{"id":1081338,"date":"2026-06-09T12:14:20","date_gmt":"2026-06-09T12:14:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1081338\/"},"modified":"2026-06-09T12:14:20","modified_gmt":"2026-06-09T12:14:20","slug":"fcas-kampfjetprojekt-gescheitert-europa-verliert-sein-groesstes-ruestungsvorhaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1081338\/","title":{"rendered":"FCAS-Kampfjetprojekt gescheitert: Europa verliert sein gr\u00f6\u00dftes R\u00fcstungsvorhaben"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/shutterstock_2398057381-8ba270c9f917f562.jpeg\"  width=\"5315\" height=\"2986\"  alt=\"Kampfjet von vorne\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Vorerst bleibt es beim Eurofighter: Das FCAS-Projekt ist Geschichte<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0R.Sanchez aviation photo\/<a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/german-eurofighter-air-photo-shot-2398057381?trackingId=be499bc8-a559-4400-8d50-28788ba4a60c&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Frankreich und Deutschland begraben nach jahrelangem Streit zwischen Airbus und Dassault das 100-Milliarden-Euro-Projekt. Was nun?<\/p>\n<p>Deutschland und Frankreich haben das gemeinsame Projekt zur Entwicklung eines neuen Kampfjets offiziell beendet. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron kamen am Rande des EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro vergangene Woche zu dem gemeinsamen Schluss, dass die beteiligten Unternehmen keine Einigung erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Merz habe Macron daraufhin nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiterzuverfolgen, hie\u00df es aus Kreisen der Bundesregierung. Der \u00c9lys\u00e9e-Palast best\u00e4tigte die Entscheidung wenige Stunden sp\u00e4ter, wie die Nachrichtenagentur Reuters <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/german-french-leaders-unable-resolve-fcas-fighter-jet-dispute-sources-say-2026-06-08\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">berichtet<\/a>.<\/p>\n<p>Industriestreit als Knackpunkt<\/p>\n<p>Das &#8222;Future Combat Air System&#8220; (FCAS) \u2013 zu Deutsch: zuk\u00fcnftiges Luftkampfsystem \u2013 war 2017 von Macron und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen worden.<\/p>\n<p>Es sollte das bislang gr\u00f6\u00dfte und teuerste europ\u00e4ische R\u00fcstungsprojekt werden, mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden Euro. Kernst\u00fcck war ein neuer Kampfjet, der ab sp\u00e4testens 2040 die von Deutschland und Spanien genutzten Eurofighter sowie die franz\u00f6sischen Rafale-Kampfflugzeuge ersetzen sollte.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt werden sollte das System durch unbemannte Drohnen und eine sogenannte &#8222;Combat Cloud&#8220; \u2013 ein hochgesichertes Kommunikationsnetz zur Vernetzung von Kampfflugzeugen und unbemannten Systemen.<\/p>\n<p>Das Scheitern des Projekts hat weniger politische als wirtschaftliche Ursachen. Im Zentrum des Konflikts stand ein monatelanger Streit zwischen dem deutschen Projektpartner Airbus, der auch spanische Interessen vertrat, und dem franz\u00f6sischen R\u00fcstungskonzern Dassault Aviation.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Gestritten wurde vor allem um die Frage der F\u00fchrungsrolle. Urspr\u00fcnglich war eine Kooperation auf Augenh\u00f6he vereinbart worden, doch Dassault-Chef \u00c9ric Trappier beharrte wiederholt darauf, dass nur sein Unternehmen die n\u00f6tige Kernkompetenz besitze und ihm daher die Rolle des Chefarchitekten zustehe. Airbus hingegen bestand auf einer gleichberechtigten Partnerschaft mit substanziellem Technologietransfer.