{"id":1073487,"date":"2026-06-06T05:03:18","date_gmt":"2026-06-06T05:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1073487\/"},"modified":"2026-06-06T05:03:18","modified_gmt":"2026-06-06T05:03:18","slug":"innovativer-betrieb-diese-familie-hat-stuttgarts-wohl-kleinstes-haus-gebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1073487\/","title":{"rendered":"Innovativer Betrieb: Diese Familie hat Stuttgarts wohl kleinstes Haus gebaut"},"content":{"rendered":"<p> Morgens nach dem Aufstehen verl\u00e4sst Peter Hepperle f\u00fcr gew\u00f6hnlich erst einmal sein Holzhaus in Neidlingen. Er passiert den Ortskern des 1700-Seelen-Dorfs im Kreis <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Esslingen\" title=\"Esslingen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Esslingen<\/a>; die alte grau-gl\u00e4serne Schmiede, das rot-wei\u00dfe Fachwerkrathaus und die Hauptstra\u00dfe. Spaziert dann an der von B\u00e4umen ges\u00e4umten Lindach entlang, bis zum Hotel \u201eAlte Kass\u201c, das er zusammen mit Simone Hepperle, seiner Ehefrau, betreibt. \u201eIch lese dann in Ruhe Zeitung und trinke Cappuccino, dann bin ich auch ansprechbar\u201c, sagt der 56-J\u00e4hrige und grinst verschmitzt. \u201eDavor lieber nicht.\u201c<\/p>\n<p>Das bed\u00e4chtige Morgenritual ist wie ein Sinnbild f\u00fcr das Schaffen seiner ganzen Familie, die sich dem \u00f6kologischen Bauen und dem nachhaltigen, regionalen Wirtschaften verschrieben hat. Es ist die Absage an eine Welt, die auf schnell und billig setzt \u2013 statt zu nutzen, was l\u00e4ngst da ist. Vor der Haust\u00fcr, in der Region. Auf dem Feld, in der Natur. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Nachhaltigkeit\" title=\"Nachhaltigkeit\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nachhaltigkeit<\/a> als zentrales Ziel: \u201eG\u00f4ht ed, gibt\u2019s ed.\u201c <\/p>\n<p>1998 haben sich Simone und Peter Hepperle mit Holzbau Hepperle selbstst\u00e4ndig gemacht. Von Anfang an legten die gelernte Industriekauffrau aus dem Fensterfach und der Zimmerermeister ihren Fokus auf \u00f6kologisches Bauen, mit der Zeit wurden sie in den Vorgaben an sich selbst immer strenger. <\/p>\n<p>2005 baute das Paar sein eigenes Wohnhaus aus Holz, mit Strohballend\u00e4mmung \u2013 und geh\u00f6rte damit zu den Ersten in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Deutschland\" title=\"Deutschland\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a>. Die Innenw\u00e4nde ihres Hauses verputzten sie mit Lehm. Dieser Baustoff ist unter anderem geruchsbindend und feuchtigkeitsregulierend, erkl\u00e4rt Peter Hepperle. \u201eUnser Badezimmerspiegel beschl\u00e4gt nie.\u201c <\/p>\n<p>Auch bei der Haustechnik waren sie Vorreiter: Sie hatten deutschlandweit die erste Pelletbrennwertheizung, die im Unterschied zur Pelletheizung zus\u00e4tzlich die Kondensationsw\u00e4rme aus den Abgasen nutzt. Ein Kaminbauer musste extra einen entsprechenden Kamin daf\u00fcr bauen. \u201eDas war alles bissle tricky\u201c, lacht Peter Hepperle. Aufhalten l\u00e4sst er sich von solchen Dingen aber seit jeher nicht. \u201eG\u00f4ht ed, gibt\u2019s ed.\u201c<\/p>\n<p>Es folgten weitere Bauprojekte mit Stroh. Das gr\u00f6\u00dfte war der abgebrannte historische Schafstall der Ziegelh\u00fctte am Randecker Maar (Ochsenwang), den die Familie mit Strohballend\u00e4mmung wieder aufbaute. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.3cd3be0f-3e92-4829-8ca4-d189405a77a6.original1024.media.jpeg\"\/>     Das neue, strohged\u00e4mmte Geb\u00e4ude am Randecker Maar    Foto: Holzbau Hepperle    <\/p>\n<p>Die D\u00e4mmung mit Strohballen hat viele Vorteile, geht aber auch mit einer Schwierigkeit einher: Es ist zeitaufwendig, die Ballen in die Wandkonstruktion einzubringen. Deshalb haben sich Hepperles etwas einfallen lassen: Sie haben einen Strohbaustein entwickelt \u2013 eine Rahmenkonstruktion aus Buchenholz, die bereits in der Werkstatt mit einem komprimierten Strohballen gef\u00fcllt wird und dann verarbeitet werden kann. Es gibt einen ganzen Standardstein f\u00fcr die Masse, dazu kommen kleinere Anschlussmodule. Der Bausatz ist leim- und metallfrei und kann von innen direkt mit Lehm verputzt werden. J\u00fcngst haben sie ihre Erfindung als Patent eingereicht. Wie sie letztlich hei\u00dfen wird, ist noch offen, die Bezeichnung \u201eBaustein\u201c wird es wohl nicht bleiben. \u201eDas klingt mineralisch\u201c, sagt Simone Hepperle.