{"id":1096582,"date":"2026-06-15T17:04:27","date_gmt":"2026-06-15T17:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1096582\/"},"modified":"2026-06-15T17:04:27","modified_gmt":"2026-06-15T17:04:27","slug":"sek-einsatz-in-stuttgart-baumbesetzer-wehren-sich-gegen-vorwurf-des-linksextremismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1096582\/","title":{"rendered":"SEK-Einsatz in Stuttgart: Baumbesetzer wehren sich gegen Vorwurf des \u201eLinksextremismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Februar 2024 hatte das Sondereinsatzkommando (SEK) Umweltaktivisten von einem besetzten Baum an der Uni Stuttgart geholt. \u00dcber das Nachspiel wird nun gestritten.<\/p>\n<p> Eberhard Linckh ist kein Anf\u00e4nger, was Baumbesetzungen betrifft. Der Umweltaktivist, der sich unter anderem bei der Organisation <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Robin_Wood\" title=\"Robin Wood\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Robin Wood<\/a> engagiert, wurde in seinem Leben bereits f\u00fcnf Mal von Einheiten des Sondereinsatzkommandos (SEK) von B\u00e4umen ger\u00e4umt. Er kletterte auf B\u00e4ume vor dem Stuttgarter Wagenburgtunnel, auf B\u00e4ume im Schlossgarten und im Rosensteinpark wegen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> 21, sowie in Wiesbaden, als es um den Dannenr\u00f6der Wald ging. Im Februar 2024 stieg er auf einen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Baum\" title=\"Baum\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baum<\/a> auf dem Campus der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Universit%C3%A4t_Stuttgart\" title=\"Uni Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Uni Stuttgart<\/a>. Rund zw\u00f6lf Stunden verharrte er mit anderen Aktivisten auf der Eiche in rund 15 Meter H\u00f6he \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.universitaet-in-stuttgart-vaihingen-sek-holt-umweltaktivisten-von-besetztem-baum.9d118902-76e6-4959-b28c-dfdb42e64189.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">dann kam das SEK<\/a>. Doch bei dieser Baumbesetzung war eine Sache v\u00f6llig anders, sagt er: n\u00e4mlich das, was danach passierte.<\/p>\n<p>Der 68-j\u00e4hrige Linckh betont, dass alle f\u00fcnf R\u00e4umungen durch SEK-Beamte \u201eohne jegliche Gegenwehr stattfanden\u201c. Auf dem Baum h\u00e4tten sie immer den Polizisten deutlich gemacht, dass sie sich \u201eeinvernehmlich festnehmen lassen\u201c. Mehrfach h\u00e4tten sie zudem Beamte auf potenzielle Risiken aufmerksam gemacht, \u201edie diese auch dankbar umgesetzt haben\u201c. \u00dcber die Aktion an der Uni sagt er: \u201eEs gab \u00fcberhaupt keine Notwendigkeit f\u00fcr so eine \u00fcberhastete polizeiliche R\u00e4umung.\u201c<\/p>\n<p>Warum wurde ein Baum besetzt? <\/p>\n<p>Dass es zu der Baumbesetzung im Februar 2024 kam, lag an einem Neubauprojekt: Die Uni Stuttgart lie\u00df rund 200 B\u00e4ume f\u00e4llen, weil ein neues Geb\u00e4ude gebaut wird: ein Labor f\u00fcr Gro\u00dfraumrobotik in der Baufertigung f\u00fcr rund 80 Forscherinnen und Forscher. Die Natursch\u00fctzer von Robin Wood hatten nichts gegen das Bauprojekt, aber gegen den ausgew\u00e4hlten Ort des Neubaus. Das Gel\u00e4nde, das damals noch wald\u00e4hnlich war, liegt am Rande des Campus in Richtung Rotwildpark. Die Aktivisten verstanden damals nicht, warum man stattdessen nicht den nahe gelegenen Parkplatz der Uni bebaute, um die alten B\u00e4ume zu erhalten, zumal die Uni einen autofreien Campus anstrebe.<\/p>\n<p>Warum sollte genau dort gebaut werden? <\/p>\n<p>Ein Sprecher der Uni argumentierte, dass sie noch gesetzlich dazu verpflichtet seien, bei Neubauten auch Autoparkpl\u00e4tze anzubieten. Zudem sei das Gel\u00e4nde der einzig sinnvolle Platz f\u00fcr das Robotics-Labor. Denn vor dem Geb\u00e4ude sollen die Roboter k\u00fcnftig auch praktisch erprobt werden. Und die entsprechenden Ausgleichsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Natur seien sehr hochwertig, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Was geschah am 15. Februar 2024? <\/p>\n<p>In der Nacht auf den 15. Februar 2024 kletterten vier Aktivisten auf eine Eiche auf eben jenem Gel\u00e4nde. Am darauffolgenden Mittag wurden Feuerwehr, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Polizei\" title=\"Polizei\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polizei<\/a> sowie sieben Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) gerufen. Die M\u00e4nner holten mithilfe einer Leiter der Feuerwehr Eberhard Linckh sowie die drei anderen Aktivisten von dem Baum. Noch am selben Nachmittag f\u00e4llten Mitarbeiter der beauftragten Forstfirma den laut Aktivisten rund 300 Jahre alten Baum.<\/p>\n<p>Wie \u00e4u\u00dfert sich die Uni-Spitze &#8211; damals und heute? <\/p>\n<p>Bei der R\u00e4umung schaute auch der damalige Uni-Rektor, Wolfram Ressel, vorbei. Er sagte, dass eine Baumbesetzung f\u00fcr die Uni neu sei, \u201edas hatten wir noch nicht\u201c. Und er betonte, dass Vertreter der Uni mit Vertretern von f\u00fcnf Umweltorganisationen vorab gesprochen hatten, darunter auch Robin Wood. Das Gespr\u00e4ch sei \u201esachlich und gut\u201c gewesen. Einigen habe man sich aber nicht k\u00f6nnen: \u201eBeide Seiten haben gute Argumente.