{"id":1108787,"date":"2026-06-20T14:48:21","date_gmt":"2026-06-20T14:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1108787\/"},"modified":"2026-06-20T14:48:21","modified_gmt":"2026-06-20T14:48:21","slug":"messenger-dienst-max-wie-der-kreml-das-internet-kontrolliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1108787\/","title":{"rendered":"Messenger-Dienst Max: Wie der Kreml das Internet kontrolliert"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Auf einem Smartphone-Bildschirm sind die Logos der Apps Max und Telegramm zu sehen.\" alt=\"Auf einem Smartphone-Bildschirm sind die Logos der Apps Max und Telegramm zu sehen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/max-messenger-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Der Messenger Max muss seit Herbst 2025 auf allen in Russland verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein. (picture alliance \/ Picvario Media \/ Sergey Elagin)<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Webseiten und Apps wie WhatsApp oder Instagram werden in Russland immer wieder blockiert. Doch inzwischen geht das Regime weiter: Es schr\u00e4nkt zunehmend auch das Internet ein. In einzelnen Regionen wurde es vor\u00fcbergehend sogar ganz abgestellt.\u00a0 <\/p>\n<p>                FSB gibt Mobilfunkanbietern Anweisungen <\/p>\n<p>Bis Anfang Mai soll es mehr als 20.000 F\u00e4lle gegeben haben, in denen das mobile Internet regional eingeschr\u00e4nkt wurde. Das hat der russischsprachige Telegram-Kanal &#8222;Na svjazi&#8220; ermittelt. Die h\u00e4ufigsten Ausf\u00e4lle gab es &#8222;Na svjazi&#8220; zufolge in den Gebieten Saratow an der Wolga und Swerdlowsk \u00f6stlich des Urals sowie in Moskau, Nischni Nowgorod und Rostow. Wo das mobile Internet eingeschr\u00e4nkt wird, entscheidet der Geheimdienst FSB. Das haben russische Exiljournalisten recherchiert. Der FSB gebe den Mobilfunkanbietern direkt Anweisungen. <\/p>\n<p>Offiziell begr\u00fcnden die Beh\u00f6rden die Einschr\u00e4nkungen mit ukrainischen Angriffen auf russisches Territorium: Als die Ukraine im Juni 2025 in Russland mehrere Flugh\u00e4fen und mindestens ein Dutzend Milit\u00e4rflugzeuge mit Drohnen zerst\u00f6rte, nutzte sie dabei russische SIM-Karten und das mobile Internet.\u00a0 <\/p>\n<p>                Ukraine trifft trotz Internetsperren Ziele in Russland <\/p>\n<p>Beobachter halten die Begr\u00fcndung f\u00fcr vorgeschoben. Denn auch auf der russischen Halbinsel Kamtschatka wurden die Internetverbindungen gekappt. Kamtschatka liegt 7000 Kilometer von der Front entfernt. Und im Gebiet Rostow an der Grenze zur Ukraine gelingt es der ukrainischen Armee immer wieder, mit Drohnen milit\u00e4rische Infrastruktur zu zerst\u00f6ren \u2013 trotz der Internetsperren. <\/p>\n<p>Mit den Einschr\u00e4nkungen verfolgt das Regime ein anderes Ziel, glauben Russland-Experten. Es gehe um Kontrolle der B\u00fcrger durch die Regierung.\u00a0 <\/p>\n<p>                \u00dcberwacht durch Messenger-App Max <\/p>\n<p>Das will der russische Machthaber Putin offenbar auch mit dem Messenger-Dienst Max erreichen. Der Kreml-Chef selbst hatte dessen Entwicklung vor einem Jahr angeordnet. Im Gegensatz zu WhatsApp, Telegram und Instagram l\u00e4uft Max in Russland reibungslos.\u00a0 <\/p>\n<p>Michail Klimarjow ist f\u00fcr die Gesellschaft f\u00fcr den Schutz des Internets t\u00e4tig. Er warnt eindringlich vor dem Messenger. \u201eDie Max-App auf das eigene Mobiltelefon zu laden hei\u00dft, sich einen pers\u00f6nlichen Polizisten zu installieren, der dich rund um die Uhr verfolgt\u201c, sagt der Internetaktivist. Die App habe Zugriff auf s\u00e4mtliche Chats im Max-Messenger und auf VKontakte. Die Plattform VKontakte &#8211; das russische Pendant zu Facebook &#8211; wird vom selben Unternehmen wie Max betrieben: Vk.com.\u00a0 <\/p>\n<p>                App-Betreiber \u00fcbermittelt Nutzerdaten an Staatsmacht <\/p>\n<p>Klimarjow zufolge kann Max zudem den Standort eines Users mit einer Genauigkeit von wenigen Dutzend Metern bestimmen. S\u00e4mtliche Daten w\u00fcrden gesammelt und auf Servern gespeichert.