<\/p>\n<p>Hinzu kamen unterschiedliche Anforderungen an das Flugzeug selbst: Frankreich ben\u00f6tigte eine Maschine, die Nuklearwaffen tragen und auf Flugzeugtr\u00e4gern landen kann \u2013 Anforderungen, die Deutschland f\u00fcr seine Luftwaffe ausdr\u00fccklich nicht teilt. Merz hatte bereits im Februar \u00f6ffentlich infrage gestellt, ob die Entwicklung eines bemannten Kampfjets der sechsten Generation f\u00fcr Deutschland \u00fcberhaupt noch sinnvoll sei.<\/p>\n<p>Deutschland und Frankreich hatten versucht, zwischen den Konzernen zu vermitteln, zuletzt auch mittels einer im M\u00e4rz eingesetzten Schlichtungskommission mit je einem Vertreter beider L\u00e4nder \u2013 ohne Erfolg. &#8222;FCAS war seit drei Jahren auf Lebenserhaltung&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/german-french-leaders-unable-resolve-fcas-fighter-jet-dispute-sources-say-2026-06-08\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sagte<\/a> der britische Verteidigungsanalyst Francis Tusa unter Verwendung des franz\u00f6sischen Akronyms SCAF.<\/p>\n<p>Kein gutes Signal nach au\u00dfen<\/p>\n<p>Das Ende des Projekts kommt f\u00fcr die EU zur Unzeit. Europa setzt sich und seine R\u00fcstungsindustrie als Teil der &#8222;Zeitenwende&#8220; zunehmend unter Druck, w\u00e4hrend die USA auf mehr Eigenst\u00e4ndigkeit dr\u00e4ngen. &#8222;Das ist kaum ein ideales Signal \u2013 weder nach Washington noch nach Moskau&#8220;, sagte Douglas Barrie, leitender Wissenschaftler f\u00fcr Milit\u00e4rluftfahrt beim Londoner Thinktank IISS.<\/p>\n<p>Das Scheitern des Projekts erinnert an Frankreichs R\u00fcckzug aus dem Eurofighter-Programm in den 1980er Jahren und unterstreiche die Schwierigkeiten, mit denen Europa beim Aufbau seiner Milit\u00e4rkapazit\u00e4ten nach Jahrzehnten mangelnder Investitionen konfrontiert sei, so Reuters.<\/p>\n<p>Politische Reaktionen in Deutschland<\/p>\n<p>Innerhalb der schwarz-roten Koalition wurde die Entscheidung \u00fcberwiegend als richtig, wenn auch bedauerlich eingestuft. Thomas R\u00f6wekamp, CDU-Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, <a href=\"https:\/\/regionalheute.de\/roewekamp-fordert-nach-fcas-aus-neue-ruestungskooperationen-1780983782\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sagte<\/a>, es sei gut, dass nach Jahren der Blockaden nun Klarheit herrsche. &#8222;Jetzt sollten wir die Chance nutzen, neue und tragf\u00e4hige Kooperationen auf Augenh\u00f6he zu schmieden, die technologischen Fortschritt und industrielle Souver\u00e4nit\u00e4t Europas st\u00e4rken&#8220;, so R\u00f6wekamp.<\/p>\n<p>Der CSU-Verteidigungspolitiker Thomas Erndl bezeichnete das Scheitern der Zusammenarbeit zwischen Airbus und Dassault in der Augsburger Allgemeinen als &#8222;wegweisende und richtige Entscheidung&#8220; und forderte eine rasche Pr\u00fcfung alternativer Partner.<\/p>\n<p>SPD-Verteidigungspolitiker Christoph Schmid sieht in der Entscheidung &#8222;eher einen Vorteil, weil jetzt Klarheit herrscht&#8220;, und pl\u00e4dierte f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Gro\u00dfbritannien, Italien, Japan und Schweden sowie daf\u00fcr, Spanien als bisherigen FCAS-Partner nicht zu vergessen. Eine rein deutsche L\u00f6sung halte er nicht f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p>Kritik kam aus der Opposition: Gr\u00fcnen-Parteichefin Franziska Brantner <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/verteidigung-gruene-werfen-der-bundesregierung-nach-fcas-aus-versagen-vor\/100231326.