{"id":1095583,"date":"2026-06-15T07:32:15","date_gmt":"2026-06-15T07:32:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095583\/"},"modified":"2026-06-15T07:32:15","modified_gmt":"2026-06-15T07:32:15","slug":"triennale-der-photographie-elf-ausstellungen-tausende-bilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095583\/","title":{"rendered":"Triennale der Photographie: Elf Ausstellungen, Tausende Bilder"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Diesen Sommer \u00fcber l\u00e4uft in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a> die neunte   Triennale der Photographie. Acht Museen und Kunstinstitutionen haben sich daf\u00fcr zusammengetan und zeigen Fotoausstellungen. Einige davon umfassen Hunderte Werke von ber\u00fchmten Fotografinnen und Fotografen \u2013 andere konzentrieren sich auf einzelne, junge und noch kaum bekannte Kunstschaffende. Die Bandbreite reicht dabei von Dokumentarfotografie in Schwarz-Wei\u00df bis zu abstrakten Farbexperimenten. Einmal ist sogar nur die Asche von verbrannten Fotografien zu sehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Leitung der Phototriennale wird alle drei Jahre neu vergeben, f\u00fcr die aktuelle Ausgabe konnte Mark Sealy gewonnen werden, der Gr\u00fcnder und Leiter der Foto-Instititution\u00a0<a href=\"https:\/\/autograph.org.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Autograph ABP<\/a> in London. Als Thema der Triennale hat er Alliance, Infinity, Love \u2013 in the Face of the Other ausgegeben, was sinngem\u00e4\u00df etwa \u00bbB\u00fcndnisse, Endlosigkeit, Liebe \u2013 Im Angesicht des Fremden\u00ab bedeutet.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sealy m\u00f6chte damit die Bedeutung der Fotografie als nicht rein k\u00fcnstlerisches, sondern soziales Medium unterstreichen, eines, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/01\/mark-sealy-phototriennale-2026-hamburg-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das auch Anerkennung und Solidarit\u00e4t beg\u00fcnstigen kann.<\/a> Alle H\u00e4user sind aufgerufen, sich an diesem Thema zu orientieren. Hier zeigen wir Ihnen einen \u00dcberblick, was so zu sehen ist.\n<\/p>\n<p>    \u00dcbersicht:<br \/>\n    <a href=\"#flexible-toc\" class=\"article-flexible-toc__showall\" data-ct-column=\"false\" onclick=\"this.previousSibling.classList.remove('article-flexible-toc__list--wrapped'); return false;\"><br \/>\n            Mehr anzeigen<br \/>\n        <\/a><br \/>\n            Deichtorhallen: Ein Fest der Vielfalt<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>In den Deichtorhallen findet sich die opulente Hauptausstellung der Phototriennale. Mark Sealy, der k\u00fcnstlerische Leiter des Festivals, hat daf\u00fcr rund 500 Fotos von mehr als 30 internationalen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern zusammengestellt. Das Motto der Triennale und der Titel dieser Ausstellung sind identisch: Alliance, Infinity, Love \u2013 in the Face of the Other. \u00bbDie Fotografie ist eine Einladung, uns auf Dinge einzulassen, die uns<br \/>\nfremd sind\u00ab, sagt Sealy. \u00bbSie ermutigt uns, Unterschiede zu akzeptieren, ohne<br \/>\nBedingungen.\u00ab\u00a0\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Pia Bublies f\u00fcr die ZEIT\/\u200bDIE ZEIT<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Elbvertiefung \u2013 Der t\u00e4gliche Newsletter f\u00fcr Hamburg<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Erfahren Sie aus der Redaktion der ZEIT, was in Hamburg wichtig ist \u2013 pr\u00e4gnant, pers\u00f6nlich und pointiert, jeden Werktag um 6 Uhr.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In den Deichtorhallen zeigt er \u00fcberwiegend Portr\u00e4ts und Selbstportr\u00e4ts. Sealy feiert die Vielfalt menschlicher Lebensformen, die sich jedoch oft gegen Widerst\u00e4nde behaupten m\u00fcssen \u2013 oder daran zugrunde gehen. Ein besonderes Faible hat Sealy f\u00fcr K\u00fcnstlerpaare, die Grenzen der vermeintlichen Zugeh\u00f6rigkeit \u00fcberwinden \u2013 wie der Fotograf Richard Avedon und der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/schriftsteller\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schriftsteller<\/a> James Baldwin. <\/p>\n<p>Avedon kam aus einer j\u00fcdischen Familie, Baldwin war<br \/>\nAfroamerikaner. Zusammen ver\u00f6ffentlichten sie 1964 das Buch Nothing Personal. Es zeigt einen Querschnitt der US-amerikanischen Gesellschaft. In den Deichtorhallen ist es Doppelseite f\u00fcr Doppelseite in langen Vitrinen ausgestellt.\n<\/p>\n<p>                            Eines der Selbstportr\u00e4ts von Rotimi Fani-Kayode, die in den Deichtorhallen zu sehen sind: \u00bbNothing to Lose XII (Bodies of Experience)\u00ab aus dem Jahr 1989            \u00a9\u00a0Courtesy Autograph, London<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen:<\/strong> die Selbstportr\u00e4ts von Rotimi Fani-Kayode. Er fotografierte sich nackt,<br \/>\nin stark stilisierten Posen. