{"id":1095428,"date":"2026-06-15T06:00:17","date_gmt":"2026-06-15T06:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095428\/"},"modified":"2026-06-15T06:00:17","modified_gmt":"2026-06-15T06:00:17","slug":"haben-kunstmuseen-noch-eine-zukunft-welche-rolle-soziale-medien-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095428\/","title":{"rendered":"Haben Kunstmuseen noch eine Zukunft? Welche Rolle soziale Medien spielen"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In den sozialen Medien kursieren zurzeit Bilder von Menschen inmitten von gepunkteten Riesententakeln. Die Gebilde wuchern aus W\u00e4nden und dem Boden und sehen aus wie eine Erscheinung, die das Gehirn unter LSD produziert. Andere Nutzer posten Fotos von einem menschenhohen K\u00fcrbis oder einem in Dunkelheit getauchten Wohnraum, der mit leuchtenden Farbtupfern \u00fcbers\u00e4t ist.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Bilder stammen aus einer Ausstellung der <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/kunstmessen-art-basel-beginnt-mit-grossen-namen-und-hohen-summen-109667939\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">japanischen K\u00fcnstlerin Yayoi Kusama.<\/a> Seit Mitte M\u00e4rz l\u00e4uft die Schau im Museum Ludwig in K\u00f6ln und wird wohl einen neuen Besucherrekord des Hauses aufstellen. W\u00e4hrend mit der <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/fussball-weltmeisterschaft-tim-payne-vom-nobody-zum-wm-star-im-internet-114335956\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">nahenden Weltmeisterschaft der Fu\u00dfball die \u00f6ffentliche Wahrnehmung dominiert,<\/a> wird h\u00e4ufig \u00fcbersehen, wie viele Menschen sich auch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/kultur\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Kultur<\/a> interessieren. Gleichzeitig ver\u00e4ndern soziale Medien und digitale Formate die Art, wie Kunst erlebt wird. Wie m\u00fcssen Museen konzipiert sein, um attraktiv zu bleiben \u2013 vor allem f\u00fcr die jungen Generationen?\n  <\/p>\n<p>            Fast eine Viertelmillion Besucher in der Kusama-Schau in K\u00f6ln<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Fast eine Viertelmillion Besucher haben die Kusama-Retrospektive bis vergangenen Mittwoch bereits gesehen. Mit ihrer Kunst verarbeitet die 97-j\u00e4hrige Japanerin Halluzinationen, die sie seit ihrer Kindheit erlebt. In Kusamas Fr\u00fchwerk geht es auch viel um Feminismus und Pazifismus. \u201eUnd das sind ja Themen, die wieder sehr aktuell sind\u201c, betont Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dass Kunst nach wie vor gro\u00dfen Anklang findet, zeigen auch Besuchszahlen aus anderen Schauen: Die <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/ausstellung-caspar-david-friedrich-klar-modern-romantisch-id68819406.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Hamburger Kunsthalle<\/a> etwa veranstaltete vor zwei Jahren die meistbesuchte Ausstellung in der Geschichte des Hauses mit Werken von Caspar David Friedrich. F\u00fcr die historische Vermeer-Ausstellung 2023 pilgerten Hunderttausende nach Amsterdam. Und die zurzeit laufende Schau \u201eMonets K\u00fcste \u2013 Die Entdeckung von \u00c9tretat\u201c im Frankfurter St\u00e4del lockte seit Mitte M\u00e4rz bereits \u00fcber 150.000 Interessierte an.\n  <\/p>\n<p>            Mehr als 100 Millionen Besuche in deutschen Museen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Insgesamt registrierten deutsche Museen im Jahr 2024 rund 107 Millionen Besuche, wie das Institut f\u00fcr Museumsforschung meldete. Dazu z\u00e4hlen nicht nur Kunstausstellungen, sondern alle Arten von Museen. Um das einmal mengenm\u00e4\u00dfig einzusch\u00e4tzen: F\u00fcr die Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga wurden in der Saison 2024\/25 etwa 21 Millionen Tickets verkauft.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Kusama-Ausstellung beweist, dass Kunst auch junge Menschen fasziniert. Etwa ein Viertel der Besucher sei unter 18 Jahre alt, sch\u00e4tzt Museumsdirektor Dziewior. Ein Grund f\u00fcr die Beliebtheit der Ausstellung sei, dass es viele von Kusamas Werken erlauben, selbst in die Kunst einzutauchen. Damit eigneten sie sich ideal f\u00fcr Fotos in den sozialen Medien.