{"id":1077663,"date":"2026-06-07T23:57:27","date_gmt":"2026-06-07T23:57:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1077663\/"},"modified":"2026-06-07T23:57:27","modified_gmt":"2026-06-07T23:57:27","slug":"pmos-jede-achte-frau-betroffen-doch-kaum-aerzte-koennen-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1077663\/","title":{"rendered":"PMOS: Jede achte Frau betroffen \u2013 doch kaum \u00c4rzte k\u00f6nnen helfen"},"content":{"rendered":"<p>Caroline sitzt in ihrer Berliner Wohnung auf dem Sofa. Mit der einen Hand h\u00e4lt sie das Handy f\u00fcr den Videocall, mit der anderen steckt sie sich Popcorn in den Mund. Gerade hat sie ihre zweij\u00e4hrige Tochter ins Bett gebracht. Es ist 21.30 Uhr, Caroline wirkt noch munter. Entspannt. Fit. <\/p>\n<p>Vor wenigen Jahren war von fit sein nicht die Rede. 2016 hatte sich Caroline, damals 28 Jahre alt, entschieden, die Pille abzusetzen. Erst blieb ihre Periode aus, dann kam sie, aber unregelm\u00e4\u00dfig. Mal nach 30 Tagen, mal nach 60, dann erst wieder nach sechs Monaten. Hinzu kamen andere Beschwerden. Sie f\u00fchlte sich wochenlang aufgebl\u00e4ht und war st\u00e4ndig m\u00fcde. &#8222;Ich h\u00e4tte jeden Tag um 19 Uhr schon schlafen gehen k\u00f6nnen&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Ihre Gyn\u00e4kologin wusste nicht weiter, ihr Hausarzt schob es auf den Stress. Sie fing selbst an, zu recherchieren und landete nach drei Jahren schlie\u00dflich bei einer Endokrinologin, die ihren Hormonspiegel untersuchte. Diagnose: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS).<\/p>\n<p>PCOS: Eine komplexe Erkrankung<\/p>\n<p>Caroline ist eine von etwa <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(26)00717-8\/fulltext\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">170 Millionen Frauen weltweit<\/a> (externer Link) mit dieser Erkrankung. Es ist eine der h\u00e4ufigsten hormonellen St\u00f6rungen unter Frauen. Wegen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Zyklus suchen Betroffene oft erst einmal bei Gyn\u00e4kologen Hilfe, doch denen fehlt meist das n\u00f6tige Fachwissen, um PCOS zu erkennen oder richtig zu behandeln. Denn PCOS ist keine rein gyn\u00e4kologische Erkrankung.<\/p>\n<p>Ein hormonelles Ungleichgewicht f\u00fchrt oft zu einer erh\u00f6hten Anzahl m\u00e4nnlicher Hormone. Betroffene k\u00f6nnen Akne oder \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Haarwuchs auf dem Bauch, R\u00fccken oder im Gesicht bekommen. Zus\u00e4tzlich beeintr\u00e4chtigt PCOS h\u00e4ufig den Zuckerstoffwechsel. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankung k\u00f6nnen die Folge sein. Ein Gro\u00dfteil der Betroffenen kann Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden und im Falle einer Schwangerschaft kann PCOS Komplikationen hervorrufen. Auch die psychische Gesundheit kann sich durch die Erkrankung verschlechtern. PCOS geht also weit \u00fcber Abnormalit\u00e4ten am Eierstock hinaus, anders als es der Name Polyzystisches Ovarialsyndrom vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u00c4rzten fehlt das n\u00f6tige Fachwissen<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe nie verstanden, warum ich damit zum Gyn\u00e4kologen gehen soll&#8220;, erz\u00e4hlt Caroline. &#8222;F\u00fcr mich hat sich das immer mehr nach einer Stoffwechselerkrankung angef\u00fchlt.&#8220; Sie hatte endlich eine Diagnose, aber die Symptome waren nach wie vor da. Ihre Endokrinologin verschrieb ihr kein passendes Medikament. Caroline hat das Gef\u00fchl, weder Gyn\u00e4kologen noch Endokrinologen f\u00fchlen sich bei PCOS zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Laut Dr. Michael Schwab sind \u00c4rzte unzureichend in dem entsprechenden Fachbereich ausgebildet: &#8222;W\u00fcnschenswert w\u00e4re, dass die Gyn\u00e4ko-Endokrinologie in der Facharzt-Weiterbildung einen etwas h\u00f6heren Stellenwert bek\u00e4me.&#8220; Schwab leitet das <a href=\"https:\/\/www.ukw.de\/frauenklinik\/kinderwunsch-zerm\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zentrum f\u00fcr gyn\u00e4kologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin<\/a> (ZERM) (externer Link) am Universit\u00e4tsklinikum W\u00fcrzburg. Nur die H\u00e4lfte aller Universit\u00e4tskliniken in Deutschland habe eine solche Fachabteilung und k\u00f6nne eine entsprechende Ausbildung anbieten, so Schwab. Doch genau diese Expertise ist n\u00f6tig, um PCOS angemessen behandeln zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Das dachte sich auch Caroline, suchte nach gyn\u00e4kologischen Endokrinologen und fand sie in einem Kinderwunschzentrum. &#8222;Ich habe mich gef\u00fchlt wie eine Hochstaplerin. Ich sa\u00df da alleine, ohne Kinderwunsch, in einem Raum voller Frauen mit Partnern, die verzweifelt versuchen, ein Kind zu kriegen.&#8220; Doch der Besuch lohnt sich: Sie geriet an eine junge Fach\u00e4rztin, die ihr ein Nahrungserg\u00e4nzungsmittel empfahl, das schon nach einem Monat zu einer deutlichen Verbesserung f\u00fchrte. Keine M\u00fcdigkeit mehr, kein Bl\u00e4hgef\u00fchl, ein regelm\u00e4\u00dfiger Zyklus. Schwab best\u00e4tigt, dass er mit dem gleichen Pr\u00e4parat Patientinnen schon erfolgreich behandeln konnte. Bei noch schwereren F\u00e4llen von PCOS muss medikament\u00f6s mittels Hormonspritzen unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>PCOS bekommt einen neuen Namen \u2013 ist das die L\u00f6sung?<\/p>\n<p>Vor einigen Wochen wurde PCOS offiziell umbenannt in PMOS \u2013 polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom. Der neue Name beschreibt die komplexen Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und Stoffwechsel besser. Schwab bezweifelt, dass der neue Name dazu beitragen wird, die Gesamtzahl der \u00c4rzte zu erh\u00f6hen, die PMOS angemessen behandeln k\u00f6nnen. Die bereits behandelnden \u00c4rzte seien sich der Komplexit\u00e4t der Krankheit bereits bewusst.<\/p>\n<p>Caroline dagegen freut sich \u00fcber die Umbenennung. Sie sagt, bisher werde ihre Diagnose nur in Kinderwunschzentren richtig ernst genommen. Vielleicht \u00e4ndert sich zumindest das mit dem neuen Namen PMOS.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Caroline sitzt in ihrer Berliner Wohnung auf dem Sofa. 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