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man das als Hochglanzerotik im Stile Robert Mapplethorpes abtun. Doch der Blick auf die Fotos \u00e4ndert sich, wenn man ihre Geschichte<br \/>\nkennt: Fani-Kayode, ein queerer Kriegsfl\u00fcchtling aus Nigeria, nahm sie<br \/>\nin seiner Wohnung in Brixton auf, einem von Gewalt gepr\u00e4gten Londoner<br \/>\nArbeiterviertel, w\u00e4hrend der Aids-Epidemie der 1980er-Jahre. Sie sind ein unwahrscheinlicher Akt der Selbstbehauptung.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Alliance, Infinity, Love \u2013 In the Face of the Other l\u00e4uft noch bis 22. September in der Halle f\u00fcr aktuelle Kunst der Deichtorhallen (Deichtorstra\u00dfe 1\u20132, Altstadt). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. <a href=\"https:\/\/www.deichtorhallen.de\/de\/ausstellungen\/in-the-face-of-the-other\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        Deichtorhallen (zweite Ausstellung): F. C. Gundlachs geheime Sammlung<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Im Spannungsfeld zwischen sozial erw\u00fcnschter Selbstverleugnung und der Freiheit der Kunst bewegt sich auch die zweite Ausstellung der Deichtorhallen. Die Kuratorin Sabine Schnakenberg zeigt Cocktail Prolong\u00e9, ein \u00bbF. C. Gundlach Spezial\u00ab, wie es im Untertitel hei\u00dft. F. C. Gundlach (1926\u20132021) ist heute vor allem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/24\/fc-gundlach-modefotografie-hamburg-bucerius-kunst-forum\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">als Modefotograf bekannt<\/a>. \u00bbIn der \u00d6ffentlichkeit zeigte er Kleidung an sehr d\u00fcnnen Frauen\u00ab, sagt Sabine Schnakenberg, \u00bbprivat interessierte er sich auch f\u00fcr ganz andere K\u00f6rper.\u00ab Die Ausstellung pr\u00e4sentiere eine Auswahl an Bildern aus Gundlachs Kunst- und Fotosammlung, die er zu Lebzeiten zum Teil vor anderen verborgen gehalten habe. Anfangs auch vor Schnakenberg, seiner damaligen Assistentin. \u00bbMit der Zeit merkte er, dass ich nicht leicht zu ver\u00e4ngstigen bin\u00ab, sagt sie.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Diese Bilder brechen oftmals mit der vornehmen Eleganz, f\u00fcr die Gundlach stand, viele zeigen nackte K\u00f6rper, einzelne sind sexuell explizit. Es handelt sich bei Cocktail Prolong\u00e9 aber nicht um eine profane Pornosammlung, die jetzt vor die Augen der \u00d6ffentlichkeit gezerrt wird, sondern um Investitionen eines Sammlers in unkonventionelle K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, die inzwischen teils sehr angesehen sind, etwa Jenny Holzer, Robert Mapplethorpe oder Cindy Sherman.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen:<\/strong> Nicht zu \u00fcbersehen \u2013 und kaum wieder zu vergessen \u2013 ist ein Foto von Richard Kern, das die amerikanische Aktionsk\u00fcnstlerin Kembra Pfahler zeigt, mit blauer Haut, gespreizten Oberschenkeln und einer zugen\u00e4hten<br \/>\n Vulva (eine Attrappe, versichert Schnakenberg). Pfahler ver\u00f6ffentlichte das Foto 1998 in dem Sexmagazin Penthouse. Man kann sich das Bild als einen feministischen Angriff auf die m\u00e4nnlichen Leser vorstellen, die eigentlich gef\u00e4lligere nackte Frauenk\u00f6rper erwartet hatten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Ort, Lauf- und \u00d6ffnungszeiten wie bei Alliance, Infinity, Love \u2013 in the Face of the Other. Die Eintrittskarte der Deichtorhallen berechtigt zum Besuch beider Ausstellungen.\n<\/p>\n<p>                                        Bucerius Kunst Forum: Mode, Glamour, Retrocharme<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Bei der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/2022-05\/phototriennale-hamburg-ausstellung-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">vergangenen Phototriennale bildete das Werk des Fotografen Herbert List (1903\u20131975) einen Schwerpunkt,<\/a> mit mehreren Ausstellungen und einer Retrospektive im Bucerius Kunst Forum. Dieses Mal f\u00e4llt diese Rolle F. C. Gundlach zu. Egal wie sehr sich die k\u00fcnstlerischen Leitungen der Ausstellungen f\u00fcr postkoloniale oder marginalisierte Perspektiven einsetzen \u2013 ganz ohne tote, wei\u00dfe M\u00e4nner geht es wohl nicht. Vor allem wenn der 100. Jahrestag ihrer Geburt bevorsteht, wie damals bei List und jetzt bei Gundlach am 16. Juli.