{"id":107573,"date":"2025-05-13T14:51:11","date_gmt":"2025-05-13T14:51:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/107573\/"},"modified":"2025-05-13T14:51:11","modified_gmt":"2025-05-13T14:51:11","slug":"medikamentenpreise-lehrt-trump-jetzt-big-pharma-das-fuerchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/107573\/","title":{"rendered":"Medikamentenpreise: Lehrt Trump jetzt Big Pharma das F\u00fcrchten?"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.05.2025 15:21 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Pr\u00e4sident Trump will die hohen Medikamentenpreise in den USA dr\u00fccken. Doch wieso sind Arzneien in den USA so viel teurer als in Deutschland? Und was bedeutet das f\u00fcr die Forschung? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Zollstreit mit dem Rest der Welt ist noch nicht beigelegt, da nimmt Donald Trump schon den n\u00e4chsten Gegner ins Visier. Diesmal ist es die Pharmabranche, die den Zorn des US-Pr\u00e4sidenten auf sich zieht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Wei\u00dfe Haus hat gestern eine aggressive Preisstrategie f\u00fcr Medikamente enth\u00fcllt. Ziel ist es, die Kosten f\u00fcr verschreibungspflichtige Medikamente f\u00fcr amerikanische Verbraucher drastisch um 59 bis 90 Prozent zu senken &#8211; per Dekret.<\/p>\n<p>    Trump kritisiert das deutsche &#8222;sozialistische Gesundheitssystem&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Obwohl in den Vereinigten Staaten nur vier Prozent der Weltbev\u00f6lkerung leben, erwirtschaften Pharmaunternehmen mehr als zwei Drittel ihrer Gewinne in Amerika&#8220;, erkl\u00e4rte Trump bei der Unterzeichnung des Dekrets.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir subventionieren die Gesundheitsversorgung anderer, die nur einen Bruchteil dessen bezahlt haben, was wir zahlen&#8220;, sagte der Pr\u00e4sident und verwies explizit auf &#8222;sozialistische Gesundheitssysteme&#8220; wie jenes in Deutschland.<\/p>\n<p>    US-Verbraucher zahlen fast dreimal so viel f\u00fcr Medikamente<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTats\u00e4chlich liegen die Preise f\u00fcr verschreibungspflichtige Medikamente in den USA deutlich h\u00f6her als in anderen L\u00e4ndern. Einem aktuellen Bericht des US-Thinktanks <a href=\"https:\/\/aspe.hhs.gov\/sites\/default\/files\/documents\/8e057b0a094e6f9b9d01171fce6698f4\/international-price-comparisons.pdf\" title=\"RAND Corporation\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">RAND Corporation<\/a> zufolge sind die Preise in den USA durchschnittlich 2,78-mal so hoch wie in 33 anderen L\u00e4ndern der OECD. Im Vergleich zu Deutschland m\u00fcssen US-Verbraucher bei Arzneien sogar den 2,94-fachen Preis zahlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei Markenmedikamenten ist die Preisl\u00fccke zwischen den USA und anderen L\u00e4ndern sogar noch gr\u00f6\u00dfer: US-Amerikaner m\u00fcssen im Schnitt 4,22-mal so viel zahlen wie B\u00fcrger in vergleichbaren L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>    Insulin in den USA deutlich teurer als in Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass laut der Non-Profit-Organisation Kaiser Familiy Foundation (KFF) es 28 Prozent der Amerikaner &#8222;etwas schwer&#8220; oder &#8222;sehr schwer&#8220; f\u00e4llt, die Kosten f\u00fcr ihre verschreibungspflichtigen Medikamente zu bezahlen. Dieser Anteil steigt bei denjenigen, die vier oder mehr verschreibungspflichtige Arzneien einnehmen, auf 37 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin besonders eklatantes Beispiel f\u00fcr die hohen Medikamentenpreise in den USA ist Insulin, ein Hormon, das den Blutzucker reguliert. Insulinspritzen sind f\u00fcr Diabetiker lebensnotwendig. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/pubs\/research_reports\/RRA788-3.html\" title=\"RAND Insulin\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">RAND-Studie<\/a> von 2022 kostete Insulin in den USA knapp siebenmal so viel wie in Deutschland. Nicht umsonst hatte Kamala Harris im Wahlkampf vorgeschlagen, die Selbstbeteiligung bei Insulin auf 35 Dollar pro Monat f\u00fcr alle Amerikaner zu begrenzen.<\/p>\n<p>    Staatlich regulierte Preisbildung f\u00fcr Medikamente in Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie kommt es aber, dass die Medikamentenpreise hierzulande im Vergleich zu den USA so niedrig sind? Das liegt in erster Linie an der unterschiedlichen Preisgestaltung. In Deutschland gibt es n\u00e4mlich eine zentrale, staatlich regulierte Preisbildung f\u00fcr Medikamente, insbesondere bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Der Hersteller darf zwar zun\u00e4chst den Erstpreis festlegen, erh\u00e4lt also im ersten Jahr nach der Markteinf\u00fchrung den vollen Listenpreis &#8211; ein positiver Anreiz f\u00fcr innovative Medikamente.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch nach Markteintritt eines neuen Medikaments findet eine fr\u00fche Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) statt. Auf Basis dieser Bewertung verhandeln der Hersteller und der GKV-Spitzenverband &#8211; die gemeinsame Interessenvertretung aller gesetzlichen Krankenkassen und Pflegekassen in Deutschland &#8211; innerhalb eines Jahres einen Erstattungspreis, der dann f\u00fcr alle gesetzlichen Krankenkassen gilt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer GKV-Spitzenverband b\u00fcndelt also die Interessen der insgesamt 94 Krankenkassen in Deutschland &#8211; das sichert ihm eine starke Verhandlungsmacht gegen\u00fcber den Arzneimittelherstellern. Scheitern die Preisverhandlungen, entscheidet eine Schiedsstelle.