{"id":1073603,"date":"2026-06-06T06:12:19","date_gmt":"2026-06-06T06:12:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1073603\/"},"modified":"2026-06-06T06:12:19","modified_gmt":"2026-06-06T06:12:19","slug":"rueckgang-bei-vermittlungen-immer-weniger-stuttgarter-jugendliche-in-der-cannabis-beratung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1073603\/","title":{"rendered":"R\u00fcckgang bei Vermittlungen: Immer weniger Stuttgarter Jugendliche in der Cannabis-Beratung"},"content":{"rendered":"<p>Nur wenige Jugendliche werden in die Suchtberatung zu Cannabis vermittelt. Laut Maren Pletat von Release U21 in Stuttgart liegt das an der Gesetzeslage \u2013 und an den Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Es klingt erst einmal nach einer guten Nachricht: Den Zahlen nach haben <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Jugendliche\" title=\"Jugendliche\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jugendliche<\/a> in der Region <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> weniger Probleme mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Cannabis\" title=\"Cannabis\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cannabis<\/a>. Sie ben\u00f6tigen weniger Beratung oder Pr\u00e4ventionsangebote. W\u00e4hrend im Jahr 2023 noch 135 (im Jahr 2019 waren es 154) Jugendliche an die Einzeldrogenberatung oder das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.beratungszentrum-release-in-stuttgart-u21-drogenpraevention-wird-ausgebaut.b5916f6a-46dd-4242-b0a2-51dddcc088e9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fr\u00fchinterventionsprogramm FreD<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.release-stuttgart.de\/release-u21\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Drogen- und Suchtberatung Release U21 in Stuttgart<\/a> vermittelt wurden, waren es im Jahr 2024 auf einmal nur noch halb so viele: N\u00e4mlich 63 Teilnahmen. Im vergangenen Jahr waren es sogar nur noch 39 Jugendliche aus der Region Stuttgart, die an einem solchen Programm teilgenommen haben. <\/p>\n<p>Doch die Zahlen t\u00e4uschen, warnt Maren Pletat, die die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Drogen\" title=\"Drogen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Drogen<\/a>&#8211; und Suchtberatung Release U21 in Stuttgart leitet: Die vielen leer gebliebenen Pl\u00e4tze in den Kursen ist die Folge einer Gesetzes\u00e4nderung, die am 1. April 2024 in Kraft getreten ist. Nach dem sogenannten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.legalisierung-mit-huerden-cannabis-clubs-kaempfen-mit-buerokratie-funktionaer-spricht-klartext.aef82a89-0a45-4755-a887-217dc0d675f5.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Konsumcannabisgesetz (KCanG)<\/a> ist unter anderem der Anbau und Besitz von Cannabis, zumindest f\u00fcr Erwachsene und in begrenzten Mengen erlaubt: Man darf 25 Gramm bei sich haben, 50 Gramm zu Hause lagern und drei Pflanzen selbst anbauen. <\/p>\n<p>Fr\u00fcher zog schon ein Joint eine Strafanzeige nach sich  <\/p>\n<p>Das hat auch Auswirkungen auf den Umgang mit der Droge bei Jugendlichen: Vor der Gesetzes\u00e4nderung kassierten diese noch eine Strafanzeige, wenn sie mit einem Joint erwischt wurden. Au\u00dferdem wurde gepr\u00fcft, ob der Jugendliche am Fr\u00fchinterventionsprogramm FreD f\u00fcr erstauff\u00e4llige Drogenkonsumierende teilnehmen muss und die Polizeibeamten informierten die Sorgeberechtigten und das Jugendamt. <\/p>\n<p>Seit April 2024 beschlagnahmt die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.klett-passage-in-stuttgart-mitte-polizei-nimmt-kokain-und-cannabis-dealer-fest.07c3effa-18aa-4a56-b989-7d9e9a451534.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Polizei das Cannabis<\/a> zwar immer noch. Der Besitz wird aber nicht mehr als Straftat eingestuft, sondern es gilt ein Verwaltungsverbot: Die Beamten informieren lediglich die Erziehungsberechtigten. Gibt es Anzeichen auf Kindeswohlgef\u00e4hrdung, wird der Fall an das zust\u00e4ndige Jugendamt gemeldet. Dieses organisiert dann passende Hilfsangebote wie etwa FreD. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.687cd6f5-797f-44e1-82af-98c079a158b4.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Leiterin der Drogen- und Suchtberatung Release U21 ist besorgt: Zu wenige Jugendliche nehmen an den fr\u00fchen Hilfen bei kritischem Cannabis-Konsum teil.    Foto: Arne Hartenburg    Jugendliche erhalten oft sehr sp\u00e4t eine Beratung <\/p>\n<p>Maren Pletat hat den Eindruck, dass die Polizei die Anzeichen nicht zuverl\u00e4ssig erkennt, wenn es darum geht, zu entscheiden, ab wann ein Fall dem zust\u00e4ndigen Jugendamt gemeldet wird. Die Schnittstelle zwischen Polizei, Jugendamt und Beratungsstelle funktioniere noch nicht, so Pletat: \u201eTrotz der guten Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe im Strafverfahren hakt es noch an allen Ecken und Enden.\u201c <\/p>\n<p>So sind zuvor zum Teil Jugendliche im Programm gesessen, die zum ersten Mal einen Joint in der Hand hatten und von der Polizei erwischt wurden, erz\u00e4hlt Pletat. Die Minderj\u00e4hrigen wurden dann bei FreD \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Sucht\" title=\"Sucht\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sucht<\/a> und die Droge an sich aufgekl\u00e4rt, noch bevor sie \u00fcberhaupt in riskanten Konsum oder eine Abh\u00e4ngigkeit rutschen konnten. \ufeff<\/p>\n<p>Dass weniger Jugendliche an Drogen- und Suchtberatungsstellen vermittelt werden, best\u00e4tigt auch Kriminalhauptkommissarin <a href=\"https:\/\/ppstuttgart.polizei-bw.de\/unsere-ansprechpersonen\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Daniela Treude vom Polizeipr\u00e4sidium Stuttgart<\/a>: \u201eEs wird nicht mehr standardm\u00e4\u00dfig bei jedem erstauff\u00e4lligen Drogenkonsument die Vermittlung an FreD gepr\u00fcft, sondern lediglich bei gewichtigen Anhaltspunkten f\u00fcr die Gef\u00e4hrdung des Wohls des Kindes oder des Jugendlichen.\u201c Dar\u00fcber hinaus gebe es auch weniger Vermittlungen innerhalb eines Strafverfahrens an solche fr\u00fchen Hilfen, da der klassische Konsum keine Straftat mehr sei. <\/p>\n<p> Die Sorge: Jugendliche werden h\u00e4ufiger abh\u00e4ngig <\/p>\n<p>\ufeffDie Suchtberaterin Maren Pletat bef\u00fcrchtet, dass die Folge der fehlenden Zuweisungen zu Fr\u00fchinterventionsprogrammen dazu f\u00fchren wird, dass Jugendliche h\u00e4ufiger Abh\u00e4ngigkeiten entwickeln. Erste Erkenntnisse aus der Forschung unterstreichen diese Sorge: So werden derzeit die Auswirkungen der Teillegalisierung auf Gesundheitsschutz, Kriminalit\u00e4t und Kinder- und Jugendschutz in Deutschland wissenschaftlich untersucht. Nach Angaben des Projektes Ekocan (kurz f\u00fcr \u201eEvaluation des Konsumcannabisgesetzes\u201c), liegt das Alter des Erstkonsums von Cannabis bei durchschnittlich 15 bis 16 Jahren. Rund zehn Prozent der jugendlichen Cannabiskonsumierenden berichten von einem riskanten Konsum \u2013 t\u00e4glich oder fast t\u00e4glich. <\/p>\n<p>Da sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, ist der Cannabiskonsum f\u00fcr Jugendliche besonders riskant, warnt der<a href=\"https:\/\/www.klinikum-stuttgart.de\/medizin-pflege\/sucht-abhaengiges-verhalten\/team\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Suchtmediziner Maurice Cabanis<\/a>: \u201eJe fr\u00fcher Jugendliche einsteigen und je h\u00e4ufiger sie konsumieren, desto h\u00f6her ist das Risiko f\u00fcr problematische Konsummuster, Abh\u00e4ngigkeit, Konzentrations- und Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen, Schwierigkeiten in der Schule sowie psychische Belastungen wie \u00c4ngste und depressive oder psychotische Symptome inklusiver dauerhafter Sch\u00e4digungen\u201c, sagt der \u00c4rztlicher Direktor der Klinik f\u00fcr Suchtmedizin und Abh\u00e4ngiges Verhalten am Klinikum Stuttgart. Besonders problematisch sind ein regelm\u00e4\u00dfiger Konsum, hohe THC-Gehalte und Mischkonsum, etwa mit Alkohol oder anderen Substanzen.