\n<\/p>\n<p>                            Ein Foto von F. C. Gundlach aus dem Jahr 1963: \u00bbBiggi in einem Kost\u00fcm von Uli Richter vor dem Breitscheidplatz mit Ged\u00e4chtniskirche und Bikini-Haus\u00ab aus der Serie \u00bbDie Weitwinkel-Perspektive\u00ab            \u00a9\u00a0F.C. Gundlach \/\u200b Stiftung F.C. Gundlach<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In der Ausstellung F. C. Gundlach: You\u2019ll Never Watch Alone kommen alle auf ihre Kosten, die Kleidung, Glamour und Retrocharme sch\u00e4tzen. Auf den Modefotos, die Gundlach in den 1950er- und 1960er-Jahren in Paris, New York und Westberlin aufnahm, haben Telefone noch Kabel und Frauen H\u00fcte auf dem Kopf. Den Nerzkragen trug man ohne jede Kunstfaser und Reue. Es herrschte eine Eleganz der Form, sp\u00e4ter auch der Farbenrausch und die Beschleunigung des Space-Age: D\u00fcsenjets! Seifenkisten! Farbfilm! Pop-Art!\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Titel der Ausstellung ist an Fanges\u00e4nge des FC St. Pauli angelehnt. Gundlach betrieb eine Galerie neben dem Millerntorstadion des Vereins, wo oftmals You\u2019ll never walk alone erschallt. Au\u00dferdem betont das Kuratorenteam das Netzwerk aus Vorbildern und Verb\u00fcndeten, in dem Gundlach sich bewegte. Neben rund 130 seiner Fotos werden darum auch rund 70 von Zeitgenossen gezeigt, darunter Will McBride, Annie Leibovitz und Edward<br \/>\nSteichen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>Auf einem kleinen, bescheidenen Farbfoto ist ein Fensterbrett zu sehen, auf dem Obst, schrumpeliges Gem\u00fcse und eine Musikkassette liegen. Durch die Fensterscheibe sieht man \u2013 entfernt und unscharf \u2013 gelbe Taxis. Das Motiv hei\u00dft Stillleben und wurde 2001 von Wolfgang Tillmans aufgenommen. Tillmans, heute einer der bekanntesten lebenden Fotok\u00fcnstler, war damals f\u00fcr eine Weile in New York untergekommen, in einer Wohnung am Madison Square Park, die Gundlach oft seinen Freundinnen und Freunden \u00fcberlie\u00df.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dieses Foto ist noch ein zweites Mal auf der Phototriennale ausgestellt, in der Sammlung Falckenberg. Dort ist der Abzug riesig, und das Motiv ist fast bis auf die Gr\u00f6\u00dfe eines Werbeplakats aufgeblasen. Doch das Kleinformat aus Gundlachs Privatsammlung ist st\u00e4rker: Es wirkt beil\u00e4ufiger, intimer.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte:<\/strong> F. C. Gundlach: You&#8217;ll Never Watch Alone l\u00e4uft noch bis 16. August im Bucerius Kunst Forum (Alter Wall 12, Altstadt). Ge\u00f6ffnet t\u00e4glich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Mehr Informationen <a href=\"https:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/ausstellungen\/fc-gundlach-youll-never-watch-alone\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gibt es hier<\/a>.\n<\/p>\n<p>                                        Hamburger Kunsthalle: Eine Ausstellung, in der man sich verlaufen kann<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Der Titel dieser Ausstellung ist nicht sehr einladend: ABER ICH \/ DIE WELT \/ ICH SEHE \/ DICH. Drei Zeilenumbr\u00fcche zwischen vier Satzstummeln: Wieso? Und was soll das f\u00fcr eine Welt sein, die zweimal \u00bbich\u00ab sagt, bevor es ihr gelingt, einmal \u00bbdu\u00ab zu sagen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zu sehen ist in dieser Gruppenausstellung Landschaftsfotografie, die<br \/>\nsich auf die Schoah bezieht, auf die Atombombenabw\u00fcrfe und auf den<br \/>\nB\u00fcrgerkrieg in Angola. Dazu gibt es avantgardistischen Tanz frei nach<br \/>\nLo\u00efe Fuller (1862\u20131928) und Variationen von Marcel Duchamps ber\u00fchmtem<br \/>\nPissoir. Neben Fotos werden auch Skulpturen gezeigt, Videos, analoger Film, in<br \/>\neinem Raum steht sogar ein alter Tageslichtprojektor und wirft ein Bild<br \/>\nan die Wand. Die Kuratorin Corinne Diserens sagt, es gehe ihr um Themen<br \/>\nwie Zerfall, Kontamination, Trauma, Pilze, wilde Hunde und die Nato-Pr\u00e4senz im Kosovo \u2013 selbst<br \/>\nwenn man mit ihr gemeinsam durch diese Ausstellung geht, kommt man<br \/>\nintellektuell bald nicht mehr mit.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das macht aber nichts. ABER ICH \/ DIE WELT \/ ICH SEHE \/ DICH sei nicht als Erz\u00e4hlung angelegt, sagt Diserens, es gebe hier keinen Anfang, Mittelteil und Schluss. Stattdessen solle man durch die Ausstellung spazieren, wie durch eine Landschaft. Beruhigend, denn in einer Landschaft kann man sich verlaufen und trotzdem interessante Entdeckungen machen. Der Titel der Ausstellung ist \u00fcbrigens bereits ihr erstes Exponat: ein Textkunstwerk des Konzeptk\u00fcnstlers R\u00e9my Zaugg.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>Der pal\u00e4stinensische Fotograf Taysir Batniji zeigt 35 Bilder von digitalen Verzerrungen und Pixelst\u00fcrmen. Batniji lebt in Paris, viele seiner Angeh\u00f6rigen in Gaza. Es handelt sich um Screenshots, die er zwischen 2015 und 2017 bei Videocalls mit ihnen aufnahm. Die Reihe hei\u00dft Disruptions: Ein Ph\u00e4nomen, das wir als profanes \u00c4rgernis kennen, wird hier zum Ausdruck einer ersch\u00fctternden Hilflosigkeit.