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gesundheitskarten-112.jpg\" alt=\"Gesundheitskarten\" title=\"Gesundheitskarten | ARD-aktuell\/Andreas Weiss\"\/><\/p>\n<p>Was ist der G-BA?<\/p>\n<p>            Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen. Mitglieder bzw. Tr\u00e4gerorganisationen sind die Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahn\u00e4rztliche Bundesvereinigung (KZBV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband). <\/p>\n<p>Der G-BA entscheidet, welche medizinischen Leistungen (Medikamente, Untersuchungen, Behandlungen) von der GKV gezahlt werden. Er ist also eine Art &#8222;oberstes Entscheidungsgremium&#8220; f\u00fcr die medizinische Versorgung von \u00fcber 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland.\n        <\/p>\n<p>    Pharma-Konzerne haben in den USA &#8211; nahezu &#8211; freie Hand<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den USA gibt es dagegen keine zentrale Preisbildung. Stattdessen verhandeln einzelne Akteure individuell mit Pharmafirmen: Dabei handelt es sich in erster Linie um Versicherungen und sogenannte Pharmacy Benefit Manager &#8211; das sind einzelne Unternehmen, die als Vermittler zwischen Krankenkassen, Arzneimittelherstellern und Apotheken agieren und in den USA rund 70 Prozent der Versicherten betreuen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese wenig strukturierten Preisverhandlungen f\u00fchren dazu, dass Pharmaunternehmen in den USA die Preise weitgehend frei festlegen k\u00f6nnen. Das f\u00fchrt dann zu den enormen Preisunterschieden und h\u00e4ufig sehr hohen Kostenbeteiligungen der Patienten in den USA.<\/p>\n<p>    Nachahmer-Medikamente spielen gro\u00dfe Rolle in Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHinzu kommt: In Deutschland spielen Generika, also Nachahmer-Pr\u00e4parate, eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Rolle als in den USA. Denn die Krankenkassen legen einen Referenzpreis f\u00fcr eine Wirkstoffgruppe fest &#8211; oft basierend auf dem Preis eines oder mehrerer billiger Generika. Auch sogenannte &#8222;Me-too-Pr\u00e4parate&#8220; werden in solche Festbetragsgruppen einsortiert. Damit soll die Verwendung von Generika, die in der Regel g\u00fcnstiger als das Originalprodukt sind, gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/medikamente-176.jpg\" alt=\"verschiedene Tabletten, Pillen und Kapseln \" title=\"verschiedene Tabletten, Pillen und Kapseln  | picture alliance \/ Avanti\"\/><\/p>\n<p>Was sind Generika und Me-too-Pr\u00e4parate?<\/p>\n<p>            Ein Me-Too-Pr\u00e4parat ist ein Arzneimittel mit geringer Innovation, das also im Vergleich zu einem fr\u00fcher eingef\u00fchrten Medikament keine oder nur marginale therapeutische Unterschiede aufweist, das jedoch patentgesch\u00fctzt ist. <\/p>\n<p>Von den Me-Too-Pr\u00e4paraten abgegrenzt werden die Generika, sogenannte Nachahmer-Pr\u00e4parate, die komplett identische Wirkstoffe wie das Originalpr\u00e4parat enthalten. Generika kommen dann auf den Markt, wenn das Patent des Originalherstellers abgelaufen ist.\n        <\/p>\n<p>    Zu wenig Anreize f\u00fcr Forschung und Entwicklung?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTats\u00e4chlich ist einer der Kritikpunkte am deutschen Gesundheitssystem denn auch, dass es mit seiner gezielten F\u00f6rderung von Generika zu wenig direkte Anreize f\u00fcr Forschung und Entwicklung neuer Medikamente bietet &#8211; zumindest im Vergleich zu L\u00e4ndern wie den USA.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn diese Richtung argumentiert nicht nur Donald Trump, sondern auch Han Steutel, Pr\u00e4sident des deutschen Verbands forschender Arzneimittelhersteller: &#8222;Ohne die Erl\u00f6se in den Vereinigten Staaten w\u00e4ren Forschung und Entwicklung, w\u00e4ren neue Therapien auch f\u00fcr europ\u00e4ische Patientinnen und Patienten vielfach nicht denkbar.&#8220;<\/p>\n<p>    Hohe Erstattungen f\u00fcr innovative Therapien<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber die Realit\u00e4t sieht ein wenig differenzierter aus. So gibt es f\u00fcr Pharmaunternehmen bei Medikamenten mit nur wenig oder gar keinem zus\u00e4tzlichen Nutzen im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Pr\u00e4paraten hierzulande in der Tat nur wenig finanzielle Anreize. Anders sieht es bei Mitteln aus, f\u00fcr die ein echter medizinischer Fortschritt nachgewiesen ist. Das zeigt sich besonders bei hochinnovativen Therapien wie Krebsimmuntherapien oder auch den mRNA-Impfstoffen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo hat der G-BA f\u00fcr die Krebsmittel Nivolumab und Pembrolizumab einen &#8222;betr\u00e4chtlichen Zusatznutzen&#8220; anerkannt. Die Krankenkassen erstatten daher die hohen Jahrestherapiekosten von etwa 80.000 bis 150.000 Euro pro Patient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 13.05.2025 15:21 Uhr Pr\u00e4sident Trump will die hohen Medikamentenpreise in den USA dr\u00fccken. 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