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.356521b4-7ff2-4e02-8aed-be00fe27c579.original1024.media.jpeg\"\/>     Maurice Cabanis setzt bei der Suchtberatung auf klare Botschaften und gute Aufkl\u00e4rung.\u201c    Foto: Klinikum Stuttgart    <\/p>\n<p>Bislang hat sich die Anzahl der Zuweisungen zum Klinikum Stuttgart wegen Cannabiskonsumst\u00f6rungen nicht ver\u00e4ndert. \u201eWir erwarten nicht automatisch einen starken Anstieg bei Minderj\u00e4hrigen, sehen aber Risiken: Cannabis kann sichtbarer, verf\u00fcgbarer und gesellschaftlich akzeptierter werden.\u201c Au\u00dferdem bestehe das Risiko, dass der Konsum erst sp\u00e4t auffalle. Das hat zur Folge, dass auch die fr\u00fchen Hilfen nicht mehr rechtzeitig greifen. <\/p>\n<p> Greift die Polizei ein, belastet das die Jugendliche oft zus\u00e4tzlich  <\/p>\n<p>Trotz der Risiken h\u00e4lt es Cabanis die Teillegalisierung f\u00fcr sinnvoll \u2013 insbesondere im Hinblick auf Jugendliche \u2013 weil nun offener und weniger moralisierend \u00fcber Risiken gesprochen werden k\u00f6nne. Auch die Suchtberaterin Maren Pletat bewertet die Gesetzes\u00e4nderung grunds\u00e4tzlich als positiv: Die Strafverfolgung habe viele Jugendliche psychisch stark belastet, f\u00fcr rechtliche Stigmatisierung und auch oft f\u00fcr viel \u00c4rger mit Erziehungsberechtigten gesorgt. <\/p>\n<p>Pletat setzt daher nun die Priorit\u00e4ten anders \u2013 bis die Schnittstelle zwischen Polizei, Jugendamt und Beratung wieder besser funktioniert. So arbeitet die Drogen- und Suchtberatungsstelle in Stuttgart beispielsweise mit anderen sozialen Einrichtungen in der integrierten Jugendarbeit eng zusammen. \u201eWir sind jede Woche in der Innenstadt\u201c, erz\u00e4hlt Pletat. Dort kl\u00e4ren sie und ihr Team \u00fcber Drogen auf. Aber auch in Jugendh\u00e4usern, auf Festen oder in Schulen versucht das Team zu beraten. Au\u00dferdem informiert die Beratungsstelle auf Social Media.<\/p>\n<p> So ist die Gesetzeslage bei Cannabis <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Konsumcannabisgesetz<\/strong><br \/>Am 1. April 2024 trat in Deutschland das neue Konsumcannabisgesetz (KCanG) in Kraft. Mit diesem Gesetz wurden der private Eigenanbau von Cannabis durch Erwachsene zum Eigenkonsum sowie der gemeinschaftliche, nicht gewinnorientierte Anbau in sogenannten Anbauvereinigungen unter bestimmten Voraussetzungen legalisiert. Dar\u00fcber hinaus regelt das Gesetz die Versorgung mit Cannabis zu medizinischen Zwecken neu. Ziel der gesetzlichen Neuregelung ist es, den Jugendschutz zu st\u00e4rken, den Gesundheitsschutz zu verbessern und den illegalen Cannabis-Handel einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Jugendschutz <\/strong><br \/>Der Konsum von Cannabis ist nach dem Bet\u00e4ubungsmittelgesetz auch f\u00fcr Jugendliche straffrei. Gem\u00e4\u00df Paragraf drei des KCanG d\u00fcrfen Jugendliche jedoch keinen Umgang mit Cannabis (Erwerb, Besitz, Handel) haben. Jugendliche, die Cannabis besitzen, begehen jedoch weder eine Straftat noch eine Ordnungswidrigkeit. Es handelt sich hierbei lediglich um ein Verwaltungsverbot. Der Handel ist nach wie vor strafbar.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>FreD<\/strong><br \/>Kurzfassung f\u00fcr \u201eFr\u00fchintervention bei erstauff\u00e4lligen Drogenkonsumierenden\u201c. Es ist ein Pr\u00e4ventionsprogramm f\u00fcr Jugendliche und junge Erwachsene (meist 14\u201321 Jahre), die erstmals durch Alkohol- oder Drogenkonsum auff\u00e4llig geworden sind. Es soll dabei helfen, den eigenen Konsum zu reflektieren und einer m\u00f6glichen Abh\u00e4ngigkeitsentwicklung vorzubeugen. Das Programm besteht aus einem pers\u00f6nlichen Erstgespr\u00e4ch sowie einem Kurs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nur wenige Jugendliche werden in die Suchtberatung zu Cannabis vermittelt. 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