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sprach<\/a> im Handelsblatt von einem &#8222;schweren R\u00fcckschlag f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik in einer zunehmend gef\u00e4hrlichen Welt&#8220; und machte auch die Bundesregierung f\u00fcr das Scheitern mitverantwortlich. &#8222;Wo die Industrie blockiert, ist es Aufgabe der Politik, F\u00fchrung zu zeigen und durchzusetzen&#8220;, betonte sie.<\/p>\n<p>Die IG Metall begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung ausdr\u00fccklich. Es sei seit Monaten klar gewesen, dass Dassault und Airbus nicht auf Augenh\u00f6he zusammenarbeiten k\u00f6nnten, erkl\u00e4rte J\u00fcrgen Kerner, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft: &#8222;Ich m\u00f6chte Friedrich Merz f\u00fcr diese schwierige, aber notwendige Entscheidung danken, die im Interesse Deutschlands als Luftfahrtstandort und der Belegschaft ist.&#8220;<\/p>\n<p>Plan B f\u00fcr die Bundeswehr<\/p>\n<p>Die Bundeswehr steht nun vor der Frage, wie sie den Eurofighter langfristig ersetzen soll. Als kurzfristige \u00dcbergangsl\u00f6sung k\u00f6nnte die Luftwaffe laut einem Bericht des Spiegel zus\u00e4tzliche Maschinen des US-Typs F-35 beschaffen.<\/p>\n<p>Diese sind nuklearwaffenf\u00e4hig, wobei der Einsatzbefehl f\u00fcr die Sprengk\u00f6pfe bei den USA verbleibt. Gro\u00dfbritannien scheidet als neuer Kooperationspartner weitgehend aus, da es bereits gemeinsam mit Japan und Italien am Projekt GCAP (Global Combat Air Programme) arbeitet. Als m\u00f6glicher neuer Partner gilt Schweden mit dem R\u00fcstungsunternehmen Saab, das \u00fcber Erfahrung im Milit\u00e4rflugzeugbau verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Ganz vom Tisch ist das FCAS-Projekt nicht. Aus deutschen Regierungskreisen hie\u00df es, zumindest die Entwicklung der &#8222;Combat Cloud&#8220; solle fortgef\u00fchrt werden. Ein europ\u00e4ischer Insider beschrieb gegen\u00fcber Reuters, dass beide Seiten auf eine gesichtswahrende L\u00f6sung zusteuerten, bei der die Systeme au\u00dferhalb des eigentlichen Kampfjets \u2013 also Drohnen und das Datennetzwerk \u2013 weiterhin unter dem Namen FCAS entwickelt werden sollen. Das sei vor allem symbolisch zu verstehen, da FCAS ein generischer Begriff f\u00fcr solche Systeme sei.<\/p>\n<p>Mitte Juli sollen die Verteidigungsministerien beider L\u00e4nder beim Ministerrat der Europ\u00e4ischen Union einen &#8222;zeitgem\u00e4\u00dfen Arbeitsplan&#8220; zur verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit vorlegen, der sich auf &#8222;wenige realistische relevante Vorhaben&#8220; konzentrieren soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vorerst bleibt es beim Eurofighter: Das FCAS-Projekt ist Geschichte (Bild:\u00a0R.Sanchez aviation photo\/Shutterstock.com) Frankreich und Deutschland begraben nach jahrelangem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1081339,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,3984,229678,29,548,663,158,3934,3935,77708,156,13,33685,1480,451,14,15,16,12],"class_list":["post-1081338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-dassault","tag-defense-industry","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-fcas","tag-frankreich","tag-headlines","tag-kampfjet","tag-luftwaffe","tag-militaer","tag-nachrichten","tag-news","tag-politik","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116720100305622551","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1081338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1081338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1081338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1081339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1081338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1081338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1081338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}