{"id":1099813,"date":"2026-06-17T00:31:25","date_gmt":"2026-06-17T00:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1099813\/"},"modified":"2026-06-17T00:31:25","modified_gmt":"2026-06-17T00:31:25","slug":"die-nachdenklichen-fotografie-objekte-von-michael-schaefer-zweibruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1099813\/","title":{"rendered":"Die nachdenklichen Fotografie-Objekte von Michael Sch\u00e4fer &#8211; Zweibr\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p class=\"rhp-dpa-teaser\"><b>\u201eGeh\u00e4use\u201c nennt der Berliner Fotograf Michael Sch\u00e4fer seine Ausstellung im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum.  Er  verbindet Skulpturen mit Fotografien und Thementischen.<\/b><\/p>\n<p>Michael Sch\u00e4fer, Jahrgang 1964,  arbeitet in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Berlin\" data-rtr-id=\"d0f8ca37195d12bf55f612c03cb5ae6e0ea21dfa\" data-rtr-score=\"12.640145395799678\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"25\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> und hat in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Leipzig\" data-rtr-id=\"262d4949d59be2b23a353cbd4c910e375d1bf4fc\" data-rtr-score=\"7.411147011308563\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"18\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/leipzig\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipzig<\/a> und Vancouver k\u00fcnstlerische Kunst und Fotografie studiert, er stellt seine Arbeiten international aus. Der Kontakt zu ihm ist durch <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Kurt Becker\" data-rtr-id=\"ccbdf9d8d0db7d78f27e1acdf25972794334d2fa\" data-rtr-score=\"14.445341949380722\" data-rtr-etype=\"person\" data-rtr-index=\"14\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/kurt-becker\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kurt Becker<\/a> entstanden, den Co-Vorsitzenden des Kunstvereins <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Zweibr\u00fccken\" data-rtr-id=\"759410f706795b3cb5fcb8210831ec1e65ee2191\" data-rtr-score=\"42.84329563812601\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"10\" href=\"http:\/\/rheinpfalz.de\/lokal\/zweibruecken.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweibr\u00fccken<\/a>, der die Ausstellung zusammen mit dem Stadtmuseum pr\u00e4sentiert. <\/p>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr Michael Sch\u00e4fers Ausstellung \u201eGeh\u00e4use\u201c ist die Frage, wie sich unsere Wahrnehmung von Welt durch Medien, Technik und digitale Informationsstr\u00f6me ver\u00e4ndert. \u201eDas sind Bilder von Demonstrationen \u00fcberall auf der Welt\u201c, erz\u00e4hlt Michael Sch\u00e4fer zu seiner Serie \u201eRevolte und andere Pflanzen\u201c. \u201eIch arbeite mit Screenshots von Videos von Demos; man sieht auch viele Leute, die das mit ihren eigenen Handykameras aufnehmen. Die Screenshots sind verschlungen mit diesen Pflanzenbildern, die ich selbst aufgenommen habe, daher kommt auch der Titel der Skulpturen.\u201c <\/p>\n<p>Was ist Natur?<\/p>\n<p>F\u00fcr den K\u00fcnstler geht es dabei nicht nur um Fragen wie: Was ist Natur?, sondern vor allem darum, ob der Mensch mit seiner Kultur einen Gegenpol zur Natur bildet. \u201eIch sehe die Polarit\u00e4t anders\u201c, f\u00fchrt er selbst dazu aus. \u201eDer Mensch mit all seiner Technik ist Teil der Natur, doch der Mensch projiziert seine Moral und seinen Gerechtigkeitssinn auf die Natur, die aber keine Gerechtigkeit kennt. Die Polarit\u00e4t besteht f\u00fcr mich nicht zwischen Natur und Technik, sondern zwischen Natur und Individuum \u2013 Mensch, Frosch, Mikrobe, was auch immer. F\u00fcr uns Individuen ist die Welt nicht geschaffen, sondern wir sind die Bausteine davon. Wir sind Informationstr\u00e4ger, wir tragen die Erbinformation.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7035426_2_articledetail_img_3250.webp\" alt=\"Michael Sch\u00e4fer h\u00e4ngt sein bewusst unscharfes Portr\u00e4t von Xi Jingping auf, das auf wackeligen Schienen steht. \" title=\"Michael Sch\u00e4fer h\u00e4ngt sein bewusst unscharfes Portr\u00e4t von Xi Jingping auf, das auf wackeligen Schienen steht. \" width=\"753\" height=\"502\" class=\"nfy-mobile-first\"\/> Michael Sch\u00e4fer h\u00e4ngt sein bewusst unscharfes Portr\u00e4t von Xi Jingping auf, das auf wackeligen Schienen steht.Foto: Andrea Dittgen<\/p>\n<p>Im Titel seiner Serie \u201eRevolte und andere Pflanzen\u201c nimmt Michael Sch\u00e4fer Bezug auf den Begriff von Revolte, wie ihn der franz\u00f6sische Existenzialist Albert Camus gepr\u00e4gt hat. \u201eDer Mensch hat dieses Gerechtigkeitsgef\u00fchl in sich, aber er findet die Gerechtigkeit nicht in der Welt. Deshalb bringe ich diese beiden Dinge zusammen und zeige auch Fotos von Diktatoren. Ich hab&#8216; die Arbeit mit den Portr\u00e4ts der \u201eFeinde der Pressefreiheit\u201c entwickelt, weil in den Ausstellungsr\u00e4umen hier diese alte Presse steht, die nicht verr\u00fcckbar ist.