{"id":1104047,"date":"2026-06-18T16:49:16","date_gmt":"2026-06-18T16:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1104047\/"},"modified":"2026-06-18T16:49:16","modified_gmt":"2026-06-18T16:49:16","slug":"bildung-schulen-in-berlin-zwischen-abgrund-und-spitze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1104047\/","title":{"rendered":"Bildung \u2013 Schulen in Berlin: Zwischen Abgrund und Spitze"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img322660\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322660.jpeg\" alt=\"In Berlin mangelt es noch immer fl\u00e4chendeckend an Lehrkr\u00e4ften.\"\/><\/p>\n<p>In Berlin mangelt es noch immer fl\u00e4chendeckend an Lehrkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Soeren Stache<\/p>\n<p>Die \u00fcbliche Katastrophe: Wer die Standards der untersten Kompetenzstufe nicht erreicht, schreibt das Berliner Institut f\u00fcr Schulqualit\u00e4t, dem fehlen \u00bbbasale Kenntnisse, um ein selbstbestimmtes und beruflich erfolgreiches Leben bestreiten zu k\u00f6nnen\u00ab. In den achten Klassen der Berliner Sekundarschulen gilt das in den F\u00e4chern Deutsch und Mathematik f\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte der Sch\u00fcler. Das zeigen die Ergebnisse der Vera-Vergleichsarbeiten, die im Fr\u00fchjahr geschrieben wurden. Zur Einordnung geh\u00f6rt allerdings, dass diese Arbeiten auch Inhalte aus dem n\u00e4chsth\u00f6heren Schuljahr abfragen.<\/p>\n<p>Bildung wird fast zwangsl\u00e4ufig im Fokus der n\u00e4chsten Legislatur stehen. Berlin werde 2031 unter den \u00bbbesten f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern\u00ab stehen, versprach der Regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) beim CDU-Landesparteitag in der vergangenen Woche. Aktuell steht die Hauptstadt im bundesweiten Vergleich im unteren Mittelfeld. Wie man nach oben kommt, da gehen die Vorstellungen auseinander. Deutlich wird das am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion der Spitzenkandidaten der Parteien.<\/p>\n<p>\u00bbDer zentrale Punkt in der n\u00e4chsten Wahlperiode wird sein, Schulstress abzubauen\u00ab, sagt Werner Graf, Spitzenkandidat der Gr\u00fcnen. Kinder sollten wieder Spa\u00df beim Lernen haben. Daher pl\u00e4diere er f\u00fcr ein Ende von Hausaufgaben. Zugleich m\u00fcsse an den Schulen weniger benotet werden. \u00bbWir k\u00f6nnen Kinder anders bewerten\u00ab, ist Grafs Ansicht. Auch die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp spricht sich gegen eine \u00bbFixierung auf Ziffernoten\u00ab aus. \u00bbWenn wir da so viel Druck reingeben, dann wird das nicht funktionieren\u00ab, lautet ihr Befund.<\/p>\n<p>Die Berliner Schulpolitik bewegt sich indes in eine andere Richtung: Am Donnerstag vergangener Woche empfahl der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses, das Schulgesetz zu \u00e4ndern. Zu den bereits jetzt geschriebenen Vera-Vergleichsarbeiten in der dritten und achten Klassen sollen sogenannte \u00bbRe-Tests\u00ab in den Klassenstufen vier und neun hinzukommen. F\u00fcr die dazwischenliegenden Jahrgangsstufen soll ebenfalls ein Vergleichsinstrument entwickelt werden. Selbst in den ersten und zweiten Klassen sollen die Sch\u00fcler dann ihre Leistung nachweisen m\u00fcssen. Daf\u00fcr wird das Diagnosetool \u00bbStars\u00ab verwendet. Stars steht als Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u00bbStark in die Grundschule\u00ab.