{"id":1106089,"date":"2026-06-19T12:24:24","date_gmt":"2026-06-19T12:24:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1106089\/"},"modified":"2026-06-19T12:24:24","modified_gmt":"2026-06-19T12:24:24","slug":"kunst-von-max-beckmann-warum-seine-millionen-werke-heute-begehrter-sind-denn-je","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1106089\/","title":{"rendered":"Kunst von Max Beckmann: Warum seine Millionen-Werke heute begehrter sind denn je"},"content":{"rendered":"<p>Max Beckmann war der bekennende Antimodernist in der Moderne: Die Galerie Hauser &amp; Wirth zeigt, wie lebendig der Kunstmarkt f\u00fcr Werke des gro\u00dfen Malers des Gegenst\u00e4ndlichen ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit seiner markanten Gegenst\u00e4ndlichkeit lag das Werk des Malers <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/max-beckmann\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/max-beckmann\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Max Beckmann<\/a> schon immer im Zielgebiet von Sammlern und Fans einer gem\u00e4\u00dfigten Moderne. Mehr noch als im Museum, wo die eindr\u00fccklichen Bilder den unaufhaltsamen Fortschrittsweg der Gegenwartskunst eher zu unterbrechen scheinen, spielen sie ihre Tr\u00fcmpfe im privaten Rahmen aus. Wenn man jetzt das Baseler Luftg\u00e4sslein entlangspaziert und im b\u00fcrgerlichen Filialhaus des weltweiten Galerieunternehmens Hauser &amp; Wirth sich die Beckmann-Bilder an den W\u00e4nden zeigen l\u00e4sst, dann f\u00fchlt man sich wie bei einem stolzen Kunstsammler zu Gast.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.hauserwirth.com\/hauser-wirth-exhibitions\/max-beckmann\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.hauserwirth.com\/hauser-wirth-exhibitions\/max-beckmann\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Die Ausstellung \u2013 ein gro\u00dfmaschiger Werk\u00fcberblick<\/a> \u2013 ist eine kleine Sensation: Zeigt sie doch nicht zuletzt, dass der millionenteure Beckmann gut 75 Jahre nach seinem Tod immer noch mit Bildern auf dem Markt ist, die sich heute kaum ein Museum leisten k\u00f6nnte. Neben kapitalen Arbeiten aus Privatbesitz besticht besonders die Auswahl, die Mayen Beckmann aus ihrer Kollektion beigesteuert hat. Die Enkelin, studierte Kunsthistorikerin, geh\u00f6rt zu dem Team, das sich seit Jahren um die wissenschaftliche Erschlie\u00dfung des immensen Werks bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Kernst\u00fcck ist der aktualisierte Werkkatalog, den sie zusammen mit Jana Diermann und Siegfried Gohr erstellt hat. Herausgegeben von der privaten Kaldewei Kulturstiftung, zeugt er dickleibig vom enormen Bilderflei\u00df des Malers und darf digital als allerbeste Informationsbank gelten. Auch das geh\u00f6rt zum gutb\u00fcrgerlichen Schicksal des Werks, dass sich die Erben, die Beckmann-Frauen Minna Tube und Mathilde \u201eQuappi\u201c Kaulbach neben dem Sohn Peter, weitgehend einig waren und alle Anstrengungen auf die Pflege des enormen Nachlasses richteten.<\/p>\n<p>Klickt man den digitalen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/max-beckmann.org\/aquarelle-pastelle\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/max-beckmann.org\/aquarelle-pastelle&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eCatalogue Raisonn\u00e9 der Aquarelle und Pastelle\u201c<\/a> an, st\u00f6\u00dft man gleich zu Beginn bei der Nummer \u201eMB-A\/P 004\u201c auf ein \u201eSelbstbildnis mit Seifenblasen\u201c, dem man jetzt in der Ausstellung bei Hauser &amp; Wirth wiederbegegnet. Das kleine Bild, um 1900 entstanden, der K\u00fcnstler war gerade sechzehn Jahre alt, zeigt schon Formen der typischen Selbstinszenierung, wie sie Beckmann zu einsamer Meisterschaft bringen sollte. Gro\u00df im Profil, die Landschaft wie ein machiavellistischer F\u00fcrst beherrschend, den Seifenblasen nachtr\u00e4umend, die vor ihm schweben.<\/p>\n<p>Beckmann: schulterstark, stimmgewaltig, kampfbereit<\/p>\n<p>Kein zweiter Maler hat sich so selbstbewusst in die Kunstgeschichte eingeschrieben, in allen dramatischen Spielberichten vom Welttheater sich selbst als Hauptdarsteller gesehen. Und wenn seine Bilder auch von den Abgr\u00fcnden des Lebens erz\u00e4hlen, dem Erz\u00e4hler sollte keine Ersch\u00fctterung anzumerken sein. In einer Epoche besch\u00e4digter M\u00e4nnlichkeit erscheint das virile Ahnenbild eines Max Beckmann wie ein wehm\u00fctiger Gru\u00df aus stabileren Zeiten. <\/p>\n<p>Der Mann war eben noch wirklich ein Mann \u2013 Raucher, feiner Herr, anders hat er sich nie gemalt, und gemalt hat er sich dauernd. Zur Baseler Auswahl geh\u00f6rt auch ein \u201eSelbstbildnis auf Gr\u00fcn mit gr\u00fcnem Hemd\u201c (1938), das auch als lebenslanges Passbild gelten k\u00f6nnte. Jedenfalls ein Maler, vom Habitus grundgeeignet f\u00fcr Vater- oder F\u00fchrerrollen: eitel, schulterstark, stimmgewaltig, kampfbereit.