{"id":1093380,"date":"2026-06-14T08:50:13","date_gmt":"2026-06-14T08:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1093380\/"},"modified":"2026-06-14T08:50:13","modified_gmt":"2026-06-14T08:50:13","slug":"ohne-lutherkitsch-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1093380\/","title":{"rendered":"Ohne Lutherkitsch \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbDa haben Sie Gl\u00fcck, dass Sie noch einen Platz finden.\u00ab \u2013 Der freundliche Kellner weist dem Gast einen Platz zu, z\u00fcndet die Kerze an, empfiehlt ein Bier. \u00bbDas Zwickel ist wirklich mein Lieblingsbier.\u00ab Gl\u00fcck hat ganz Leipzig. Denn in den Th\u00fcringer Hof ist nicht nur wieder Leben eingezogen. Das Traditionshaus in der Burgstra\u00dfe tischt kulinarisch \u00fcberzeugend auf.<\/p>\n<p>Schon die Vorg\u00e4ngergeb\u00e4ude wurden gastronomisch genutzt. Auf eine Studentenburse von 1466 folgte ein Gasthof mit Pferdeausspanne. Den betrieb ein Freund Luthers, weshalb sich das Haus damit schm\u00fcckt, der Reformator pers\u00f6nlich habe hier gespeist. Kl\u00f6\u00dfe, wie immer wieder behauptet, k\u00f6nnen es nicht gewesen sein, denn die Kartoffel war zu der Zeit in Europa noch nicht als Nahrungsmittel bekannt. H\u00f6rt man sich unter Menschen in der Region um, dann haben viele etwas \u00fcbers Gasthaus zu erz\u00e4hlen. Nicht immer Gutes. Von vermiesten Jugendweihen und verpatzten Familienfeiern ist zu erfahren. Das Essen sei auf Touristen ausgelegt gewesen, die sowieso nur einmal k\u00e4men. Die letzte Kritik der K\u00fcche, die 2012 im kreuzer erschien, war deutlich: \u00bbGeschmacklich lau erscheint auch die \u203aLutherspeise\u2039 Eisbein auf Sauerkraut und Kl\u00f6\u00dfen. Letztere haben als feste billardkugelgro\u00dfe B\u00e4lle keine \u00c4hnlichkeit mit den Th\u00fcringer Originalen. Dank der verschwenderischen Menge an Senf und Meerrettich kommt dem zerkochten Fleisch und Kraut noch Geschmack zu.\u00ab<\/p>\n<p>Diese Zeiten sind nun vorbei. Ende April \u00f6ffnete das gro\u00dfe Holztor unterm Sandsteinbogen wieder, ohne gro\u00dfes Brimborium wurde ein Traditionsort wieder lebendig, w\u00e4hrend daf\u00fcr ein anderer schloss. Denn der neue Wirt im Th\u00fcringer Hof ist Thomas Leiding, der das 125 Jahre alte Forsthaus Raschwitz in Markkleeberg gef\u00fchrt hat \u2013 und zuvor schon dessen K\u00fcchenchef war. Dort zog Leiding im Dezember 2025 die Rei\u00dfleine, nachdem die zigste Mieterh\u00f6hung drohte. W\u00e4hrend das Forsthaus noch immer f\u00fcr 9.000 Euro Monatsmiete auf Immobilienportalen angeboten wird, er\u00f6ffnete der Wirt samt Team in der Leipziger Innenstadt. Und kann sich vor Zuspruch kaum retten.<\/p>\n<p>\u00bbWir haben viel zu tun\u00ab, erkl\u00e4rt der Kellner. \u00bbUnsere alten Stammg\u00e4ste vom Forsthaus gucken nach dem Rechten, die des Th\u00fcringer Hofs auch.\u00ab Zudem kommt Laufkundschaft ins Restaurant mit A-Lage. Dass das aufmerksame Personal darauf eingestellt ist, alle Abl\u00e4ufe schnell, aber nicht \u00fcberhastet zu bew\u00e4ltigen, merkt man sofort. Sie sind Profis in Sachen Gastlichkeit.