{"id":1084255,"date":"2026-06-10T15:58:18","date_gmt":"2026-06-10T15:58:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1084255\/"},"modified":"2026-06-10T15:58:18","modified_gmt":"2026-06-10T15:58:18","slug":"eu-kommission-plant-erweiterte-krypto-sanktionen-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1084255\/","title":{"rendered":"EU-Kommission plant erweiterte Krypto-Sanktionen gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat mit den neuen Sanktionen gegen Russland erstmals einen Mechanismus vorgeschlagen, der ganze L\u00e4nder von Krypto-Dienstleistungen ausschliessen kann. Das 21. Paket verh\u00e4ngt zudem Transaktionsbans gegen elf Krypto-Plattformen, die der Sanktionsumgehung beschuldigt werden.<\/p>\n<p>Das EU-Sanktionsregime gegen Russland besteht aus rollierend verabschiedeten Paketen mit Handelssperren, Finanzsanktionen und Designierungen einzelner Entit\u00e4ten. Die Kommission entwirft die Massnahmen, in Kraft gesetzt werden sie hingegen einstimmig durch den Rat der 27 Mitgliedstaaten. Seit dem Einmarsch 2022 reiht sich Paket an Paket, doch der Krypto-Sektor r\u00fcckte erst sp\u00e4t in den Fokus. Mit dem im Juni 2026 pr\u00e4sentierten 21. Paket erscheinen Krypto-Plattformen schliesslich als Ziel eines eigenst\u00e4ndigen Drittland-Instruments und nicht mehr nur als Anhang zu Finanzdesignierungen. Den Hintergrund liefern Daten von Chainalysis: Die Sanktionsumgehung \u00fcber Krypto stieg 2025 auf 104 Mrd. USD, ein Anstieg von 694 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr.<\/p>\n<p>Krypto-Sanktionen gegen Russland: Was das Drittland-Verbot bedeutet<\/p>\n<p>Das 21. Paket enth\u00e4lt erstmals die Option eines vollst\u00e4ndigen Verbots von Krypto-Dienstleistungen gegen\u00fcber Drittl\u00e4ndern. Bisher belegte die Union einzelne Firmen mit Transaktionsbans. K\u00fcnftig hingegen k\u00f6nnte ein gesamtes Land vom regulierten EU-Krypto-Verkehr abgeschnitten werden, etwa wenn es Plattformen zur Sanktionsumgehung duldet. Konkret richtet sich der Vorschlag gegen elf Krypto-Plattformen sowie gegen 20 Banken, Krypto-Firmen und \u00d6lh\u00e4ndler in Drittl\u00e4ndern. Hinzu kommen Transaktionsbans gegen 31 zus\u00e4tzliche russische Banken. Damit verschiebt sich die Reichweite: Im Zentrum steht k\u00fcnftig nicht die einzelne Entit\u00e4t, sondern die Jurisdiktion, die sie beherbergt.<\/p>\n<p>Bevor das Instrument greift, muss der Rat der EU es einstimmig verabschieden, also alle 27 Mitgliedstaaten zustimmen. Den Eskalationspfad markiert eine klare Linie. Zun\u00e4chst designierte das 19. Paket vom Oktober 2025 mit A7A5 erstmals einen Krypto-Asset direkt und schuf de facto ein MiCAR-Vollverbot gegen\u00fcber Russland. D<a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/eu-plant-vollstaendiges-verbot-aller-krypto-transaktionen-mit-russland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">as 20. Paket vom April 2026 dehnte das Verbot<\/a> anschliessend auf das gesamte russische und belarussische CASP-\u00d6kosystem aus und umfasste 120 individuelle Designierungen sowie 46 zus\u00e4tzliche Schattenflotten-Schiffe. Zudem traten RUBx und der digitale Rubel als verbotene Assets neben A7A5. Das pr\u00e4ventive Verbot der staatlichen Digitalw\u00e4hrung griff bereits, bevor Russland den geplanten Rollout im September 2026 vollziehen konnte.