{"id":10749,"date":"2025-04-06T15:27:08","date_gmt":"2025-04-06T15:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/10749\/"},"modified":"2025-04-06T15:27:08","modified_gmt":"2025-04-06T15:27:08","slug":"analoge-fotografie-als-immaterielles-unesco-kulturerbe-in-deutschland-anerkannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/10749\/","title":{"rendered":"Analoge Fotografie als immaterielles UNESCO-Kulturerbe in Deutschland anerkannt"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Analoge Fotografie als immaterielles UNESCO-Kulturerbe in Deutschland anerkannt<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die analoge Fotografie wurde erfolgreich als immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt. Die Deutsche UNESCO-Kommission best\u00e4tigte die Aufnahme und w\u00fcrdigt damit Techniken, bei denen Fotografen mit lichtempfindlichen Materialien wie Film oder Fotopapier arbeiten. Im Gegensatz zur digitalen Fotografie entstehen Bilder dabei durch chemisch-physikalische Prozesse. Oft muss das Positiv oder Negativ in der Dunkelkammer entwickelt und noch auf einem Pr\u00e4sentationsmedium, wie Fotopapier ausbelichtet werden.<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1169\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 826 \/ 1169; object-fit: cover;\" width=\"826\"\/><\/p>\n<p>Die Initiative f\u00fcr die Anerkennung ging von Claudia Determann vom Ministerium f\u00fcr Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Christian Klant vom Deutschen Fotorat und Thomas Gerwers von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Photographie (DGPh) aus. Die Entscheidung folgte einer gr\u00fcndlichen Pr\u00fcfung durch Expertinnen und Experten, die sowohl die historische Bedeutung als auch die gegenw\u00e4rtige Relevanz der analogen Fotografie bewerteten.<\/p>\n<p>Christian Klant, Arbeitsgruppenleiter der AG K\u00fcnstlerische Fotografie im Deutschen Fotorat, betont: &#8222;Die<a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/staette\/analoge-fotografie\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\"> Anerkennung der analogen Fotografie als immaterielles Kulturerbe der UNESCO<\/a> ist ein wichtiger Schritt in der <a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/aktuelles\/immaterielles-kulturerbe-in-deutschland-verzeichnis-waechst\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Bewahrung wertvollen Wissens und K\u00f6nnens handwerklicher fotografischer Verfahren<\/a>.&#8220;<\/p>\n<p>Analoge Fotografie als Teil der deutschen Geschichte<\/p>\n<p>Vor 100 Jahren<a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/100-Jahre-Leica-I-Ein-historischer-Blick-auf-die-Barnack-Erfindung-10287576.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\"> revolutionierte die Leica I die Fotografie<\/a>. Oskar Barnack erschuf mit seiner &#8222;Lilliput&#8220;-Kamera ein v\u00f6llig neues Konzept: kompakt, handlich und mit 36 Aufnahmen auf einem Film. Barnack verfolgte ein klares Ziel: Er wollte fotografieren, ohne schwere Plattenkameras und Stative zu schleppen. Seine geniale L\u00f6sung war die Drehung des 35-mm-Kinofilms um 90 Grad, wodurch das heute klassische 24\u00d736-mm-Format entstand. Die Brennweite von 50 Millimetern erwies sich als idealer Kompromiss f\u00fcr Bildqualit\u00e4t und Kameragr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Trotz anf\u00e4nglicher Skepsis wagte Ernst Leitz II 1924 die Serienproduktion mit den Worten: &#8222;Es wird riskiert.&#8220; Ein mutiger Schritt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Berufsfotografen verspotteten die Kamera als Spielzeug, doch ab 1931 machte die Leica bereits 70 Prozent des Firmenumsatzes aus.<\/p>\n<p>Barnacks Erfindung ver\u00e4nderte nicht nur die Technik, sondern auch die Art des Fotografierens: spontan, unauff\u00e4llig und dynamisch. Was zun\u00e4chst als kurioses Experiment bel\u00e4chelt wurde, definierte letztlich den Standard der Fotografie f\u00fcr ein ganzes Jahrhundert.<\/p>\n<p>Die Renaissance der analogen Fotografie<\/p>\n<p>Das analoge Fotografieren zwingt Fotografen damals wie heute zu bewusstem Arbeiten. Mit nur 36 oder weniger Aufnahmen pro Film \u00fcberlegt man zweimal, bevor man ausl\u00f6st. Schwarz-Wei\u00df-Filme k\u00f6nnen selbst entwickelt und deren Bilder im eigenen Labor zu Hause ausbelichtet werden. Farbfilme gehen dagegen meist in ein professionelles Labor. Doch auch die \u00e4lteren Techniken, wie die Fotografie auf Glas mit Fachkameras, geh\u00f6ren zum kulturellen Erbe.<\/p>\n<p>In einer Zeit digitaler Perfektion <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/ratgeber\/Renaissance-des-Analogen-9646636.