{"id":110018,"date":"2025-05-14T13:29:10","date_gmt":"2025-05-14T13:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/110018\/"},"modified":"2025-05-14T13:29:10","modified_gmt":"2025-05-14T13:29:10","slug":"60-jahre-deutsch-israelische-beziehungen-wurden-in-berlin-gefeiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/110018\/","title":{"rendered":"60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen wurden in Berlin gefeiert"},"content":{"rendered":"<p>Ein Schwung mit dem Seil, \u00fcber Kreuz, durch die Beine \u2013 es geht alles so schnell, aber die jungen Erwachsenen des Zirkus \u00bbCabuwazi\u00ab und des \u00bbCircus Akro-Emek\u00ab sind echte Profis. Gelassen jonglieren sie die roten Teller auf den d\u00fcnnen schwarzen St\u00e4ben, so, als w\u00fcrden sie den ganzen Tag nichts anderes machen. \u00bbUnd ihr solltet l\u00e4cheln\u00ab, sagt Micael Alon, einer der Trainer, \u00bbungef\u00e4hr so\u00ab und grinst. Der Kinderzirkus aus Marzahn und der aus Shimshit, sind hoch konzentriert, w\u00e4hrend ihre Trainer Ralf Lindner und Micael Alon an diesem Montagnachmittag vor einer langen schwarzen Matte stehen.<\/p>\n<p>Noch sind das alles Proben, denn die Gruppe aus deutschen und israelischen Jugendlichen wird in wenigen Minuten vor einem besonderen Publikum auftreten, vor Politikern, Botschaftern und vor zwei Pr\u00e4sidenten: dem deutschen Bundespr\u00e4sidenten Frank-Walter Steinmeier und dem israelischen Pr\u00e4sidenten Isaac Herzog. Die beiden Staatsm\u00e4nner, die zu Besuch beim Deutsch-Israelischen Jugendkongress sind, werden sehen, wie die Jugendlichen Zweierfiguren meistern, Drehungen vollziehen und komplizierte Hebefiguren formen. Sie werden den Applaus h\u00f6ren und die deutsche und israelische Fahne, die bei der Schlussfigur von den Akrobatinnen und Akrobaten hochgehalten werden, bestaunen.<\/p>\n<p>Die Fahnen der beiden Staaten Seite an Seite<\/p>\n<p>Stunden zuvor im Park von Schloss Bellevue. Auch hier sind die Fahnen der beiden Staaten Seite an Seite, aber sie h\u00e4ngen ernst und still von den gro\u00dfen Masten herab. Geturnt und jongliert wird hier nicht, jedoch \u2013 fast wie bei einer komplizierten Hebefigur \u2013 geht es bei der offiziellen Begegnung von Steinmeier und Herzog um Haltung, klare Worte und um das Sich-Aufeinander-Verlassen-K\u00f6nnen. Und es geht vor allem um das gro\u00dfe Wort Freundschaft in diesem 60. Jahr der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen. <\/p>\n<p>\u00bbF\u00fcr uns Deutsche war es ein Geschenk, das wir nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs und des Zivilisationsbruchs der Schoa nicht erwarten durften. Niemals h\u00e4tten wir danach auf die heute bestehende Freundschaft zwischen Deutschland und Israel auch nur hoffen k\u00f6nnen\u00ab, sagte Steinmeier, der an die Anf\u00e4nge der Aufnahme diplomatischer Beziehungen erinnerte. \u00bbDas Fundament der Beziehungen ist tief und tragf\u00e4hig. Es tr\u00e4gt die Erinnerung an die Vergangenheit ebenso in sich wie die geteilten Werte zweier liberaler rechtsstaatlicher Demokratien.\u00ab<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Herzog, mit dem er sp\u00e4ter am Tag am \u00bbGleis 17\u00ab gedenken werde, wolle er das starke Fundament auch in einer schwierigen Zeit sichtbar machen, betonte Steinmeier.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ein Geschenk, das Deutschland nicht erwarten durfte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zu diesen schwierigen Zeiten z\u00e4hlen die knapp 600 Tage seit dem 7. Oktober 2023 \u2013 dem Tag, an dem Israel von der Terrororganisation Hamas \u00fcberfallen wurde \u2013, in denen sich das Land verteidigen muss. Israel sei in einem Dilemma, sagt Steinmeier. Dieses Wort wird er noch \u00f6fter verwenden: Dilemma. Eine Situation, die paradox scheint. Die Freunde Israels seien nicht naiv, sie w\u00fcrden das \u00bbDilemma, das die Hamas f\u00fcr die israelische Armee kreiert, indem sie sich feige hinter Zivilisten versteckt und dabei weiter Raketen auf Israel abfeuert\u00ab, erkennen. \u00bbIch erkenne das Dilemma, das die Terrororganisation kreiert, auch indem sie sich an Hilfsg\u00fctern bereichert. Aber ich bef\u00fcrchte auch, dass das Leid, das die Menschen in Gaza erleben, die Gr\u00e4ben immer tiefer macht.