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte:<\/strong> ABER ICH \/ DIE WELT \/ ICH SEHE \/ DICH l\u00e4uft<br \/>\n noch bis 4. Oktober in der Hamburger Kunsthalle (Glockengie\u00dferwall 5, Altstadt).<br \/>\nGe\u00f6ffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Mehr<br \/>\nInformationen <a href=\"https:\/\/www.hamburger-kunsthalle.de\/de\/ausstellungen\/aber-ich-die-welt-ich-sehe-dich\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gibt es hier<\/a>.\n<\/p>\n<p>                                        Kunsthaus Hamburg: Fotos, ganz ohne Bilder<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Wenn Sie genug von Bildern haben, dann gehen sie ins Kunsthaus. Hier l\u00e4uft Whispers der K\u00fcnstlerin\u00a0Melike Kara, die einzige Ausstellung der Triennale, in der kein einziges Foto an der Wand h\u00e4ngt. Stattdessen betritt man eine weitgehend leere Halle, in der ein leises Pl\u00e4tschern ert\u00f6nt und 23 flache Wasserbecken stehen. Darin schwimmt morastiges Wasser, br\u00e4unlich, schwarz, gelbgr\u00fcn.\n<\/p>\n<p>                            Eine Installationsansicht der Ausstellung \u00bbWhispers\u00ab von Melike Kara im Kunsthaus Hamburg.            \u00a9\u00a0Jaewon Kim \/\u200b Kunsthaus Hamburg<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Oft benutzen wir die W\u00f6rter \u00bbFoto\u00ab und \u00bbBild\u00ab synonym \u2013 in unserer Alltagssprache und auch in diesem Artikel. Aber Fotografien sind mehr als ihr Motiv. Als Dias oder Abz\u00fcge haben sie eine Materialit\u00e4t. Damit arbeitet Melike Kara: Sie hat Teile ihres fotografischen Archivs verbrannt und zeigt nun nicht die Motive der Fotografien, sondern ihre Asche, die sie in den Wasserbecken versenkt hat.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aus dem Archiv, das Vergangenes fixiert, ist eine N\u00e4hrl\u00f6sung f\u00fcr Zuk\u00fcnftiges geworden: In einigen Becken sprie\u00dfen erste kleine Wasserpflanzen, vermutlich werden es w\u00e4hrend der Laufzeit der Phototriennale noch mehr werden. Ein Garten, der sich aus Erinnerungen speist.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>den Gesichtsausdruck der anderen Besucherinnen und Besucher. Einige, die den Raum betreten, wirken zun\u00e4chst irritiert. Und dann, wenn sie lange genug entlang der Wasserbecken spaziert sind: friedlich und versonnen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Melike Kara: Whispers l\u00e4uft noch bis 23. August im Kunsthaus Hamburg (Klosterwall 15, Altstadt). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. <a href=\"https:\/\/kunsthaushamburg.de\/ausstellungen\/melike-kara\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        Kunstverein in Hamburg: Noch mehr Asche<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Gleich um die Ecke vom Kunsthaus liegt der Kunstverein, und auch hier arbeitet eine junge K\u00fcnstlerin mit Asche. Nina Porter, geboren 1994 in London, sammelt diese aus Kaminfeuern zusammen, presst sie zu kleinen Baukl\u00f6tzen und schichtet damit minimalistische Skulpturen auf.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sechs Inseln aus eierschalenfarbener Pappe liegen im Kunstverein auf dem Boden, darauf sind die Ascheklotzt\u00fcrmchen aufgebaut. Viele davon wirken unfertig, als mache die K\u00fcnstlerin nur eine Pause und w\u00fcrde gleich zur\u00fcckkehren. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen f\u00fcnf Fotos, die alle denselben Vorgang zeigen: Textilfasern, die auf einem elektrostatischen Generator liegen und sich im Moment ihrer Aufladung kurz aufrichten. Es gehe \u2013 bei der Asche wie bei den aufgeladenen Fasern \u2013 um verschiedene Erscheinungsformen von Materialit\u00e4t und Energie, sagt Sarah Messerschmidt, die Kuratorin der Ausstellung.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>Auf den ersten Blick sehen die f\u00fcnf Fotos fast identisch aus. Auf den zweiten erkennt man in der zerkratzten, metallenen Oberfl\u00e4che des elektrostatischen Generators jedes Mal andere Spiegelungen. Man sieht das Atelier der K\u00fcnstlerin (ein Fenster, einen Heizk\u00f6rper) und schemenhaft auch sie selbst. Die Kuratorin Messerschmidt sagt, es handele sich bei den Fotos um \u00bbPortr\u00e4ts, Selbstportr\u00e4ts, Stillleben und nichts von alledem.\u00ab\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Die Ausstellung Sample Questions von Nina Porter l\u00e4uft noch bis 22. September im Kunstverein (Klosterwall 23, Altstadt). