{"id":1105049,"date":"2026-06-19T02:28:23","date_gmt":"2026-06-19T02:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1105049\/"},"modified":"2026-06-19T02:28:23","modified_gmt":"2026-06-19T02:28:23","slug":"sanierung-ebelu-gymnasium-der-diskrete-charme-der-50er-die-perfekt-sanierte-stuttgarter-vorzeige-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1105049\/","title":{"rendered":"Sanierung Ebelu Gymnasium: Der diskrete Charme der 50er: die perfekt sanierte Stuttgarter Vorzeige-Schule"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> hat viele Schulen, die sich mit prominenten Namen schm\u00fccken d\u00fcrfen. Eine der bekanntesten Bildungsst\u00e4tten in dieser Stadt ist das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.anwohner-gegen-schulausbau-in-stuttgart-einigung-im-rechtsstreit-um-gymnasium.d5e055a4-e502-4a79-a4ee-c79d1a633c96.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Eberhard-Ludwigs-Gymnasium<\/a>, das sich mit einer langen Liste bekannter Sch\u00fcler schm\u00fccken darf. Im Ebelu, wie es bei den Stuttgartern liebevoll hei\u00dft, dr\u00fcckten neben vielen anderen Georg Wilhelm Hegel, Eduard M\u00f6rike oder auch <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.berthold-schenk-graf-von-stauffenberg-leben-im-einsatz-fuer-die-demokratie.e1171ad6-ac0c-406d-822b-99e5dfe9a1ef.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die Br\u00fcder Stauffenberg die Schulbank<\/a>. Und Fritz Bauer. \u201eWir k\u00f6nnen aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur H\u00f6lle wird\u201c, so lauten die Worte, die den Treppenabgang im Schulgeb\u00e4ude zieren.<\/p>\n<p>Das Zitat von Fritz Bauer ist ein hoffnungsvoller Appell an alle und erinnert vor allem die Sch\u00fcler t\u00e4glich <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.gedenken-im-landtag-das-zeitlose-vermaechtnis-fritz-bauers-lautet-zivilcourage.e115c664-20b6-4f7f-9927-de28f3e9f85d.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">an das moralische und humanistische Erbe jenes Hauses<\/a>, das Pers\u00f6nlichkeiten wie den als Nazi-J\u00e4ger bekannten Juristen einst ausbildete. Bauer hat im Ebelu 1921 sein Abitur abgelegt, musste dann als Jude fliehen, um nach dem Zweiten Weltkrieg als Staatsanwalt NS-Verbrecher vor Gericht zu bringen.<\/p>\n<p>Das bekannte Stuttgarter B\u00fcro LRO bekam den Auftrag <\/p>\n<p>Anders gesagt: so ein Geb\u00e4ude atmet so viel Geschichte wie kaum ein zweites in der Stadt, und weil <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wagenburg-gymnasium-erstrahlt-neu-die-architektonische-auferstehung-eines-stuttgarter-prachtbaus.d7ec9ac1-2c4e-4258-8db2-c55fadfe37c1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die Schulr\u00e4ume saniert und denkmalgerecht modernisiert<\/a> werden mussten, war es ein Gl\u00fccksfall, dass <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.award-fuer-architektur-zwei-architekturbueros-aus-stuttgart-nominiert-fuer-begehrten-preis.aaa6d6b4-1ca0-422d-b730-2792893faa20.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das Stuttgarter B\u00fcro LRO<\/a> den Auftrag erhielt. Denn die Leute von LRO wissen, was sie tun, sie haben reichlich Expertise <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ebelu-in-stuttgart-nord-rund-500-schueler-muessen-umziehen.f31bbe03-c3ce-4e40-abc7-543d6b8f5082.