{"id":1098895,"date":"2026-06-16T15:58:16","date_gmt":"2026-06-16T15:58:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1098895\/"},"modified":"2026-06-16T15:58:16","modified_gmt":"2026-06-16T15:58:16","slug":"klinikum-prozess-beendet-fuehrungskraefte-kommen-mit-geldzahlung-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1098895\/","title":{"rendered":"Klinikum-Prozess beendet: F\u00fchrungskr\u00e4fte kommen mit Geldzahlung davon"},"content":{"rendered":"<p>Das Verfahren gegen die Ex-F\u00fchrung des Stuttgarter Klinikums und die politische Aufsicht geht zumindest f\u00fcr zwei Angeklagte zu Ende \u2013 mit einer Verst\u00e4ndigung auf hohe Geldstrafen.<\/p>\n<p> Der Betrugsprozess, der \u00fcber Monate hinweg die fr\u00fchere F\u00fchrung des Stuttgarter Klinikums und die politische Aufsicht besch\u00e4ftigt hat, ist mit einer Verst\u00e4ndigung auf Geldauflagen statt Verurteilungen vorzeitig zu Ende gegangen. Viele grunds\u00e4tzliche Fragen, etwa nach dem finanziellen Schaden, bleiben unbeantwortet. <\/p>\n<p>Die 20. Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz von Bettina K\u00fcnzel, die \u00a0<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Staatsanwaltschaft\" title=\"Staatsanwaltschaft\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Staatsanwaltschaft<\/a> und die Verteidigung haben sich darauf verst\u00e4ndigt, das Verfahren gegen die ehemaligen Klinikmanager Ralf-Michael Schmitz und J\u00fcrgen Graf gegen Geldzahlungen einzustellen. Schmitz muss 30.000 Euro bezahlen, der heute als Vorstandsvorsitzender der Uniklinik <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Frankfurt\" title=\"Frankfurt\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankfurt<\/a> t\u00e4tige Graf 50.000 Euro. <\/p>\n<p>F\u00fcr den fr\u00fcheren Krankenhausb\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Werner_W%C3%B6lfle\" title=\"Werner W\u00f6lfle\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werner W\u00f6lfle<\/a> geht der Prozess allerdings mit weiteren Zeugenaussagen weiter. Sein Anwalt Markus Bessler hatte k\u00fcrzlich klar gemacht, dass ein Ende gegen Geldzahlung nicht akzeptabel sei und er das Verfahren weiter zu f\u00fchren gedenke, um einen Freispruch zu erreichen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich geht es aber um millionenschwere Auslandsgesch\u00e4fte des Klinikums mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Libyen\" title=\"Libyen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Libyen<\/a> und Kuwait sowie um die interne Struktur der f\u00fcr internationale Patienten zust\u00e4ndigen International Unit (IU). <\/p>\n<p>Wie wird die Einstellung begr\u00fcndet? <\/p>\n<p>Die rechtliche Grundlage ist eine Einstellung nach \u00a7 153a StPO. Diese setzt voraus, dass die Schuld nicht als schwerwiegend einzustufen ist und das \u00f6ffentliche Interesse an einer weiteren Strafverfolgung durch Auflagen ausreichend ber\u00fccksichtigt werden kann. Im Verlauf der Beweisaufnahme hatte sich angedeutet, dass die f\u00fcr eine Verurteilung erforderlichen Nachweise einer vors\u00e4tzlichen Pflichtverletzung schwer zu f\u00fchren sein k\u00f6nnten. Die Kammer gab zu erkennen, dass sich die strafrechtliche Verantwortung der ehemaligen F\u00fchrungsebene <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.klinikum-skandal-am-ende-haengen-nur-die-kleinen.8ffad197-60d2-4b26-957c-aff183484154.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">nicht in der f\u00fcr eine Verurteilung notwendigen Klarheit herausarbeiten lasse.<\/a> <\/p>\n<p>Wie ergeht es Ex-B\u00fcrgermeister W\u00f6lfle?  <\/p>\n<p>Besonders weitreichend wird der Ausgang des Verfahrens f\u00fcr Werner W\u00f6lfle sein. Der fr\u00fchere Krankenhausb\u00fcrgermeister war vor allem wegen seiner Aufsichtsfunktion in den Fokus geraten. Die Anklage wirft ihm Vers\u00e4umnisse bei der Kontrolle der Klinikgesch\u00e4fte und Untreue wegen eines erh\u00f6hten Abfindungsangebots f\u00fcr den ehemaligen \u00c4rztlichen Direktor Graf vor. Der fr\u00fchere Interimsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Reinhard Schimandl hat W\u00f6lfle am Dienstag gegen diesen Vorwurf verteidigt. