{"id":108747,"date":"2025-05-14T01:32:03","date_gmt":"2025-05-14T01:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/108747\/"},"modified":"2025-05-14T01:32:03","modified_gmt":"2025-05-14T01:32:03","slug":"ohne-fachgedoens-nike-hilber-ueber-entstigmatisierung-von-psychotherapien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/108747\/","title":{"rendered":"Ohne Fachged\u00f6ns: Nike Hilber \u00fcber Entstigmatisierung von Psychotherapien"},"content":{"rendered":"<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Als approbierte psychologische Psychotherapeutin wei\u00df Nike Hilber um die Relevanz der Entstigmatisierung von Psychotherapie. Um den Menschen dieses Thema barrierefrei und leicht verst\u00e4ndlich zu vermitteln, ist ihr Sachbuch &#8222;Psychotherapie ohne Fachged\u00f6ns&#8220; erschienen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Im Interview ordnet Nike Hilber ein, warum wir \u00fcber Psychotherapie sprechen und Narrative nicht wiederholen sollten. Dar\u00fcber hinaus spricht sie \u00fcber den Therapieplatzmangel und was diese Problematik mit ihr als Psychologin macht.<\/p>\n<p class=\"p--contentbutton button-center secondary\" data-speakable=\"\"><a class=\"button secondary\" data-brain-zone=\".40809332.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" data-component-name=\"link.editorial\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/wissen\/psychologie\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr zum Thema Gesellschaft &amp; Psychologie<\/a><\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Frau <\/strong><strong>Hilber<\/strong><strong>, warum m\u00fcssen wir \u00fcber <\/strong><strong>Psychotherapie<\/strong><strong> sprechen?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Nike Hilber<\/strong><strong>:<\/strong> Studien zeigen seit Jahren, dass es immer mehr F\u00e4lle psychischer Erkrankungen gibt. Dementsprechend muss der Bedarf an Versorgung ausgebaut werden. Dazu geh\u00f6rt meiner Meinung nach eine fundierte Aufkl\u00e4rungsarbeit rund um psychische St\u00f6rungen und ihre Behandlungsm\u00f6glichkeiten. Psychotherapie besch\u00e4ftigt viele Menschen, gleichzeitig ist sie aber noch immer sehr stigmatisiert.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese <\/strong><strong>Stigmatisierung<\/strong><strong>?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Unter anderem aufgrund vehementer Vorurteile, die mitunter in den Medien oder in Film und Fernsehen \u00fcber viele Jahre gezeichnet wurden. Mit psychischen St\u00f6rungen verbinden viele Menschen schlimme Bilder, wie etwa Horrorszenarien von um sich schlagenden Menschen in einer psychiatrischen Gummizelle. Eben diese Bilder halten einige Menschen davon ab, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig ist Psychotherapie ein hochvertrauliches Setting, in dem die Schweigepflicht gilt. Dementsprechend dringen nur wenige Informationen nach au\u00dfen, was wiederum bei einigen Menschen \u00c4ngste sch\u00fcrt. Aus diesem Grund halte ich es f\u00fcr wichtig, dass psychotherapeutische Verfahren, wie zum Beispiel die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, als wissenschaftlich fundierte und wirksame Behandlungsmethode mehr Anerkennung findet.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Wie k\u00f6nnen wir diese <\/strong><strong>Stigmatisierung<\/strong><strong> \u00fcberwinden?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Indem wir dar\u00fcber sprechen und die Narrative nicht wiederholen. So gelten etwa Menschen mit Schizophrenie h\u00e4ufig als gef\u00e4hrlich, was nicht stimmt. H\u00e4ufig wird auch das Narrativ verbreitet, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen \u00fcberdurchschnittlich gewaltt\u00e4tig seien, was ebenso wenig haltbar ist. Insofern gilt es \u00fcber psychische Erkrankungen aufzukl\u00e4ren. Diesbez\u00fcglich konnte in den letzten Jahren schon viel bewegt werden: Immer mehr Menschen holen sich Hilfe \u2013 das ist eine sehr positive Entwicklung.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Mit Ihrem Buch &#8222;<\/strong><strong>Psychotherapie<\/strong><strong> ohne <\/strong><strong>Fachged\u00f6ns<\/strong><strong>&#8220; m\u00f6chten Sie einen Beitrag zur Aufkl\u00e4rung und Entstigmatisierung leisten. Was steckt hinter dem &#8222;ohne <\/strong><strong>Fachged\u00f6ns<\/strong><strong>&#8222;?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Der Zusatz &#8222;ohne Fachged\u00f6ns&#8220; ist durch meine Arbeit auf Social Media entstanden. Ich selbst bin approbierte psychologische Psychotherapeutin mit tiefenpsychologisch fundiertem Schwerpunkt. Schon im Rahmen meiner Ausbildung habe ich festgestellt, dass viele Begriffe sehr wissenschaftlich, h\u00e4ufig nur schwer verst\u00e4ndlich und demnach auf Hilfesuchende schnell abschreckend wirken k\u00f6nnen. Sowohl im Kollegium als auch in meinem Freundeskreis wurde mir dieser Eindruck best\u00e4tigt. In der Folge ist in mir zunehmend der Wunsch entstanden, diese Begriffe in verst\u00e4ndlicher Sprache und trotzdem wissenschaftlich fundiert zu vermitteln. Wissen ist schlie\u00dflich f\u00fcr alle da! So entstand der Hashtag #ohnefachged\u00f6ns, der inzwischen den Titel meines Buches ziert.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Wer sollte Ihr Buch lesen?