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">erlebt die analoge Fotografie seit einigen Jahren ein beachtliches Comeback<\/a>, das sowohl \u00e4ltere als auch j\u00fcngere Generationen in ihren Bann zieht. Diese Anziehungskraft des Analogen liegt nicht in technischer \u00dcberlegenheit \u2013 hier dominiert klar die Digitalfotografie. Vielmehr begeistern die sinnlichen Aspekte: das sp\u00fcrbare Ausl\u00f6seger\u00e4usch, der Widerstand beim Filmtransport, der Geruch der Entwicklerchemie. Diese haptischen Erlebnisse schaffen eine emotionale Verbindung zur Fotografie, die im Digitalen oft fehlt.<\/p>\n<p>Auch der Gebrauchtmarkt zeugt von der langen und vielf\u00e4ltigen Tradition der analogen Fotografie. Man findet klassische Spiegelreflexkameras der 70er und 80er Jahre wie die Nikon FG, Point-&amp;-Shoot-Modelle wie die Olympus mju-Serie oder Mittelformatkameras von Mamiya oder Hasselblad.<\/p>\n<p>Die Filmwahl pr\u00e4gt den Charakter der Bilder entscheidend. Die Bandbreite analogen Filmmaterials wurde seit Barnacks Zeiten stark erweitert. Mit dem Start der Digitalfotografie brach die Produktion ein und Hersteller gaben die Produktion auf. Heute ist die Auswahl wieder gr\u00f6\u00dfer. Es gibt dabei unterschiedliche Arten von Filmen, beispielsweise Positivfilme, wie sie f\u00fcr Dias genutzt wurden, Schwarz-Wei\u00df-Filme wie Kodak TriX, die einen gro\u00dfen Belichtungsspielraum bieten, Farbnegativfilme wie Kodak Portra f\u00fcr nat\u00fcrliche Farben, oder auch Spezialfilme wie der Lomochrome Purple f\u00fcr experimentelle Ergebnisse.<\/p>\n<p><a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/ratgeber\/Analoge-Fotografie-Spass-am-geplanter-Zufall-mit-analogem-Filmmaterial-4959240.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Analoge Fotografie bietet auch einen enormen Raum f\u00fcr Kreativit\u00e4t und sinnliche Erfahrungen<\/a>. So wird das Unerwartete oft zum gestalterischen Element. Statt perfekter Kontrolle k\u00f6nnen Fotografen auch auf \u00dcberraschungen durch spannende Techniken setzen \u2013 beispielsweise abgelaufene Filme, Crossentwicklung und Doppelbelichtungen \u2013 die jeweils eine einzigartige \u00c4sthetik in Verbindung mit Motiv, Filmmaterial und Entwicklung liefern.<\/p>\n<p>Verpflichtungen und Ma\u00dfnahmen zum Erhalt<\/p>\n<p>Mit der Anerkennung als UNESCO-Kulturerbe verpflichtet sich Deutschland, das Wissen um die analoge Fotografie zu erhalten und weiterzugeben. Dies umfasst konkrete Ma\u00dfnahmen wie die F\u00f6rderung von Bildungsangeboten in Schulen und Universit\u00e4ten, Unterst\u00fctzung f\u00fcr Werkst\u00e4tten und Labore sowie die systematische Dokumentation traditioneller fotografischer Prozesse.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sidentin der Kulturministerkonferenz und S\u00e4chsische Staatsministerin f\u00fcr Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, sieht in der Entscheidung einen Beleg f\u00fcr die &#8222;lebendige kulturelle Vielfalt und Kreativit\u00e4t in Deutschland&#8220;.<\/p>\n<p>Christoph Wulf, Vizepr\u00e4sident der Deutschen UNESCO-Kommission, hebt die gesellschaftliche Bedeutung hervor: &#8222;Das immaterielle Kulturerbe pr\u00e4gt unser Leben und unsere Gesellschaft. Es verbindet Generationen, schl\u00e4gt Br\u00fccken zwischen ganz unterschiedlichen Menschen und st\u00e4rkt das Miteinander&#8220;.<\/p>\n<p>Zukunftsperspektiven<\/p>\n<p>Die Aufnahme in das Kulturerbe-Register unterstreicht: Analoge Fotografie stellt mehr als Nostalgie dar \u2013 sie verk\u00f6rpert ein lebendiges Kulturgut, das bewahrt und weiterentwickelt werden m\u00f6chte. Der Deutsche Fotorat plant als n\u00e4chsten Schritt, eine Plattform zu schaffen, die bestehende Initiativen zur analogen Fotografie vernetzt. Zudem will er sich f\u00fcr eine internationale Anerkennung dieser Technik einsetzen.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:cbr@heise.de\" title=\"Christine Bruns\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">cbr<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Analoge Fotografie als immaterielles UNESCO-Kulturerbe in Deutschland anerkannt Die analoge Fotografie wurde erfolgreich als immaterielles Kulturerbe in Deutschland&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10750,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,8091,214,1885,8092,30,8094,1794,8093,2856,215],"class_list":{"0":"post-10749","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-dgph","11":"tag-entertainment","12":"tag-fotografie","13":"tag-fotorat","14":"tag-germany","15":"tag-immaterielles-unesco-kulturerbe","16":"tag-kunst-und-design","17":"tag-leica","18":"tag-unesco","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114291726408746869","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10749\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}