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. <a href=\"https:\/\/www.kunstverein.de\/exhibitions\/sample-question\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        MARKK: Die Ambivalenz des Archivs<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Das <a href=\"https:\/\/markk-hamburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">MARKK \u2013 Museum am Rothenbaum<\/a> widmet sich unter dem Titel Bilderechos aus Peru einem Fotografen, dessen Aufnahmen mehr als hundert Jahre alt sind, aber auf Instagram zirkulieren. Hans Heinrich Br\u00fcning (1848\u20131928) zog 1875 aus dem heutigen Schleswig-Holstein nach Nordperu. Dort arbeitete er als Ingenieur auf Zuckerrohrplantagen und begann zu fotografieren. Seine Bilder zeigen die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung zum Beispiel beim Fischen, beim Flechten und beim Karneval.\n<\/p>\n<p>                            Eines der Fotos von Hans Heinrich Br\u00fcning aus der Sammlung des MARKK: \u00bbDomitila mit bemaltem Gesicht beim Karneval\u00ab, aufgenommen in Laredo in Nordperu, 1896            \u00a9\u00a0MARKK<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Seine rund 2.000 Aufnahmen vermachte Br\u00fcning dem damaligen V\u00f6lkerkundemuseum in Hamburg, das heute MARKK hei\u00dft. Die Glasplattennegative blieben lange unbeachtet, bis ein US-amerikanischer Anthropologe sie in den 1980er-Jahren durch spanischsprachige Publikationen auch in Lateinamerika bekannt machte. Von dort kommen nun immer wieder Forscherinnen und Forscher, um mit den Fotos zu arbeiten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/peru\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peru<\/a> habe inzwischen ein Revival der indigenen Moche-Kultur begonnen, sagt Christine Chav\u00e9z aus dem deutsch-peruanischen Kuratorenteam. Menschen eignen sich die durch den Kolonialismus unterdr\u00fcckten und fast vergessenen Traditionen wieder an \u2013 und Br\u00fcnings Fotos leisten dazu einen Beitrag. Sie werden heute von Menschen in Peru aus Museumskatalogen gescannt, teilweise nachkoloriert und in sozialen Medien verbreitet.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen:<\/strong> Br\u00fcnings Fotos seien \u00bbambivalent\u00ab, sagt Christine Chav\u00e9z. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Portr\u00e4t von Mercedes Niquen, aufgenommen am 20. Mai 1907. Die Aufnahme zeigt eine junge, indigene Frau, die selbstbewusst in die Kamera blickt und mit vollem Namen genannt wird. Das Abbild eines Individuums, k\u00f6nnte man denken. Doch dieser Eindruck ger\u00e4t ins Wanken, wenn man die Messlatte erblickt, die rechts am Bildrand steht. Damals verwendete man sie, um Menschen zu vermessen und daraus die Eigenschaften ihrer angeblichen Rassen abzuleiten \u2013 und in der Folge ihre Ausbeutung zu rechtfertigen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte:<\/strong> Bilderechos aus Peru l\u00e4uft noch bis 27. Juni 2027 im MARKK \u2014 Museum am Rothenbaum (Rothenbaumchaussee 64, Rotherbaum). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Mehr Informationen <a href=\"https:\/\/markk-hamburg.de\/ausstellungen\/bilderechos-aus-peru\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gibt es hier<\/a>.\n<\/p>\n<p>                                        Museum der Arbeit: K\u00fcnstlerin? Nein, \u00bbAktivistin mit Kamera\u00ab!<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Die britische Fotografin Franki Raffles (1955\u20131994) interessierte sich f\u00fcr die Lebens- und Arbeitswelten von Frauen. Mehr als 300 ihrer dokumentarischen Schwarz-Wei\u00df-Fotos sind nun unter dem Titel Photography, Activism, Campaign Works im Museum der Arbeit zu sehen. Es ist die erste Einzelausstellung der erkl\u00e4rten \u00bbAktivistin mit Kamera\u00ab  in Deutschland.\n<\/p>\n<p>                            Ein Foto von Franki Raffles, das keinen Titel tr\u00e4gt, blo\u00df Schlagworte: \u00bbCommunity, childcare, housing, Children playing\u00ab. Aufgenommen in Edinburgh, zwischen 1987 und 1990            \u00a9\u00a0Franki Raffles Estate<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zu sehen sind Kinder in den dunklen Innenh\u00f6fen von Sozialbauten. Seniorinnen, die f\u00fcr mehr Rente demonstrieren. Frauen in Kitteln, die Schweine zu Futtertr\u00f6gen treiben. Teils sind diese Fotos nicht in Schottland entstanden, wo Raffles lebte, sondern in der Sowjetunion. Im Jahr 1989, kurz vor dem Mauerfall, reiste die Fotografin drei Monate lang durch das Land. Sie<br \/>\nwar nicht nur Feministin, sondern auch Marxistin, aber wohl keine allzu humorlose: Auf dem<br \/>\neinzigen Standbild von Karl Marx, das in der Ausstellung zu sehen ist, hat es sich<br \/>\neine Taube fett und frech auf dessen Kopf bequem gemacht.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Ausstellung ist eine \u00dcbernahme aus dem <a href=\"https:\/\/baltic.art\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Baltic Centre for Contemporary Art<\/a> in der englischen Stadt Gateshead, die Mark Sealy vermittelt hat. Die meisten der gezeigten Abz\u00fcge wurden erst f\u00fcr diese Ausstellung angefertigt.