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Wie auch auf Social Media m\u00f6chte ich sowohl Betroffene, deren Angeh\u00f6rige, interessierte Laien als auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen helfenden Berufen erreichen. Insofern eignet sich das Buch f\u00fcr Menschen, die noch nie mit Psychotherapie in Kontakt gekommen sind und einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen. Ebenso eignet es sich aber auch f\u00fcr Menschen, die in Therapie sind oder in der Vergangenheit eine Therapie gemacht haben und bestimmte Abl\u00e4ufe expliziter verstehen wollen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Gerade die Niedrigschwelligkeit der sozialen Medien erm\u00f6glicht einen tiefen Einblick in verschiedene Themen \u2013 birgt aber auch Gefahren, etwa durch Fehlinformationen. Was raten Sie Menschen, die m\u00f6glicherweise durch konsumierte Inhalte Selbstdiagnosen t\u00e4tigen?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Sobald eine Person den Verdacht hegt, selbst psychisch belastet zu sein, sollten die Symptome professionell eingesch\u00e4tzt werden. Trotz begrenzter Therapiepl\u00e4tze ist ein Erstgespr\u00e4ch in der Regel immer m\u00f6glich, auch wenn Betroffene geduldig sein m\u00fcssen. Im Rahmen dieser psychotherapeutischen Sprechstunde kann eine professionelle Person eine erste Einsch\u00e4tzung bez\u00fcglich einer m\u00f6glichen Diagnose geben.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Die von Ihnen angesprochenen begrenzten <\/strong><strong>Therapiepl\u00e4tze<\/strong><strong> spielen f\u00fcr viele Betroffene eine gro\u00dfe \u2013 und frustrierende \u2013 Rolle \u2026<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">So ist es und ich kann diesen Frust gut verstehen. Es wurde in den vergangenen Jahren eine Menge Aufkl\u00e4rungsarbeit geleistet. Dazu kommt der Effekt durch Social Media, der gewisserma\u00dfen wie ein Aufkl\u00e4rungs-Katalysator fungiert. In der Folge zeigen sich jetzt auch mehr Menschen bereit, sich psychotherapeutische Hilfe zu holen, doch der Therapieplatzmangel erschwert dieses Vorhaben. Umso dringender ben\u00f6tigen wir mehr Anlaufstellen. Doch die bestehenden Strukturen sind tr\u00e4ge. Auch aus diesem Grund habe ich meinen Social-Media-Kanal ins Leben gerufen, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was macht es mit Ihnen als Therapeutin, dass so viele Betroffene keinen <\/strong><strong>Therapieplatz<\/strong><strong> bekommen oder monatelang auf diesen warten m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Es macht mich w\u00fctend. Die BPtK (Bundes Psychotherapeuten Kammer; Anm. d. Red.) weist seit Jahren darauf hin, dass wir mehr Therapiepl\u00e4tze ben\u00f6tigen. Doch diesbez\u00fcglich passiert relativ wenig. Die Bedarfsplanung f\u00fcr die Kassensitze wurde bereits in den Neunzigerjahren festgelegt, doch insbesondere in Ballungsr\u00e4umen reicht sie nicht mehr aus, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Dementsprechend macht die Verzweiflung vieler Menschen nat\u00fcrlich etwas mit mir. Denn ich muss Patientinnen und Patienten, die einen Therapieplatz suchen, immer wieder absagen und vertr\u00f6sten, weil die Kapazit\u00e4ten ausgesch\u00f6pft sind.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was k\u00f6nnen Menschen, die auf einen Platz in der <\/strong><strong>Psychotherapie<\/strong><strong> warten, tun?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Tats\u00e4chlich lautet mein Rat: dranbleiben! Ich ermutige dazu, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden bei den Psychotherapeuten und -therapeutinnen anzurufen und das Interesse f\u00fcr einen Therapieplatz zu bekunden. Mir ist bewusst, dass das sehr herausfordernd sein kann \u2013 vor allem dann, wenn eine Person ohnehin psychisch belastet ist. Dennoch sehe ich im Dranbleiben das A und O. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was raten Sie Menschen, die keinen Psychotherapieplatz haben, sich aber in einer sehr verzweifelten Situation befinden?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Betroffene sollten dann zum Beispiel den Krisendienst anrufen. Diese Dienste sind bundesweit aktiv und rund um die Uhr kostenlos erreichbar. Hier wird einem niederschwellig weitergeholfen. Alternativ kann auch die Nummer des \u00e4rztlichen Bereitschaftsdienstes gew\u00e4hlt werden. Bei akuten Suizidgedanken, kann man auch zur n\u00e4chstgelegenen Psychiatrie fahren oder sich fahren lassen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Gespr\u00e4chspartnerin<\/p>\n<ul slot=\"content\">\n<li>Nike Hilber ist Psychologin und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin. In der psychodynamischen Psychotherapie sieht sie das Potenzial, sowohl psychische Erkrankungen erfolgreich zu behandeln als auch, dank ihrer N\u00e4he zur Psychoanalyse, gesellschaftspolitische Prozesse unter die Lupe zu nehmen. Seit 2018 ist Nike Hilber wissenschaftsjournalistisch auf Instagram unter <a target=\"_blank\" data-brain-zone=\".40809332.content.ui-infobox_1.textlink_1\" data-component-path=\"content.ui-infobox_1.textlink_1\" data-component-name=\"link.external\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/la_psychologista\/\">@la_psychologista<\/a> aktiv. Dort macht sie ihre Inhalte unter dem Hashtag #ohnefachged\u00f6ns einem breiten Publikum zug\u00e4nglich. Im M\u00e4rz ist ihr Sachbuch &#8222;Psychotherapie ohne Fachged\u00f6ns&#8220; erschienen.<\/li>\n<\/ul>\n<p> <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als approbierte psychologische Psychotherapeutin wei\u00df Nike Hilber um die Relevanz der Entstigmatisierung von Psychotherapie. 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