{"id":1105566,"date":"2026-06-19T07:31:20","date_gmt":"2026-06-19T07:31:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1105566\/"},"modified":"2026-06-19T07:31:20","modified_gmt":"2026-06-19T07:31:20","slug":"fussball-wm-usa-zwischen-wm-interesse-und-wissenschafts-diplomatie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1105566\/","title":{"rendered":"Fu\u00dfball-WM: USA zwischen WM-Interesse und Wissenschafts-Diplomatie"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche bewerten die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft (WM) 2026 weniger kritisch als die vorherige WM in Katar. Die politische Aufladung der aktuell in den USA, in Kanada und in Mexiko ausgerichteten Sportgro\u00dfveranstaltung sei geringer. Das geht aus der Fu\u00dfball-WM-Studie hervor, die Marketingfachleute der Universit\u00e4t Hohenheim durchgef\u00fchrt und in der vergangenen Woche ver\u00f6ffentlicht haben. W\u00e4hrenddessen bleibe die Skepsis gegen\u00fcber dem Weltfu\u00dfballverband FIFA und der zunehmenden Kommerzialisierung des Turniers gro\u00df.<\/p>\n<p>Die Ausrichterl\u00e4nder b\u00f6ten weniger Angriffsfl\u00e4che, argumentiert der f\u00fcr die Fu\u00dfball-WM-Studie verantwortliche Professor Markus Voeth. Allerdings w\u00fcrde ein Viertel der befragten 1.000 bev\u00f6lkerungsrepr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlten Probandinnen und Probanden begr\u00fc\u00dfen, wenn der Deutsche Fu\u00dfball-Bund (DFB) die WM boykottierte, um auf politische Missst\u00e4nde in den Gastgeberl\u00e4ndern aufmerksam zu machen. Rund 38 Prozent der Befragten nehmen eine politische Instrumentalisierung der WM durch die Gastgeberl\u00e4nder USA, Kanada und Mexiko wahr.<\/p>\n<p>Politische Instrumentalisierung auch von demokratischen Staaten<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Mittag, Sportpolitikprofessor an der Deutschen Sporthochschule K\u00f6ln, besch\u00e4ftigt sich in der <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/heftarchiv\/ausgabe-06\/26\" class=\"link-internal\" title=\"Link zu Forschung &amp; Lehre 6\/26 | Themenschwerpunkt: Gleichstellung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aktuellen Ausgabe von Forschung &amp; Lehre<\/a> mit der politischen Dimension der Weltmeisterschaft: &#8222;Sportereignisse werden von Staaten zunehmend genutzt, um sich international als modern, leistungsf\u00e4hig und weltoffen zu pr\u00e4sentieren.&#8220;, schreibt er. Mittag erl\u00e4utert, dass mit der Vergabe der Fu\u00dfball-WM 2026 an die Gastgeber USA, Kanada und Mexiko &#8222;urspr\u00fcnglich die Erwartung [verbunden war], dass diese WM weniger stark politisch aufgeladen werden w\u00fcrde, als zuvor Sportereignisse in den BRICS-Staaten&#8220;, also ehemalige Schwellenl\u00e4nder wie Brasilien, Russland, Indien, China und S\u00fcdafrika. Die j\u00fcngsten Entwicklungen lie\u00dfen an dieser Hoffnung allerdings Zweifel aufkommen, so der Sportpolitologe.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u00a0&#8222;Sportereignisse werden von Staaten zunehmend genutzt, um sich international als modern, leistungsf\u00e4hig und weltoffen zu pr\u00e4sentieren.&#8220; J\u00fcrgen Mittag, Deutsche Sporthochschule K\u00f6ln<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch auf der <a href=\"https:\/\/www.dshs-koeln.de\/universitaet\/newsroom\/fussball-wm-politik\" target=\"_blank\" class=\"link-external\" title=\"Link zum Newsroom der Deutschen Sporthochschule K\u00f6ln\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Website seiner Hochschule<\/a> erl\u00e4utert er, dass auch demokratische Staaten Sportgro\u00dfveranstaltungen instrumentalisierten, &#8222;etwa zur Darstellung nationaler St\u00e4rke, wirtschaftlicher F\u00fchrungsanspr\u00fcche oder individueller Interessen wie im Fall von Pr\u00e4sident Donald Trump&#8220;. Die Veranstaltungen dienten den ausrichtenden Organisationen, Gastgeberstaaten und Sponsoren zu wirtschaftlichen, image- und geopolitischen Zielen, so Mittag.