{"id":1089306,"date":"2026-06-12T16:04:15","date_gmt":"2026-06-12T16:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1089306\/"},"modified":"2026-06-12T16:04:15","modified_gmt":"2026-06-12T16:04:15","slug":"csd-mit-welchen-gefuehlen-starten-queere-menschen-in-augsburg-und-muenchen-ihre-paraden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1089306\/","title":{"rendered":"CSD: Mit welchen Gef\u00fchlen starten queere Menschen in Augsburg und M\u00fcnchen ihre Paraden?"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wer in M\u00fcnchen das Caf\u00e9 Nil betritt, der sieht die Welt rosarot: Die W\u00e4nde haben sie altrosa gestrichen und ein ganzer Busch von pinkfarbenen Rosen h\u00e4ngt von der Decke. Der Tresen strahlt in Goldt\u00f6nen, verziert mit \u00e4gyptischen Hieroglyphen. \u201eUnd zur Weihnachtenzeit f\u00e4hrt eine Modelleisenbahn durchs Caf\u00e9\u201c, sagt der Mann, der sich als Carl vorstellt. \u201eRichtig s\u00fc\u00df!\u201c Und dann beginnt der muskul\u00f6se Grauhaarige zu erkl\u00e4ren: Hier im Nil trifft sich die schwule Szene \u2013 und alle, die sie respektieren. Carl hat sein Gl\u00fcck in der Gemeinschaft gefunden, sie half ihm aus einer schweren Depression. Aber er sagt auch: In Bayern sieht die Lage f\u00fcr queere Menschen nicht \u00fcberall so rosarot aus. Hass, Attacken, schiefe Blicke? Treffen die Szene immer noch, immer wieder. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/pride-month-wie-sicher-ist-die-lgbtqi-community-in-bayern-114401825\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Wie sicher kann sich die LGBTQ-Community in Bayern f\u00fchlen<\/a>? Und f\u00fcr welche Ziele gehen sie jetzt wieder auf die Stra\u00dfe \u2013 <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/christopher-street-day-in-augsburg-warum-diese-menschen-an-der-demonstration-am-samstag-teilnehmen-114413083\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">wenn Regenbogenparaden durch die Stra\u00dfen ziehen<\/a>?\n  <\/p>\n<p>            Dominik Krause: \u201eIch erlebe zum Gl\u00fcck keine \u00dcbergriffe und Anfeindungen\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eIch hatte ja erst sp\u00e4t im Leben mein Coming-out\u201c, erkl\u00e4rt Carl, der Stammgast im Caf\u00e9 Nil. Mies habe er sich damals gef\u00fchlt, st\u00e4ndig einsam. \u201eIch hatte Depressionen.\u201c Doch dann traute er sich, er klopfte bei der Nachbarschaftshilfe an, hier im Glockenbachviertel. Carl fand dort schwule Freunde und half bald selbst mit bei der M\u00fcnchner Aids-Hilfe. Bei der CSD-Parade am 27. Juni wird er wieder einen Info-Stand betreuen: \u201eDieser Mix aus Protest und Party ist doch eine geile Sache! Und der CSD bleibt eine Demo.\u201c Was ihn bewegt, erkl\u00e4rt Carl an einem Beispiel: 2022 wollte <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/gesellschaft-aiwanger-familienlesung-mit-drag-queens-fall-fuers-jugendamt-id66400146.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die Dragqueen Vicky Voyage eine Lesung in M\u00fcnchen<\/a> halten, f\u00fcr Kinder ab 4 Jahren. Um Respekt und Toleranz sollte es gehen. Doch da schrie die AfD auf, Politiker warfen dem bunt geschminkten Mann \u201eFr\u00fchsexualisierung\u201c vor. \u201eUnd dann hat sich auch noch die <a href=\"https:\/\/www.allgaeuer-zeitung.de\/organisationen\/azv-csu\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">CSU<\/a> eingemischt. Manche haben ein Verbot gefordert.\u201c Carl schnaubt. \u201eAber sich dann als weltoffene, soziale Partei darstellen? Das ist Doppelmoral!\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nachgefragt bei Dominik Krause: Der Gr\u00fcnen-Politiker ist der erste Oberb\u00fcrgermeister der Stadt M\u00fcnchen, der offen schwul lebt. \u201eIch erlebe zum Gl\u00fcck keine \u00dcbergriffe und Anfeindungen, wenn ich mit meinem Partner durch M\u00fcnchen gehe\u201c, sagt Krause. \u201eAber ich glaube, dass das ein Privileg meines Amtes ist. In einer Gro\u00dfstadt wie M\u00fcnchen ist der Oberb\u00fcrgermeister nicht die erste Person, die gef\u00e4hrdet ist. Aber die Statistiken zeigen ja, dass wir eine deutliche Zunahme von Hasskriminalit\u00e4t gegen queere Menschen erleben.\u201c 181 queerfeindliche Straftaten z\u00e4hlte Bayerns Kriminalstatistik im Jahr 2025, darunter schwere K\u00f6rperverletzungen und ein Mordversuch. \u201ePr\u00e4ventionsprojekte sind unheimlich wichtig\u201c, sagt Krause, \u201eaber noch viel wichtiger ist, dass demokratische Politikerinnen und Politiker klar bleiben in ihrer Haltung, dass man sich nicht von Rechtsextremen die politische Debatte vergiften l\u00e4sst und nicht deren Sprache \u00fcbernimmt.\u201c\n  <\/p>\n<p>            \u201eEin Mann im Kleid ist ein Statement\u201c, sagt Dragqueen Janisha Jones<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zur\u00fcck ins Nil, dort spaziert gerade ein junger Mann aus der Caf\u00e9-K\u00fcche: \u201eJani!