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">bei Schulbauten und -umbauten<\/a>.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.423320d5-0179-47a0-89a2-44a29725bf50.original1024.media.jpeg\"\/>     Lernen mit Aussicht: Klassenzimmer im sanierten Ebelu Stuttgart.    Foto: Roland Halbe    <\/p>\n<p>Was vielleicht aber in diesem Zusammenhang noch wichtiger scheint, das ist die Erfahrung und die Lust, sich auf die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-spaziergang-in-stuttgart-7-der-aufregendsten-haeuser-mit-hueftschwung-seit-1950.a9fe3a88-d7b9-41ad-b3e6-6b6499b45f16.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">besondere Architektur der beschwingten 50er Jahre<\/a> in der jungen Bundesrepublik einzulassen. \u201eGerade bei den Altbauten mussten wir uns als Planer zur\u00fccknehmen, was bei diesem Denkmal v\u00f6llig in Ordnung geht. Wir haben gro\u00dfen Respekt vor der architektonischen Qualit\u00e4t dieses Geb\u00e4ude-Ensembles.\u201c Das sagt Klaus Hildenbrand, seines Zeichens Architekt, langj\u00e4hriger Projektleiter und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-architekturcoup-wie-wird-hitlers-protzbau-zu-einem-anstaendigen-kulturort-frau-puetter.b584c699-6c68-4492-9a93-5b9947ae3c55.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei LRO<\/a>.<\/p>\n<p>Meisterwerk der Stuttgarter Architekten Bregler <\/p>\n<p>Der Mann kennt mittlerweile jede Ecke, jeden Flur, jede Treppenstufe des Ebelu h\u00f6chstwahrscheinlich besser als den Inhalt seiner Jackentasche. Bei einer exklusiven F\u00fchrung durch die nun fertig sanierten oder neu angebauten R\u00e4ume wirkt der 48-J\u00e4hrige ganz entspannt, ja geradezu happy \u00fcber das Ergebnis. Was nicht zuletzt auch an der herausragenden <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Architektur\" title=\"Architektur\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Architektur<\/a> liegt, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neubau-merz-schule-stuttgart-neubau-der-merz-schule-transparente-architektur-mit-gruenem-wow-effekt.259a3c8e-9cc9-47d6-9739-293c86ef6db9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die einem jede Angst vor Lehrern und Noten nimmt<\/a>.<\/p>\n<p>Die von den Architekten Adolf und Hans Bregler 1957 in exponierter Stuttgarter Halbh\u00f6he nach zweij\u00e4hriger Bauzeit fertig gestellte Geb\u00e4udegruppe ist ein gelungenes Beispiel f\u00fcr die Nachkriegsmoderne in diesem Land: so luftig, transparent, filigran, hell und, ja, demokratisch mutet der Bau an. Der Vorg\u00e4ngerbau des Ebelu stand freilich an anderer Stelle, n\u00e4her zur Stadtmitte, in der Holzgartenstra\u00dfe. Doch der 1903 errichtete Bau wurde im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerst\u00f6rt, in einer Septembernacht 1944. Bereits 1959 wurde die neue Schule dann <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.paul-bonatz-wegbereiter-der-moderne.f5174f58-f483-47af-97cc-543565511c1f.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit dem Paul-Bonatz-Preis ausgezeichnet<\/a>.<\/p>\n<p>Seinerzeit zog man auf die Anh\u00f6he im Herdweg auf das Anwesen der ehemaligen Villa des Grafen von Zeppelin. Dass es sich auch heute noch um ein stattliches Anwesen handelt, hat auch viel mit dem alten Baumbestand zu tun, der im Zusammenspiel mit der diskreten Einpassung der diversen Bauk\u00f6rper in die park\u00e4hnliche Topografie eine wundersch\u00f6ne Atmosph\u00e4re ergibt.