{"id":1097922,"date":"2026-06-16T06:46:17","date_gmt":"2026-06-16T06:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1097922\/"},"modified":"2026-06-16T06:46:17","modified_gmt":"2026-06-16T06:46:17","slug":"analyse-der-stromnetzbetreiber-rekordrenditen-und-massive-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1097922\/","title":{"rendered":"Analyse der Stromnetzbetreiber &#8211; Rekordrenditen und massive Kritik"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/strom-222.jpg\" alt=\"Hochspannungsleitung stehen hinter einem Rapsfeld im Landkreis Peine\" title=\"Hochspannungsleitung stehen hinter einem Rapsfeld im Landkreis Peine | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 16.06.2026 \u2022 08:02 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Die Betreiber von Stromnetzen geh\u00f6ren laut dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft zu den lukrativsten Unternehmen in Deutschland. Demnach erwirtschafteten die gr\u00f6\u00dften Netzbetreiber 2024 Renditen auf Rekordniveau. <\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite von mehr als 30 Prozent lagen die Verteilnetzbetreiber im Stromnetz auf einem Niveau, das weit \u00fcber dem Durchschnitt von DAX-Unternehmen liegt. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands neue Energiewirtschaft (BNE) vor, die dem SWR vorliegt. Gleichzeitig gibt es harte Kritik aus der Branche der Erneuerbaren Energien, dass einige Netzbetreiber viel zu wenig in die Energiewende investierten, um ihre Gewinne zu maximieren.<\/p>\n<p>    E.ON-T\u00f6chter mit hohen Gewinnen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut der Analyse des BNE lag die Eigenkapitalrendite des gr\u00f6\u00dften deutschen Verteilnetzbetreibers Westnetz im Jahr 2024 bei rund 45 Prozent. Das bedeutet, dass mit jedem Euro, der investiert wird, rein rechnerisch 45 Cent Gewinn erwirtschaftet werden. Ein ungew\u00f6hnlich hoher Wert in der deutschen Wirtschaft. Auch die gro\u00dfen Netzbetreiber Bayernwerk Netz (38 Prozent) oder Mitnetz (43 Prozent) erreichten sehr hohe Werte. Vorgesehen sind laut Strommarkt-Regularien eigentlich Renditen zwischen drei und rund sieben Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Alle drei genannten Unternehmen geh\u00f6ren zum E.ON-Konzern, der \u00fcber seine Tochterunternehmen fast fl\u00e4chendeckend am gesamten deutschen Stromnetz beteiligt ist. Sehr hohe Renditen erzielten auch EWE Netz (EWE AG) und Netze BW (EnBW).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;In Deutschland gibt es keine andere Branche, in denen die jeweiligen Marktf\u00fchrer auch nur ann\u00e4hernd so profitabel sind&#8220;, schreibt der BNE in seiner Analyse. Im Gegensatz dazu schrieben kommunale Stadtwerke mit ihren Netzen zum Teil sogar rote Zahlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Beantwortung von SWR-Anfragen an die einzelnen Netzbetreiber Westnetz, Bayernwerk und Mitnetz \u00fcbernahm die Zentrale des Mutterkonzerns E.ON. Demnach erhalte man ein &#8222;verzerrtes Bild&#8220;, wenn man nur auf die Renditen schaue. F\u00fcr Netzbetreiber wie Bayernwerk, Mitnetz oder Westnetz w\u00fcrden bei Renditen andere Berechnungsgrundlagen gelten als im Handelsgesetzbuch.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;In der Regulierung werden beispielsweise Verm\u00f6genswerte anders bewertet und \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume fortgeschrieben, was zu einer h\u00f6heren Eigenkapitalbasis f\u00fchrt.&#8220; Zudem w\u00fcrden auf Konzernebene bei E.ON noch Steuern auf die Gewinne der Tochterunternehmen anfallen.<\/p>\n<p>    Hohes Einsparpotenzial bei Netzentgelten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Da die Gesch\u00e4ftsberichte der Netzbetreiber keine klaren R\u00fcckschl\u00fcsse zulie\u00dfen, k\u00f6nne man \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr die hohen Renditen nur mutma\u00dfen, so der BNE. Dabei gebe es hier viel Einsparpotenzial: Die Studie zeigt, dass durch eine Absenkung der Eigenkapitalrenditen auf ein angemessenes Niveau Einsparungen von bis zu drei Milliarden Euro pro Jahr m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein weiterer Grund sei, dass einige Netzbetreiber zum Beispiel Gewerbesteuern \u00fcber die Netzentgelte erstattet bekommen, die zum Teil gar nicht abgef\u00fchrt w\u00fcrden &#8211; ganz legal. &#8222;Gesch\u00e4tzt stellen alle VNB (Verteilnetzbetreiber) ihren Kunden pro Jahr rund 400 Mio. Euro an Gewerbesteuer in Rechnung, von denen vermutlich der Gro\u00dfteil nicht im &#8218;kommunalen S\u00e4ckel&#8216; landet&#8220;, hei\u00dft es in der Analyse. Im Ergebnis seien die Netzentgelte oft zu hoch und f\u00fcr die Regulierungsbeh\u00f6rden nur schwer kontrollierbar. Erst ab 2029 soll die Bundesnetzagentur hier mehr Kompetenzen zur besseren Kontrolle bekommen.