{"id":1095954,"date":"2026-06-15T11:03:15","date_gmt":"2026-06-15T11:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095954\/"},"modified":"2026-06-15T11:03:15","modified_gmt":"2026-06-15T11:03:15","slug":"vereinigtes-koenigreich-social-media-verbot-fuer-unter-16-jaehrige-soll-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1095954\/","title":{"rendered":"Vereinigtes K\u00f6nigreich: Social-Media-Verbot f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige soll kommen"},"content":{"rendered":"<p>Gro\u00dfbritannien will Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien verbieten. Das Verbot orientiert sich am australischen Modell, das im Dezember 2025 in Kraft getreten ist, soll aber noch weitergehender sein \u2013 die britische Regierung nennt es dementsprechend \u201eAustralia-plus\u201c. Premierminister Keir Starmer k\u00fcndigte an, dass Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook, X, YouTube, Snapchat, Threads, Reddit, Twitch und Kick f\u00fcr Minderj\u00e4hrige gesperrt werden sollen. Au\u00dferdem sollen auch andere potenziell gef\u00e4hrdende Angebote wie Livestreaming oder die M\u00f6glichkeit des Chattens mit Erwachsenen eingeschr\u00e4nkt werden. Gegen Messenger wie WhatsApp oder Signal will man aber nicht vorgehen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien diesen Weg einschl\u00e4gt, positionierten sich j\u00fcngst die deutschen Bildungsminister der L\u00e4nder und der deutsche Ethikrat gegen strikte Altersgrenzen und pl\u00e4dierten f\u00fcr mehr Medienbildung. Der Digitalverband Bitkom kritisierte die Unverbindlichkeit dieses Ansatzes.<\/p>\n<p>Gro\u00dfer R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>Starmer sprach <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/media-telecom\/britain-expected-set-out-under-16s-social-media-restrictions-2026-06-14\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Reuters<\/a> zufolge von \u201eweltweit f\u00fchrenden\u201c Ma\u00dfnahmen. <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/social-media-to-be-banned-for-under-16s-in-landmark-government-move-to-givekids-their-childhood-back\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Zudem unterstrich er<\/a> in der offiziellen Regierungsank\u00fcndigung, dass die gro\u00dfen Social-Media-Plattformen in Sachen Jugendschutz zu wenig und zu langsam gehandelt h\u00e4tten: \u201eDie Tech-Giganten hatten ihre Chance und haben versagt; wir aber greifen ein, um Kinder zu sch\u00fctzen, Eltern zu unterst\u00fctzen und einen neuen Standard f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen zu setzen.\u201c Den Eindruck, dass gro\u00dfe Social-Media-Plattformen die Geduld der L\u00e4nder zu stark strapaziert haben, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/OECD-zu-Altersgrenzen-fuer-Social-Media-Genug-des-Wartens-11327656.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dokumentierte die OECD w\u00e4hrend einer Veranstaltung in der vergangenen <\/a>Woche. <\/p>\n<p>Starmer betonte, dass ein vollst\u00e4ndiges Verbot einen gewaltigen Unterschied machen werde. Es werde Kinder \u201esicherer und gl\u00fccklicher machen, ihnen mehr Zeit, mehr Sicherheit, mehr Freiheit beim Heranwachsen und mehr Chancen bieten.\u201c Soziale Medien h\u00e4tten zwar auch positive Eigenschaften f\u00fcr Jugendliche, die einhergehenden Beeintr\u00e4chtigungen seien aber zu stark. Er verwies auf eine wachsende Evidenzlage und <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Australien-Social-Media-Verbot-fuer-Jugendliche-wirkt-kaum-11275105.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Erfahrungen aus Australien<\/a>. Zudem kann sich die britische Regierung auf eine Konsultation mit rund 116.000 Teilnehmenden st\u00fctzen. Demnach sehen 83 Prozent der Eltern die Risiken sozialer Medien als gr\u00f6\u00dfer an als die Vorteile, 90 Prozent bef\u00fcrworten ein Mindestalter von 16 Jahren.<\/p>\n<p>Neben dem Plattformverbot sind weitere Einschr\u00e4nkungen geplant: Kinder sollen auf Gaming- und Streaming-Plattformen nicht mehr mit fremden Erwachsenen chatten k\u00f6nnen, Livestreaming durch unter 16-J\u00e4hrige soll untersagt werden. Diskutiert werden zudem n\u00e4chtliche Nutzungssperren, Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr suchtf\u00f6rdernde Designelemente wie Endlos-Feeds und Autoplay sowie Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr KI-Chatbots.