\u00a0 <\/p>\n<p>Aus der Kooperation mit dem Staat macht auch Max-Betreiber Vk.com keinen Hehl. Das Unternehmen hat offen angek\u00fcndigt, s\u00e4mtliche \u00fcber die App gesammelten Nutzerdaten an alle Organe der Staatsmacht weiterzugeben.\u00a0 <\/p>\n<p>Erfolgreich ist Max trotzdem. Bereits f\u00fcr jeden zehnten Russen ist der Messenger-Dienst zu einer wichtigen Informationsquelle geworden. Das ergab eine Umfrage des unabh\u00e4ngigen Sozialforschungsinstituts Lewada-Zentrum. Gleichzeitig nutzen immer weniger Menschen in der Russischen F\u00f6deration Telegram als prim\u00e4re Informationsquelle. Im M\u00e4rz waren es noch 25 Prozent der Befragten, im April nur noch 18 Prozent. <\/p>\n<p>Den Erfolg der App hat das Regime nicht dem Zufall \u00fcberlassen: Der Start von Max wurde mit einer gro\u00dfen PR-Kampagne begleitet. Der russische Rapper Egor Kreed warb in einem seiner Musikvideos f\u00fcr den Messenger. Instagram-Influencer wie die Bloggerin Instasamka wurden eingespannt. <\/p>\n<p>                \u00dcberwachungs-App auf jedem Handy vorinstalliert <\/p>\n<p>Seit Herbst 2025 muss die App zudem auf allen in Russland verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein. \u00c4rzte privater Kliniken wurden angewiesen, mit ihren Patienten nur noch \u00fcber Max zu kommunizieren. Und in vielen russischen Regionen haben die lokalen Verwaltungen ihre Kommunikation in die App verlegt. \u00dcber Max verschicken die Beh\u00f6rden Warnungen vor Extremwetter, Katastrophen und Drohnenangriffen. Das Ziel: An Max soll kein Weg mehr vorbeif\u00fchren. <\/p>\n<p>                Russen entziehen sich der Kontrolle mit VPNs <\/p>\n<p>Um sich im Internet einigerma\u00dfen frei bewegen zu k\u00f6nnen, nutzen viele Russen sogenannte VPNs (Virtual Private Networks). Die Technologie erm\u00f6glicht es, den Standort des eigenen Computers zu verheimlichen. <\/p>\n<p>Der russischen Zensur sind VPNs daher schon lange ein Dorn im Auge. Die Regierung reagierte mit Verboten. Wer bestimmte Webseiten mithilfe von VPNs aufruft, macht sich strafbar. Einige VPNs d\u00fcrfen seit 2021 gar nicht mehr genutzt werden. 2024 kam ein Werbeverbot f\u00fcr die Anbieter hinzu. <\/p>\n<p>Gen\u00fctzt hat das wenig. Medienberichten zufolge haben User in Russland im M\u00e4rz 2026 allein \u00fcber Google Play mehr als neun Millionen Mal VPNs heruntergeladen. Das ist 14-mal h\u00e4ufiger als im M\u00e4rz des Vorjahres. <\/p>\n<p>Um die Nutzung der Anonymisierungsdienste einzud\u00e4mmen, hat die Regierung k\u00fcrzlich eine weitere Ma\u00dfnahme ergriffen: Onlineh\u00e4ndler sind nun gehalten, Nutzer zu blockieren, wenn die sich mit eingeschaltetem VPN anmelden.\u00a0 <\/p>\n<p>                Zwei Smartphones f\u00fcr mehr Sicherheit <\/p>\n<p>Doch absolute Sicherheit bieten in Russland auch VPNs nicht. Die Organisation RKS Global setzt sich f\u00fcr Internetfreiheit in verschiedenen L\u00e4ndern ein. Sie hat herausgefunden, dass 22 der 30 popul\u00e4rsten russischen Android-Apps VPNs erkennen \u2013 und die Informationen unter Umst\u00e4nden an die Sicherheitsbeh\u00f6rden weiterleiten.\u00a0 <\/p>\n<p>Internetaktivist Klimarjow r\u00e4t russischen Usern daher, sich ein zweites Smartphone einzurichten. Er nennt es \u201eMaxophon\u201c, nach dem staatlichen Messenger-Dienst. Installiert sind auf diesem Tarntelefon nur russische Apps. \u201eIhr normales Smartphone, auf dem sie VPNs benutzen, muss ein anderes sein\u201c, sagt Klimarjow. Das Gleiche gelte f\u00fcr Computer. <\/p>\n<p>Radiobeitrag: Gesine Dornbl\u00fcth und Thomas Franke <br \/>Online-Text: Tobias Kurfer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Messenger Max muss seit Herbst 2025 auf allen in Russland verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein. 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