{"id":1075967,"date":"2026-06-07T06:11:22","date_gmt":"2026-06-07T06:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1075967\/"},"modified":"2026-06-07T06:11:22","modified_gmt":"2026-06-07T06:11:22","slug":"interview-was-honorarkuerzungen-bei-psychotherapeuten-fuer-wiesbaden-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1075967\/","title":{"rendered":"Interview: Was Honorark\u00fcrzungen bei Psychotherapeuten f\u00fcr Wiesbaden bedeuten"},"content":{"rendered":"<p>Seit April m\u00fcssen die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten 4,5 Prozent Honorark\u00fcrzungen verkraften. Wie wird sich das auswirken?<\/p>\n<p>Das wird die Lage noch verschlimmern. Und es kommt noch dicker. Aufgrund des Beitragsstabilisierungsgesetzes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erwarten wir Honorark\u00fcrzungen zwischen 20 und 30 Prozent. Das wird richtig b\u00f6se. Anders als \u00c4rzte k\u00f6nnen Psychotherapeuten Einkommensdefizite nicht ausgleichen. Eine Therapiestunde dauert 50 Minuten. Wir k\u00f6nnen nicht beliebig viele Patienten am Tag versorgen. Therapie bedeutet auch f\u00fcr die Psychologen eine hohe Konzentrationsleistung. Es k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass ein Drittel der Therapiestunden nicht mehr angeboten wird, weil sie nicht verg\u00fctet werden. Viele Therapeuten werden sich fragen, wie sie noch die Miete und andere laufende Kosten bezahlen sollen. Wir rechnen auf jeden Fall mit einer Reduktion der Therapiepl\u00e4tze. M\u00f6glicherweise werden auch Kolleginnen aufgeben. <\/p>\n<p>Wie bewerten Sie die Honorark\u00fcrzung?<\/p>\n<p>Es ist ein gro\u00dfer volkswirtschaftlicher Unsinn, die Psychotherapie so einzuschr\u00e4nken. Denn es wird sicher mehr Krankschreibungen oder Fr\u00fchverrentungen geben. Wer rechnet denn da in der Politik? Und menschlich gesehen ist es eine Trag\u00f6die. Tag f\u00fcr Tag rufen uns Patienten an und berichten von ihren Leiden. Das ist auch f\u00fcr uns hochbelastend. Viele werden noch kr\u00e4nker werden. Absolut inakzeptabel ist es f\u00fcr die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Viele haben in der Corona-Zeit, als sie nicht in Schule oder Kita gehen konnten und wenig Kontakt zu Gleichaltrigen hatten, schwere Sch\u00e4den davongetragen. Die Politik versucht, sich aus der Verantwortung zu ziehen und die \u00c4nderungen mit hohem Druck durchzuboxen. Die Versicherten sollen jetzt vor der Verabschiedung des Gesetzes m\u00f6glichst noch nicht merken, was es f\u00fcr sie bedeutet. Wir hoffen, dass die Honorark\u00fcrzungen wieder zur\u00fcckgenommen werden, aber wir sehen wenig Gespr\u00e4chsbereitschaft bei Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Das emp\u00f6rt mich sehr.<\/p>\n<p>Im April haben Psychotherapeuten \u00f6ffentlich protestiert \u2013 auch in Wiesbaden. Sind weitere Aktionen geplant?<\/p>\n<p>Ja, auf allen Ebenen. Die Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung hat Klage eingereicht. Gerade gehen Psychologie-Studierende auf die Stra\u00dfe, weil sie ihre Weiterbildung gar nicht beginnen k\u00f6nnen, da die Finanzierung weiter unklar ist. Und es wird weitere Demonstrationen, Resolutionen und Pressemitteilungen geben. Wir w\u00fcnschen uns, dass auch Patientinnen und Patienten ihre Rechte bei den Krankenkassen st\u00e4rker einfordern und die Bundestagsabgeordneten aus ihrem Wahlkreis anschreiben und das Problem mit langen Wartezeiten schildern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit April m\u00fcssen die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten 4,5 Prozent Honorark\u00fcrzungen verkraften. Wie wird sich das auswirken? 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