<\/p>\n<p>Als Beckmann im Dezember 1950 in New York verstarb, mischte sich in die Verneigung vor dem Lebenswerk auch ein wenig Verlegenheit. Einer von gestern war gegangen, einer aus der Heldengeneration, den die Diffamierung der Nazis ins Exil getrieben hatte und der nach Kriegsende keinerlei Anstalten machte, nach Deutschland zur\u00fcckzukehren. In Amerika war er ein Star, dessen Ruf auch mit dem Aufkommen der New York School intakt blieb. In der alten Heimat war sein Stern verblasst. <\/p>\n<p>Der bundesdeutschen Kunstelite, die mit emphatischer Pflichtschuldigkeit dabei war, ihren Schwenk zur Abstraktion zu tun, war das gegenst\u00e4ndliche Erbe eines Beckmann eher peinlich. Otto Dix und Erich Heckel ging es nicht anders. Es hat noch eine ganze Weile gebraucht, bis der museale Rang der 1920er-Jahre-Malerei neu bewertet wurde, und das zeigende, erz\u00e4hlende, diskursive, an seiner Zeichenhaftigkeit interessierte Bild wieder in den Ausstellungsbetrieb zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Mit ihrem Vorrang an Figurenbildern gibt die Schau tiefe Einblicke in das Rollen-Set, das dem Maler f\u00fcr sein Welttheater zur Verf\u00fcgung stand. Ob Selbstbildnis oder Portr\u00e4t, ob Aktbildnis oder Gruppenauftritt: Immer gewinnen die Figuren gleich Zeichencharakter, spielen in einem St\u00fcck, das bei allen Nachtseiten, von denen es handelt, immer auch eine kernige Zuversicht bewahrt, die sich vor allem in der malerischen Textur beglaubigt. Wenn man an das Flirrende, Huschende bei Emil Nolde denkt, an das neurotisch Zackige bei Ernst Ludwig Kirchner, dann ist bei Beckmann alles feste Form. <\/p>\n<p>Selbst wenn sich die B\u00e4ume biegen und die Figuren mit ihren angespannten Gliedern wirken, als seien sie zum Stresstest angetreten, dann steht einem auch das mit Gravit\u00e4t vor Augen. Ein grandioses Beispiel ist die \u201eErschrockene\u201c (1947), vielleicht das Kr\u00f6nungsbild der Ausstellung. Wer sie an der Wand hat, muss sie wie einen Einbauschrank erleben. Wo man sie abnehmen w\u00fcrde, w\u00e4re ein Loch.<\/p>\n<p>Der Galeriedirektor Carlo Kn\u00f6ll, der die Ausstellung mit Mayen Beckmann kuratiert hat, hatte den klugen Einfall, eine Handvoll aktiver K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ihr Verh\u00e4ltnis zum urdeutschen Maler erz\u00e4hlen zu lassen. Allen voran gibt William Kentridge eine spannende Lektion, in der er eine 1930er-Jahre-Arbeit Motiv um Motiv nach kunstgeschichtlichen Spuren absucht und zeigt, wie Beckmann dem dekonstruierten Bildraum der Moderne seine eigenen Raumvisionen entgegenstellt. <\/p>\n<p>Der Maler, der sich in den 1910er-Jahren mehr und mehr die Rolle eines bekennenden Antimodernisten angeeignet hat, braucht die Mittel der neu entdeckten Abstraktion nicht, um die illusion\u00e4ren Rauminformationen fast g\u00e4nzlich zu tilgen. Die Gegenst\u00e4nde bilden bei Beckmann ihre eigene B\u00fchne, folgen ihrer eigenen Raumlogik, organisieren sich nach einem eigenen Fl\u00e4chenkonzept.<\/p>\n<p>Inzwischen ist das Beckmann-Copyright erloschen \u2013 was dem Marktwert eher Auftrieb gibt. Der familieneigene Bilderbesitz muss, wie die Ausstellung illustriert, erheblich sein. Nicht wenige Arbeiten h\u00e4ngen als Leihgaben in Hamburg und Leipzig. Bilder aus Privatbesitz in den USA erg\u00e4nzen die millionenschwere Schau. Wenn man vor dem schlanken Bildnis der \u201eQuappi Beckmann\u201c steht und sich erinnert, dass eine verwandte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254515232\/Kunst-Zum-Geburtstag-ein-Aquarell-von-Paul-Klee.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254515232\/Kunst-Zum-Geburtstag-ein-Aquarell-von-Paul-Klee.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eQuappi\u201c bei Grisebach<\/a> f\u00fcr 4,4 Millionen Euro versteigert worden ist, kann man ermessen, was hier an den W\u00e4nden h\u00e4ngt. Aber auch wer mittellos durchs Luftg\u00e4sslein spaziert, kommt drinnen bei Hauser &amp; Wirth sehr auf seine Kosten.<\/p>\n<p>Max Beckmann, bis zum 11. Juli 2026, Galerie Hauser &amp; Wirth, Basel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Max Beckmann war der bekennende Antimodernist in der Moderne: Die Galerie Hauser &amp; Wirth zeigt, wie lebendig der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1106090,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1775],"tags":[1793,112356,29,214,234272,30,1794,2148,2705,18276,45,215],"class_list":["post-1106089","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-art-and-design","tag-beckmann","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-expressionismus-ks","tag-germany","tag-kunst-und-design","tag-kunsthandel","tag-malerei","tag-max","tag-texttospeech","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1106089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1106089"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1106089\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1106090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1106089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1106089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1106089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}