<\/p>\n<p>Klaus Hildenbrand sieht nicht aus wie Schw\u00e4rmer, das Ebelu aber hat es ihm sichtlich angetan: \u201eFaszinierend ist bis heute, wie die Architekten Adolf und Hans Bregler diesen eigentlich gro\u00dfen, mehrteiligen Bau so sanft und unpr\u00e4tenti\u00f6s in den Hang gesetzt haben.\u201c Das sagt der Architekt ganz oben stehend, auf der Dachterrasse, mit wirklich famosem Blick \u00fcber Stuttgart. Von dieser Stelle aus betrachtet k\u00f6nnte man tats\u00e4chlich Gr\u00fcnde gegen einen Wegzug aus dieser nicht immer so architekturaffinen und zeitweise recht abrissfreudigen Stadt nennen. Ein Wunder, dass in der Vergangenheit niemand f\u00fcr den Abriss des Ebelu pl\u00e4dierte.<\/p>\n<p> Ein Treppenhaus in Himmelblau <\/p>\n<p>Bevor man wieder unten im Hof das formvollendete Ganze bewundern darf, hat man ein Treppenhaus mit einer sehr interessanten Farbkonzeption durchschritten. Das originale Himmelblau an den W\u00e4nden erinnert an den fr\u00f6hlichen Blauton eines alten Opel Kadett aus den 60ern, ein richtig stylisches Farbleitsystem. <\/p>\n<p>Und vor der restaurierten Glast\u00fcr dann ein uralter Freund, der Baum: der als Naturdenkmal gesch\u00fctzte Mammutbaum vor dem Hauptgeb\u00e4ude harmoniert aufs Vortrefflichste mit den alten Fallarmmarkisen, deren Mechanik jeweils aufgearbeitet wurde. Die gestreiften Stoffe wurden durch Replikate ersetzt.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.a10bf275-8cce-4c47-befc-df108cd133a9.original1024.media.jpeg\"\/>     Himmelblau \u2013 das sanierte Ebelu   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gymnasium\" title=\"Gymnasium\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gymnasium<\/a> in Stuttgart.    Foto: Patrick Schneider\/LRO    <\/p>\n<p>\u00c4hnlich war es bei den Fenstern. \u201e70 bis 80 Prozent der Fenster sind original, konnten also aufgearbeitet werden\u201c, erkl\u00e4rt Hildenbrand. \u201eDie Gl\u00e4ser haben allerdings Beschichtungen erhalten: zum W\u00e4rme- wie auch zum Sonnenschutz.\u201c An dieser Stelle im Schulhof gleich neben dem alten Baum, zwischen den wohlproportionierten Geb\u00e4uderiegeln auf der Ostseite, l\u00e4sst sich noch etwas von dieser Aufbruchstimmung einer jungen Demokratie ersp\u00fcren. Dieses Gef\u00fchl, dass Bildung ein besseres Leben zur Folge hat, das Zutrauen in eine freie Welt. So gut ist diese Architektur, dass sie einen f\u00fcr Augenblicke die eher bedrohliche Realit\u00e4t unserer Zeit vergessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p> Im Zweifel \u2013 lieber restaurieren, ist die Devise der Stuttgarter Architekten <\/p>\n<p>In all den Bauten und R\u00e4umen, die lediglich denkmalgerecht saniert werden mussten, standen die Planer vor der Herausforderung, einerseits das Alte zu bewahren und andererseits die n\u00f6tigen, weil zeitgem\u00e4\u00dfen Modernisierungen umzusetzen. Was also tun, wenn das prachtvolle und doch so elegant zierliche Treppengel\u00e4nder im Eingangsbau nicht die mehr die heute erforderliche H\u00f6he aufweist? Soll man alles ausbauen und ein anderes Gel\u00e4nder aus der Zeit einsetzen? Oder, noch besser: alles ganz neu! Nur: <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.50-jahre-denkmalschutz-wohnen-im-denkmal.a9124828-417e-48d5-ba7a-78b96806d287.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Was sagt dann das Denkmalamt?