{"id":1083772,"date":"2026-06-10T11:27:20","date_gmt":"2026-06-10T11:27:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1083772\/"},"modified":"2026-06-10T11:27:20","modified_gmt":"2026-06-10T11:27:20","slug":"buergergeld-debatte-wir-sehen-ja-wie-die-afd-quote-waechst-gekuendigter-jobcenter-mitarbeiter-legt-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1083772\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgergeld-Debatte: \u201eWir sehen ja, wie die AfD-Quote w\u00e4chst\u201c \u2013 Gek\u00fcndigter Jobcenter-Mitarbeiter legt nach"},"content":{"rendered":"<p>Nach seiner Entlassung h\u00e4lt der fr\u00fchere Bremer Jobcenter-Mitarbeiter Fred G\u00f6cken an seiner scharfen Kritik am B\u00fcrgergeld-System fest. Im Podcast von Paul Ronzheimer erkl\u00e4rt er, er wolle ein Alarmsignal senden.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Missbrauch bei B\u00fcrgergeld-Antr\u00e4gen, seltene Sanktionen und teure F\u00f6rderma\u00dfnahmen: Der gek\u00fcndigte Bremer Jobcenter-Mitarbeiter Fred G\u00f6cken hat trotz seiner fristlosen K\u00fcndigung seine Kritik am B\u00fcrgergeld-System erneut bekr\u00e4ftigt. \u201eDas habe ich so als meine staatsb\u00fcrgerliche Pflicht gewertet\u201c, sagte G\u00f6cken im Podcast des stellvertretenden Chefredakteurs der \u201eBild\u201c-Zeitung, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/ronzheimer.podigee.io\/#latest-episode-player\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/ronzheimer.podigee.io\/#latest-episode-player&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Paul Ronzheimer<\/a>.<\/p>\n<p>Der langj\u00e4hrige Jobcenter-Mitarbeiter war bundesweit bekannt geworden, nachdem er in der ZDF-Dokumentation \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.zdf.de\/play\/reportagen\/am-puls-100\/am-puls-mit-sarah-tacke---system-buergergeld-leben-ohne-leistung-100\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.zdf.de\/play\/reportagen\/am-puls-100\/am-puls-mit-sarah-tacke---system-buergergeld-leben-ohne-leistung-100&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Am Puls mit Sarah Tacke \u2013 System B\u00fcrgergeld: Leben ohne Leistung<\/a>\u201c schwere Vorw\u00fcrfe gegen das System erhoben hatte. <\/p>\n<p>Dort hatte der 60-J\u00e4hrige, der nach eigener Aussage seit 2005 im Jobcenter in verschiedenen Positionen gearbeitet hat, die zentrale Aufgabe der Beh\u00f6rde als \u201eGeldausgeben\u201c bezeichnet und erkl\u00e4rt, zwischen 30 und 40 Prozent der B\u00fcrgergeld-Empf\u00e4nger machten keine wahrheitsgem\u00e4\u00dfen Angaben. Viele h\u00e4tten die Motivation, \u201eim System drinne zu bleiben\u201c.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde G\u00f6cken inzwischen von der Stadt Bremen fristlos entlassen. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article6a23c7250d90eecc140a7176\/leistungsmissbrauch-stadt-bremen-kuendigt-jobcenter-mitarbeiter-nach-auftritt-in-umstrittener-buergergeld-doku-des-zdf.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article6a23c7250d90eecc140a7176\/leistungsmissbrauch-stadt-bremen-kuendigt-jobcenter-mitarbeiter-nach-auftritt-in-umstrittener-buergergeld-doku-des-zdf.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Auch WELT berichtete<\/a>. Die Kommune wirft ihm laut K\u00fcndigungsschreiben vor, das Jobcenter diffamiert und den Eindruck erweckt zu haben, die Beh\u00f6rde wolle Menschen gar nicht in Arbeit bringen. Zudem habe er den TV-Auftritt nicht genehmigen lassen. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis sei zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Im Podcast mit Ronzheimer sagte G\u00f6cken nun, dass sich seine umstrittene Aussage zu den 30 bis 40 Prozent nicht nur auf klassischen Sozialbetrug beziehe. Gemeint seien \u201ealle Leute, die generell arbeitsf\u00e4hig sind\u201c, darunter auch Aufstocker. \u201eDiese 30 bis 40 Prozent sind meiner Auffassung nach ein Warnsignal.\u201c Aus G\u00f6ckens Sicht k\u00f6nnte die Quote sogar noch h\u00f6her liegen. <\/p>\n<p>G\u00f6cken f\u00fchrte noch einmal aus, um welche F\u00e4lle es dabei gehe. Es seien Jobcenter-Kunden, die \u201euns entweder bei den Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnissen, Einkommen (&#8230;) keine wahren Angaben machen\u201c, die die tats\u00e4chliche Zusammensetzung ihrer Bedarfsgemeinschaft verschleierten oder bei denen fraglich sei, \u201ewie ist \u00fcberhaupt meine Motivation, intrinsische \u00dcberzeugung sozusagen, Arbeit aufzunehmen\u201c.<\/p>\n<p>Totalverweigerer sind nach seiner Darstellung selten. H\u00e4ufiger seien Menschen, die formal mitwirkten, sich bewarben oder Termine wahrn\u00e4hmen, ohne jedoch ernsthaft an einer Arbeitsaufnahme interessiert zu sein.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\"><\/li>\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelB\u00fcrgergeld<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Beispiel nannte G\u00f6cken Konstellationen, bei denen Paare offiziell getrennt lebten, um zus\u00e4tzliche Leistungen zu erhalten.<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/politik\/bremer-jobcenter-ex-mitarbeiter-nach-buergergeld-kritik-gekuendigt-doc8611h6p32rrowlcdopr\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/politik\/bremer-jobcenter-ex-mitarbeiter-nach-buergergeld-kritik-gekuendigt-doc8611h6p32rrowlcdopr&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"> Dem \u201eWeser-Kurier\u201c hatte er bereits erkl\u00e4rt,<\/a> dass Paare sich \u201eoffiziell trennen, um Leistungen f\u00fcr eine zweite Wohnung zu empfangen \u2013 ohne sie zu bewohnen\u201c. Die Wohnung werde anschlie\u00dfend privat weitervermietet.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel betreffe nicht gemeldete Besch\u00e4ftigungen. Im Podcast schilderte G\u00f6cken F\u00e4lle, in denen erst durch Datenabgleiche mit Krankenkassen sozialversicherungspflichtige T\u00e4tigkeiten auffielen, die dem Jobcenter zuvor nicht gemeldet worden seien. \u201eDann kommt eine Meldung: Mensch, der hat aber eine sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung. Und dann pr\u00fcfen wir das und da f\u00e4llt auf: Diese T\u00e4tigkeit hat er bei uns aber gar nicht angegeben\u201c, sagte G\u00f6cken. Bis dahin sei aber trotzdem bezahlt worden.<\/p>\n<p>Dass es f\u00fcr seine Einsch\u00e4tzung keine offiziellen Zahlen gebe, sei aus G\u00f6ckens Sicht Teil des Problems: \u201eWenn man Zahlen nicht erfassen will, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, dann gibt es diese Zahlen nat\u00fcrlich auch nicht.\u201c Seine Einsch\u00e4tzung beruhe auf eigenen Erfahrungen sowie Gespr\u00e4chen mit Kollegen. \u201eWenn Sie unsere Arbeitsebene befragen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden Sie die Best\u00e4tigung bekommen, dass das alles richtig ist.