{"id":1095855,"date":"2026-06-15T10:09:16","date_gmt":"2026-06-15T10:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095855\/"},"modified":"2026-06-15T10:09:16","modified_gmt":"2026-06-15T10:09:16","slug":"erinnerung-an-dirigenten-jascha-horenstein-in-der-rheinoper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095855\/","title":{"rendered":"Erinnerung an Dirigenten Jascha Horenstein in der Rheinoper"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">20. M\u00e4rz 1959, die Royal Albert Hall in London. Die Stimmung ist aufgeheizt, die BBC \u00fcbertr\u00e4gt live, der riesige Saal ist ausverkauft, 756 Mitwirkende stehen auf der B\u00fchne. Es gibt Gustav Mahlers gigantische 8. Sinfonie Es-Dur, die \u201eSinfonie der Tausend\u201c. Ein Kollegium aus Solisten und sechs Ch\u00f6ren singt, das London Symphony Orchestra spielt, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4rZeLxB8FYo\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Jascha Horenstein steht am Pult.<\/a><\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist ein Gipfelpunkt im Schaffen des gro\u00dfen Dirigenten, der zu Mahler einen besonderen Zugang hatte: Er war 1928 der erste Maestro gewesen, der dessen \u201eKindertotenlieder\u201c f\u00fcr die Schallplatte einspielte. Seine Karriere hatte der Jude Horenstein ein Jahr sp\u00e4ter in D\u00fcsseldorf fortgesetzt \u2013 bis sie dort 1933 j\u00e4h beendet wurde, von den Nazis und der br\u00fcllenden SA ausgerechnet w\u00e4hrend einer \u201eFidelio\u201c-Auff\u00fchrung im Opernhaus, dessen Generalmusikdirektor Horenstein damals war. Jetzt erinnert dort ein ganzer Tag an den Dirigenten, der 1929 an den Rhein gekommen war. Drei Veranstaltungen des \u201eFokus: Jascha Horenstein\u201c am 21. Juni wollen zeigen, wie modern der Musiker dachte und welche enorme musikalische Kompetenz er besa\u00df.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Horenstein, 1898 in Kiew geboren, kam \u00fcber <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wien<\/a> und Berlin nach D\u00fcsseldorf; er war Sch\u00fcler des Komponisten Franz Schreker und Z\u00f6gling des Dirigenten Wilhelm Furtw\u00e4ngler gewesen, der ihn schon Mitte der 1920er-Jahre mit den Berliner Philharmonikern auftreten lie\u00df. In D\u00fcsseldorf erm\u00f6glichte Horenstein mit dem Intendanten Walter Bruno Iltz ein Musiktheater, das sich der Moderne \u00f6ffnete. Horenstein machte sich um die Auff\u00fchrung zeitgen\u00f6ssischer Opern verdient, auf dem Programm der Oper standen in jenen Jahren Ernst Kreneks \u201eSchwergewicht\u201c, die Urauff\u00fchrung von Manfred Gurlitts \u201eDie Soldaten\u201c, \u201eDer Lindberghflug\u201c von Kurt Weill, Igor Strawinskys \u201eDie Geschichte vom Soldaten\u201c und Hans Pfitzners \u201eDas Herz\u201c, Hermann Reutters \u201eDer verlorene Sohn\u201c (nach Andr\u00e9 Gide) und Winfried Zilligs \u201eDer Rossknecht\u201c. \u00dcber eine D\u00fcsseldorfer Auff\u00fchrung seiner Oper \u201eWozzeck\u201c schrieb der Komponist Alban Berg an Iltz: \u201eDiese Reprise freut mich mehr als manche Erstauff\u00fchrungen, ja sie macht mich stolz\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der \u201eFokus\u201c-Tag im Opernhaus besteht aus mehreren miteinander verbundenen Veranstaltungen. Zun\u00e4chst gibt es eine Matinee um 11 Uhr im Foyer. Es folgt eine Auff\u00fchrung von \u201eWozzeck\u201c (in Stefan Herheims spektakul\u00e4rer Inszenierung aus dem Jahr 2017) um 15 Uhr. Um 17 Uhr gibt es ein Podiumsgespr\u00e4ch. Damit soll der Gedenktag auf drei Ebenen wirken: als Klang, als Opernerfahrung und als Reflexion.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Matinee tr\u00e4gt den Titel \u201eWien \u2013 Berlin \u2013 D\u00fcsseldorf: Eine musikalische Hommage an Jascha Horenstein\u201c und wird von Studierenden der Robert-Schumann-Hochschule D\u00fcsseldorf gestaltet. Das Programm spannt einen Bogen von Ernst Krenek \u00fcber Igor Strawinsky und Alban Berg bis zu Franz Schubert und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ludwig-van-beethoven\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ludwig van Beethoven<\/a>. Damit entsteht eine programmatische Miniatur dessen, wof\u00fcr Horenstein stand: die Gleichzeitigkeit von Moderne und \u00dcberlieferung. Ernst Kreneks \u201eKleine Suite f\u00fcr Klarinette in B und Klavier op. 28\u201c verweist auf die musikalische Zwischenkriegsmoderne, also genau auf jenen Horizont, in dem Horenstein als junger Operndirigent wirkte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Strawinskys \u201eGeschichte vom Soldaten\u201c bringt eine andere Seite dieser Epoche ins Spiel: rhythmische Sch\u00e4rfe, stilistische Mobilit\u00e4t, theatralische Zuspitzung. Alban Bergs \u201eSieben fr\u00fche Lieder\u201c schlagen dann die Br\u00fccke zu jener Wiener Moderne, die Horenstein in D\u00fcsseldorf nicht nur akzeptierte, sondern f\u00f6rderte. In der Programmlogik ist Berg der Schl\u00fcsselkomponist des Tages, weil Horenstein gerade seine Werke mit besonderer Konsequenz auf den Spielplan setzte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schubert und Beethoven erg\u00e4nzen das Bild. Schuberts \u201eDer Tod und das M\u00e4dchen\u201c erinnert an eine Tradition existenzieller Innerlichkeit. Beethovens \u201eFidelio\u201c in der Bl\u00e4seroktett-Fassung ist schlie\u00dflich doppelt aufgeladen: als Symbol der Freiheit und als Verweis auf jenes Werk, das Horensteins D\u00fcsseldorfer Ende markierte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Horenstein war nach dem Krieg aus dem US-amerikanischen Exil nach Europa zur\u00fcckgekehrt. Zun\u00e4chst dirigierte er in Frankreich, sp\u00e4ter auch in Deutschland (etwa beim SWR-Orchester in Baden-Baden oder bei den Bamberger Symphonikern). Seine Wahlheimat fand er in England, wo er h\u00e4ufig mit dem London Symphony Orchestra arbeitete. Nach D\u00fcsseldorf kehrte er nie wieder zur\u00fcck. Er starb 1973 in London.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20. M\u00e4rz 1959, die Royal Albert Hall in London. 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