<\/a> <\/p>\n<p>Fragen \u00fcber Fragen, die Klaus Hildenbrand und LRO jahrelang besch\u00e4ftigt haben. \u201eWenn wir vor der Wahl standen, etwas zu ersetzen oder instand zu setzen, haben wir stets die Restaurierung vorgezogen: das gilt zum Beispiel f\u00fcr die Ert\u00fcchtigung der originalen Fenster genauso wie f\u00fcr die Arbeit an den filigranen Gel\u00e4ndern und Handl\u00e4ufen oder den Betonfassadenplatten\u201c, sagt der Architekt.<\/p>\n<p> Energetisch saniert, modern interpretiert <\/p>\n<p>Das bedeutete etwa, dass die Planer an die zu niedrigen, aber sicherheitsrelevanten Gel\u00e4nder jeweils ein St\u00fcck an jeden Stab anschwei\u00dften und anschlie\u00dfend den originalen Holzhandlauf wieder aufmontierten, der zuvor vorsichtig abgenommen und ausgebessert worden ist. Trotzdem ist diese Schule kein Museum: Alles wurde energetisch saniert, in den Klassenzimmer findet sich modernste Technik \u2013 gen\u00fcgend Steckdosen gibt&#8217;s auch, klar. Und selbstredend ist f\u00fcr ein angenehmes Raumklima gesorgt.<\/p>\n<p>Neben den Sanierungen ging es aber auch um Erweiterungen, die der zu eng gewordenen Schule Luft verschaffen sollten. Beabsichtigt war, dass man ruhig ablesen soll, wo nun der Neubau beginnt und wo der Bestand aufh\u00f6rt. Gleichwohl erkennt man schnell die Bez\u00fcge, die Zitate: die Erg\u00e4nzungstrakte greifen Merkmale des Altbaus auf, etwa Aufst\u00e4nderung, Betonskelettbauweise und Bandfassade.<\/p>\n<p> Aus der Turnhalle wurde der Orchestersaal <\/p>\n<p>Zudem gab es Umwidmungen. \u201eUmbauten sind ja nicht nur Reparaturen, sondern sie bieten auch M\u00f6glichkeiten des Weitererz\u00e4hlens\u201c, sagt Klaus Hildenbrand. \u201eDie neue Sporthalle befindet sich jetzt unter dem Sportplatz und aus der fr\u00fcheren Pausenhalle mit Milchbar ist eine Mensa geworden.\u201c Dass durch die Anforderungen auch mutige Entscheidungen erforderlich waren, erkl\u00e4rt sich von selbst. \u201eIn der ehemaligen Turnhalle fand ein gro\u00dfer Orchestersaal mit Musikr\u00e4umen und einer Sch\u00fclerbibliothek Platz. Bei diesem gr\u00f6\u00dferen Eingriff wurden die S\u00fcdfassade und das Dach ausgetauscht.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.32a83f9e-f2ec-48dd-9042-1c6d7093c50c.original1024.media.jpeg\"\/>     Blick in den Musik- und Konzertsaal der Stuttgarter Schule.    Foto: Patrick Schneider\/LRO    <\/p>\n<p>Diese Erweiterung \u2013 der Orchestersaal wie auch die schallisolierten Probenr\u00e4ume \u2013 waren ein wichtiger Grund f\u00fcr das umfassende und kostspielige Engagement der Stadt. Schlie\u00dflich bietet das Ebelu bekannterma\u00dfen auch einen Gymnasiumszug f\u00fcr musikalisch Hochbegabte. Das Programm war \u00e4u\u00dferst begehrt, nur fehlten allm\u00e4hlich der Platz. Das ist jetzt alles anders. Und gl\u00fccklich d\u00fcrfen sich alle sch\u00e4tzen, die in dieser leichten, vom Geist des Aufbruchs und der Freiheit durchwehten Architektur etwas lernen d\u00fcrfen. Im Herbst geht es f\u00fcr die Sch\u00fcler wieder los im neuen, alten Ebelu. Man k\u00f6nnte fast neidisch werden.<\/p>\n<p> <b>Weitere Eindr\u00fccke in der Bildergalerie.<\/b> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart hat viele Schulen, die sich mit prominenten Namen schm\u00fccken d\u00fcrfen. 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