{"id":1107214,"date":"2026-06-19T23:11:16","date_gmt":"2026-06-19T23:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1107214\/"},"modified":"2026-06-19T23:11:16","modified_gmt":"2026-06-19T23:11:16","slug":"wie-wenig-ist-genug-musik-in-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1107214\/","title":{"rendered":"Wie wenig ist genug? &#8211; Musik in Dresden"},"content":{"rendered":"<p><img width=\"1200\" height=\"900\" data-tgpli-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/a-simple-hasty-rushed-enigmatic-fragmented-naive-drawing-on-a-clean-white-sheet-of-paper-depicti_554.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19755\" style=\"width:500px\" data-tgpli-  data-tgpli-inited=\"\" data-tgpli-image-inited=\"\" id=\"tgpli-6a35cc933c599\"\/>Wie sp\u00e4rlich, wie skizzenhaft angedeutet kann etwas werden, bis eine k\u00fcnstlerische Handschrift gar nicht mehr erkennbar ist? (Abb.: M.M.)<\/p>\n<p>Wie wenig ist genug? <a href=\"https:\/\/www.hellerau.org\/2025-26\/saechsische-akademie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diese Frage wird am 3. Juli im Festspielhaus Hellerau \u00f6ffentlich gestellt.<\/a> Man kommt momentan nicht um sie herum; als K\u00fcnstler, als Intendantin, als Stadtk\u00e4mmerer, auch als Kulturjournalist. Wir <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/geld-mangel-sparen-highlights-kultur-news-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">alle kratzen am Bodensatz<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/zwickau\/plauen-theater-geld-not-spielplan-titanic-kultur-news-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">R\u00fccklagen sind aufgebraucht<\/a>, Existenzfragen werden gestellt. Und so wichtig, wie zu Corona-Zeiten immer betont wurde, scheint Kultur ja doch nicht zu sein. Blicken wir \u00fcber den Rand unseres kleinen Tellerchens hinaus, so sehen wir\u2019s kult\u00fcrlich allerorten kriseln: der <a href=\"https:\/\/kulturstaatsminister.de\/kulturpass\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kulturpass ist weg<\/a>, D\u00fcsseldorf verzichtet <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nrw\/duesseldorf\/duesseldorfer-oper-soll-nicht-neu-gebaut-werden-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">z\u00e4hneknirschend auf seine neue Oper<\/a>, der Bundes-Weimer streicht die Zusch\u00fcsse f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kulturkuerzungen-des-Bundes\/!6132384\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcndnis internationaler Produktionsh\u00e4user<\/a>, Bayreuth <a href=\"https:\/\/www.sonntagsblatt.de\/artikel\/epd\/stadt-bayreuth-zurrt-gekuerztes-programm-zum-festspiel-jubilaeum-fest\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zurrt das Jubil\u00e4umsprogramm<\/a> zusammen, <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2026\/03\/xjazz-festival-zukunft-offen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">XJAZZ<\/a> schlingert und stampft, ein unr\u00fchmliches Gezerre um die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/dixieland-parade-abgesagt-sicherheit-schock-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresdner Dixielandparade<\/a> erst k\u00fcrzlich direkt vor der Haust\u00fcr, das digitale Filmerbe des Freistaats <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/filmfest-dresden-ernst-hirsch-kultur-news-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">k\u00f6nnte schon bald im Orkus verschwinden<\/a>, und so weiter, und so fort.