\u201c, so stellt er sich vor, mit vollem Namen hei\u00dft er Jan Sabater Vi\u00f1als. Doch bei Nacht verwandelt sich Jani in Janisha Jones. Seiner Kunstfigur als Dragqueen folgen 14.000 auf Instagram: Per\u00fccken tr\u00e4gt er, so hoch wie Turmbauten, dazu Kleider als wallende Kunstwerke. Sein Gesicht wirkt wie gemei\u00dfelt und modelliert, durch Make-Up-Malerei. Vor TV-Kameras stand Janisha auch schon: Heidi Klum suchte 2019 die \u201eQueen of Drag\u201c \u2013 Jani warf sich in den Fummel und in den Show-Wettkampf.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Heute besucht er aber ganz privat das Nil, als queerer Mann mit Dreitagebart: \u201eIch lebe seit 13 Jahren in M\u00fcnchen und finde: Die Stadt hat sich f\u00fcr uns zum Positiven ver\u00e4ndert.\u201c Durch das Bahnhofsviertel in Drag-Klamotte zu staksen? W\u00fcrde er sich zwar nicht trauen. \u201eAber was mir viel mehr Angst macht, als die Menschen auf der Stra\u00dfe, das sind die Menschen an der Macht.\u201c Zum Beispiel Donald Trump, der \u201edie Welt bombardiert\u201c und queere Menschen beleidigt. <a href=\"https:\/\/www.allgaeuer-zeitung.de\/politik\/was-ist-dran-an-den-geruechten-um-kanzlertausch-und-soeder-sturz-114339866\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Friedrich Merz findet er \u201enicht viel besser\u201c<\/a>. Jani will sich f\u00fcr die Rechte von Transpersonen einsetzen, und f\u00fcr Menschen, die sich weder als Frau noch Mann f\u00fchlen. \u201eMein Leben als Dragqueen basierte zuerst auf meiner Kunst. Dann habe ich erst gemerkt, wie politisch ich bin. Ein Mann im Kleid ist heute immer noch ein politisches Statement.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In diesem Sommer werden 46 Regenbogenparaden durch ganz Bayern spazieren. In <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> trifft sich der gro\u00dfe CSD-Stammtisch in der Bar Thing. \u201eIch habe das Gef\u00fchl, das Pendel schl\u00e4gt um\u201c, sagt Tanja. \u201eDie Stimmung in der Gesellschaft verschlechtert sich wieder.\u201c Sie, blond, braungebrannt, sportlich, erinnert sich an die Anf\u00e4nge der Paraden in Augsburg: \u201eBeim allerersten CSD, im Jahr 1998, waren wir nur sieben Leute. Mit F\u00e4hnchen sind wir durch die Stadt gezogen, und wir hatten Angst, was passiert, wenn uns jemand erkennt.\u201c <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/christopher-street-day-csd-2026-in-augsburg-programm-start-und-hintergruende-114402308\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Diesen Samstag startet der Zug wieder \u2013 aber mit tausenden Teilnehmern<\/a>. \u201eIch glaube, die Stimmung wird wieder politischer\u201c, sagt Tanja, \u201eund zwar aus guten Gr\u00fcnden\u201c. Augsburg vor vier Jahren: Nach der CSD-Parade begann eine Clique von Jugendlichen zu randalieren. Sie beleidigten queere Menschen, klauten und zerrissen Regenbogenfahnen. Sie verpr\u00fcgelten zwei Personen schwer und ein Opfer, das schon am Boden lag, traten sie gegen den Kopf.\n  <\/p>\n<p>            Christoph Waldstein ist ein alleinerziehender schwuler Vater<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Verstecken will sich Christoph Waldstein aus Augsburg nicht. Er setzt sich seine schwarze Brille auf die Nase und will offen \u00fcber sein Leben sprechen: \u201eViele kennen Regenbogenfamilien. Aber von alleinerziehenden schwulen V\u00e4tern redet kaum jemand.\u201c Mit seinem Ex-Partner hatte er eine kleine Familie gegr\u00fcndet \u2013 jetzt k\u00fcmmert sich Waldstein um den siebenj\u00e4hrigen Sohn. \u201eIch will den Leuten die Ber\u00fchrungsangst nehmen\u201c, sagt er und gibt gerne Interviews und Auskunft. \u201eIm Netz kommentieren das manche mit Hassbotschaften: \u201aEinen schwulen Vater sollte es eigentlich nicht geben\u2018.\u201c Gegen solche Stimmen will er auf dem CSD protestieren, auf seine ruhige Weise: \u201eIn den K\u00f6pfen existiert dieses Klischee vom schrillen, schwulen Mann. Ich m\u00f6chte auch etwas tun f\u00fcr die leiseren, stillen Schwulen\u201c, sagt er. \u201eWenn ich sage \u201aIch bin eben so, wie ich bin\u2018, dann schafft das Akzeptanz.\u201c\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer in M\u00fcnchen das Caf\u00e9 Nil betritt, der sieht die Welt rosarot: Die W\u00e4nde haben sie altrosa gestrichen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1089307,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[186,25664,680,772,774,29,2177,30,152,231273,1268,36591],"class_list":["post-1089306","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-afd","tag-aids","tag-augsburg","tag-bayern","tag-csu","tag-deutschland","tag-dominik-krause","tag-germany","tag-instagram","tag-janisha","tag-muenchen","tag-nil"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116737990229685178","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1089306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089306\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1089307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1089306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1089306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1089306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}