<br \/>\nSogenannte Vintage Prints, also hochwertige Abz\u00fcge, die noch von der Fotografin selbst hergestellt wurden, gebe es<br \/>\nkaum, sagt die Kuratorin Luisa Hahn. Das l\u00e4ge auch an Raffles\u2019 Selbstverst\u00e4ndnis: Sie habe f\u00fcr Publikationen und f\u00fcr Plakatkampagnen fotografiert, nicht f\u00fcr Kunstsammler oder Museen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>Eine der letzten gro\u00dfen Arbeiten vor ihrem fr\u00fchen Tod war eine Plakatkampagne, die \u00bbNull Toleranz\u00ab f\u00fcr Gewalt gegen Frauen forderte. Sie sorgte in den 1990er-Jahren f\u00fcr Aufsehen, und man versteht wieso: Motive einer vermeintlich heilen Welt \u2013 M\u00e4dchen im Kinderzimmer, eine elegante Dame vor dem Kamin \u2013 werden hier mit S\u00e4tzen kontrastiert, die sich in drastischer Klarheit auf sexuellen Missbrauch und h\u00e4usliche Gewalt beziehen. Den Bildmotiven sieht man inzwischen ihr Alter an, die S\u00e4tze k\u00f6nnte man heute genauso noch einmal drucken.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Franki Raffles: Photography, Activism, Campaign Works l\u00e4uft noch bis 6. September im Museum der Arbeit (Wiesendamm 3, Barmbek-Nord). \u00d6ffnungszeiten: montags von 10 bis 21 Uhr, mittwochs bis freitags 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 18 Uhr. <a href=\"https:\/\/www.shmh.de\/ausstellungen\/franki-raffles\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe: Was w\u00fcrde Tutanchamun sagen?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Die gr\u00f6\u00dfte Fotoausstellung, die aktuell im <a href=\"https:\/\/www.mkg-hamburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe<\/a> gezeigt wird, widmet sich dem Lebenswerk von Hans Hansen,<br \/>\nder Produktfotos f\u00fcr Unternehmen wie Volkswagen, Lufthansa und Kodak<br \/>\ninszenierte. Sie l\u00e4uft jedoch unabh\u00e4ngig von der Phototriennale. Der<br \/>\nTriennalebeitrag hei\u00dft F\u00fcrsorge, es handelt sich um eine kleine Ausstellung der K\u00fcnstlerin Sara Sallam.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sallam<br \/>\n wurde 1991 in \u00c4gypten geboren. Heute lebt sie in den Niederlanden \u2013 und<br \/>\n wundert sich dar\u00fcber, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit Mumien und<br \/>\nGrabbeigaben aus ihrem Heimatland in europ\u00e4ischen Museen ausgestellt<br \/>\nwerden. \u00bbWas w\u00e4re, wenn das in den Vitrinen meine Gro\u00dfmutter w\u00e4re?\u00ab,<br \/>\nfragt Sallam. <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In F\u00fcrsorge zeigt sie eine Auswahl an Fotos und Objekten aus \u00c4gypten, die sie in den Sammlungen des<br \/>\n Museums gefunden hat. Dazu l\u00e4uft ihre Videoarbeit <a href=\"https:\/\/sarasallam.com\/I-prayed-for-the-resin-not-to-melt\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">I Prayed For The Resin Not To Melt<\/a> (2022), in der sie die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun aus der Sicht des<br \/>\nVerstorbenen schildert. Was sonst als arch\u00e4ologische Abenteuergeschichte<br \/>\n erz\u00e4hlt wird, klingt hier wie eine Gewalttat.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen:<\/strong> In einer Vitrine steht<br \/>\n ein unscheinbares Briefkuvert. Darin, sagt Sallam, befinde sich die<br \/>\nHaarstr\u00e4hne einer Verstorbenen, die im fr\u00fchen 19. Jahrhundert aus einem<br \/>\nGrab entnommen wurde. Sp\u00e4ter gelangte sie aus einer Privatsammlung in<br \/>\ndas Museum. In anderen \u00f6ffentlichen Sammlungen in Hamburg liegen auch Sch\u00e4del, die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2024\/32\/deutscher-kolonialismus-museen-hochschulen-gebeine\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">teils aus Gr\u00e4bern entwendet wurden<\/a>. Es solle rasch gekl\u00e4rt werden, wie man mit solchen<br \/>\n\u00bbmenschlichen \u00dcberresten aus kolonialen Kontexten\u00ab umgeht, haben die Kultusminister beschlossen. <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/974430\/1589206\/85c3d309797df4b2257b7294b018e989\/2019-03-13-bkm-anlage-sammlungsgut-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Das ist nun schon sieben Jahre her<\/a>.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>F\u00fcrsorge l\u00e4uft noch bis 10. Januar 2027 im Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe (Steintorplatz,<br \/>\n St. Georg). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr,<br \/>\ndonnerstags bis 21 Uhr. Mehr Informationen <a href=\"https:\/\/www.mkg-hamburg.de\/besuch\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gibt es hier<\/a>.