{"id":1089619,"date":"2026-06-12T18:56:28","date_gmt":"2026-06-12T18:56:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1089619\/"},"modified":"2026-06-12T18:56:28","modified_gmt":"2026-06-12T18:56:28","slug":"in-ulm-die-perfekte-taeuschung-des-auges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1089619\/","title":{"rendered":"In Ulm: Die perfekte T\u00e4uschung des Auges"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wer die Ausstellung von Stefan Bircheneder in der Galerie Tobias Schrade betritt, k\u00f6nnte zun\u00e4chst meinen, in einen halb eingerichteten B\u00fcroraum geraten zu sein: Ein Schreibtisch steht im Raum, davor ein gepolsterter Stuhl. Auf der Tischplatte liegen Utensilien eines flei\u00dfigen B\u00fcroarbeiters. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass hier nichts ist, was es zu sein vorgibt: Die Tischplatte ist eine Leinwand, das Polster des Stuhls ebenfalls. Alles ist gemalt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Verbl\u00fcffung geh\u00f6rt zum Konzept. Bircheneder beherrscht die alte Kunst des Trompe-l\u2019\u0153il, jener traditionsreichen Illusionsmalerei, die das Auge mit h\u00f6chster Malkunst t\u00e4uscht. Wie \u00fcberzeugend seine Bilder wirken, zeigt eine Anekdote von der Kunstmesse ART Karlsruhe. Dort nahm ein Besucher auf einem von Bircheneder gemalten Stuhl Platz. Die Galeristin f\u00fcrchtete um das Kunstwerk; der K\u00fcnstler selbst freute sich regelrecht. Denn die T\u00e4uschung hatte (wieder einmal) funktioniert.\n  <\/p>\n<p>            In der Galerie Schrade in Ulm<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wer in Bircheneders Arbeiten lediglich eine virtuose Maltechnik sieht, \u00fcbersieht ihren eigentlichen <a href=\"https:\/\/www.mainpost.de\/geld-leben\/gehalt\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Gehalt<\/a>. Seine Werke sind weit mehr als fotorealistische Finger\u00fcbungen. Sie erz\u00e4hlen Geschichten \u00fcber die Kultur des Alltags, \u00fcber Erinnerungen, Arbeitswelten, das langsame Verschwinden einer Epoche. In <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/neu-ulm\/ort\/ulm\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ulm<\/a> zeigt der 1974 im niederbayerischen Vilshofen geborene K\u00fcnstler Schilder, Spinde, Aktenordner und Plakate. Gegenst\u00e4nde, die gew\u00f6hnlich kaum Beachtung finden, werden bei ihm zu Tr\u00e4gern von Erz\u00e4hlungen. Ein ge\u00f6ffneter Spind gibt den Blick auf ein Superman-Kost\u00fcm frei. Daneben liegen Potenzmittel und Vitaminpr\u00e4parate. Ein Aktenordner mit Superman-Emblem tr\u00e4gt die Aufschrift \u201eGerettete Leben\u201c. Er ist jedoch nur halb gef\u00fcllt. Die Pointe ist leise und wirkungsvoll: Der Held altert und auch Superkr\u00e4fte unterliegen den Gesetzen der Zeit. Die Ikonen der Popul\u00e4rkultur bev\u00f6lkern Bircheneders Bilder. Vergessene Marken der siebziger, achtziger und neunziger Jahre tauchen auf, alte Verpackungen, Westernhefte oder Aufkleber. Auf einem Spind klebt Alf, jene au\u00dferirdische Fernsehfigur, die einst in deutschen Kinderzimmern allgegenw\u00e4rtig war.\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/neu-ulm\/ulm-alltaegliches-und-abgespacetes-das-zeigen-ulmer-galerien-im-februar-105915675\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Aus Eisendraht hat Thomas Raschke aus Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd unter anderem seine \u201eBoots\u201c kreiert. Zu sehen sind sie im Rahmen der Ausstellung \u201eDaily Things\u201c in der Galerie Tobias Schrade.\" title=\"Aus Eisendraht hat Thomas Raschke aus Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd unter anderem seine \u201eBoots\u201c kreiert. Zu sehen sind sie im Rahmen der Ausstellung \u201eDaily Things\u201c in der Galerie Tobias Schrade.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/neu-ulm\/ulm-neu-ulm-drei-kunstperspektiven-im-herbst-zwischen-decollage-und-traumwelten-103113589\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Werke von Martin Krampen, dessen Name in Ulm auch fest mit der HfG verwoben ist, sind aktuell im Kunstraum West zu sehen.\" title=\"Werke von Martin Krampen, dessen Name in Ulm auch fest mit der HfG verwoben ist, sind aktuell im Kunstraum West zu sehen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der gelernte Kirchenmaler und Restaurator besch\u00e4ftigt sich seit Jahren mit verlassenen Fabriken, Industriebrachen und sogenannten \u201eLost Places\u201c. Was andere als h\u00e4sslich oder wertlos empfinden, interessiert ihn besonders. In stillgelegten Produktionsst\u00e4tten und verlassenen Sozialr\u00e4umen sucht er nach den Resten menschlicher Anwesenheit. Seine menschenleeren Panoramen konservieren die Geschichte der Industriegesellschaft, ohne sie zu idealisieren.\n  <\/p>\n<p>            \u201eLetzte Schicht\u201c: T\u00e4uschungen des Bircheneder noch bis 11. Juli<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dabei ist die Abwesenheit des Menschen paradoxerweise das zentrale Thema seiner Kunst. Die Figuren fehlen, doch ihre Spuren sind \u00fcberall sichtbar. Offenstehende B\u00fcroschr\u00e4nke, angelehnte Spindt\u00fcren oder zur\u00fcckgelassene Kaffeedosen wirken wie Portr\u00e4ts ihrer einstigen Besitzer. Menschen selbst treten nie auf. Die \u201eLetzte Schicht\u201c ist lange her. Darin liegt die zauberhafte Melancholie dieser Werke.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Warum sind die Menschen verschwunden? Die Bilder geben keine Antwort; Bircheneder l\u00e4sst die M\u00f6glichkeiten bewusst offen. Seine barock \u00fcbersteigerten Lichtstimmungen verleihen den verlassenen Orten etwas Unwirkliches, beinahe Sakrales. Hier zeigt sich m\u00f6glicherweise noch die Schule des Kirchenmalers, der gelernt hat, mit Licht zu erz\u00e4hlen. Zugleich zeigt Bircheneder einen feinen Humor. Seine Kunst beobachtet die Welt mit Schalk und Sympathie; diese Verbindung aus Ironie und Ernst macht ihren Reiz aus. Was bleibt, wenn die Menschen gegangen sind? Bircheneders Antwort f\u00e4llt poetisch aus.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer die Ausstellung von Stefan Bircheneder in der Galerie Tobias Schrade betritt, k\u00f6nnte zun\u00e4chst meinen, in einen halb&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1089620,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1775],"tags":[203784,1793,231308,29,214,3079,30,231310,57327,80,1794,966,231309,12755,215,231311],"class_list":["post-1089619","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-alltagsgegenstand","tag-art-and-design","tag-bircheneder","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-gehalt","tag-germany","tag-illusionsmalerei","tag-industriebrache","tag-kultur","tag-kunst-und-design","tag-schule","tag-tobias-schrade","tag-ulm","tag-unterhaltung","tag-vilshofen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116738666275962944","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1089619"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089619\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1089620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1089619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1089619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1089619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}