\u00ab<\/p>\n<p>Frieden sei nur m\u00f6glich, wenn die politische Perspektive f\u00fcr die Region am Horizont erkannt werde. Daf\u00fcr sei man im Dialog mit den Nachbarn Israels. Sorge habe Steinmeier allerdings, dass sich das \u00bbWindow of Opportunity\u00ab auch wieder schlie\u00dfe. Um dieses historische Zeitfenster ging es auch Isaac Herzog an diesem Montag, an dem sich die Region des Nahen Ostens auf den Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten vorbereitete, an dem Edan Alexander nach 584 Tagen als Geisel der Terrororganisation Hamas freigelassen wurde.<\/p>\n<p>Historische Zusammenh\u00e4nge<\/p>\n<p>Herzog betonte, dass man, um historische Zusammenh\u00e4nge beurteilen zu k\u00f6nnen, nicht allein einen bestimmten Zeitpunkt nehmen k\u00f6nne. Die Einbindung Israels in die Region sei ein Prozess, der 1977 mit dem \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten Sadat begonnen habe, dann mit Jordanien, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko in den \u00bbAbraham-Abkommen\u00ab fortgesetzt wurde. <\/p>\n<p>Die Frage sei: Was ist der n\u00e4chste Schritt? Radikalen Kr\u00e4ften, die alle Bem\u00fchungen blockieren wollen, nachgeben oder alles tun, was m\u00f6glich ist, \u00bbum uns sowohl zu verteidigen als auch unsere Hand f\u00fcr den Frieden auszustrecken\u00ab? Unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden sei dies nicht einfach, aber auch deswegen stehe man hier, um zu zeigen, dass es eine m\u00f6gliche Hoffnung gebe.<\/p>\n<p>Hoffnung, Frieden, die Hand ausstrecken \u2013 f\u00fcr die vielen Jugendlichen beim Deutsch-Israelischen Jugendkongress sind diese Worte aktueller denn je. Sie sind ihr Fundament, auf dem sie insbesondere an diesen drei Tagen w\u00e4hrend des Kongresses stehen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbGut Meod\u00ab war die Stimmung auf dem Jugendkongress.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das, was sie miteinander erleben, k\u00f6nnen die jungen Deutschen und Israelis k\u00fcnstlerisch ausdr\u00fccken. Wie in einem Bild mit Friedenstauben. Oder wie in dem Song \u00bbFriendship bleibt Lanezach\u00ab, der mit seinem Refrain \u00bbHanging out\/Love, Loyalty and Support \u2013 Someone to talk to\/Gut Meod\u00ab (deutsch: sehr gut) vielleicht auf die erfrischendste Art das heimliche Motto des Kongresses wiedergegeben hat.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Die jungen Erwachsenen haben sich in diesen Tagen einander ge\u00f6ffnet, haben \u00fcber Momente des Gl\u00fccks gesprochen, haben miteinander gelacht \u2013 sie haben sich auch mit den Gef\u00fchlen auseinandergesetzt, die sie nach dem 7. Oktober 2023 haben. Wie die Kurzfilm-Gruppe, die mit ihrem Beitrag einen Moment einer Teenager-Freundschaft zwischen Deutschland und Israel eingefangen hat. Oder die Gruppe des \u00bbCreative Writing\u00ab, die ihren Beitrag, das Gedicht \u00bbFor a Better Tomorrow\u00ab, den beiden Pr\u00e4sidenten \u00fcbergeben hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jugendlichen sind diese drei Tage Momente, die bleiben. Sie nehmen sie mit in ihren Herzen \u2013 und auf ihren Smartphones, denn die Stars des Jugendkongresses waren ganz zum Schluss die beiden Pr\u00e4sidenten. Sie wurden f\u00fcr den besten Beweis einer modernen Freundschaft genommen: unz\u00e4hlige Selfies.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Schwung mit dem Seil, \u00fcber Kreuz, durch die Beine \u2013 es geht alles so schnell, aber die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":110019,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[573,296,574,29,30,411,570,576,572,80,14,16,575,571],"class_list":{"0":"post-110018","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berichte","9":"tag-berlin","10":"tag-blogs","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-israel","14":"tag-juedische-allgemeine","15":"tag-juedisches-leben","16":"tag-kommentare","17":"tag-kultur","18":"tag-nachrichten","19":"tag-politik","20":"tag-religion","21":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114506430139585096","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110018"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110018\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/110019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=110018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=110018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}