<\/p>\n<p>\u00dcber allem also die Frage: wie wenig kann es budgetseitig werden, damit k\u00fcnstlerische Handschriften noch erkennbar bleiben? Damit H\u00e4user planbar und beitreibbar bleiben? Das ist der Hintergrund, vor dem HELLERAU \u2013\u00a0Europ\u00e4isches Zentrum der K\u00fcnste j\u00fcngst zur Vorstellung der neuen Saison 2026\/2027 einlud. Statt der erkrankten Kulturb\u00fcrgermeisterin oblag es dem Leiter des Kulturamtes, Dr. David Klein, die momentane Lage n\u00fcchtern zu beschreiben. \u201eF\u00fcr uns als Landeshauptstadt ist das Hellerauer Haus ein wichtiger Partner f\u00fcr kulturpolitische Vorhaben gewesen,\u201c sch\u00e4tzt David Klein ein. Die Finanzdaten seien positiv zu bewerten: das Haus hatte 2025 1,8 Millionen Euro Einnahmen, ein Gro\u00dfteil davon F\u00f6rdermittel; das ist der h\u00f6chste Wert der letzten f\u00fcnf Jahre. Es kamen 34.000 Besucher, die Auslastung lag bei \u00fcber 80 Prozent. \u201eWenn man als Stadt solche Erfolgszahlen vermeldet,\u201c so Klein weiter, \u201ek\u00f6nnte man daraus den Schluss ziehen, alles liefe wie auf Schienen. Aber alle wissen: wenn es diesen Geldsegen von Land, Bund und internationalen F\u00f6rdergebern nicht mehr gibt, k\u00f6nnten wir hier in ein schwierigeres Fahrwasser geraten. Da zeichnen sich am Horizont dunkle Wolken ab.\u201c Sprich: die Anzeichen stehen darauf, dass der Kulturhaushalt 2027\/28 des Freistaats kleiner wird. Dresden sei dann nicht in der Lage, ausbleibende Bundes- und Landesmittel zu kompensieren. <\/p>\n<p>Carena Schlewitt sch\u00f6nte die Lage nicht, versuchte aber, konstruktiv zu bleiben. \u201eUnser Ziel\u201c, so die Intendantin, \u201ebleibt ein volles und abwechslungsreiches Programm und vielen Kooperationspartnern. Wir warten noch auf F\u00f6rderentscheidungen \u2013 bleiben Sie dran!\u201c<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an dieser Stelle auch an den Plan der Stadt, das Hellerauer Haus zum Jahresanfang 2027 mit der Staatsoperette und dem tjg in eine gemeinsame Rechtsform zu den \u201eSt\u00e4dtischen B\u00fchnen Dresden\u201c zusammenzuf\u00fchren. Verspricht sich die Stadt dadurch Einsparungen bei Personal oder Budgets?<\/p>\n<p>Ein deutliches Nein kommt hier vom Kulturamtsleiter. \u201eDie drei Theater werden mit ihrem Profil weiter existieren. F\u00fcr ihre konkrete Arbeit, die Art der Drittmitteleinwerbung usw., wird sich nichts \u00e4ndern.\u201c Man sehe als Kulturverwaltung diese rechtliche Zusammenf\u00fchrung nicht als Einsparprojekt, sondern als Konsolidierungsprojekt. Aufw\u00fcchse in Personal und Sachkosten k\u00f6nnten unter dem gemeinsamen Dach besser abgefedert, \u201eRedundanzen anders abgebildet\u201c werden. Nicht geplant sei ein Stellenabbau oder eine Zuschussreduzierung. <\/p>\n<p>Ja, wie wenig ist genug?