\u201c<\/p>\n<p>Auto und F\u00fchrerschein wurden vom Jobcenter ohne Gegenleistung gesponsert<\/p>\n<p>Besonders kritisch \u00e4u\u00dferte sich der 60-J\u00e4hrige \u00fcber F\u00f6rderma\u00dfnahmen des Jobcenters. Als Beispiel schilderte er F\u00e4lle, in denen Arbeitslose einen finanzierten F\u00fchrerschein und sogar ein Fahrzeug erhalten h\u00e4tten, um eine Stelle anzutreten, sich aber kurze Zeit sp\u00e4ter wieder h\u00e4tten k\u00fcndigen lassen. \u201eF\u00fchrerschein und Auto beh\u00e4lt er nat\u00fcrlich\u201c, sagte G\u00f6cken.<\/p>\n<p>Auch Sanktionen gegen B\u00fcrgergeld-Empf\u00e4nger seien in der Praxis deutlich seltener verh\u00e4ngt worden als oft angenommen. Als Grund nannte G\u00f6cken vor allem den hohen Verwaltungsaufwand. Schlie\u00dflich betreut jeder Arbeitsvermittler in St\u00e4dten wie Bremen oft 250 bis 400 Kunden.<\/p>\n<p>\u201eEs macht halt Arbeit, es macht \u00c4rger und du belastest andere, n\u00e4mlich die Leistungsabteilung\u201c, sagte er. Dort habe er h\u00e4ufig Reaktionen geh\u00f6rt wie: \u201eJa toll, zum Freitag noch so eine Nummer jetzt\u201c, wenn es darum gegangen sei, aktiv zu werden. Deshalb seien Sanktionen oft nur bei besonders problematischen F\u00e4llen eingesetzt worden. \u201eMein Chef hat immer gesagt: ,Fred, bei aller Kritik halte ja die Leute, die wollen, den Rest lass weg, weil die kriegen wir ja nicht.\u2018\u201c Entsprechend sei es im Alltag gewesen: \u201eSo richtig sanktioniert haben wir nicht.\u201c<\/p>\n<p>Kritik an seinen Aussagen kam aus der Bremer Politik. Die Arbeitssenatorin Claudia Schilling (SPD) erkl\u00e4rte nach der Ausstrahlung der ZDF-Dokumentation, die Behauptung, 30 bis 40 Prozent der Leistungsempf\u00e4nger w\u00fcrden Sozialleistungen missbr\u00e4uchlich beziehen, \u201eentbehrt jeder belastbaren Grundlage\u201c. Zudem w\u00fcrden solche pauschalen Aussagen \u201edie Realit\u00e4t verzerren\u201c, das Vertrauen in den Sozialstaat besch\u00e4digen und Leistungsbezieher unter Generalverdacht stellen.<\/p>\n<p>Zu seiner Beteiligung an der ZDF-Dokumentation erkl\u00e4rte G\u00f6cken, er habe sich aus Sorge um die gesellschaftliche Entwicklung selbst an die Journalistin Sarah Tacke gewandt. \u201eWir sehen ja eigentlich die AfD-Quote, wie sie w\u00e4chst\u201c, sagte er im Podcast. Sein Beitrag sei \u201eein SOS-Funk von mir gewesen\u201c, sagte G\u00f6cken.<\/p>\n<p>Auch gegen\u00fcber dem \u201eWeser-Kurier\u201c hatte G\u00f6cken zuvor seinen Auftritt bereits verteidigt. \u201eMeine Intention liegt nicht im Sch\u00fcren rechter Ressentiments, sondern darauf, auf einen Missstand in den Jobcentern hinzuweisen, der das Potenzial hat, uns finanziell und gesellschaftlich zu ruinieren\u201c, sagte er dem Blatt. Aus seiner Sicht seien \u201eLeistungen ohne Gegenleistung und ohne tempor\u00e4re Begrenzung\u201c ein wesentlicher Grund daf\u00fcr, dass das System \u201ean den Rand des Zusammenbruchs\u201c geraten sei.<\/p>\n<p>G\u00f6cken hat angek\u00fcndigt, juristisch gegen seine Entlassung vorgehen zu wollen.<\/p>\n<p>kami mit dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach seiner Entlassung h\u00e4lt der fr\u00fchere Bremer Jobcenter-Mitarbeiter Fred G\u00f6cken an seiner scharfen Kritik am B\u00fcrgergeld-System fest. 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