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.klinikum-prozess-vor-dem-ende-ex-buergermeister-woelfle-von-richterin-entlastet.2dd148ae-26dc-437f-b0a6-9dd80cafb782.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Hinsichtlich der Auslandsgesch\u00e4fte ergaben sich laut Gericht keine ausreichenden Anhaltspunkte f\u00fcr eine strafrechtliche Verantwortlichkeit.<\/a>\u00a0<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.1a1231b7-6584-4f68-be11-63fa0b8ce10f.original1024.media.jpeg\"\/>     Werner W\u00f6lfle konnte kein vors\u00e4tzliches Handeln nachgewiesen werden.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    Gab es einen finanziellen Schaden? <\/p>\n<p>Der Strafprozess hatte sich \u00fcber Jahre zu einem der komplexesten Wirtschaftsstrafverfahren im kommunalen Klinikwesen entwickelt. Im Zentrum standen nicht nur einzelne Gesch\u00e4ftsvorg\u00e4nge, sondern die Frage nach Zust\u00e4ndigkeiten, Kontrolle und F\u00fchrungsverantwortung in einer hochkomplexen Organisationsstruktur. <\/p>\n<p>Unklar ist weiterhin, ob dem Klinikum \u00fcberhaupt ein finanzieller Schaden entstand. Beim Libyen-Projekt k\u00f6nnten Abschreibungen den Schaden teilweise doppelt erfasst haben, weil unrechtm\u00e4\u00dfig verwendete Mittel \u00fcber Behandlungsrechnungen refinanziert wurden. Nach heutiger Einsch\u00e4tzung d\u00fcrften sich \u00fcberh\u00f6hte Behandlungskosten und nicht geregelte Regiekosten weitgehend ausgleichen &#8211; auch weil das Klinikum f\u00fcnf Millionen Euro von der ERGO-Versicherung erhalten hat.<\/p>\n<p>Auch das Projekt mit dem kuwaitischen Gesundheitsministerium endete ohne nennenswerten wirtschaftlichen Verlust. Bei einem Umsatzvolumen von rund 46 Millionen Euro war ohnehin lediglich ein Gewinn von etwa f\u00fcnf Millionen Euro erwartet worden. Nach der vorzeitigen Beendigung des Projekts zur H\u00e4lfte der Vertragslaufzeit entstand weder ein Erl\u00f6s noch ein Defizit.<\/p>\n<p> Weitere Prozesse und Urteile  <\/p>\n<p> Bei fr\u00fcheren Prozessen seit 2021 hat das Landgericht Haft- und Bew\u00e4hrungsstrafen sowie Geldauflagen ausgesprochen. Im ersten gro\u00dfen Verfahren 2021 bis 2022 wurden zwei Patientenbetreuer zu Freiheitsstrafen von bis zu f\u00fcnf Jahren verurteilt. Danach r\u00fcckten nachgeordnete Besch\u00e4ftigte des Klinikums in den Mittelpunkt. Die Verfahren gegen die Leiterin des Controllings und ihre Stellvertreterin wurden gegen Geldauflagen von 20.000 bzw. 12.000 Euro eingestellt. Eine ehemalige stellvertretende IU-Abteilungsleiterin und eine Ex-Mitarbeiterin erhielten 16 bzw. 12 Monate auf Bew\u00e4hrung. Beide mussten zus\u00e4tzlich Geldauflagen in H\u00f6he von je 5000 Euro zahlen. <\/p>\n<p>   Gericht hat einen \u201eHauptt\u00e4ter\u201c identifiziert <\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde dem heute 62-j\u00e4hrigen Ex-Abteilungsleiter der Prozess gemacht. F\u00fcr die Wirtschaftsstrafkammer galt er als zentrale Figur des Skandals. Er war verantwortlich f\u00fcr die operative Abwicklung des Libyen-Projekts, die problematischen Abrechnungen, Provisions- und Kickback-Zahlungen und die Vorg\u00e4nge im Kuwait-Projekt. Er wurde zu vier Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Au\u00dferdem muss er 65.000 Euro erstatten. Der Ex-IU-Chef r\u00e4umte Teile der Vorw\u00fcrfe ein, argumentierte jedoch, die Krankenhausleitung sei stets informiert gewesen und habe die Vorgehensweise gebilligt. Als Zeuge vor Gericht konnte er diese Vorw\u00fcrfe aber nicht belegen.