{"id":1087829,"date":"2026-06-12T02:10:46","date_gmt":"2026-06-12T02:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1087829\/"},"modified":"2026-06-12T02:10:46","modified_gmt":"2026-06-12T02:10:46","slug":"juedische-woche-2026-festprogramm-wirft-schon-seine-schatten-voraus-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1087829\/","title":{"rendered":"J\u00fcdische Woche 2026: Festprogramm wirft schon seine Schatten voraus \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Nicht nur in Zeiten von wachsendem Antisemitismus ist es ein wichtiges Signal: Vom 21. bis 28. Juni wird Leipzig seine 17. J\u00fcdische Woche begehen, die Anno 2026 besonders im Zeichen des Themenjahrs \u201eTacheles\u201c steht. Wir werfen hier f\u00fcr Sie und Euch einen Blick auf einige Highlights der insgesamt 133 Veranstaltungen,\u00a0 mit denen dem reichen j\u00fcdischen Leben Leipzigs Rechnung getragen wird.<\/p>\n<p>Und das kann ja auf eine reichhaltige Historie zur\u00fcckblicken, die allerdings Br\u00fcche aufweist: Schon im 13. Jahrhundert lebten wahrscheinlich Juden hier, im Bereich der heutigen Hauptfeuerwache am Goerdelerring muss sich, au\u00dferhalb damaliger Stadtmauern, eine \u201eJudengasse\u201c befunden haben.<\/p>\n<p>Leipzig und die Juden: Ein Wechselbad in der Stadtgeschichte<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ef153db19dd54e80b9181f51c37dbe14.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/lebensart\/2026\/06\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/lebensart\/2026\/06\/1\"\/>F\u00fcr das Sp\u00e4tmittelalter wird von einer Vertreibung der Juden aus Leipzig ausgegangen, was der Stadt einen Sonderstatus einbrachte: Als Bewohner von Leipzig gab es Juden die n\u00e4chsten mehr als 250 Jahre faktisch nicht mehr, sie str\u00f6mten aber dreimal im Jahr zur Messezeit aus allen Himmelsrichtungen durch die Stadttore. F\u00fcrs Gesch\u00e4ft waren sie willkommen oder geduldet, ihre feste Niederlassung blieb unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich erst 1710, als mit der Konzession Augusts des Starken eine j\u00fcdische Familie wieder dauerhaft in Leipzig wohnen durfte. Auch danach blieben im 18. Jahrhundert ein paar Juden hier ans\u00e4ssig \u2013 Menschen, Nachbarn, Frauen, M\u00e4nner und Kinder, \u00fcber deren Leben und Alltag wir bis heute fast nichts wissen. Fakt aber ist: Was damals wohl kein spektakul\u00e4res Thema war, markiert aus heutiger Sicht einen Wendepunkt, mit dem Juden unaufhaltsam in die Stadtgesellschaft hineinwuchsen. 1814 er\u00f6ffnete im Johannistal <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2022\/12\/leipzigs-alter-judischer-friedhof-im-johannistal-katrin-loeffler-503054\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">der erste j\u00fcdische Friedhof<\/a>, 1847 gab es endlich auch eine offiziell anerkannte Gemeinde.<\/p>\n<p>Klangvolle j\u00fcdische Namen wie Ariowitsch, Harmelin oder Eitingon verbinden sich mit dem \u00f6stlichen Teil des Br\u00fchls (im damaligen Volksmund: \u201eJudenbr\u00fchl\u201c), der zum Synonym des internationalen Pelz- und Rauchwarenhandels wurde. Leipzigs wirtschaftlicher Rang w\u00e4re hier ohne den Anteil j\u00fcdischer Kaufleute kaum denkbar.<\/p>\n<p>Buntes Programm l\u00e4dt ein<\/p>\n<p>Wer dar\u00fcber mehr erfahren mag, f\u00fcr den bietet sich eine gef\u00fchrte Tour an, die \u00fcber j\u00fcdische Messebesucher und Pelzh\u00e4ndler informiert. Aber auch sonst kommen Geschichtsfans auf ihre Kosten, beispielsweise mit einer F\u00fchrung durch die Brodyer Synagoge, die als einziges j\u00fcdisches Gotteshaus in Leipzig die \u201eReichspogromnacht\u201c 1938 \u00fcberstand. Oder man kann sich auch \u00fcber den Alten Israelitischen Friedhof f\u00fchren lassen, nach j\u00fcdischen Spuren auf dem <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/tag\/suedfriedhof\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">S\u00fcdfriedhof<\/a> suchen oder den Neuen Israelitischen Friedhof erkunden.