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen klingt dies etwas anders. In einem Brief der Uni-Kanzlerin Anna Steiger aus dem Januar 2026 an die Aktivisten von Robin Wood schreibt diese, dass die Aktivisten \u201eden Bereich der berechtigen Meinungs\u00e4u\u00dferung friedlichen Protestes bewusst \u00fcberschritten\u201c h\u00e4tten. Die Universit\u00e4t Stuttgart lehne \u201ederartige, gewaltt\u00e4tige Handlungen ab\u201c. Zudem seien durch die Besetzung \u201eerhebliche Sch\u00e4den\u201c entstanden. Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Uni Stuttgart, welche Sch\u00e4den konkret entstanden seien und inwiefern die Handlungen gewaltt\u00e4tig gewesen seien, antwortet ein Sprecher der Uni, dass man sich nicht zu laufenden Verfahren \u00e4u\u00dfern k\u00f6nne.<\/p>\n<p> Was sagt die Staatsanwaltschaft? <\/p>\n<p>Es seien gegen sieben Personen Strafbefehlsantr\u00e4ge wegen Hausfriedensbruch gestellt worden, sagt Stefanie Ruben, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. In der R\u00fcckmeldung der Staatsanw\u00e4ltin wird deutlich, dass es dabei weder um m\u00f6gliche Sachbesch\u00e4digung noch um ein \u201efriedliches, unfriedliches oder gewaltt\u00e4tiges Verhalten\u201c der Aktivisten ging. Stattdessen werde gem\u00e4\u00df Paragraf 123 Strafgesetzbuch bestraft &#8211; und dieser Paragraf regelt Hausfriedensbruch.<\/p>\n<p> Welche Fragen bleiben offen? <\/p>\n<p>F\u00fcr den Umweltaktivisten Linckh bleibt unverst\u00e4ndlich, warum die Uni \u00fcberhaupt Strafanzeige gestellt hat und es nicht weitere Gespr\u00e4che mit ihnen gegeben hatte, zumal der Spatenstich f\u00fcr den Neubau erst mehr als ein Jahr sp\u00e4ter erfolgte. Dazu sagt die Staatsanw\u00e4ltin, dass Polizei und Staatsanwaltschaft verpflichtet seien, \u201ebei Kenntnisnahme von Umst\u00e4nden, die den Anfangsverdacht einer Straftat begr\u00fcnden, einzuschreiten\u201c. Die Strafbarkeit wegen Hausfriedensbruch h\u00e4nge nicht davon ab, wann mit dem Bau von Geb\u00e4uden begonnen werden soll, sondern davon, \u201eob sich eine Person unberechtigt auf befriedetem Besitztum aufh\u00e4lt\u201c, f\u00fchrt Stefanie Ruben aus.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.f975355c-8140-4783-9b15-9f42e6dcbdef.original1024.media.jpeg\"\/>     Der 68-j\u00e4hrige Eberhard Linckh besetzt im Rahmen seines Umweltengagements immer wieder B\u00e4ume &#8211; und macht sich damit strafbar.    Foto: Robin Wood    <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.uni-stuttgart-aktivisten-sehen-widerspruch-bei-baumbesetzungen.e60ca315-67a0-4edb-a4b1-151e4459d179.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Was die Umweltaktivisten zus\u00e4tzlich wundert<\/a>, ist, warum ihnen ihre Ausr\u00fcstung \u2013 also Seile, Kletterhelme, Isomatte und Kleidungsst\u00fccke \u2013 bis heute nicht zur\u00fcckgegeben wurde. Das sei bei anderen Baumbesetzungen nie so gewesen, sagt Linckh. Dazu sagt die Staatsanw\u00e4ltin lediglich, dass \u201ein den Strafbefehlsantr\u00e4gen die Einziehung (der Ausr\u00fcstung, Anm. d. Red.) beantragt wurde\u201c.<\/p>\n<p>Worauf die Staatsanwaltschaft gegen\u00fcber unserer Zeitung nicht eingeht, ist, dass die Baumbesetzung in den Gerichtsakten offenbar als \u201elinksextremistisch\u201c eingeordnet wurde. Die sei \u201esachlich falsch, nicht gerechtfertigt und rechtlich bedenklich\u201c, findet Eberhard Linckh. Er hat sich deshalb an das baden-w\u00fcrttembergische Justizministerium gewandt, welches aber in einem Antwortschreiben von Anfang Juni darauf hinweist, dass sie nicht zust\u00e4ndig seien, jedoch \u201edie Eingabe an den Leitenden Oberstaatsanwalt in Stuttgart\u201c weitergeleitet h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Februar 2024 hatte das Sondereinsatzkommando (SEK) Umweltaktivisten von einem besetzten Baum an der Uni Stuttgart geholt. \u00dcber&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1096583,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,11036,3364,29,30,12623,121,211267,44870,3611,1441,92814,12031,30247],"class_list":["post-1096582","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-baum","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-linksextremismus","tag-polizei","tag-robin-wood","tag-sek-einsatz","tag-sondereinsatzkommando","tag-stuttgart","tag-topt","tag-umweltschutz","tag-universitaet-stuttgart"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116755214536297855","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1096582","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1096582"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1096582\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1096583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1096582"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1096582"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1096582"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}