<\/p>\n<p>In einem weiteren Verfahren erhielt der ehemalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Abrechnungsfirma ein Jahr und drei Monate Gef\u00e4ngnis wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue. Gegen eine 51-J\u00e4hrige aus M\u00fcnchen wurden sieben Monate Haft und 20 000 Euro wegen Beihilfe zur Vorteilsnahme verh\u00e4ngt. Die Strafen wurden zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt. <\/p>\n<p> Die Projekte mit Libyen und Kuwait <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Libyen<\/strong><br \/>\u00a0Es wurden 372 Personen, die einer B\u00fcrgerkriegsmiliz aus der libyschen Stadt Misrata angeh\u00f6rten, 2013 bis 2015 als Kriegsverletzte nach Deutschland gebracht und im Klinikum <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> und an anderen Standorten medizinisch behandelt. Hierf\u00fcr hat das Gesundheitsministerium der libyschen \u00dcbergangsregierung 18,9 Millionen Euro als Vorkasse \u00fcber ihre Botschaft \u00fcberwiesen. Der Ex-Abteilungsleiter f\u00fcr Auslandspatienten soll zwei Vermittlern und dem Chef des Komitees daf\u00fcr Provisionen in Millionenh\u00f6he bezahlt und zudem nicht vereinbarte Ausgaben f\u00fcr Kost und Logis der meist ambulant behandelten und in Hotels logierenden Patienten get\u00e4tigt haben. Im Gegenzug hat das Klinikum um 6,3 Millionen Euro \u00fcberh\u00f6hte Behandlungskosten in Rechnung gestellt.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Kuwait<\/strong><br \/>Beim Kuwait-Projekt ging es um die Entsendung von f\u00fcnf Orthop\u00e4den des Klinikums f\u00fcr Operationen und Schulungen an das AI Razi-Krankenhaus f\u00fcr 46,2 Millionen Euro, wobei von Anfang klar gewesen sein soll, dass das Klinikum das Personal f\u00fcr die Zeit zwischen 2014 und 2016 gar nicht zur Verf\u00fcgung stellen konnte. Verschiedene Dienstleister wurden f\u00fcr offenbar identische Handlungen gro\u00dfz\u00fcgig honoriert, bedeutend ist vor allem die Zahlung von 7,6 Millionen Euro an die Firma Aryak, die damit in Kuwait Politiker bestochen haben soll.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Akteneinsichtsausschuss<\/strong><br \/>Ex-B\u00fcrgermeister W\u00f6lfle war 2018 vom Gemeinderat scharf attackiert worden. Der Vorwurf: Er habe von kritischen Entwicklungen gewusst oder zumindest Hinweise dazu erhalten, sich f\u00fcr den sp\u00e4ter stark kritisierten Kuwait-Vertrag eingesetzt sowie das Gremium und die \u00d6ffentlichkeit nicht ausreichend informiert. Zur Kl\u00e4rung der politischen und organisatorischen Verantwortung beschloss der Rat einen Akteneinsichtsausschuss. Dort war von einem Vorenthalten wichtiger Informationen die Rede. W\u00f6lfle selbst wies die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck. Der Ausschuss besch\u00e4ftigte sich zudem mit dem Aufhebungs- bzw. Abfindungsvertrag f\u00fcr den ehemaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ralf-Michael Schmitz, f\u00fcr den die komplette Rathausspitze verantwortlich war. Er war nicht Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Umstritten war die Entscheidung, Schmitz 2016 nicht fristlos zu k\u00fcndigen, sondern einen Aufhebungsvertrag mit ihm abzuschlie\u00dfen, die Abfindung von rund 900.000 Euro und die H\u00f6he seiner Pensionsanspr\u00fcche von rund 160 000 Euro pro Jahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Verfahren gegen die Ex-F\u00fchrung des Stuttgarter Klinikums und die politische Aufsicht geht zumindest f\u00fcr zwei Angeklagte zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1098896,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,84284,51676,30,11854,30157,37860,232939,1997,1441,94585,152474],"class_list":["post-1098895","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-geldauflage","tag-geldzahlung","tag-germany","tag-juergen-graf","tag-kuwait","tag-libyen","tag-ralf-michael-schmitz","tag-staatsanwaltschaft","tag-stuttgart","tag-werner-woelfle","tag-wirtschaftsstrafkammer"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116760617159114823","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1098895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1098895"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1098895\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1098896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1098895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1098895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1098895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}