<\/p>\n<p>Getr\u00e4nketechnisch gibt es alles, was in einem gutb\u00fcrgerlichen Lokal zu erwarten ist. Die K\u00fcche ist vom fr\u00fcheren Th\u00fcringenfokus abger\u00fcckt. Zander, Schnitzel, Wildschweinr\u00fccken und Mutzbraten stehen etwa auf der Karte, Ragout fin vom Kalb, Rote-Bete-Carpaccio und Gnocchi mit Basilikumpesto ebenso, nat\u00fcrlich saisonal auch Spargel. Mit dem empfohlenen Zwickel-Kellerbier (der halbe Liter f\u00fcr 5,40 Euro) aus Bayreuth auf der Zunge \u2013 hopfig-frisch, leicht karamellig \u2013 geht der Blick ins Rund. Reduziertes Mobiliar l\u00e4sst das gem\u00fctliche Gew\u00f6lbe zur Geltung kommen. Die Tische stehen in angemessenem Abstand voneinander, der Raum ist gro\u00df, die Atmosph\u00e4re aber angenehm und fern von der eines Wartesaals. Dunkles Fischgr\u00e4tparkett erinnert an vergangene Geselligkeitsjahrzehnte. Alte Tischgestelle wurden mit neuen, helleren Platten ausgebessert, Holzb\u00e4nke s\u00e4umen die W\u00e4nde. Mit gleichem Material sind die gewei\u00dfelten Pfeiler umkleidet, die sich zur hohen Gew\u00f6lbedecke hin \u00f6ffnen. Einige historische Ansichten und Pflanzen sind verteilt, ohne die Raumwirkung in warmem Licht zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u00bbVorsicht, sehr hei\u00df!\u00ab \u2013 Mit feinen Spargelst\u00fccken und Schnittlauch satt lockt das Cremes\u00fcppchen. Frische, Sch\u00e4rfe und Buttrigkeit f\u00fcgen sich angenehm zu einem Wei\u00dfweinhauch, lediglich die Konsistenz ist ein wenig d\u00fcnn. An fruchtigen Preiselbeeren wird der \u00fcber Nacht geschmorte Hirschsauerbraten gereicht. Das Rotkraut schmeckt nicht zu eindimensional s\u00e4uerlich, die etwas zu festen Kl\u00f6\u00dfe z\u00e4hlen zum Mittelma\u00df. Drin stecken anger\u00f6stete Semmelbr\u00f6sel, au\u00dfen sind sie mit Butterbr\u00f6seln \u00fcberzogen. Der schmackhafte Hirsch ist sch\u00f6n zart und weichfasrig. Rucola und Radicchio als Beilagensalat setzen einen modernen Akzent. Die abschlie\u00dfenden hei\u00dfen Marillenkn\u00f6del sind beinahe schlotzig, die Konfit\u00fcref\u00fcllung ist nicht zu s\u00fc\u00df, Butterbr\u00f6sel besorgen hier einen \u00fcberraschenden Effekt in der Textur. Kurzum: Der Th\u00fcringer Hof ist wieder zur empfehlenswerten Adresse geworden. TOBIAS PR\u00dcWER<\/p>\n<p>&gt; Th\u00fcringer Hof, Burgstr. 19, 04109 (Zentrum), Tel. 03 41\/3 58 84 15, Mo, Mi\/Do 16\u201322, Fr\/Sa 12\u201322, So 11.30\u201317 Uhr, Hauptgerichte: 15,90\u201324,90 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbDa haben Sie Gl\u00fcck, dass Sie noch einen Platz finden.\u00ab \u2013 Der freundliche Kellner weist dem Gast einen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1093381,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,231878,30,71,1598,183300,231879,120451,859,861],"class_list":["post-1093380","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-gatsro","tag-germany","tag-leipzig","tag-restaurant","tag-restaurant-leipzig","tag-restaurant-leipziig","tag-restauranttipp","tag-sachsen","tag-thueringen"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1093380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1093380"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1093380\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1093381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1093380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1093380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1093380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}