<\/p>\n<p>Helleraus neue Saison (vorbehaltlich haushalterischer Beschr\u00e4nkungen und noch nicht genehmigter F\u00f6rderungen, Auswahl)<\/p>\n<p><strong>Fragments of Life and Art. J\u00fcdisches Leben in Kunst und Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich von \u201eTACHELES \u2013 Jahr der j\u00fcdischen Kultur in Sachsen\u201c stellt HELLERAU beim Festival \u201eFragments of Life and Art \u2013 J\u00fcdisches Leben in Kunst und Kultur\u201c vom 18.09. bis 01.11.2026 j\u00fcdische Erfahrung und k\u00fcnstlerische Praxis in den Fokus. Ein besonderer Fokus liegt auf der K\u00fcnstlerin und T\u00e4nzerin Noa Eshkol, deren umfassendes Werk und Wirken erstmals in Dresden pr\u00e4sentiert wird. Drei Arbeiten von Omer Krieger, No\u00e9 Soulier und dem Dance On Ensemble sowie von Katja Erfurth setzen sich auf unterschiedliche Weise mit dem k\u00fcnstlerischen Schaffen und einzigartigen Notationssystem von Noa Eshkol auseinander. Dar\u00fcber hinaus zeigt HELLERAU eine Ausstellung mit Noa Eshkols ber\u00fchmten Wandteppichen sowie Zeichnungen, Fotografien und Videos.<\/p>\n<p>In ihren choreografischen Solo-Arbeiten vermitteln Nitsan Margaliot und Yasmeen Godder sehr pers\u00f6nlich pr\u00e4gende Einschreibungen des Erbes und der Gegenwart auf ihre K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Die Rauminstallation \u201eJ\u00fcdische Ossis IV\u201c vom Institut f\u00fcr Neue Soziale Plastik richtet den Blick auf die j\u00fcngere Vergangenheit und fragt nach M\u00f6glichkeiten und Grenzen von Freir\u00e4umen in autorit\u00e4ren Regimen, nach dem Verh\u00e4ltnis von R\u00fcckzug und Opposition. Hier werden Zeitzeug*innen aus der DDR und der Sowjetunion erlebbar.<\/p>\n<p>HYBRID Biennale<\/p>\n<p>Die 3. HYBRID Biennale pr\u00e4sentiert vom 07.10. bis 07.11.2026 aktuelle k\u00fcnstlerische Projekte der Digital Arts und legt den Fokus auch auf die international und enorm dynamisch wachsenden Netzwerke innovativer Institutionen und Projektentwickler an den Schnittstellen von Kunst, Forschung und Technologie. Kooperationspartner sind u.a. ZKM Karlsruhe, MUTEK Montreal, die Akademie f\u00fcr Digitalit\u00e4t und Theater Dortmund, Festival de Cannes IMMERSIVE, C-LAB Taiwan und Akademie f\u00fcr angewandte Zukunft Oberlichtenau.<\/p>\n<p>Taiwan Moves<\/p>\n<p>Mit dem Schwerpunkt \u201eTaiwan Moves\u201c pr\u00e4sentiert HELLERAU\u00a0in den n\u00e4chsten Jahren\u00a0in Kooperation mit\u00a0ESMC\u00a0die vielf\u00e4ltige Tanz- und\u00a0Performanceszene\u00a0Taiwans. Zahlreiche K\u00fcnstler*innen, Companies und Kulturschaffende der pazifischen Inselrepublik werden in HELLERAU zu Gast sein und ihre Kunst mit dem Publikum und der taiwanischen Community in Dresden und Sachsen teilen. Nach dem Gastspiel von Cloud Gate Dance Theatre werden bei der Oktober-Ausgabe von Floor on Fire taiwanische T\u00e4nzer*innen Teil des beliebten Battle-Formates sein (23. &amp; 24.10.2026). Im November taucht die taiwanische Tanzcompany Bare Feet Dance Theatre in \u201eLingering\u201c hinab in den unergr\u00fcndlichen, m\u00e4chtigen pazifischen Ozean, der in Taiwan immer pr\u00e4sent ist und sp\u00fcrt den ungeh\u00f6rten Geschichten der in seinen Tiefen versunkenen Seelen und Geistern nach (18. &amp; 19.11.2026).