<\/p>\n<p>Das Strohmodul k\u00f6nnte helfen, die gro\u00dfe Vision der Familie zu verwirklichen: das Stroh vom Nischenprodukt zum Baustoff f\u00fcr die Masse zu machen. \u201eStroh w\u00e4re in gro\u00dfen Massen da, es w\u00e4chst j\u00e4hrlich nach und ist klimafreundlich\u201c, schw\u00e4rmt Peter Hepperle von dem landwirtschaftlichen Nebenprodukt. Weitere Vorteile sind: hervorragende W\u00e4rmed\u00e4mmung sowie guter Schall- und Brandschutz, auch wenn der Begriff \u201eStrohfeuer\u201c anderes vermuten l\u00e4sst. \u201eWenn Stroh lose herumliegt, brennt es gut\u201c, erkl\u00e4rt Peter Hepperle. \u201eIm gepressten, verdichteten Zustand dagegen nicht.\u201c <\/p>\n<p> Keine Entsorgungsprobleme f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen <\/p>\n<p>F\u00fcr Hepperles ist das \u00f6kologische Bauen nicht nur eine Gesch\u00e4ftsidee, sondern auch Lebensphilosophie. \u201eEs ist ein angenehmes Gef\u00fchl, wenn man Materialien verarbeitet, wo man die Reste auch kompostieren kann\u201c, sagt Peter Hepperle. Anders als bei konventionellen Baustoffen entst\u00fcnden keine Entsorgungsprobleme f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen. \u201eDas ist unser \u00f6kologischer Standard.\u201c Hinzu komme die Wohngesundheit: keine Schadstoffe, regulierte Luftfeuchtigkeit, angenehmes Raumklima.<\/p>\n<p>Auch Simone und Peter Hepperles Kinder tragen diese Philosophie weiter. Als sie ihr Wohnhaus in Neidlingen bauten, waren ihre beiden S\u00f6hne noch jung. Inzwischen ist Tim, der J\u00fcngere der beiden, in den Familienbetrieb eingestiegen. Gerade baut der 27-J\u00e4hrige zusammen mit seinem Bruder Jan ein mit Strohballen ged\u00e4mmtes Haus in Holzmaden, ein paar Orte weiter. <\/p>\n<p>Seine Spezialisierung sind aber Tiny Houses. Den Auftakt machte der Zimmerermeister mit einem Projekt f\u00fcr sich selbst: F\u00fcrs Holzbau-Studium in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Biberach\" title=\"Biberach\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Biberach<\/a> brauchte er einen Platz zum <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Wohnen\" title=\"Wohnen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wohnen<\/a>. Kurzerhand baute sich Tim Hepperle sein eigenes Minihaus. Getreu der Familienphilosophie machte er bei den Materialien keine Ausnahmen, das hei\u00dft \u201erichtige W\u00e4nde statt Leichtbau\u201c \u2013 oder wie sein Vater es trocken formuliert: \u201eIch bin <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Zimmermann\" title=\"Zimmermann\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zimmermann<\/a>, kein Schachtelfalter.\u201c Am Ende wog das Tiny House 6,5 Tonnen statt der \u00fcblichen 3,5 Tonnen, die sich noch per PKW-Anh\u00e4nger transportieren lassen. Das ganze Leben des Hauses nur auf die Gewichtsoptimierung auszurichten, das finden Hepperles nicht sinnvoll.<\/p>\n<p>Inzwischen baut der Neidlinger Betrieb neben Holzh\u00e4usern etwa zwei Minih\u00e4user pro Jahr. Die Familie entwickelte eine Bodenplatte mit tragenden Holzbalken und integrierten Stahlrohren. Per Tieflader kommen die kleinen H\u00e4user dann zum gew\u00fcnschten Standort, die letzten Meter werden auf R\u00e4dern bew\u00e4ltigt, die anschlie\u00dfend wieder entfernt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.d3021a3d-c944-4a32-8a82-b49898cb5720.original1024.media.jpeg\"\/>     Tiny House unterwegs. Ein \u201eseri\u00f6ses\u201c Minihaus kostet mindestens 100.000 Euro, sagen Hepperles.    