{"id":1078537,"date":"2026-06-08T09:07:17","date_gmt":"2026-06-08T09:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1078537\/"},"modified":"2026-06-08T09:07:17","modified_gmt":"2026-06-08T09:07:17","slug":"wie-spanische-arbeiterinnen-ins-bergische-kamen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1078537\/","title":{"rendered":"Wie spanische Arbeiterinnen ins Bergische kamen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eEs ist ein unausgesprochenes und auch ein nicht gew\u00fcrdigtes Thema\u201c, sagt Mercedes Riba. Die Schriftstellerin und ihre Mitstreiter Matei Chihaia und Carmen P\u00e9rez Gonz\u00e1lez sind mit dem Projekt \u201eDer Erinnerungsfaden. Spanische Arbeiterinnen und Arbeitskultur in der Textilindustrie Nordrhein-Westfalens\u201c einen l\u00e4ngt f\u00e4lligen Schritt gegangen. Die Ankunft der ersten spanischen Arbeiterinnen in Remscheid-Lennep j\u00e4hrt sich 2026 zum 66 Mal und bleibt bis heute ein lebendiges St\u00fcck Geschichte. Bei der Ausstellungser\u00f6ffnung in der Bibliothek der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal sind neben Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung sowie den beteiligten Studierenden viele Zeitzeuginnen und ihre Angeh\u00f6rigen gekommen. F\u00fcr Carmen Klein, geb\u00fcrtige Baz Gomez, ist Deutschland zur zweiten Heimat geworden, hier hat sie eine Familie gegr\u00fcndet. Wenn ihre Stimme im animierten Film des iranst\u00e4mmigen Animationsk\u00fcnstlers Alireza Darvish bei der Er\u00f6ffnung zu h\u00f6ren ist, k\u00f6nnen viele Anwesende die Tr\u00e4nen nicht zur\u00fcckhalten. Der Film \u2013 eine Kombination aus dokumentarischen Aufnahmen und Animation \u2013 erz\u00e4hlt die Geschichte der ersten in der Tuchindustrie erfahrenen Arbeiterinnen aus dem westspanischen Bej\u00e1r.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Ausstellung bietet eine dokumentarische Rekonstruktion dessen, wie das Migrationsabkommen zwischen der spanischen und der deutschen Regierung zun\u00e4chst scheiterte, aber das spanische Migrationsinstitut an seine Stelle trat, um Arbeiter direkt an deutsche Unternehmen zu vermitteln. Der Personalchef des Unternehmens Johann W\u00fclfing und Sohn spielte eine zentrale Rolle darin, die Arbeiterinnen mit Erfahrung in Spinnerei und Tuchproduktion nach Lennep zu holen. Von ihm stammen auch die Aufnahmen von der ersten Busreise 1960, die in die Schau und den Film mit eingeflossen sind. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Ausstellung erz\u00e4hlt von der Reise: Unter damaligen Umst\u00e4nden und Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen fuhr der Bus in drei Reiseetappen aus jeweils 17 Stunden 2000 Kilometer. Die Fotos zeigen junge Frauen auf der Fahrt und an den sogenannten Versorgungsstellen, da es damals noch keine Rastst\u00e4tten gab. Einige blicken ernst, einige lachen. Der Moment, an dem sie im Bus anfangen zu singen, um sich gegenseitig Mut zu machen, ist im Film festgehalten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es war alles andere als selbstverst\u00e4ndlich und gesellschaftlich akzeptiert in der Franco-Diktatur, als junge unverheiratete Frau allein wegzuziehen. Entsprechend waren die Auflagen: Eine per Video zugeschaltete Zeitzeugin erz\u00e4hlt, dass Nonnen die Arbeiterinnen begleiteten, um ihre Sittlichkeit in Deutschland zu \u00fcberwachen. Mit Sorge und Trauer verlie\u00dfen die Frauen ihre Heimat und es war auch ein trauriges Land, das sie vorfanden, erinnert sich Mercedes Riba: \u201eDas war eine sehr traurige Gesellschaft und diese spanische Folklore hat Leben gebracht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zwischen M\u00e4rz 1960 und Oktober 1962 stellten die W\u00fclfing Werke etwa 700 Personen aus der Provinz Salamanca ein. Drei Produktionsst\u00e4tten: Die Kammgarnspinnerei in Lennep, die Tuchfabrik in Dahlerau im Tal der Wupper und die Spinnerei Hardt, Pocorny und Co. in Dahlhausen harrten der Verst\u00e4rkung. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Ausgangspunkt diente Matei Chihaia und seinen Mitstreiterinnen die Graphic Novel \u201eNieve en los bolsillos\u201c (deutsch: \u201eSchnee in den Taschen\u201c) von Joaquim Aubert Puigarnau, bekannt als Kim, erz\u00e4hlte der Professor f\u00fcr spanische und franz\u00f6sische Literaturwissenschaft. Er initiierte dazu eine Ausstellung und lernte die Forscherin Mercedes Riba aus Madrid kennen. Mit Carmen P\u00e9rez Gonz\u00e1lez vom Interdisziplin\u00e4ren Zentrum f\u00fcr Wissenschafts- und Technikforschung (IZWT) bekamen sie F\u00f6rdermittel des spanischen Ministeriums f\u00fcr Kultur im Rahmen seines Programms Hispanex.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ribas Buch \u201eDie Emigration aus B\u00e9jar nach Deutschland (1960-1973). Eine soziologische Ann\u00e4herung\u201c wurde zur Grundlage f\u00fcr die neue Ausstellung. Diese wurde von Carmen P\u00e9rez Gonz\u00e1lez mit den Studierenden der geisteswissenschaftlichen Fakult\u00e4t kuratiert. Im Oktober findet im Deutschen Werkzeugmuseum in Remscheid eine wissenschaftliche Tagung und im Museum Haus Cleff eine erweiterte Schau statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eEs ist ein unausgesprochenes und auch ein nicht gew\u00fcrdigtes Thema\u201c, sagt Mercedes Riba. 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