<\/p>\n<p>Die technische Durchsetzung k\u00f6nnte allerdings auch in Gro\u00dfbritannien die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung sein. Die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Australiens-Social-Media-Bann-Die-einfache-Loesung-hat-das-Problem-nicht-behoben-11260307.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erfahrungen aus Australien zeigen, dass Jugendliche Verbote \u00fcber VPN-Dienste oder falsche Altersangaben<\/a> umgehen k\u00f6nnen. Die britische Regierung will sich auf den bestehenden Online Safety Act und die Aufsichtsbeh\u00f6rde Ofcom st\u00fctzen, die Plattformen verpflichtende Altersverifikation auferlegen soll. Zur Anwendung sollen \u201ehighly effective age assurance\u201c-Systeme (HEAA) kommen. Es wird erwartet, dass die Durchsetzung des Verbots im Fr\u00fchling 2027 erfolgt. Bis Weihnachten will die Regierung das Vorhaben durch das Parlament bringen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Deutschland setzt auf Medienkompetenz statt Verbote<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Gro\u00dfbritannien verfolgt Deutschland bisher einen anderen Kurs. Die Bildungsministerkonferenz (KMK) hat am 12. Juni eine <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/aktuelles\/pressearchiv\/mitteilung\/bildungsministerkonferenz-verabschiedet-gemeinsame-erklaerung-zum-umgang-mit-social-media-an-schulen.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">gemeinsame Erkl\u00e4rung zum Umgang mit Social Media an Schulen<\/a> verabschiedet. BMK-Pr\u00e4sidentin Anna Stolz (Freie W\u00e4hler) sprach von einem \u201eDreiklang aus sensibilisieren, st\u00e4rken, sch\u00fctzen\u201c \u2013 der Fokus liege auf der Entwicklung digitaler Resilienz und Medienkompetenz, nicht auf Verboten.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digitale-Teilhabe-Ethikrat-gegen-pauschales-Mindestalter-fuer-soziale-Medien-11329096.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutsche Ethikrat lehnt ebenfalls ein pauschales gesetzliches Mindestalter<\/a> f\u00fcr soziale Medien ab und begr\u00fcndete dies mit der unterschiedlichen Reife von Jugendlichen einer bestimmten Altersklasse. Diese Argumentation ignoriert allerdings, wie normalerweise pauschale Altersgrenzen etwa f\u00fcr das F\u00fchren von Kraftfahrzeugen, die Teilnahme an Wahlen, die Eheschlie\u00dfung oder auch den Konsum von Alkohol in Deutschland genutzt werden, um Heranwachsende und auch die Allgemeinheit zu sch\u00fctzen. Dahinter steht die Annahme, dass Menschen bis zu einem gewissen Alter noch bedeutende Reifeschritte durchlaufen sollten.<\/p>\n<p>Der Digitalverband Bitkom begr\u00fc\u00dfte zwar, dass sich die KMK zum Thema Social-Media-Altersgrenze offiziell positioniert hat, kritisierte die Erkl\u00e4rung aber als <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/Presse\/Presseinformation\/Bitkom-zur-Erklaerung-BMK-Social-Media-Schule\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">zu unverbindlich<\/a>. Bitkom-Pr\u00e4sident Ralf Wintergerst forderte unter anderem konkrete Standards f\u00fcr Medienbildung in den Schulen, eine gezielte Lehrkr\u00e4ftequalifizierung sowie einen Fahrplan zur Einbindung au\u00dferschulischer Partner. Medienbildung sei in Deutschland noch zu oft dem Zufall \u00fcberlassen und au\u00dferdem stark vom Elternhaus abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) eingesetzten <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Mindestalter-fuer-Social-Media-Kommission-legt-Bestandsaufnahme-vor-11264815.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kommission \u201eKinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt\u201c<\/a>, die eine abschlie\u00dfende offizielle Einsch\u00e4tzung zur Verbotsdebatte liefern soll, wurden f\u00fcr den 24. Juni angek\u00fcndigt. Prien lie\u00df bereits kommunizieren, dass dann knapp 50 Empfehlungen ver\u00f6ffentlicht werden, die sich neben den Schulen auch an Eltern, Kitas und etwa \u00c4rzte richten werden.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:kbe@heise.de\" title=\"Kristina Beer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kbe<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien will Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien verbieten. 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