Foto: Holzbau Hepperle    <\/p>\n<p>\u201eUnsere typischen Kunden sind um die 60 Jahre alt und wollen sich verkleinern\u201c, sagt Tim Hepperle. Aber es gibt auch andere Auftr\u00e4ge. J\u00fcngst fertigte Holzbau Hepperle etwa Stuttgarts wohl kleinstes Haus, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.tiny-house-in-stuttgart-so-cool-ist-das-tiny-house-auf-einem-dach-im-stuttgarter-westen.6d579242-f582-43b2-a0bb-3244c54e7f2a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ein Tiny House auf dem Dach einer Galerie im Westen der Stadt<\/a>, das dort als G\u00e4stezimmer fungiert.<\/p>\n<p>Klein bedeutet aber nicht automatisch g\u00fcnstig. \u201eEin Tiny House vom Band f\u00fcr 30.000 Euro? Das k\u00f6nnen wir nicht\u201c, sagt Peter Hepperle. Ein seri\u00f6ses Tiny House gebe es generell nicht f\u00fcr unter 100.000 Euro, egal ob von ihnen oder anderen Produzenten. F\u00fcr die Familie geht es aber ohnehin nicht um Masse, sondern um Qualit\u00e4t und \u00dcberzeugung. \u201eIm Endeffekt verdienen das Geld andere Leute\u201c, sagt Peter Hepperle \u00fcber das \u00f6kologische Bauen insgesamt, \u201eder Landwirt, die Leute in der Region \u2013 nicht die gro\u00dfe Chemieindustrie.\u201c <\/p>\n<p>Abseits vom Holzbau hat sich die Familie vor einigen Jahren an ein weiteres Vorhaben gewagt\u2013 einen lang gehegten Traum Peter Hepperles: Sie bauten das alte VR-Abgabestellen-Geb\u00e4ude direkt neben der Kirche in Neidlingen zum Caf\u00e9haus und Hotel um. Auch bei diesem Projekt d\u00e4mmten sie mit Stroh. Sie schreiben es \u201eKaffeehaus\u201c, passend zur schw\u00e4bischen Verankerung. Entstanden sind ein gem\u00fctlicher gro\u00dfer Gastraum mit Fachwerkw\u00e4nden und viel Holz, mehrere Zimmer f\u00fcr \u00dcbernachtungsg\u00e4ste \u2013 samt raffinierter Details. So baute Peter Hepperle etwa alte Obstkisten und W\u00e4rmflaschen zu Lampenschirmen um, machte Leiter und Kleiderb\u00fcgel zur Garderobe und einen Baumstumpf zum fahrbaren Beistelltisch. Das Essen kommt von Caterern aus der Region, auch bei den Getr\u00e4nken setzt die Familie auf regionale Produzenten.<\/p>\n<p>Simone Hepperle k\u00fcmmert sich wie im Holzbau-B\u00fcro ums Administrative, richtet die Zimmer her und steht als herzliche Gastgeberin parat. Auch hier bleibt die Familie authentisch. \u201eMy English is not very good\u201c, entschuldigt sich die 55-J\u00e4hrige vor einer australisch-deutschen Hochzeitsgesellschaft etwa verschmitzt \u2013 und bricht damit das Eis. Anschlie\u00dfend hei\u00dft sie ihre G\u00e4ste tapfer in ebenjener Sprache willkommen und informiert \u00fcber das Haus. Zum Beispiel dar\u00fcber, was die Schilder an den Toilettent\u00fcren -\u201eHenna\u201c und \u201eGockeler\u201c &#8211; bedeuten. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.13e9eadb-f0f8-4568-98fc-e21ba736f1e8.original1024.media.jpeg\"\/>     Rustikales Kaffeehaus: die \u201eAlte Kass\u201c    Foto: Familie Hepperle    <\/p>\n<p>Holzhaus, Tiny House, Kaffeehaus. So sehr die umtriebige Familie an ihren Projekten auch h\u00e4ngt: Vor ein paar Jahren wurde es zu viel. \u201eWir hatten 13- bis 15-Stunden-Tage\u201c, erinnert sich Simone Hepperle. Schweren Herzens gaben sie das Kaffeehaus auf \u2013 aber nicht ganz. Als Hotel und Eventlocation steht es weiterhin zur Verf\u00fcgung \u2013 und ist gerade f\u00fcr Hochzeitsfeiern beliebt. \u201eDas muss ja auch nicht f\u00fcr immer so bleiben\u201c, sagt Peter Hepperle, dem dieser Schritt nicht leicht gefallen ist. <\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon ist eines gesetzt: Er bleibt seinem Ritual treu \u2013 der Zeitung und dem Cappuccino in den ruhigen Morgenstunden. Manchmal hat der Neidlinger sein schw\u00e4bisches Kaffeehaus dann ganz f\u00fcr sich allein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Morgens nach dem Aufstehen verl\u00e4sst Peter Hepperle f\u00fcr gew\u00f6hnlich erst einmal sein Holzhaus in Neidlingen. 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