<\/p>\n<p>Vielleicht entscheidet man sich ja auch f\u00fcr ein interaktives Escape-Game, mit dem das Leben der j\u00fcdischen Frauenrechtlerin und Schulgr\u00fcnderin Henriette Goldschmidt (1825\u20131920) spielerisch erforscht wird, einen Vortrag zur j\u00fcdischen Identit\u00e4t in der laut Selbstverst\u00e4ndnis strikt antifaschistischen DDR oder eine Tour im <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/tag\/waldstrassenviertel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Waldstra\u00dfenviertel<\/a>, das bis 1933 den h\u00f6chsten Anteil j\u00fcdischer Menschen in Leipzig beherbergte. Kurzum: Zahlreiche Formate an Ausstellungen, Lesungen, Vortr\u00e4gen, F\u00fchrungen, Gespr\u00e4chen, Konzerten, Film-, Tanz- und Theaterauff\u00fchrungen laden demn\u00e4chst zum (Neu)Entdecken j\u00fcdischer (Stadt)Geschichte ein.<\/p>\n<p>Im Zeichen von \u201eTacheles\u201c<\/p>\n<p>Mehr als 70 Institutionen und Vereine sind dieses Jahr beteiligt, das Programm besteht aus 133 Veranstaltungen. Ausgerichtet wird die J\u00fcdische Woche wieder gemeinsam vom Kulturamt der Stadt Leipzig und dem Ariowitsch-Haus, wobei mit Blick auf das laufende Themenjahr \u201eTacheles. Jahr der j\u00fcdischen Kultur in Sachsen\u201c der gewohnte Zweijahresrhythmus 2026 wegf\u00e4llt: Nach 2025 folgt also nun bereits die Ausgabe 17 der J\u00fcdischen Woche.<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnet wird sie am 21. Juni um 15:00 Uhr in der Oberen Wandelhalle des Neuen Rathauses mit Kulturb\u00fcrgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (Die Linke) und dem Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde (IRGL) K\u00fcf Kaufmann. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler der IRGL sowie israelische Studierende der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater \u201eFelix Mendelssohn Bartholdy\u201c sorgen f\u00fcr die musikalische Begleitung.<\/p>\n<p>Abschluss an symboltr\u00e4chtigem Ort<\/p>\n<p>Der Schluss der J\u00fcdischen Woche am 28. Juni findet dann an einem symboltr\u00e4chtigen Ort statt: Wo 1938 NS-Schergen die 1855 er\u00f6ffnete Synagoge Gottschedstra\u00dfe in Brand setzten und sp\u00e4ter die Ruine sprengten, wurde im Juni 2001 die \u201eGedenkst\u00e4tte f\u00fcr die ausgegrenzten, verfolgten und ermordeten j\u00fcdischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c eingeweiht.<\/p>\n<p>Hier werden 25 Jahre sp\u00e4ter der Leipziger Synagogalchor und das Leipziger Blechbl\u00e4serquintett emBRASSment unter der Leitung von Philipp Goldmann das Abschlussprogramm umrahmen, das auch zeigt: Leipzigs so reiches j\u00fcdisches Leben, das nach den Verbrechen der Shoah und dem Zusammenbruch der DDR seit den 90er-Jahren eine Renaissance erfahren hat, kann niemals ausradiert werden.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.leipzig.de\/kultur-und-freizeit\/veranstaltungen\/jubilaeen-und-festivals\/juedische-woche#c406654\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Hier gibt es das komplette Veranstaltungsprogramm als PDF.<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nicht nur in Zeiten von wachsendem Antisemitismus ist es ein wichtiges Signal: Vom 21. bis 28. 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