{"id":1087985,"date":"2026-06-12T03:47:30","date_gmt":"2026-06-12T03:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1087985\/"},"modified":"2026-06-12T03:47:30","modified_gmt":"2026-06-12T03:47:30","slug":"francis-fukuyama-us-starpolitologe-s-21-ein-beispiel-fuer-das-scheitern-der-liberalen-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1087985\/","title":{"rendered":"Francis Fukuyama: US-Starpolitologe: S 21 ein Beispiel f\u00fcr das Scheitern der liberalen Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>In seinem neuesten Buch geht der bekannte Politikwissenschaftler Francis Fukuyama auch auf das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 ein \u2013 und stellt eine gewagte These auf.<\/p>\n<p> Eigentlich geht es Francis Fukuyama in seinem neuen Buch um die gro\u00dfe Weltenb\u00fchne, auf der sich f\u00fcr ihn gerade Besorgniserregendes vollzieht: Die liberalen Demokratien seien in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Krise\" title=\"Krise\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krise<\/a>, schreibt der bekannte US-Politikwissenschaftler in \u201eDer letzte Mensch \u2013 Wohin steuert die Welt?\u201c, das in diesen Tagen auf Deutsch erschienen ist.<\/p>\n<p>Nach einer Welle der Demokratisierung ab den 70er Jahren, stiegen nun seit der Finanzkrise 2008 populistische und nationalistische Staatsf\u00fchrer auf, erlebten demokratiekritische Parteien Zulauf, bilanziert Fukuyama, der Anfang der 90er mit seiner These vom \u201eEnde der Geschichte\u201c international zum Starpolitologen wurde.<\/p>\n<p>Francis Fukuyama zieht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart_21\" title=\"Stuttgart 21\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart 21<\/a> als Negativ-Beispiel heran <\/p>\n<p>Auf der Suche nach Gr\u00fcnden f\u00fcr diese gro\u00dfen Entwicklungen wird der Wissenschaftler aus Stanford dann aber eher im \u2013 zumindest aus weltpolitischer Sicht betrachtet \u2013 Kleinen f\u00fcndig. Neben zahlreichen Beispielen aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Nordamerika\" title=\"Nordamerika\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nordamerika<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" title=\"Gro\u00dfbritannien\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfbritannien<\/a>, nennt er auch den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgart-21-neun-anlaeufe-kein-treffer-die-chronik-der-geplatzten-stuttgart-21-termine.17d31bb9-7f3b-4da6-a2c7-d3c9f0d38a9f.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs.<\/a> <\/p>\n<p>Auf Seite 216 beschreibt Fukuyama in wenigen Abs\u00e4tzen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> 21 als Beispiel f\u00fcr das, was f\u00fcr sein Daf\u00fcrhalten in liberalen Demokratien nicht gut l\u00e4uft. Viele moderne Staaten litten unter einer so genannten \u201eVetokratie\u201c, will hei\u00dfen: Deren vielf\u00e4ltige Kontrollmechanismen seien zwar einerseits wichtig, um Machtmissbrauch vorzubeugen, \u201edoch verhindern sie auch, dass Gutes geschieht\u201c, schreibt Fukuyama.<\/p>\n<p>F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/USA\" title=\"USA\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> postuliert er gar: \u201eDie Vetokratie in den Vereinigten Staaten ist daf\u00fcr verantwortlich, dass das Land nichts auf die Beine stellen kann.\u201c Als Beispiel zieht Fukujama die Umweltgesetzgebung des Bundesstaates <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Kalifornien\" title=\"Kalifornien\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kalifornien<\/a> (CEQA) heran, die jedem B\u00fcrger das Recht einr\u00e4ume, gegen Projekte zu klagen, die in seinen Augen die Umwelt gef\u00e4hrden. Das werde mitunter missbraucht, um Einzelinteressen durchzusetzen, und f\u00fchre unter anderem dazu, dass ein geplantes System von Hochgeschwindigkeitsz\u00fcgen in Kalifornien wahrscheinlich nie gebaut werde.<\/p>\n<p>Francis Fukuyama war in Stuttgart <\/p>\n<p>Auch bei Stuttgart 21 sieht Fukuyama nun diesen Mechanismus greifen: \u201eEs gab einmal den europ\u00e4ischen Plan, Gleisanlagen f\u00fcr Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge von Paris nach Wien zu bauen, mit einem Knotenpunkt in der s\u00fcdwestdeutschen Stadt Stuttgart\u201c, hei\u00dft es im Buch. Allerdings f\u00fchrten die \u201eumfangreichen Konsultationen mit den B\u00fcrgern\u201c, die zun\u00e4chst von den Planern vers\u00e4umt worden seien, und die daraus entstehenden massiven Konflikte dazu, dass der Bahnhof bis heute nicht fertig sei.<\/p>\n<p>Aufmerksam geworden ist Fukuyama auf die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.verzoegerung-bei-stuttgart-21-s-21-fiasko-pannenprojekt-wird-erneut-teurer-um-bis-zu-3-milliarden-euro.7cb978ca-6f52-46ca-8e49-eebd35179f60.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Stuttgarter Causa<\/a> offenbar durch einen seiner Studenten. Der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c erz\u00e4hlte er: \u201eIch war in Stuttgart. Tats\u00e4chlich war der Vater eines meiner Studenten w\u00e4hrend des gesamten Vorgangs Oberb\u00fcrgermeister dort.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.1516fdc7-dc82-4514-8953-29344a9219a7.original1024.media.jpeg\"\/>     Francis Fukuyama von der Universit\u00e4t Stanford wurde mit seiner These zum Ende der Geschichte ber\u00fchmt.    