<\/p>\n<p>&#8222;Fu\u00dfball-Weltmeisterschaften er\u00f6ffnen gemeinsame Kommunikationsr\u00e4ume, emotionale Identifikation und transnationale Begegnungen, die politische Spannungen zumindest zeitweise \u00fcberlagern oder relativieren k\u00f6nnen&#8220;, so der Sportpolitikprofessor.<\/p>\n<p>Das scheint Trump zumindest nicht ungelegen zu kommen: Seit seiner Amtseinf\u00fchrung Anfang 2025 sind seine Zustimmungswerte deutlich gesunken, wie etwa die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/polls\/donald-trump-approval-rating-polls.html#presidential-approval-polls\" target=\"_blank\" class=\"link-external\" title=\"Link zur Statistik der New York Times\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Statistikzusammenstellung der New York Times (NYT)<\/a> zeigt. Die j\u00fcngsten Umfragen, die die NYT gemeinsam mit dem Siena Research Institute Mitte Mai durchgef\u00fchrt hat, haben ergeben, dass lediglich 37 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner mit Trumps Amtsf\u00fchrung zufrieden sind. Kritisiert werde sein Umgang mit der Wirtschaft, die H\u00f6he der Lebenskosten, der Krieg mit dem Iran und die Immigrationspolitik. Damit unterscheide sich Trump von seinen Vorg\u00e4ngern im Amt, so Nate Cohn, der politische Analyst der NYT. Deren Zustimmungsraten h\u00e4tten zwar auch geschwankt, aber nie l\u00e4nger als ein paar Tage unter 38 Prozent gelegen. Nachdem die Ablehnung Mitte Mai am h\u00f6chsten war, zeigt der t\u00e4gliche Durchschnitt der Zustimmungswerte, den die NYT angibt, seit etwa zehn Tagen wieder eine leichte Erholung.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielschichtig und gehen \u00fcber die Einflussm\u00f6glichkeiten einer Fu\u00dfballweltmeisterschaft hinaus. So wurde beispielsweise in der vergangenen Woche bekannt, dass eine Einigung zwischen den USA und Iran bevorstehen k\u00f6nnte, die zuletzt in einem digital unterzeichneten Absichtserkl\u00e4rung f\u00fcr ein Konfliktende m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Fu\u00dfball hilft der Wissenschaftsdiplomatie<\/p>\n<p>Sportpolitologe Mittag betont, dass Fu\u00dfball weiterhin ein &#8222;betr\u00e4chtliches Potential&#8220; besitzt, die Menschen grenz\u00fcbergreifend zusammenzubringen. Das best\u00e4tigt auch Christian Strowa, Nordamerika-Direktor des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Fu\u00dfball beeinflusse seinen Arbeitsbereich, den Wissenschaftsaustausch zwischen Deutschland und Nordamerika. &#8222;Sportdiplomatie ist hierzulande ein ganz wichtiges und gewinnbringendes Feld \u2013 auch wenn es um ein Studium in Deutschland geht&#8220;. Gerade unter jungen Leuten sei der Fu\u00dfballsport, der eng mit Deutschland in Verbindung gebracht werde, ein &#8222;Pull-Faktor&#8220; f\u00fcr das Interesse an der Bundesrepublik und an Europa allgemein. Daher wirke der DAAD auch in New York am Deutschlandtag des German House of Soccer des DFB mit und werbe dort f\u00fcr Studien- und Karrierem\u00f6glichkeiten in Deutschland.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u00a0&#8222;Sportdiplomatie ist ein ganz wichtiges und gewinnbringendes Feld \u2013 auch wenn es um ein Studium in Deutschland geht.&#8220; Christian Strowa, DAAD<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die aktuelle Lage der US-Hochschulen l\u00e4sst Amerikanerinnen und Amerikaner nach Optionen im Ausland schauen: Seit seinem Amtsantritt hat Trump den Einfluss der Regierung auf die Hochschulen im Land verst\u00e4rkt: Programme f\u00fcr Vielfalt und Inklusion wurden beendet, F\u00f6rdergelder wurden eingefroren, einzelne Forschungsthemen \u2013 wie die Gender- oder der Klimaforschung \u2013 sind dabei besonders betroffen. Die Regierung hat versucht, Einfluss auf den Zulassungsprozess und sogar die Lehrpl\u00e4ne der Hochschulen zu nehmen. Entsprechend hat auch das <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/zeitfragen\/deutlich-reduzierte-hochschulautonomie-in-den-usa-7588\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">diesj\u00e4hrige Update des Academic Freedom Index <\/a>f\u00fcr die USA festgestellt, dass die institutionelle Autonomie der US-Hochschulen auch im Vergleich zu Institutionen in westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern stark abgefallen ist. Erhebliche Einschr\u00e4nkungen haben auch internationale Studierende und Forschende erlebt, zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben daher die USA verlassen oder bem\u00fchen sich darum.