{"id":111294,"date":"2025-05-15T01:02:11","date_gmt":"2025-05-15T01:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/111294\/"},"modified":"2025-05-15T01:02:11","modified_gmt":"2025-05-15T01:02:11","slug":"rumaenien-schicksalswahl-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/111294\/","title":{"rendered":"Rum\u00e4nien: Schicksalswahl f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>Vorlesen<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-black bg-whitelilac rounded-8 grid items-center group py-[6px] px-8 text-12 hover:bg-magenta hover:text-whitelilac gap-8 grid-cols-[min-content_34px] hover:dark:text-salemsfur\" href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAiEIJQzYzeY7hM4UzfQTU6gT8qFAgKIhCCUM2M3mO4TOFM30E1OoE_\/sections\/CAQqKggAIhCCUM2M3mO4TOFM30E1OoE_KhQICiIQglDNjN5juEzhTN9BNTqBPzDJh8gG?hl=de&amp;gl=DE&amp;ceid=DE%3Ade\" aria-label=\"Auf Google News folgen\">News folgen<\/a><img style=\"--width:16;--height:16\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/sharing-menu-icon.1eb71368.svg.svg+xml\" alt=\"Teilen Menu auf machen\" title=\"Teilen Menu auf machen\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        group-hover:invert group-hover:grayscale group-hover:contrast-200 dark:group-hover:invert dark:contrast-200 dark:grayscale dark:invert\" decoding=\"async\"\/>Artikel teilen<\/p>\n<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Worte verraten, wie hei\u00df das Eisen ist.<\/strong> Sobald Politiker &#8222;sorgf\u00e4ltig auswerten&#8220;, &#8222;pr\u00fcfen&#8220; oder etwas &#8222;sehr genau anschauen&#8220; wollen, w\u00fcrden sie sich am liebsten \u00fcberhaupt nicht \u00e4u\u00dfern. &#8222;Wohl\u00fcberlegt&#8220; hei\u00dft sp\u00e4ter. &#8222;Verfr\u00fcht&#8220; meint eigentlich vertagt.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Die Diskussion um ein Verbotsverfahren gegen die AfD bietet reichlich Anlass f\u00fcr Sprachakrobatik von dieser Sorte.<\/strong> Das kann man sogar verstehen. Das Risiko ist riesig. Niemand wei\u00df, ob ein Verbot nicht gewaltig nach hinten losgeht. Zieht man damit die Notbremse oder nimmt die Reise nach rechts erst so richtig Fahrt auf? Ohne Glaskugel, mit der man in die Zukunft schaut, gibt es darauf keine Antwort. Jedenfalls dachten wir das. Aber es gibt Neuigkeiten: Eine experimentierfreudige Riege hat die Sache einfach mal ausprobiert.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Der Feldversuch ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber an diesem Sonntag kann man die letzten Messergebnisse in die Tabelle eintragen.<\/strong> 18 Millionen Menschen d\u00fcrfen mitmachen bei diesem Test, Zwischenst\u00e4nde gibt es schon zuhauf. <strong class=\"font-bold\">Rum\u00e4nien<\/strong> hat es f\u00fcr uns ausgelotet: Ein rechtsradikaler Populist trat an, um Pr\u00e4sident zu werden, gewann mit windigen Methoden aus dem Nichts den ersten Wahlgang. Er holte <strong class=\"font-bold\">23 Prozent<\/strong> der Stimmen, etwas mehr also als die <strong class=\"font-bold\">AfD<\/strong> bei der Bundestagswahl. Dann annullierte das oberste Gericht die Wahl und schloss den Kandidaten von der Wiederholung aus. Verboten. Aus die Maus.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Rum\u00e4nien ist nicht Deutschland.<\/strong> Die Umst\u00e4nde unterscheiden sich, Pers\u00f6nlichkeiten erst recht, die Motive der W\u00e4hler sowieso. Aber Parallelen gibt es schon. Eine etablierte politische Klasse, die ausgebrannt zu sein scheint, sich in taktischen Spielchen verliert und das Land nicht voranbringt: So nehmen viele Menschen die Politik wahr, und exklusiv rum\u00e4nisch ist daran gar nichts. Sich abgeh\u00e4ngt und ignoriert zu f\u00fchlen, das kennt man hierzulande auch. Es denen da oben mal so richtig zeigen: Diese Ansage haben wir nicht erst in Bukarest zum ersten Mal geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">So sah der N\u00e4hrboden aus, auf den als kleines K\u00f6rnchen der Kandidat C\u0103lin Georgescu fiel.