{"id":1104471,"date":"2026-06-18T20:52:18","date_gmt":"2026-06-18T20:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1104471\/"},"modified":"2026-06-18T20:52:18","modified_gmt":"2026-06-18T20:52:18","slug":"kundgebung-am-rotebuehlpatz-hunderte-protestieren-in-stuttgart-gegen-geplante-pflegereform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1104471\/","title":{"rendered":"Kundgebung am Roteb\u00fchlpatz: Hunderte protestieren in Stuttgart gegen geplante Pflegereform"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Roteb\u00fchlplatz in Stuttgart protestieren Hunderte gegen geplante Reformen in der Pflege. Ihre Sorge: noch mehr Druck auf ein System, das schon jetzt an seinen Grenzen ist.<\/p>\n<p> Die Sonne brennt auf den Roteb\u00fchlplatz. Es ist einer der hei\u00dfesten Tage des bisherigen Jahres. Trotzdem haben sich Hunderte versammelt. Viele arbeiten in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Pflege\" title=\"Pflege\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pflege<\/a>, bei ambulanten Diensten oder Wohlfahrtsverb\u00e4nden. Die Stimmung ist entschlossen, nicht verbittert.<\/p>\n<p>Zwischen zwei Redebeitr\u00e4gen rollt ein Autokorso vorbei. Rund 160 Fahrzeuge sind vom GAZi-Stadion aus durch <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> gestartet, viele mit Bannern und Fahnen geschm\u00fcckt. Aus den Fenstern wird gewunken, auf dem Platz mit Applaus geantwortet.<\/p>\n<p>Vor allem direkt Betroffene nehmen an <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Protest\" title=\"Protest\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Protest<\/a> teil <\/p>\n<p>\u201eHeute, morgen, irgendwann \u2013 Pflege geht uns alle an\u201c, ruft die Menge. Der Satz ist Parole und unbequeme Diagnose. Denn auf dem Roteb\u00fchlplatz stehen vor allem Menschen, die ohnehin jeden Tag mit Pflege zu tun haben: Pflegekr\u00e4fte, Mitarbeitende ambulanter Dienste, Vertreterinnen sozialer Tr\u00e4ger. Pflegende Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen oft nicht kommen, weil sie zu Hause gebraucht werden.<\/p>\n<p>Doch wo sind die anderen? Wo ist die Politik und wo sind diejenigen, die noch nicht betroffen sind, aber es jederzeit werden k\u00f6nnten? Auf einem Pappschild steht ein Satz zwischen Warnung und Appell: \u201eSei lieb zu mir, ich k\u00f6nnte eines Tages deine Pflegerin sein.\u201c<\/p>\n<p>Sorge vor K\u00fcrzungen und Mehrbelastung <\/p>\n<p>Hintergrund des Protests sind die aktuellen Pl\u00e4ne der Bundespolitik zur Reform von Pflege- und Krankenversicherung, darunter das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und das Pflegeneuordnungsgesetz. Aufgerufen hat die Diakonie <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/W%C3%BCrttemberg\" title=\"W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">W\u00fcrttemberg<\/a>, beteiligt sind unter anderem Landesseniorenrat, Landespflegerat, Liga der freien Wohlfahrtspflege und weitere Pflegeanbieter. Die Sorge der Verb\u00e4nde: Pflegebed\u00fcrftige, Angeh\u00f6rige, Mitarbeitende und Tr\u00e4ger k\u00f6nnten st\u00e4rker belastet werden. Pflege brauche keine kurzfristigen Sparsignale, sondern verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen, so die \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne kritisiert Dr. Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks W\u00fcrttemberg, die Entw\u00fcrfe scharf. Niemand verweigere sich notwendigen Ver\u00e4nderungen, betont er in seiner Rede. Reformbedarf gebe es durchaus. Aber nicht auf dem R\u00fccken der Menschen, die von Pflege betroffen sind oder sich t\u00e4glich daf\u00fcr einsetzen. \u201eNicht am Menschen sparen! Nicht an den Patienten, nicht an den Angeh\u00f6rigen und nicht an den Pflegekr\u00e4ften!