<\/p>\n<p>Die so gewonnenen Erkenntnisse \u00fcber den Leistungsstand der Sch\u00fcler stellen den Kern der \u00bbdatengest\u00fctzten Schulentwicklung\u00ab dar, die von der Bildungssenatsverwaltung unter Senatorin Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch (CDU) angestrebt wird. Sie sollen genutzt werden, um F\u00f6rderbedarfe fr\u00fchzeitig zu erkennen und den Erfolg unterschiedlicher p\u00e4dagogischer Ans\u00e4tze zu vergleichen. Vorbild f\u00fcr die Reform ist die Hansestadt Hamburg, die sich mit einem \u00e4hnlichen Modell bei Bildungsvergleichen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1196139.vergleichsarbeiten-berliner-schulen-testen-testen-testen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in die bundesweite Spitzengruppe vorgearbeitet hat<\/a>.<\/p>\n<p>\u00bbWir brauchen regelm\u00e4\u00dfige R\u00fcckmeldung dar\u00fcber, was der Stand der Sch\u00fcler ist\u00ab, verteidigt Senatorin G\u00fcnther-W\u00fcnsch, die am Dienstag Kai Wegner vertritt, die angestrebte hohe Pr\u00fcfungsdichte. Die Bewertung in einem einheitlichen System von Ziffernoten sei zudem notwendig, um Sch\u00fclern den Schulwechsel aus und in andere Bundesl\u00e4nder zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Weniger strittig ist zwischen den Parteien, an welchen Schulen die Sch\u00fcler lernen sollen. \u00bbEs wird auch weiterhin Gymnasien geben\u00ab, sagt SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach. \u00bbAber die Priorit\u00e4t wird der Ausbau von Gemeinschaftsschulen sein.\u00ab W\u00e4hrend die SPD nur unkonkret von einem Ausbau der Schulform spricht, in der von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam gelernt wird, streben Gr\u00fcne und Linke ihren Wahlprogrammen zufolge eine Verdopplung der Zahl der Gemeinschaftsschulen an. Bislang sind unter den 700\u2005Berliner Schulen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192950.bildung-berlin-gemeinsam-lernen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gerade mal 25\u2005Gemeinschaftsschulen<\/a>.<\/p>\n<p>Eine solche Gemeinschaftsschule h\u00e4tte ihn bei seinem Bildungsweg unterst\u00fctzt, glaubt Gr\u00fcnen-Primus Werner Graf. Er habe vom Gymnasium abgehen m\u00fcssen, weil er in Latein schlecht war, obwohl er in Mathe gute Leistungen erbracht habe. \u00bbDann habe ich auf der Realschule schlechten Matheunterricht bekommen. Das bringt doch nichts.\u00ab<\/p>\n<p>Auch Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch pl\u00e4diert f\u00fcr einen Ausbau \u2013 \u00bbaus \u00dcberzeugung\u00ab, wie sie sagt. Sie war zeitweise selbst Leiterin einer Gemeinschaftsschule, der Walter-Gropius-Schule in Neuk\u00f6lln. Als es um die Rolle von Gymnasien geht, wird es dann doch hitzig auf dem Podium. Linke-Politikerin Elif Eralp wirft dem schwarz-roten Senat vor, die Eliteschulen einseitig zu f\u00f6rdern, w\u00e4hrend andere Schulformen das Nachsehen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist schlicht eine L\u00fcge\u00ab, entgegnet die Bildungssenatorin. \u00bbWir haben keinen Ausbau in diesen Gr\u00f6\u00dfenordnungen vorgenommen.\u00ab Die Gymnasien w\u00fcrden bei der Personalausstattung nicht bevorzugt. Das zeige sich daran, dass es dort sehr gro\u00dfe Klassen mit durchschnittlich 35\u2005Sch\u00fclern gebe, w\u00e4hrend der Schnitt an Integrierten Sekundarschulen um knapp zehn Sch\u00fcler tiefer liege. Einen Hieb in Richtung des zweiten Berliner Weges zum Abitur kann sie sich allerdings nicht verkneifen: Die Oberstufen, die das Abitur an den Sekundarschulen erm\u00f6glichen, seien \u00bbder gr\u00f6\u00dfte Personalfresser\u00ab. Effizienter w\u00e4re es, w\u00fcrden sich mehrere Sekundarschulen Oberstufen teilen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbDie ehrliche Antwort ist, dass man in f\u00fcnf Jahren den Lehrkr\u00e4ftemangel nicht abschaffen wird.