<\/strong> Es spielt f\u00fcr unser Experiment keine Rolle, dass er \u00fcber Nacht auf Tiktok ber\u00fchmt wurde, weil Putins Netzwerker manipulierten, was das Zeug hielt, und ihm enorme Reichweite verschafften. Ebenfalls ist es f\u00fcr uns nebens\u00e4chlich, dass sein Ausschluss von der Wahl vom obersten Gericht f\u00fcr rechtens erkl\u00e4rt wurde. Ganz und gar nicht beiseite wischen l\u00e4sst sich allerdings der Eindruck, den das juristische Man\u00f6ver bei Scharen von <strong class=\"font-bold\">B\u00fcrgern<\/strong> hinterlassen hat: Viele glauben sowieso, dass die da oben alle unter einer Decke stecken \u2013 Regierung, Opposition, Richter, Medien. Das oberste Gericht kann urteilen, was es will, h\u00e4ngen bleibt nur eines: <strong class=\"font-bold\">Der Kandidat wird unterdr\u00fcckt. Vom &#8222;System&#8220;.<\/strong> Das h\u00f6rt man zwar nicht in den Abendnachrichten, aber dort, wo viele ihre Infos herbekommen: auf Tiktok, Telegram und Co. Da raunt es gewaltig.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Was also geschieht nach so einem Verbot?<\/strong> Klar ist: Die 23 Prozent der W\u00e4hler, die ihr Kreuzchen in den Papierkorb wandern sehen, sind in Rage. Wen w\u00e4hlen sie jetzt? Ihr Kandidat ist futsch. Ersatz hat sich aber schnell gefunden: In die Bresche sprang einer, der seine Chance witterte, auf der Welle des Zorns zu surfen. <strong class=\"font-bold\">George Simion,<\/strong> ehemaliger Hooligan und Chef einer rechtsextremen Konkurrenzpartei des Ausgeschlossenen, hat die Rolle des R\u00e4chers dankbar \u00fcbernommen. Mit dem &#8222;unterdr\u00fcckten&#8220; Georgescu tritt er gemeinsam auf, Anh\u00e4nger der beiden sind nun vereint.<\/p>\n<p><a href=\"#focus-1\" class=\"transition-colors duration-200 focus-within:text-magenta block text-current relative\" data-sctrack=\"FocusGalleryImage.Reference\"><img   loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/george-simion-l-und-calin-georgescu-geben-ihre-stimmzettel-ab.jpg\" alt=\"George Simion (l.) und C\u0103lin Georgescu geben ihre Stimmzettel ab.\" title=\"George Simion (l.) und C\u0103lin Georgescu geben ihre Stimmzettel ab.\" width=\"2048\" height=\"1365\" class=\"w-full h-full max-w-full rounded-8\" decoding=\"async\"\/><img style=\"--width:32;--height:32\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/zoom-in.f7dae02f.svg.svg+xml\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" title=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        absolute bottom-8 right-8 rounded-4 bg-snow p-8\" decoding=\"async\"\/>George Simion (l.) und C\u0103lin Georgescu geben ihre Stimmzettel ab. (Quelle: REUTERS)<\/a><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Auf Deutschland \u00fcbertragen bedeutet das:<\/strong> Die Frage ist nicht, ob eine verbotene AfD verschw\u00e4nde, sondern wo genau sie wieder auftaucht. Im <strong class=\"font-bold\">B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht<\/strong> vielleicht? In einer Neugr\u00fcndung? Die Rum\u00e4nen verraten uns vieles, aber das leider nicht. Die Solidarisierung ehemaliger Konkurrenten im <strong class=\"font-bold\">v\u00f6lkischen Sumpf<\/strong> d\u00fcrfen wir jedoch schon einplanen und ihre W\u00e4hlerschaft im Geiste zusammenlegen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Machen wir die Probe:<\/strong> In Rum\u00e4nien war Simion bei der annullierten Wahl auch schon mit am Start. Zusammengenommen hatten er und der Skandalkandidat Georgescu <strong class=\"font-bold\">37 Prozent<\/strong> der W\u00e4hler hinter sich. Bleibt es dabei? Oder krempelt eine Welle der Emp\u00f6rung \u00fcber das Verbot auch das Wahlverhalten der \u00fcbrigen B\u00fcrger um?