\u201c, ruft Knapp unter Applaus.<\/p>\n<p>Was die Reform im Alltag bedeuten k\u00f6nnte <\/p>\n<p>Besonders sichtbar wird das vorhandene Problem in der h\u00e4uslichen Pflege: Mehr als achtzig Prozent der Pflegebed\u00fcrftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt, meist von Angeh\u00f6rigen, oft mit Unterst\u00fctzung ambulanter Dienste. Ger\u00e4t dieses Zusammenspiel unter Druck, betrifft das nicht nur Tr\u00e4ger, sondern vor allem viele Familien.<\/p>\n<p>Was auf der B\u00fchne in gro\u00dfen Linien kritisiert wird, konkretisieren Jochen Schnitzler und Cathrin Kulf am Rande der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Kundgebung\" title=\"Kundgebung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kundgebung<\/a>. Schnitzler ist Vorsitzender des Landesverbands der Diakoniestationen in W\u00fcrttemberg. Wenn Tarifsteigerungen nicht mehr refinanziert w\u00fcrden, gef\u00e4hrde das die Wirtschaftlichkeit ambulanter Pflegedienste. \u201eWenn die den Tarif nicht refinanziert kriegen, dann m\u00fcssen die das im eigenen Anteil refinanzieren\u201c, sagt Schnitzler.<\/p>\n<p> \u201eDann haben wir weniger Zeit f\u00fcr die Menschen\u201c <\/p>\n<p>Die Folge w\u00e4re mehr Druck im Arbeitsalltag. \u201eDann muss man schneller im Haushalt sein. Dann haben wir weniger Zeit f\u00fcr die Menschen\u201c, sagt Schnitzler. Neben der Tarifrefinanzierung kritisieren die Verb\u00e4nde m\u00f6gliche Einschnitte bei Leistungsangeboten. Diese w\u00fcrden vor allem Angeh\u00f6rige treffen, die ohnehin zu wenig Unterst\u00fctzung h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Auch Cathrin Kulf, die in einem ambulanten Pflegedienst arbeitet, sieht darin ein gro\u00dfes Problem. \u201eAngeh\u00f6rige k\u00f6nnen nicht mehr in Urlaub, weil zum Beispiel eine Verhinderungspflege wegf\u00e4llt\u201c, sagt sie. F\u00fcr Menschen, die Angeh\u00f6rige \u00fcber Jahre versorgen, seien solche M\u00f6glichkeiten unverzichtbar.<\/p>\n<p> Besch\u00e4ftigte im Pflegedienst bef\u00fcrchtet: \u201eDas treibt die Menschen in die Altersarmut\u201c <\/p>\n<p>Kulf warnt au\u00dferdem vor den finanziellen Folgen f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige. Schon heute k\u00f6nnten sich viele \u00e4ltere Menschen notwendige Leistungen kaum leisten. \u201eUnsere alten Menschen k\u00f6nnen sich schon jetzt oft die Zuzahlungen nicht mehr leisten\u201c, sagt sie. Zus\u00e4tzliche Belastungen w\u00fcrden die Lage versch\u00e4rfen. \u201eDas treibt die Menschen in die Altersarmut.\u201c<\/p>\n<p>Gleichzeitig sieht sie die Besch\u00e4ftigten unter wachsendem Druck. Fielen Refinanzierungen weg, k\u00f6nnten Dienste Tarifl\u00f6hne nicht mehr zahlen, Personal k\u00fcrzen oder im schlimmsten Fall schlie\u00dfen. \u201eDann w\u00e4re die Versorgung nicht mehr da vor Ort\u201c, sagt Kulf.<\/p>\n<p> Reform ja \u2013 aber anders <\/p>\n<p>Mehrfach wird auf der Kundgebung betont, dass sich der Protest nicht gegen Reformen an sich richtet. Reformbedarf bestreitet hier niemand. Die Kritik richtet sich gegen Einsparungen in einem System, das nach Ansicht der Demonstrierenden schon heute an Grenzen st\u00f6\u00dft. Die Forderung lautet deshalb: Pflege solidarisch und zukunftsfest finanzieren, tarifgerechte Bezahlung vollst\u00e4ndig refinanzieren und Versorgungssicherheit vor Ort erhalten.<\/p>\n<p>Denn Pflege ist kein Sonderthema f\u00fcr sp\u00e4ter. Sie kann pl\u00f6tzlich in jedes Leben fallen. Heute, morgen, irgendwann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf dem Roteb\u00fchlplatz in Stuttgart protestieren Hunderte gegen geplante Reformen in der Pflege. 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