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nKatharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch (CDU)\u2003Bildungssenatorin<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Personal bleibt an den Schulen ohnehin das gr\u00f6\u00dfte Problem. Fl\u00e4chendeckend mangelt es an Lehrkr\u00e4ften. Glaubt man den Zahlen der Bildungsverwaltung, dann allerdings deutlich weniger als noch vor drei Jahren. Von 1000 auf 200\u2005Vollzeit\u00e4quivalente habe sich die L\u00fccke verkleinert, postulierte die Verwaltung zu Jahresbeginn.<\/p>\n<p>Doch die Zahlen haben einen Haken: Sie beruhen vor allem auf statistischen Umdeutungen, ohne dass tats\u00e4chlich deutlich mehr Lehrkr\u00e4fte hinzukommen. So m\u00fcssen etwa Referendare seit 2024 drei Stunden mehr unterrichten. Bei den 3000 Berliner Lehramtsanw\u00e4rtern entspricht das allein bereits knapp 400\u2005\u00bbzus\u00e4tzlichen\u00ab Stellen. Zuletzt erh\u00f6hte sich das Lehrkr\u00e4ftedefizit wieder auf 600\u2005Stellen. Grund daf\u00fcr war keine pl\u00f6tzliche K\u00fcndigungswelle, sondern eine Abmachung zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Bildungsverwaltung, die vorsieht, dass Lehrkr\u00e4fte an Brennpunktschulen weniger unterrichten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zuletzt sorgte ein Brandbrief aus Marzahn-Hellersdorf f\u00fcr Aufsehen. Dort sei der Mangel inzwischen so gro\u00df, dass an manchen Schulen die Stundentafel nicht mehr abgedeckt werden k\u00f6nne. Schnelle Aussicht auf Besserung gibt es nicht. \u00bbDie ehrliche Antwort ist, dass man in f\u00fcnf Jahren den Lehrkr\u00e4ftemangel nicht abschaffen wird\u00ab, sagt Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch.<\/p>\n<p>Eine Idee, wie man das Problem l\u00f6sen k\u00f6nnte, hat SPD-Mann Steffen Krach. \u00bbWir m\u00fcssen die Lehrkr\u00e4ftebildung aus den Universit\u00e4ten rausziehen\u00ab, sagt er. Berlin solle eine eigene Hochschule f\u00fcr Lehrkr\u00e4ftebildung einrichten, \u00bbmit einem absoluten Fokus ausschlie\u00dflich auf Ausbildung\u00ab, so Krach. Aktuell s\u00e4\u00dfen die Lehramtsstudierenden an Universit\u00e4ten gemeinsam mit zuk\u00fcnftigen Wissenschaftlern in einem H\u00f6rsaal. Die Lehrinhalte \u00fcberstiegen h\u00e4ufig bei Weitem das, was an den Schulen wirklich ben\u00f6tigt werde \u2013 w\u00e4hrend didaktische Qualifikation eine Nebenrolle spiele. Auf diesem Weg k\u00f6nne man die Abbruchquote senken und so mehr Lehrkr\u00e4fte an die Schulen bringen.<\/p>\n<p>Eine solche eigenst\u00e4ndige Bildungsst\u00e4tte gab es in Westberlin bereits bis 1980 in Form der P\u00e4dagogischen Hochschule. Krach hatte bereits in seiner Amtszeit als Wissenschaftsstaatssekret\u00e4r im rot-rot-gr\u00fcnen Senat zwischen 2016 und 2021 versucht, etwas Vergleichbares wieder einzuf\u00fchren, scheiterte aber am Widerstand der Universit\u00e4ten, die um ihre Pfr\u00fcnde f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Eine eigene Universit\u00e4t einzurichten, d\u00fcrfte wohl ohnehin l\u00e4nger dauern, als es in einer Legislatur m\u00f6glich ist. \u00dcbergangsweise will Krach daher die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Lehrkr\u00e4fteausbildung an den Hochschulen erh\u00f6hen. W\u00e4re da nicht ein Problem: Die wurden gerade erst von seiner Genossin, der Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) gesenkt, um die Sparziele des Senats einhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Berlin mangelt es noch immer fl\u00e4chendeckend an Lehrkr\u00e4ften. 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