geht heute nichts mehr. Tausende von ihnen stecken in den modernen Autos und E-Bikes, auch Waschmaschinen oder Weltraumstationen w\u00fcrde ohne die Halbleiter nicht funktionieren. Auch die modernen KI-Anwendungen sind auf sie angewiesen. Die EU-Kommission plant nun, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen oder \u201edie Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern\u201c zu vertiefen. <\/p>\n<p>Nachbesserungen sind notwendig <\/p>\n<p>Die Nachbesserungen am ersten \u201eChips Act\u201c aus dem September 2023 sind notwendig geworden, da dessen ehrgeizige Ziele weit verfehlt worden sind. So konstatierte der Europ\u00e4ische Rechnungshof im vergangenen Jahr in einem Bericht: Es seien \u201eakzeptable Fortschritte\u201c erzielt worden, doch bestehe \u201eeine Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit\u201c. Bei der Herstellung von Chips stagniert Europas Marktanteil bei rund 10 Prozent. Offensichtlich sei die rasante Entwicklung in diesem Zukunftsbereich von den Planern in der EU-Kommission untersch\u00e4tzt worden, so die Rechnungspr\u00fcfer. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.8f92214e-fba1-4da4-aaeb-64de0dbd825c.original1024.media.jpeg\"\/>     Christian Ehler, CDU-Abgeordneter und industriepolitischer Sprecher der konservativen EVP-Fraktion    Foto: EU-Parlament\/Martin Lahousse     <\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Bereich des F\u00f6rderprogrammes beizieht sich auf ein \u201eGesetz zur Entwicklung von Cloud und KI\u201c. In diesen beiden Bereichen ist die Abh\u00e4ngigkeit von US-Unternehmen besonders gro\u00df. Die f\u00fchrenden KI-Modelle hei\u00dfen ChatGPT, Claude, Gemini oder Copilot und geh\u00f6ren den US-Unternehmen OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft. Der US-Konzern Nvidia baut Chips f\u00fcr die KI-Entwicklung. In Europa sind die Investitionen in K\u00fcnstliche Intelligenz im Vergleich gering. Die EU-Kommission will deshalb den Bau von Rechenzentren f\u00f6rdern, wo europ\u00e4ische Firmen KI-Modell mit gro\u00dfen Datenmengen trainieren k\u00f6nnen. Nach dem Willen der EU-Kommission soll die Kapazit\u00e4t der Rechenzentren in Europa in den n\u00e4chsten sieben Jahren verdreifacht werden. <\/p>\n<p>In den neuen Rechenzentren sollen auch Server f\u00fcr europ\u00e4ische Clouddienste stehen. Auch hier dominieren US-Anbieter den Markt, allen voran der Amazon-Dienst AWS und Microsoft, die 70 Prozent des europ\u00e4ischen Marktes abdecken. Br\u00fcssel will europ\u00e4ische Wettbewerber f\u00f6rdern und Regierungen wie Beh\u00f6rden dazu bewegen, bei der Speicherung von sensiblen Daten in Clouddiensten sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlen, wem die Daten anvertraut werden und mehr auf europ\u00e4ische L\u00f6sungen setzen. <\/p>\n<p>Zustimmung zu den Pl\u00e4nen kommt aus dem Europaparlament. So betonte Christian Ehler, CDU-Abgeordneter und industriepolitischer Sprecher der konservativen EVP-Fraktion: \u201eDas heute vorgestellte Paket zur technologischen Souver\u00e4nit\u00e4t ist ein Schritt in die richtige Richtung.\u201c Doch er warnt, dass der Aufbau europ\u00e4ischer Kapazit\u00e4ten nicht in eine \u201eAbschottung der europ\u00e4ischen Wirtschaft\u201c f\u00fchren d\u00fcrfe. \u201eEine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern ist und bleibt die Basis f\u00fcr unseren Wohlstand\u201c, betont Christian Ehler. <\/p>\n<p> Deutsche Industrie gibt positives Feedback <\/p>\n<p>Eine positive R\u00fcckmeldung kommt auch aus der deutschen Industrie. Dirk Binding von der Deutschen Industrie- und Handelskammer sagt, dass die EU den richtigen Weg gehe, auf die Zukunftstechnologien zu setzen. Doch er schob die Mahnung hinterher, dass technische Ziele allein nicht reichen w\u00fcrden. \u201eEuropa braucht weniger B\u00fcrokratie, verl\u00e4ssliche und bezahlbare Energie, starke digitale Kompetenzen und einen schnelleren Transfer von Forschung in die Wirtschaft\u201c, sagt Dirk Binding. Ohne diese Voraussetzungen verliere Europa im globalen Wettbewerb unweigerlich an Boden. <\/p>\n<p>Bevor die Vorschl\u00e4ge umgesetzt werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich die EU-Staaten und das Europaparlament noch damit befassen und ihnen zustimmen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wichtige Daten liegen bei US-Cloud-Anbietern, Europas Autoindustrie z\u00e4hlt auf Chips aus China. 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