Foto: Fukuyama_\u00a9 Djurdja Padejski    Hier hat der Starpolitologe nicht genau recherchiert <\/p>\n<p>Trotz Vororttermins: Ganz so genau hat der Wissenschaftler dann doch nicht recherchiert. So schreibt Fukuyama, der erste Spatenstich f\u00fcr S 21 sei Ende der \u201e1990er Jahre erfolgt\u201c. Richtig ist allerdings, dass dieser 2010 war.<\/p>\n<p>Auch seine Ausf\u00fchrungen, dass vor allem die B\u00fcrgerbeteiligung das Projekt in die L\u00e4nge zog, kann man anzweifeln. Richtig ist, dass es am 27. November zu einer Volksabstimmung in Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcber das \u201eS 21-K\u00fcndigungsgesetz\u201c der Landesregierung kam. Es sah vor, dass sich das Land nicht weiter finanziell an dem Bauprojekt beteiligen solle. Fast 60 Prozent der Abstimmenden sprachen sich aber daf\u00fcr aus, weiter zu machen. Dazu kam es zu einer Vielzahl von Klagen gegen das Projekt, unter anderem von Umweltsch\u00fctzern, Verb\u00e4nden, Gegnern aus der B\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p> Schlechte Planung der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Deutsche_Bahn\" title=\"Bahn\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bahn<\/a> <\/p>\n<p>Beobachter sehen allerdings die Gr\u00fcnde f\u00fcr den immer wieder verschobenen Fertigstellungs-Termin vor allem in einer mangelhaften Planungen von Seiten der Bahn. Erst k\u00fcrzlich war bekannt geworden, dass sich der Start des neuen Bahnhofs wohl auf 2031 verschiebt und die Kosten erneut um mehrere Milliarden steigen werden.<\/p>\n<p>Francis Fukuyama k\u00f6nne eine Anfrage unserer Redaktion, ob es nicht andere gewichtige Gr\u00fcnde f\u00fcr die Verz\u00f6gerungen gebe, derzeit aus Termingr\u00fcnden nicht beantworten, so eine Sprecherin seines deutschen Verlags Hoffmann und Campe. Gegen\u00fcber der \u201eAugsburger Allgemeinen\u201c hatte er jedoch k\u00fcrzlich im Interview weitere Faktoren genannt, warum sich Gro\u00dfbauprojekte in liberalen Rechtsstaaten verz\u00f6gerten. Es gebe \u201ezu viele Gesetze, Vorschriften und Anforderungen u.a. f\u00fcr den Bau von gro\u00dfen Infrastruktur-Projekten\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr Fukuyama f\u00fchren solche Vorg\u00e4nge wie in Stuttgart jedenfalls zu viel Frust bei B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern und beg\u00fcnstigten \u2013 neben vielen anderen Faktoren wie Digitalisierung, Verlust nationaler Identit\u00e4t, Neoliberalismus, die der Autor ausf\u00fchrt \u2013 den Aufstieg \u201estarker M\u00e4nner wie Donald Trump\u201c. Dieser regiere im Inland \u201edurch eine Flut von pr\u00e4sidentiellen Verf\u00fcgungen\u201c und umgehe dabei den Kongress.<\/p>\n<p>Letztendlich, so Fukuyama in seinem Nachwort, habe noch niemand \u201eeine neue Architektur gefunden\u201c, um dem \u201eletzten Menschen\u201c, also dem offenen, toleranten, vorurteilsfreien, eine Heimat zu geben, die ihn zufrieden stellt.<\/p>\n<p> Vom Ende der Geschichte <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <b>Francis Fukuyama<\/b> (geboren 1952) wurde mit seinem 1992 ver\u00f6ffentlichten Bestseller \u201eDas Ende der Geschichte\u201c international bekannt. Seine These: Nach dem Ende der Sowjetunion h\u00e4tten sich liberale Demokratie und Marktwirtschaft als Systeme erwiesen, zu denen es keine Alternative gebe.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <b>Kritik<\/b> Seit Kriege und autorit\u00e4re Regime zur\u00fcckgekehrt sind, wurde Fukayama oft als widerlegt kritisiert. In seinem neuen Buch \u201eDer letzte Mensch \u2013 Wohin steuert die Welt?\u201c (Hoffmann und Campe, 26 Euro) wehrt er sich dagegen und weist darauf hin, dass er in seinem damaligen Buch bereits die Zukunft liberaler Demokratien untersucht habe. Er habe damals schon \u201edie These aufgestellt, dass die Geschichte nicht an ihr Ende gelangt sei, sondern auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft lediglich eine Ruhepause eingelegt habe\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In seinem neuesten Buch geht der bekannte Politikwissenschaftler Francis Fukuyama auch auf das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 ein \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1087986,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,225639,3364,2030,29,37344,30,175854,2847,669,56186,1441,9634,64],"class_list":["post-1087985","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-bernd-weissbrod","tag-de","tag-deutsche-bahn","tag-deutschland","tag-francis-fukuyama","tag-germany","tag-infrastrukturprojekt","tag-kalifornien","tag-krise","tag-stanford","tag-stuttgart","tag-stuttgart-21","tag-usa"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116735093461512114","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1087985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1087985"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1087985\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1087986"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1087985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1087985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1087985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}