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eA7A5 wurde mit russischer Staatsunterst\u00fctzung geschaffen und ist zu einem prominenten Instrument f\u00fcr die Finanzierung von Aktivit\u00e4ten geworden, die den Angriffskrieg unterst\u00fctzen.&#8220; &#8211; EU-Rat, Pressemitteilung zum 19. Sanktionspaket<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Garantex-Nachfolger f\u00fcllen die L\u00fccke<\/p>\n<p>Warum ein l\u00e4nderbezogenes Instrument \u00fcberhaupt n\u00f6tig wurde, zeigt die Geschichte von Garantex. Die einst gr\u00f6sste russische Krypto-B\u00f6rse wickelte seit 2019 \u00fcber 100 Mio. USD in kriminellen Transaktionen aus Ransomware und Darknet ab und wurde 2022 von OFAC sanktioniert. Im M\u00e4rz 2025 beschlagnahmten US-, deutsche und finnische Beh\u00f6rden die Domains und froren \u00fcber 26 Mio. USD ein. Tether sperrte zudem rund 28 Mio. USD in USDT auf Garantex-Adressen. Kurz darauf versiegelte das US-Justizministerium Anklageschriften gegen die F\u00fchrungskr\u00e4fte Aleksandr Mira Serda und Aleksej Besciokov, der in Indien verhaftet wurde. Der Betrieb verschwand jedoch nicht, sondern wanderte weiter: Garantex transferierte Kundenbasis und Guthaben zum Nachfolger Grinex, der bereits im Dezember 2024 in Kyrgyzstan gegr\u00fcndet worden war.<\/p>\n<p>Im Februar 2026 identifizierte das Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic f\u00fcnf weitere B\u00f6rsen, die in die entstandene L\u00fccke gestossen sind: Bitpapa, ABCeX, Exmo, Rapira und Aifory Pro. Aufschlussreich ist ABCeX, das aus dem Moskauer Federation Tower operierte, demselben Geb\u00e4ude, das zuvor Garantex genutzt hatte, und dabei mindestens 11 Mrd. USD verarbeitete. Exmo wiederum behauptete, den russischen Markt nach dem Kriegsausbruch 2022 verlassen zu haben, teilte jedoch weiterhin Wallet-Infrastruktur mit dem russischen Betrieb und transferierte \u00fcber 19.5 Mio. USD an sanktionierte B\u00f6rsen. Rapira leitete ebenfalls mehr als 72 Mio. USD an die sanktionierte B\u00f6rse Grinex weiter. Die Skalierung dieses Netzwerks l\u00e4sst sich schliesslich am rubelgedeckten Stablecoin A7A5 ablesen, der 2025 insgesamt 93.3 Mrd. USD verarbeitete. Das dahinterstehende A7-Netzwerk bewegte laut Chainalysis \u00fcber 90 Mrd. USD in die russische Wirtschaft, mehr als die H\u00e4lfte des russischen Jahres-Milit\u00e4rbudgets.<\/p>\n<p>UK geht mit eigenen Krypto-Sanktionen voraus<\/p>\n<p>Der EU-Vorschlag steht nicht isoliert, sondern f\u00fcgt sich in einen koordinierten westlichen Rahmen ein. Bereits im August 2025 designierte das US-Finanzministerium \u00fcber OFAC Grinex, die A7-Entit\u00e4ten, den A7A5-Emittenten Old Vector sowie Garantex-Gr\u00fcnder Sergey Mendeleev. Das britische OFSI zog wenige Tage sp\u00e4ter mit Sanktionen gegen Grinex und Old Vector nach. Zuvor hatte das FCDO A7 LLC bereits im Mai 2025 erstmals wegen der Unterst\u00fctzung des russischen Angriffskriegs sanktioniert. Diese Abfolge zeigt somit, wie eng die Beh\u00f6rden ihre Designierungen entlang derselben Akteure abstimmen.