\u201c An ihr lehnt ein zur Seite gelegtes Portr\u00e4t des AfD-Politikers Bj\u00f6rn H\u00f6cke. \u201eEr hat auch zum Beispiel von Donald Trump gelernt, wie man Sachen raushaut und provoziert. Das war f\u00fcr mich eine Inspiration, denn auf dieser Presse wurden im 19. Jahrhundert liberale Schriften gedruckt, die die Idee der Demokratie verbreiteten. Technologien waren damals schon verbunden mit gesellschaftlicher Entwicklung.\u201c <\/p>\n<p>Der Niedergang der Fotografie<\/p>\n<p>Doch die technische Entwicklung kann die Verbreitung von Demokratie nicht nur f\u00f6rdern, sondern auch bedrohen, davon ist Michael Sch\u00e4fer \u00fcberzeugt. \u201eUnsere Bildkultur \u00e4ndert sich durch KI. Sie kann Bilder generieren, die die Authentizit\u00e4t des fotografischen Mediums als Zeitdokument desavouieren und so verunsichern\u201c, sagt der K\u00fcnstler. \u201eMit diesem Niedergang der Fotografie, die f\u00fcr die Demokratie wichtig war, geht auch ein Niedergang der Demokratie einher.\u201c <\/p>\n<p>\u201eGeh\u00e4use\u201c hat Sch\u00e4fer seine Ausstellung genannt, weil ein Museum als Ausstellungsort f\u00fcr ihn ein Raum ist, in dem Dinge bewahrt und pr\u00e4sentiert werden. Ich mache nichts anderes, indem ich diese Informationsfragmente in dieses Geh\u00e4use hineintrage.\u201c <\/p>\n<p>Foto-Pflanzen<\/p>\n<p>Die Skulpturen der Serie \u201eRevolte und andere Pflanzen\u201c zeigen wild ragende Pflanzen, auf deren plastisch gewundenen Oberfl\u00e4chen Informationsschnipsel integriert und zu einer sich unverbunden gegen\u00fcberstehenden Einheit kombiniert sind. Gegens\u00e4tze treffen hier unvermittelt aufeinander, in einem Gewirr, das auf den ersten Blick nicht leicht zu erschlie\u00dfen, schon gar nicht zu entr\u00e4tseln ist. Gleichzeitig werfen diese Skulpturen in Verbindung mit Portr\u00e4ts von Diktatoren oder Menschen wie zum Beispiel Elon Musk, die mit ihrer Macht die Welt ver\u00e4ndern wollen, Fragen auf. Wer definiert Wahrheit? Welche Wahrheit wird uns vorgesetzt? Was nehmen wir als Wahrheit wahr? <\/p>\n<p>Dabei faszinieren diese Skulpturen aber nicht nur durch ihren ernsten Hintergrund, sondern auch durch ihre fantasievollen Formen und ihre schillernde Farbigkeit. Eine der Arbeiten erinnert spontan an einen bunt gefiederten Vogel und nimmt damit Bezug auf einen Nachrichtentr\u00e4ger in der Natur. Eine andere Skulptur weckt unwillk\u00fcrlich Assoziationen an eine Schildkr\u00f6te, ein Tier, das in seinem langen Leben viele Erfahrungen macht und mit sich herumtr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Die Informationsflut<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt werden die Skulpturen und Portr\u00e4tfotos durch Thementische. Hier stellt Michael Sch\u00e4fer Ausschnitte aus Zeitungs- und Magazinartikeln zu unterschiedlichsten Themen neben einer Weltkarte scheinbar willk\u00fcrlich zusammen, so wie Menschen mit ihnen im steten Informationsfluss der Nachrichten durch traditionelle Medien, aber auch Social Media konfrontiert werden. Der \u00dcberblick geht in dieser Flut immer mehr verloren, das wird dem Betrachter vor diesen Tischen exemplarisch vor Augen gef\u00fchrt. Die Informationsschnipsel ergeben kein schl\u00fcssiges Gesamtbild mehr und \u00fcberfordern in ihrer unvollst\u00e4ndigen, aus den Zusammenh\u00e4ngen gerissenen Komplexit\u00e4t voller Widerspr\u00fcche, ein Zerrbild der Realit\u00e4t, die sie angeblich abbilden. <\/p>\n<p class=\"rhp-closing-headline\">Info<\/p>\n<p class=\"rhp-closing-credits\">Michael Sch\u00e4fer: \u201eGeh\u00e4use\u201c, Fotografien und Objekte, Stadtmuseum Zweibr\u00fccken, Herzogstra\u00dfe 9, bis 12. Juli, ge\u00f6ffnet: Mittwoch bis Sonntag 14-18 Uhr, Dienstag 10-18 Uhr. Katalog: 76 Seiten, 20 Euro.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eGeh\u00e4use\u201c nennt der Berliner Fotograf Michael Sch\u00e4fer seine Ausstellung im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum. 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