{"id":1074037,"date":"2026-06-06T10:24:22","date_gmt":"2026-06-06T10:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1074037\/"},"modified":"2026-06-06T10:24:22","modified_gmt":"2026-06-06T10:24:22","slug":"leinfelden-echterdingen-das-ist-doch-irrsinn-diese-bestatter-wollen-das-leinfelder-krematorium-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1074037\/","title":{"rendered":"Leinfelden-Echterdingen: \u201eDas ist doch Irrsinn\u201c: Diese Bestatter wollen das Leinfelder Krematorium retten"},"content":{"rendered":"<p> \u201eKrema\u201c, sagt Simon Brosig, wenn er vom Leinfeldener <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.vorfall-im-krematorium-rutesheim-einbrecher-knacken-geldkassette.048b1e2c-4a70-4463-b5d3-55917e68088e.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Krematorium spricht<\/a>. Er spricht das Wort fast schon liebevoll aus. Das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.baumbestattung-in-leinfelden-letzte-ruhe-unterm-blaetterdach.408ea509-0d8e-4728-88db-a1b84a3a8414.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">auf dem Waldfriedhof geh\u00f6rt seit vielen Jahren <\/a>zu seinem Berufsalltag. Seit 14 Jahren betreibt er mit seiner Frau Mirja Brosig das Bestattungsinstitut Brosig in Musberg. \u201e60 Prozent aller Kremationen in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Leinfelden\" title=\"Leinfelden\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leinfelden<\/a> in den vergangenen Jahren kamen von uns.\u201c<\/p>\n<p>Das Ehepaar m\u00f6chte Familien aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Leinfelden-Echterdingen\" title=\"Leinfelden-Echterdingen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leinfelden-Echterdingen<\/a>, aber auch aus Filderstadt, Waldenbuch, Steinenbronn und Stuttgart einen w\u00fcrdevollen Abschied von ihren Liebsten erm\u00f6glichen. Die beiden haben sich in einem umk\u00e4mpften Markt einen Namen gemacht und entsprechend viel zu tun. <\/p>\n<p>Nebenbei bereiten sie derzeit auch noch Flyer vor, die sie gemeinsam mit Kommunalpolitikern auf \u00f6rtlichen Marktpl\u00e4tzen verteilen wollen. Sie wollen ihr \u201eKrema\u201c retten. \u201eEs ist Teil einer kommunalen Daseinsf\u00fcrsorge\u201c, sagt sie. Und: \u201eEs geht nicht nur um Zahlen. Es geht um Menschen.\u201c Simon Brosig erg\u00e4nzt: \u201eMein Wunsch ist, dass durch eine gezielte Aufkl\u00e4rung der Angeh\u00f6rigen, es doch noch hundert Ein\u00e4scherung mehr pro Jahr in Leinfelden gibt.\u201c<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.8040bbad-08e7-4e3e-a491-d5b9d6715aaa.original1024.media.jpeg\"\/>     Das Ehepaar Brosig hat sich auf den Fildern einen Namen gemacht.    Foto: privat\/Markus Schwarz    <\/p>\n<p>Zur Erinnerung: <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.finanzen-in-leinfelden-echterdingen-da-haengen-emotionen-dran-das-leinfeldener-krematorium-steht-vor-dem-aus.7c3f5689-7c9e-41db-8c12-951fc3049ed1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Die klamme Stadt Leinfelden-Echterdingen \u00fcberlegt sich von dem \u201eDauerverlustbetrieb\u201c, wie Marie Lock, die Leiterin des Finanzverwaltungsamtes sagt, zu trennen<\/a>. Eine Mehrheit der Stadtr\u00e4te hat sich in einer zweiten Spar-Klausur in Leinfelden-Echterdingen daf\u00fcr ausgesprochen, das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Krematorium\" title=\"Krematorium\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krematorium<\/a> nicht mehr weiter zu betreiben. Es soll gepr\u00fcft werden, ob es ein privater Betreiber \u00fcbernehmen kann. Der Betrieb der Anlage ist eine freiwillige Leistung der Stadt \u2013 und steht damit auf dem Pr\u00fcfstand. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Es gibt auch F\u00fcrsprecher im Gemeinderat, die das Bestatter-Ehepaar unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p> 450 statt 700 Verstorbene werden pro Jahr in Leinfelden verbrannt <\/p>\n<p>700 Verstorbene k\u00f6nnten im Leinfelder Krematorium pro Jahr verbrannt werden, rechnet die Stadt vor. Tats\u00e4chlich waren es in den vergangenen Jahren im Schnitt jeweils nur 450. Das Problem: Die Konkurrenz ist gro\u00df. Krematorien in Rutesheim und Reutlingen beispielsweise haben mehrere \u00d6fen und arbeiten im Schichtbetrieb. Offenbar erhalten Bestatter auch eine Provision, wenn sie Verstorbene zu privaten Krematorien bringen. Deren H\u00f6he sei abh\u00e4ngig von der St\u00fcckzahl, berichtet Simon Brosig.<\/p>\n<p>Wenn das Leinfeldener Krematorium tats\u00e4chlich schlie\u00dft, \u201em\u00fcssen wir es machen, wie bereits viele Kollegen\u201c, sagt Simon Brosig. \u201eWir w\u00fcrden die Verstorbenen nach Reutlingen fahren.\u201c F\u00fcr das Musberger Unternehmen w\u00fcrde das bei 300 Ein\u00e4scherungen pro Jahr zus\u00e4tzlich 24.000 Kilometer an Fahrten \u00fcber die B 27 oder die A 81 bedeuten. \u201eDas ist doch Irrsinn\u201c, sagt er. Auf die Angeh\u00f6rigen w\u00fcrden dann auch h\u00f6here Kosten zukommen, weil sie dann auch die \u00dcberf\u00fchrung nach Reutlingen zahlen m\u00fcssen. Unklar ist zudem, ob die Stadt fortan den K\u00fchlraum auf dem Leinfelder Friedhof noch kostenlos anbieten wird und kann.<\/p>\n<p> Bestatter verdienen an der \u00dcberf\u00fchrung der Verstorbenen <\/p>\n<p>Das Institut k\u00f6nnte dann zwar auch mit insgesamt 90.000 Euro mehr Umsatz j\u00e4hrlich rechnen, sagt der Bestatter. Er gibt offen zu: \u201eEs rechnet sich die Verstorbenen weiter zu fahren. Der Bestatter verdient an der \u00dcberf\u00fchrung.\u201c Er sei aber nie ein gieriger Mensch gewesen, wolle vielmehr morgens noch in den Spiegel schauen k\u00f6nnen. Ihm gehe es nicht darum, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Profit auf dem R\u00fccken trauender Angeh\u00f6riger herauszuschlagen, sondern um die Einhaltung der Piet\u00e4t und um einen w\u00fcrdevollen Abschied.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.4b57a2ba-8b5a-4eae-a6bb-4ca570d7df36.original1024.media.jpeg\"\/>     Das Krematorium auf dem Leinfelder   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Waldfriedhof\" title=\"Waldfriedhof\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Waldfriedhof<\/a> steht unter Denkmalschutz.    Foto: privat    <\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr sei die von den Angeh\u00f6rigen meist liebevoll f\u00fcr die Verstorbenen ausgesuchte Kleidung, in der diese ihre letzten Reise antreten sollen. \u201eWir k\u00fcmmern uns um die Verstorbenen, wenn die Amts\u00e4rztin da war. Sie gehen so in jedem Fall gerichtet, angekleidet und w\u00fcrdevoll ins Feuer\u201c, sagt der Musberger Bestatter. M\u00f6glich sei dies, weil er und sein Team keine weite Wege zum Leinfelder Krematorium zur\u00fccklegen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Zur Erkl\u00e4rung: Bei einer Feuerbestattung m\u00fcssen die Toten, so schreibt es das Gesetz vor, von einer Amts\u00e4rztin ein zweites Mal untersucht werden. Dazu werden sie komplett ausgezogen. Ob bei gro\u00dfen, privaten Krematorien die Zeit bleibt, die Verstorbenen nach dieser Untersuchung in jeden Fall wieder anzuziehen? Diese Frage stellt das Musberger Ehepaar zumindest mal in den Raum. Beantworten k\u00f6nnen das freilich nur die Betreiber dieser Anlagen selbst.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Ehepaar Brosig steht fest: \u201eDas Krematorium in Leinfelden erm\u00f6glicht, dass Verstorbene in ihrer Heimat bleiben, keine weite Reise antreten m\u00fcssen\u201c, bevor ihre Asche auf einem \u00f6rtlichen Friedhof bestattet werden kann. Diese N\u00e4he sei bei der Trauerbew\u00e4ltigung der Familien oft entscheidend, betonen sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eKrema\u201c, sagt Simon Brosig, wenn er vom Leinfeldener Krematorium spricht. 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