<\/p>\n<p>40 Jahre Dresdner Tage der zeitgen\u00f6ssischen Musik<\/p>\n<p>Die Dresdner Tage der zeitgen\u00f6ssischen Musik (DTzM), 1987 vom Komponisten Udo Zimmermann gegr\u00fcndet, pr\u00e4sentieren auch im Jubil\u00e4umsjahr neben international renommierten Komponisten*innen und Ensembles Neuer Musik spannende Nachwuchsk\u00fcnstler*innen und vermitteln Einblicke in die vitale Freie Musikszene in Dresden und Sachsen. Das Programm von DTZM 2027 wird im Januar 2027 ver\u00f6ffentlicht (09. \u2013 25.04.2027).<\/p>\n<p>Musik in HELLERAU<\/p>\n<p>Musikalisch er\u00f6ffnen die\u00a0<strong>Freunde der italienischen Oper\u00a0<\/strong>mit ihrem\u00a0<strong>Angelus Luminis \u2013 Album Release Konzert\u00a0<\/strong>und G\u00e4sten wie Ren\u00e9 Pape die Spielzeit 2026\/2027. (03.10.2026).<\/p>\n<p>Am 14.11.2026 stellt die\u00a0<strong>Komponistenklasse Dresden<\/strong>\u00a0mit dem Dresdner\u00a0<strong>Klangkollektiv Opus Eins\u00a0<\/strong>die neuesten Kompositionen von Kindern und Jugendlichen aus Dresden vor. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr eine Solo-Stimme in Kombination mit zwei Blas- bzw. Streichinstrumenten.<\/p>\n<p>Als musikalischer Auftakt f\u00fcr 2027 ist beim Konzert der Reihe\u00a0<strong>Happy New Ear\u00a0<\/strong>das belgische\u00a0<strong>Nadar Ensemble\u00a0<\/strong>zu Gast, das mit\u00a0Studierenden des Forschungsprojektes \u201ePostdigital\u00a0Interpretation\u201c der Hochschule f\u00fcr Musik und Tanz K\u00f6ln neue Konzepte und Kompositionen entwickelt (16.01.2027).<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe St\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe kanadische Choreografin\u00a0<strong>Marie Chouinard<\/strong>\u00a0ist im Dezember mit einem Doppelabend in HELLERAU zu erleben, an dem sie Johann Sebastian Bachs\u00a0<strong>\u201eMagnificat\u201c<\/strong>\u00a0sowie Igor Strawinskys\u00a0<strong>\u201eLe Sacre du Printemps\u201c\u00a0<\/strong>auf ihre ganz unverwechselbare Weise interpretiert (03. \u2013 05.12.2026). Und die bekannte\u00a0<strong>Batsheva Dance Company<\/strong>\u00a0ist nach langer Zeit mit ihrem St\u00fcck\u00a0<strong>\u201eMOMO\u201c<\/strong>\u00a0wieder in Dresden zu Gast. Mit Musik der legend\u00e4ren Laurie Anderson und dem Kronos Quartet entfaltet sich auf der B\u00fchne eine gemeinsame Leidenschaft aus tiefer Trauer und Sch\u00f6nheit (17. \u2013 19.06.2027).<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.martinmorgenstern.de\" class=\"post-author-avatar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Martin Morgenstern \/ \u00dcber den Autor<\/p>\n<p>Dr. Martin Morgenstern, seit 2007 Chefredakteur von \u00bbMusik in Dresden\u00ab, lehrte an den Universit\u00e4ten, Fach- und Musikhochschulen von Dresden, Halle\/Saale-Wittenberg, Leipzig, Bremen, Eichst\u00e4tt und Stuttgart und arbeitet freiberuflich als Kulturjournalist. Den bisherigen H\u00f6hepunkt seiner Konzertkarriere bildete ein Duett mit Bobby McFerrin in der Tonhalle Z\u00fcrich. (Autorenfoto: anna.s.)<\/p>\n<p>\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.musik-in-dresden.de\/author\/martin\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr Beitr\u00e4ge von Martin Morgenstern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie sp\u00e4rlich, wie skizzenhaft angedeutet kann etwas werden, bis eine k\u00fcnstlerische Handschrift gar nicht mehr erkennbar ist? 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