\n<\/p>\n<p>                                        PHOXXI: Analoge Fotografie heute<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Auf dem Platz vor den Deichtorhallen stehen bunte Container, die wie Baukl\u00f6tze aufeinandergestapelt sind. Das ist das PHOXXI, das tempor\u00e4re  Haus der Photographie, w\u00e4hrend das Haupthaus planm\u00e4\u00dfig noch bis 2028 saniert wird. Neulich ging es im PHOXXI <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/2024-04\/fotografie-museen-kuenstliche-intelligenz-nadine-henrichs-kuratorin-deichtorhallen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">um KI-Bilder, Handyfotos und virale Memes,<\/a> jetzt setzt die Kuratorin Nadine Isabelle Henrich einen anderen Fokus: In den zwei Ausstellungen Rotting From Within von Abdulhamid Kircher und Residual Sky under Contamination von Akosua Viktoria Adu-Sanyah pr\u00e4sentiert sie die analoge Fotografie als lebendiges Handwerk.\n<\/p>\n<p>                            Ein Besucher im PHOXXI vor Arbeiten von Akosua Viktoria Adu-Sanyah            \u00a9\u00a0Deichtorhallen Hamburg, Foto: Henning Rogge<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Abdulhamid Kircher, Jahrgang 1996, ist Sohn deutscher und t\u00fcrkischer Eltern. Akosua Viktoria Adu-Sanyah, geboren 1990, ist eine deutsch-ghanaische K\u00fcnstlerin. Beide besch\u00e4ftigen sich fotografisch mit ihrer Familiengeschichte. W\u00e4hrend Kircher eine klassische dokumentarische Bildsprache verfolgt, w\u00e4hlt Adu-Sanyah einen ungew\u00f6hnlicheren Ansatz: In einer selbst gebauten Dunkelkammer fertig sie aus historischen Negativen Abz\u00fcge mit einer Gr\u00f6\u00dfe von bis zu<br \/>\n2,80 mal 1,32 Metern an. Dabei vermeidet sie technische Perfektion. Durch Doppelbelichtungen, Lichteinfall und Verunreinigungen entstehen Bilder, die teils eher an abstrakte Malerei als an Fotografie erinnern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen: <\/strong>Das Poster, das an der Kasse verteilt wird, verzeichnet fast hundert Orte in Deutschland, an denen man heute noch analoges Equipment kaufen und in Dunkelkammern selbst Abz\u00fcge anfertigen kann. Einen \u00e4hnlichen \u00dcberblick habe es bisher nicht gegeben, sagt Kuratorin Henrich, die Liste wurde eigens vom PHOXXI-Team recherchiert. Bleibt zu hoffen, dass die verzeichneten Fotolabore und Fachgesch\u00e4fte nicht allzu schnell aussterben.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Die Ausstellungen Rotting From Within und Residual Sky under Contamination laufen noch bis zum 1. November im PHOXXI (Deichtorstra\u00dfe 1\u20132, Altstadt). \u00d6ffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. <a href=\"https:\/\/www.deichtorhallen.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        Sammlung Falckenberg: Die Lust am Widerspruch<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das ist zu sehen: <\/strong>Die <a href=\"https:\/\/www.deichtorhallen.de\/de\/deichtorhallen\/sammlung-falckenberg\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Sammlung Falckenberg<\/a> aus Hamburg-Harburg hat sich<br \/>\nmit dem franz\u00f6sischen Centre Claude Cahun zusammengetan. Unter der \u00dcberschrift<br \/>\nInner Mornings, or Forms of Counterculture sind rund 170 Arbeiten von<br \/>\nmehr als 80 internationalen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern zu sehen. Eines der ersten Fotos, das<br \/>\nman erblickt, hat Endre T\u00f3t aufgenommen. Drei Menschen tragen darauf ein<br \/>\nBanner \u00fcber ein Pariser Boulevard, die Aufschrift lautet: \u00bb<a href=\"https:\/\/fracdespaysdelaloire.com\/programmation\/on-est-heureux-quand-on-manifeste\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">On est heureux quand<br \/>\non manifeste<\/a>\u00ab \u2013 \u00bbWir sind gl\u00fccklich, wenn wir demonstrieren.\u00ab Wof\u00fcr oder wogegen diese Menschen auf die Stra\u00dfe gehen, erfahren wir nicht.\n<\/p>\n<p>                            Olaf Breunings Foto \u00bbDouble\u00ab aus dem Jahr 2002 ist aktuell in der Sammlung Falckenberg zu sehen.            \u00a9\u00a0Olaf Breuning, Courtesy von Bartha, Basel\/\u200bCopenhagen. Deichtorhallen Hamburg\/\u200bSammlung Falckenberg, Foto: Egbert Haneke<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Damit ist der Ton der Ausstellung gesetzt. Inner Mornings<br \/>\nwidmet sich der Lust am Widerspruch. Gezeigt werden zum Beispiel bitterb\u00f6se <a href=\"https:\/\/www.martharosler.net\/house-beautiful\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fotocollagen von Martha Rosler<\/a> aus der Zeit des Vietnamkriegs. Oder die gro\u00dfformatige Aufnahme einer Aktion von Santiago Sierra. Im Jahr 1998, also nach dem \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2014\/25\/josef-joffe-zeitgeist-25-2014\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ende der Geschichte<\/a>\u00ab,<br \/>\n als man in den USA und in Europa glaubte, der globale Siegeszug von<br \/>\nDemokratie und Marktwirtschaft sei nicht mehr zu stoppen, blockierte<br \/>\nSierra mit einem gemieteten Lkw eine wichtige Stra\u00dfe in Mexiko-Stadt.