<\/p>\n<p>Gro\u00dfes Interesse an transatlantischem Austausch<\/p>\n<p>Der DAAD in Nordamerika arbeite nat\u00fcrlich nach wie vor f\u00fcr den deutsch-amerikanischen akademischen Austausch, berichtet Strowa. &#8222;Die Rahmenbedingungen sind jedoch andere.&#8220; Dabei sei das Interesse an Erhalt und Pflege der transatlantischen Wissenschaftsbeziehungen nicht r\u00fcckl\u00e4ufig, sondern eher gestiegen. Auch seien viele US-Hochschulen sehr an einem Ausbau der Zusammenarbeit mit deutschen Wissenschafts- und Hochschulpartnern interessiert. &#8222;Und nicht zuletzt sind die Bewerberzahlen auf unsere DAAD-Stipendien aus den USA deutlich nach oben geschossen.&#8220; \u00a0<\/p>\n<p>Der Beratungsbedarf sei seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps stark gestiegen und habe sich ver\u00e4ndert. W\u00e4hrend sich Anfragen fr\u00fcher vor allem auf F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten, Bewerbungsprozesse oder organisatorische Fragen konzentriert h\u00e4tten, st\u00fcnden heute komplexe Entscheidungsprozesse im Vordergrund. &#8222;Wissenschaftsmobilit\u00e4t wird heute st\u00e4rker im Kontext politischer Entwicklungen, institutioneller Stabilit\u00e4t und langfristiger Karriereperspektiven betrachtet&#8220;, so Strowa.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Wissenschaftsmobilit\u00e4t wird heute st\u00e4rker im Kontext politischer Entwicklungen, institutioneller Stabilit\u00e4t und langfristiger Karriereperspektiven betrachtet.&#8220; Christian Strowa, DAAD<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zentral seien Fragen zu Visa- und Aufenthaltsbestimmungen und zur Verl\u00e4sslichkeit migrationsrechtlicher Rahmenbedingungen. &#8222;Gerade f\u00fcr internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist Planungssicherheit ein zunehmend entscheidender Faktor bei der Wahl eines Forschungs- oder Studienstandorts&#8220;, sagt Strowa. Er beobachte auch eine steigende Verunsicherung hinsichtlich der langfristigen Entwicklung des US-amerikanischen Hochschul- und Wissenschaftssystems. So erkundigten sich deutsche Forschende, die einen Wechsel an eine US-Einrichtung bedenken, beispielsweise nach den Auswirkungen politischer Entscheidungen auf internationale Kooperationen oder nach der Stabilit\u00e4t institutioneller Partnerschaften. Das Interesse an den USA als Forschungsstandort bleibe weiterhin gro\u00df: &#8222;Trotz bestehender Unsicherheiten sch\u00e4tzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die herausragende Forschungsinfrastruktur, die internationale Vernetzung sowie die exzellenten Kooperationsm\u00f6glichkeiten, die viele US-amerikanische Hochschulen und Forschungseinrichtungen bieten&#8220;, berichtet Strowa.<\/p>\n<p>Spannungen USA-Kanada<\/p>\n<p>Neben den USA f\u00e4llt auch Kanada in den Zust\u00e4ndigkeitsbereich von Strowa. Wie schon w\u00e4hrend der ersten Amtszeit Trumps (2017-2021), habe sich das Interesse deutscher Hochschulen an Kanada aktuell erh\u00f6ht. &#8222;Hier gibt es noch sehr viel Kooperationspotential&#8220;, berichtet Strowa. Spannungen zwischen den USA und Kanada h\u00e4tten jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf die laufende Arbeit des DAAD und die akademische Zusammenarbeit. Einzelne Hochschulangeh\u00f6rige mit DAAD-Bezug zeigten sich zur\u00fcckhaltender bei Reisen in die USA, teilweise auch auf Empfehlung ihrer Institutionen. Insgesamt sei die Zusammenarbeit im Hochschul- und Wissenschaftsbereich jedoch weiterhin stabil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutsche bewerten die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft (WM) 2026 weniger kritisch als die vorherige WM in Katar. 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