<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Die Rum\u00e4nen haben sich an die Urnen begeben, um das zu kl\u00e4ren, und den ung\u00fcltigen ersten Wahlgang wiederholt.<\/strong> Die Ausz\u00e4hlung ergab: Simion, der staatsm\u00e4nnisch gewendete Ex-Hooligan, holte diesmal <strong class=\"font-bold\">41 Prozent.<\/strong> Vier Prozent mehr also, als das rechte Lager vor dem Verbot einfuhr. Das ist ein ordentlicher Schub, aber kein Erdrutsch. Die Bilanz bisher: Die rechten Anh\u00e4nger bleiben ihm treu, viel mehr geschieht aber nicht. Neue W\u00e4hler kommen vielleicht noch hinzu, aber im \u00fcblichen Rahmen, je nachdem, wie der Kandidat sich schl\u00e4gt \u2013 also wie bei jeder anderen Abstimmung auch. Die Schockwirkung bleibt aus, das W\u00e4hlerverhalten vorhersagbar.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Sind also die Risiken eines Parteiverbots, das Verfassungsfeinden das Handwerk legen soll, geringer als gedacht?<\/strong> Die W\u00e4hler wandern wenig, deshalb stellt sich dieser Eindruck ein. Zum H\u00f6henflug setzen die Rechtspopulisten nicht an. Besser wird es aber auch nicht. Wie wir gesehen haben, findet jemand, der am rechten Rand sein Kreuzchen gemacht hat, nach dem Verbot schnell eine <strong class=\"font-bold\">neue politische Heimat,<\/strong> die kaum anders aussieht als die alte. Die demokratischen Grundwerte entdeckt so also niemand f\u00fcr sich wieder. Gefahr f\u00fcr die Verfassung wendet das Auswechseln rechter Parteilogos auch nicht ab.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Wenig Schaden, wenig Nutzen:<\/strong> So scheint die erste Hochrechnung zu lauten, die uns vom rum\u00e4nischen Wahldrama f\u00fcr unsere eigenen heiklen Entscheidungen erreicht. Aber die Zahlen k\u00f6nnen uns nicht alles verraten. Die Anh\u00e4nger der Ultrarechten m\u00f6gen nur im eigenen Lager hin und her gewandert sein \u2013 aber haben sie sich au\u00dferdem tiefer eingegraben? Hat die Wut \u00fcber die Annullierung der eigenen Stimme einen Teil der Bev\u00f6lkerung weiter radikalisiert, den Institutionen entfremdet und die Kluft zur \u00fcbrigen Gesellschaft vergr\u00f6\u00dfert? Das muss sich erst noch zeigen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">Am Sonntag gehen die Rum\u00e4nen noch einmal an die Urne.<\/strong> Uns Zuschauern wird die Stichwahl weitere Indizien liefern. F\u00fcr diejenigen, die ihre Wahlentscheidung treffen, steht nichts weniger als das Schicksal ihres Landes auf dem Spiel. Schl\u00e4gt die Nation den Weg ein, auf dem schon <strong class=\"font-bold\">Viktor Orb\u00e1n<\/strong> unterwegs ist und wo Simions Vorbild, <strong class=\"font-bold\">Donald Trump,<\/strong> t\u00e4glich die Abrissbirne schwenkt? Kann die Demokratie ihre schwere Krise \u00fcberleben? Es ist eben doch kein Experiment, das Politikern in Berlin nur ein bisschen Orientierung verschaffen kann. Vor Ort geht es ums Ganze.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\"><strong class=\"font-bold\">W\u00fcnschen wir den Rum\u00e4nen also Gl\u00fcck. <\/strong>Und das H\u00e4ndchen f\u00fcr eine vern\u00fcnftige Entscheidung. Wir machen uns derweil Notizen.<\/p>\n<p>Loading&#8230;<\/p>\n<p>Loading&#8230;<\/p>\n<p>Loading&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"VorlesenNews folgenArtikel teilen Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, Worte verraten, wie hei\u00df das Eisen ist. 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