<br \/>\nSo wollte er den Welthandel unterbrechen, wenigstens f\u00fcnf Minuten lang.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Protest ist in Inner Mornings nicht<br \/>\nverbissen. Sondern, um den Titel der Ausstellung zu<br \/>\nparaphrasieren: eine innere Morgenr\u00f6te, die belebend wirkt, selbst wenn sie<br \/>\npolitisch vergeblich bleibt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Dieses Bild sollten Sie nicht verpassen:<\/strong> Fleeting Glance von<br \/>\n Maik Gr\u00e4f. Der K\u00fcnstler zeigt historische Portr\u00e4ts schwuler M\u00e4nner, die<br \/>\n er am Harburger Bahnhof in Vitrinen zwischen Gleis drei und Gleis vier geh\u00e4ngt hat. Von dort f\u00e4llt ihr Blick auf die Menschen, die vorbeihasten \u2013 und<br \/>\ndie manchmal stehen bleiben, um den Blick zu erwidern. Gr\u00e4f<br \/>\nbezieht sich damit auf das Cruising, also auf die<br \/>\nSuche nach anonymen Sexpartnern. Der Schriftsteller Hubert<br \/>\nFichte schilderte, wie in den 1960er-Jahren, als Homosexualit\u00e4t in der<br \/>\nBundesrepublik unter Strafe stand, M\u00e4nner einander in den Gr\u00fcnstreifen<br \/>\nnahe dem Hamburger Hauptbahnhof suchten und fanden. Weil<br \/>\ndort nachts ein st\u00e4ndiges Kommen und Gehen herrschte, bezeichnete Fichte<br \/>\n die Gegend als \u00bb<a href=\"https:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/hubert-fichte-der-kleine-hauptbahnhof-oder-lob-des-strichs-9783100207142\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">kleinen Hauptbahnhof<\/a>\u00ab.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Maik Gr\u00e4f wurde vom <a href=\"https:\/\/www.kvhbf.de\/#\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Kunstverein Harburger Bahnhof<\/a><br \/>\neingeladen, die Vitrinen zu bespielen. Seine Arbeit ist also nicht Teil<br \/>\nvon Inner Mornings, doch da es auch hier um Lust und unangepasstes<br \/>\nVerhalten geht, bietet sie eine gute Einstimmung auf die Ausstellung. Und wer mit<br \/>\nder S-Bahn anreist, braucht nur einen kleinen Umweg zu gehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Das Kleingedruckte: <\/strong>Inner Mornings, or Forms<br \/>\nof Counterculture l\u00e4uft noch bis 13. September in der Sammlung Falckenberg (Wilstorfer<br \/>\nStra\u00dfe 71, Harburg). Ge\u00f6ffnet sonntags von 12 bis 17 Uhr sowie im<br \/>\nRahmen von F\u00fchrungen. Mehr Informationen <a href=\"https:\/\/www.deichtorhallen.de\/de\/ausstellungen\/inner-mornings\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gibt es hier<\/a>. Fleeting Glance von Maik Gr\u00e4f ist bis 9. August im Harburger Bahnhof (Hannoversche Stra\u00dfe 85, Harburg) zu sehen. <a href=\"https:\/\/www.kvhbf.de\/#\/programm\/fleeting-glance\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Infos hier<\/a>\n<\/p>\n<p>                                        Und sonst so: Off-Spaces, Galerien und mehr<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Neben den elf Hauptausstellungen gibt es viele unkommerzielle Projektr\u00e4ume, die im Windschatten der Triennale ebenfalls Fotos zeigen. Die Laufzeiten sind oft k\u00fcrzer als bei den gro\u00dfen Museen, die \u00d6ffnungszeiten unregelm\u00e4\u00dfig, deshalb lohnt sich ein Blick auf <a href=\"https:\/\/2026.phototriennale.de\/ausstellungen-fotosommer\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die neue Website zum Fotosommer<\/a>, auf der viele inoffizielle Begleitveranstaltungen der Phototriennale verzeichnet sind.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch Kunstgalerien beteiligen sich am Fotosommer: Im Galerienhaus an der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe zeigt etwa die Produzentengalerien <a href=\"https:\/\/www.produzentengalerie.com\/exhibitions\/12453\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fotos von Tobias Zielony<\/a> (bis 10. Juli), die Galerie Conradi wurde mit orangefarbenen Spinden zu einer Umkleidekabine umdekoriert, in der nun\u00a0<a href=\"https:\/\/www.galerie-conradi.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bilder von Andrzej Steinbach<\/a> h\u00e4ngen (bis 5. September) und Melike Bilir widmet sich in ihrem <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/qed.gallery\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">neuen Projektraum Q.E.D.<\/a> der Fotografin Keerthana Kunnath. Sie portr\u00e4tiert Frauen in S\u00fcdindien, die Kraftsport betreiben (bis 5. Juli).\n<\/p>\n<p>    <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diesen Sommer \u00fcber l\u00e4uft in Hamburg die neunte Triennale der Photographie. 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