<\/p>\n<p>Im Mai 2026 versch\u00e4rfte das Vereinigte K\u00f6nigreich seinen Kurs weiter und nahm den <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/uk-sanktioniert-krypto-boerse-htx-und-russisches-a7-netzwerk\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stablecoin A7A5 sowie die B\u00f6rse HTX, vormals Huobi, ins Visier<\/a>. Die Massnahme traf zudem die bereits von Elliptic genannten Plattformen ABCeX und Exmo sowie georgische Firmen. Da die Namen der elf EU-Plattformen noch nicht \u00f6ffentlich sind, l\u00e4sst sich allerdings nur sagen, dass beide Beh\u00f6rden gegen dieselben Umgehungskan\u00e4le vorgehen. Auff\u00e4llig ist, dass mehrere dieser Plattformen trotz wiederholter Designierungen aktiv blieben: OFAC sanktionierte Bitpapa etwa schon im M\u00e4rz 2024, dennoch leitete die Plattform weiterhin rund 9.7 Prozent ihrer ausgehenden Krypto-Fl\u00fcsse direkt an sanktionierte Entit\u00e4ten. Diese Persistenz zeigt eine abgestimmte transatlantische Linie, wobei die EU mit dem Drittland-Mechanismus die weitreichendste Variante w\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Russlands Krypto-\u00d6kosystem als Hintergrund der EU-Sanktionen<\/p>\n<p>Die eigentliche Triebfeder hinter dem neuen Instrument liegt in der Architektur der Umgehungsnetzwerke. A7A5 entstand Ende Januar 2025, nur Wochen vor dem Garantex-Takedown, und h\u00e4lt seine Reserven bei der sanktionierten russischen Bank Promsvyazbank. Hinter dem Token steht A7 LLC, eine Zahlungsplattform im Eigentum des sanktionierten moldauischen Oligarchen Ilan Shor und ebenjener Promsvyazbank.<\/p>\n<p>Garantex schrieb seinen Nutzern A7A5-Token im Gegenwert eingefrorener Guthaben gut, die anschliessend auf Grinex handelbar waren. Selbst nach Sanktionen blieb das Netzwerk somit funktionsf\u00e4hig, bis Grinex im April 2026 den Betrieb nach einem behaupteten Cyberangriff mit einem Verlust von rund 13 Mio. USD einstellte. Das Unternehmen beschuldigte westliche Geheimdienste. On-Chain-Daten zeigen jedoch, dass die abgezogenen Stablecoins ungew\u00f6hnlicherweise \u00fcber eine dezentrale B\u00f6rse gegen Tron getauscht wurden.<\/p>\n<p>Das 21. Paket adressiert diese L\u00fccken nicht allein \u00fcber Krypto-Assets. Zudem listet es 30 weitere Schiffe der russischen Schattenflotte auf, \u00fcber die bereits sanktionierten 632 hinaus, und erfasst erstmals auch Unterst\u00fctzungsschiffe sowie Infrastruktur wie H\u00e4fen und Raffinerien. Ferner will Br\u00fcssel den Verkauf von LNG-Tankern an Russland verbieten. Diese Breite signalisiert, dass Br\u00fcssel die gesamte Umgehungsinfrastruktur ins Visier nimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Europ\u00e4ische Kommission hat mit den neuen Sanktionen gegen Russland erstmals einen Mechanismus vorgeschlagen, der ganze L\u00e4nder von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1084256,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4013],"tags":[331,332,214200,230340,548,230341,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":["post-1084255","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-russland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-chainalysis","tag-digitaler-rubel","tag-eu","tag-eu-krypto","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-russia","tag-russian-federation","tag-russische-foederation","tag-russland","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116726641910874008","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1084255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1084255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1084255\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1084256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1084255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1084255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1084255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}