\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/kunst-versteigert-fuer-millionen-80-jahre-muenchner-auktionshaus-ketterer-114440697\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Wassily Kandinskys \u201eVilla Seeburg am Staffelsee\u201c von 1911 kam am Freitagabend f\u00fcr 5,5 Millionen Euro unter den Hammer. Das Gem\u00e4lde war mehr als 100 Jahre nicht \u00f6ffentlich ausgestellt. Die jetzigen Besitzer hatten es in den 1910er Jahren beim Galeristen Herwarth Walden erworben.\" title=\"Wassily Kandinskys \u201eVilla Seeburg am Staffelsee\u201c von 1911 kam am Freitagabend f\u00fcr 5,5 Millionen Euro unter den Hammer. Das Gem\u00e4lde war mehr als 100 Jahre nicht \u00f6ffentlich ausgestellt. Die jetzigen Besitzer hatten es in den 1910er Jahren beim Galeristen Herwarth Walden erworben.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p>            Immersive Ausstellungen ohne Originalwerke: \u201eMarketing, keine Kunst\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Instagram-tauglich sind auch die vielen sogenannten immersiven Ausstellungen, die es in immer mehr St\u00e4dten gibt. In diesen werden meist keine Originalwerke gezeigt, sondern Bilder an W\u00e4nde projiziert, oft begleitet von Musik. Die Ausstellungen gibt es zu bekannten K\u00fcnstlern wie Frida Kahlo und Vincent van Gogh. In den sozialen Medien finden sich zahlreiche Fotos, auf denen die Besucher vor den Animationen posieren. Gehen Menschen etwa nur noch in Kunstausstellungen, um ein Selfie f\u00fcr Instagram zu machen?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zumindest f\u00fcr die Kusama-Ausstellung in K\u00f6ln gilt dies nur bedingt, erkl\u00e4rt Museumsdirektor Dziewior. \u201eWir merken, dass unser Publikum auch wissbegierig ist.\u201c Es k\u00f6nne zwar durchaus sein, dass manche Besucher haupts\u00e4chlich f\u00fcr ein Foto kommen. \u201eAber der sch\u00f6ne Nebeneffekt ist, dass sie f\u00fcr sich und ihr Leben viel lernen.\u201c Zu immersiven Ausstellungen ohne Original-Kunstwerke hat Dziewior eine klare Meinung: Sie s\u00e4hen zwar sch\u00f6n aus und die Besucher k\u00f6nnten auch dort etwas lernen. \u201eAber das ist Marketing, keine Kunst.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/yilmaz-dziewior1.jpg\" alt=\"Yilmaz Dziewior ist Direktor des Museum Ludwig in K\u00f6ln. Zu immersiven Ausstellungen ohne Originalwerke sagt er: &quot;Das ist Marketing, keine Kunst.&quot;\" title=\"Yilmaz Dziewior ist Direktor des Museum Ludwig in K\u00f6ln. Zu immersiven Ausstellungen ohne Originalwerke sagt er: &quot;Das ist Marketing, keine Kunst.&quot;\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Yilmaz Dziewior ist Direktor des Museum Ludwig in K\u00f6ln. Zu immersiven Ausstellungen ohne Originalwerke sagt er: &#8222;Das ist Marketing, keine Kunst.&#8220;<br \/>\n    Foto: Falko Alexander<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Yilmaz Dziewior ist Direktor des Museum Ludwig in K\u00f6ln. Zu immersiven Ausstellungen ohne Originalwerke sagt er: &#8222;Das ist Marketing, keine Kunst.&#8220;<br \/>\n    Foto: Falko Alexander<\/p>\n<p>            Kann man mit Gem\u00e4lden junge Menschen noch f\u00fcr Kunst begeistern?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dabei experimentieren auch etablierte Museen mit digitalen Formaten, etwa VR-Brillen. Aus Sicht von Dziewior sind diese allein allerdings nicht die Zukunft der Kunstvermittlung. Ein Medium entscheide noch nicht \u00fcber den Erfolg einer Ausstellung, sondern die Inhalte. \u201eVR-Brillen f\u00fcr sich sagen noch gar nichts, genauso wenig wie \u00d6l auf Leinwand per se etwas sagt.\u201c Neben digitalen Darstellungsformen begeistern klassische Formate wie Gem\u00e4lde und Skulpturen nach wie vor, ist Dziewior \u00fcberzeugt \u2013 gerade weil sie einen Gegensatz zum Internet mit seiner Bilderflut bildeten.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wie gerne Menschen Kunst vor Ort erleben, habe sich anhand der Reaktion der Besucher nach den Corona-Lockdowns gezeigt. \u201eDas ist einfach ein riesiger Unterschied, ob Sie einen Rothko und dieses Pulsieren der Bilder in Original oder bei Instagram sehen\u201c, betont Dziewior. \u201eGerade in Krisenzeiten haben wir so viele gesellschaftliche Fragen. Kunst kann helfen, sich entweder genau mit diesen Problemen zu befassen \u2013 oder abzuschalten und sich mit urmenschlichen Fragen zu besch\u00e4ftigen.\u201c\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den sozialen Medien kursieren zurzeit Bilder von Menschen inmitten von gepunkteten Riesententakeln. 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