<\/p>\n<p>    Westnetz: Hohe Renditen und gro\u00dfe Probleme<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Diskrepanz zwischen Qualit\u00e4t und Preis scheint beim gr\u00f6\u00dften deutschen Netzbetreiber Westnetz besonders gro\u00df zu sein. Der Netzbetreiber geh\u00f6rt zu Westenergie, dem Unternehmen, dass bis Anfang 2025 von der heutigen Energieministerin Katherina Reiche geleitet wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend die Renditen der E.ON-Tochter ungew\u00f6hnlich hoch sind, gibt es nach Informationen des SWR massive Kritik, sowohl von Kunden als auch von gro\u00dfen Installateuren f\u00fcr Photovoltaikanlagen. Der Vorwurf: Vor allem die Digitalisierung der Stromnetze, um diese besser steuern zu k\u00f6nnen, werde seit Jahren verschleppt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einer der bundesweit gr\u00f6\u00dften Anbieter im Bereich der Erneuerbaren Energien, die Firma 1KOMMA5\u00b0 GmbH, kennt die Probleme zum Beispiel bei der Registrierung von neuen PV-Anlagen aus eigener Erfahrung. Das Unternehmen fordert, den Druck auf die Netzbetreiber deutlich zu erh\u00f6hen: Die Bundesnetzagentur m\u00fcsse den Bereich der Digitalisierung im Rahmen der Qualit\u00e4tsregulierung sp\u00fcrbar bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite ber\u00fccksichtigen, antwortet das Unternehmen schriftlich auf Anfrage. Wer digitale Prozesse blockiert und Fristen verstreichen lasse, d\u00fcrfe nicht die volle Rendite erhalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gesetze m\u00fcssten daher dringend angepasst werden: Wichtig w\u00e4ren vor allem die richtigen Anreize, damit mehr Strom \u00fcber dasselbe Netz geschickt werden k\u00f6nne. Dann s\u00e4nken die Netzentgelte und damit der Strompreis f\u00fcr alle, so 1KOMMA5\u00b0.<\/p>\n<p>    Fehlende Digitalisierung der Netze<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Recherchen des SWR gibt es auch innerhalb der Bundesnetzagentur deutliche Kritik an Westnetz. Insider berichten, dass dem Unternehmen zahlreiche Verst\u00f6\u00dfe gegen Strommarkt-Regularien vorgeworfen werden. Hintergrund sind unter anderem IT-Probleme, die zu erheblichen Verz\u00f6gerungen bei der Einspeiseverg\u00fctung oder der Registrierung von neuen PV-Anlagen f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hierzu liegt dem SWR eine interne Analyse eines gro\u00dfen PV-Unternehmens vor. Demnach dauern Registrierung und Bearbeitung bei Westnetz statt der vorgesehenen vier Arbeitstage oft mehr als ein Jahr. Auf SWR-Anfrage best\u00e4tigen Bundesnetzagentur und Westnetz die Probleme. Laut Westnetz habe man jetzt aber &#8222;zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten aufgebaut und verschiedene Ma\u00dfnahmen umgesetzt&#8220;, das zeige nun Wirkung.<\/p>\n<p>    Druck auf Erneuerbare wird erh\u00f6ht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Statt den Druck auf die Netzbetreiber bez\u00fcglich Netzausbau und Digitalisierung zu erh\u00f6hen, will die ehemalige Westenergie-Chefin und heutige Energieministerin Reiche einen sogenannten &#8222;Redispatch-Vorbehalt&#8220; einf\u00fchren. Das bedeutet, dass finanzielle Verg\u00fctungen zum Beispiel f\u00fcr neue Windkraftanlagen reduziert werden k\u00f6nnen, wenn das Netz als \u00fcberlastet gilt. Damit soll eine zentrale Forderung des E.ON-Konzerns umgesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">E.ON begr\u00fc\u00dft das gegen\u00fcber dem SWR ausdr\u00fccklich: &#8222;Bisher werden neue Wind- und Solaranlagen teilweise in bekannte Netzengpassgebiete hinein gebaut und m\u00fcssen dadurch h\u00e4ufiger abgeregelt werden. Die Betreiber werden f\u00fcr diese Abregelung im aktuellen System zu Lasten der Netzkunden finanziell kompensiert &#8211; die Anlagen bringen weiter ihre geplanten Erl\u00f6se, obwohl sie nicht laufen, keine Kilowattstunde gr\u00fcnen Strom produzieren und damit auch keine einzige Tonne CO2 verdr\u00e4ngen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anstatt Erneuerbare Energien abzuregeln, seien Investitionen in die Stromnetze viel sinnvoller f\u00fcr die Zukunft, schreibt der BNE auf SWR-Anfrage: &#8222;Wir zahlen europaweit mit die h\u00f6chsten Netzentgelte und finanzieren damit auch die hohen Renditen der Netzbetreiber. Gleichzeitig sind wir beim Smart-Meter-Rollout, bei der Digitalisierung und beim Netzausbau Jahre hinterher. Gesetzgeber und Bundesnetzagentur m\u00fcssen nachsch\u00e4rfen und vor allem muss sichergestellt werden, dass die Gewinne auch im Netz reinvestiert werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">E.ON teilte hierzu auf Anfrage mit, dass die Netz-T\u00f6chter ihre &#8222;Investitionsplanung&#8220; mittlerweile hochgefahren h\u00e4tten. Bis zum Jahr 2030 wolle man 48 Milliarden Euro in die Netze investieren. Dass die hohen Renditen der Netzbetreiber dadurch geringer werden, glauben Fachverb\u00e4nde wie der BNE allerdings nicht. Das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie lie\u00df Fragen des SWR zu diesem Themenkomplex unbeantwortet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Exklusiv Stand: 16.06.2026 \u2022 08:02 Uhr Die Betreiber von Stromnetzen geh\u00f6ren laut dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft zu den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1097923,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,171,174,16471,25780,173,172],"class_list":["post-1097922","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutschland","tag-germany","tag-markets","tag-maerkte","tag-rendite","tag-stromnetzbetreiber","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116758446759303482","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1097922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1097922"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1097922\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1097923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1097922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1097922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1097922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}