{"id":1112961,"date":"2026-06-22T09:23:15","date_gmt":"2026-06-22T09:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1112961\/"},"modified":"2026-06-22T09:23:15","modified_gmt":"2026-06-22T09:23:15","slug":"energiewende-upm-in-augsburg-koennte-zum-vorbild-fuer-ganz-deutschland-werden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1112961\/","title":{"rendered":"Energiewende: UPM in Augsburg k\u00f6nnte zum Vorbild f\u00fcr ganz Deutschland werden"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Dimensionen sind gewaltig: 300 Meter lang und gut zehn Meter breit ist die Papiermaschine 3 <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/upm-plant-joint-venture-papierfabriken-in-augsburg-und-schongau-vor-verkauf-2-114354515\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">im Augsburger Werk von UPM<\/a> Kymmene. Eine Unmenge an Walzen, Motoren und B\u00e4ndern produziert nicht nur viel W\u00e4rme, sondern auch ordentlich L\u00e4rm. Ein s\u00fc\u00dflicher Geruch liegt in der Luft. Der blitzblanke Betonfu\u00dfboden steht in merkw\u00fcrdigem Kontrast zur bebenden Produktionsstra\u00dfe. In ihr wird der Papierbrei mit nur etwa einem Prozent fester Bestandteile getrocknet, gepresst und beschichtet. Bis zu 350.000 Tonnen Papier f\u00fcr Zeitschriften, Prospekte und Kataloge verlassen jedes Jahr die Maschine, sauber gewickelt auf meterhohe Rollen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Papierproduktion ist so energieintensiv, wie sie aussieht. UPM steht daher vor derselben Herausforderung wie andere gro\u00dfe Energieverbraucher: Wie kann die Produktion in Deutschland trotz hoher Kosten aufrechterhalten und klimaneutral gemacht werden?\n  <\/p>\n<p>            Die Kosten f\u00fcr den Netzausbau sind gewaltig<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein Hauptgrund f\u00fcr die hohen Strompreise in Deutschland sind die Kosten f\u00fcr den Ausbau der Netze. Strom wird immer h\u00e4ufiger nicht an dem Ort oder zu der Zeit erzeugt, wo und wann er verbraucht wird. Bisher zahlen die Netzkosten nur die Verbraucher. Laut Bundesnetzagentur machen die Netzentgelte f\u00fcr Haushalte inzwischen beinahe ein Drittel des Strompreises aus, bei Industriekunden sind es 20 Prozent. Doch ein Gro\u00dfteil der Energiewende kommt erst noch.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die \u00dcbertragungsnetzbetreiber sch\u00e4tzen ihren Investitionsbedarf auf bis zu 392 Milliarden Euro bis 2045. Hinzu kommen Investitionen von \u00fcber 200 Milliarden Euro <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/strompreise-lechwerke-kuendigen-preissenkung-und-effizienteren-ausbau-an-113433167\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">der gro\u00dfen Verteilnetzbetreiber<\/a>. Um diese Kostenlawine beherrschbar zu machen, plant die Regulierungsbeh\u00f6rde eine grunds\u00e4tzliche Reform der Netzentgelte. Wie die neuen Regeln f\u00fcr die Industrie aussehen k\u00f6nnten, wird derzeit in einem Pilotprojekt bei UPM in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> erprobt. Es ist Teil der 400 Millionen Euro schweren Kopernikus-Initiative, mit der das Bundesforschungsministerium seit zehn Jahren an der Weiterentwicklung der Energiewende arbeiten l\u00e4sst. Profitieren k\u00f6nnen von der Neuregelung alle Stromkunden: Sind weniger Eingriffe zur Stabilisierung der Netze n\u00f6tig, steigen die Entgelte auch f\u00fcr Privatverbraucher weniger stark.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Grundidee klingt simpel: Wird die Energieerzeugung immer volatiler, muss auch der Energieverbrauch flexibler werden. Doch Gro\u00dfanlagen wie eine Papiermaschine lassen sich nicht einfach an- und ausschalten, je nachdem wie viel \u00d6kostrom verf\u00fcgbar ist. Ein Produktionsbetrieb ben\u00f6tigt verl\u00e4ssliche Dienstpl\u00e4ne f\u00fcr das Personal. Und nicht zuletzt behindern bislang politisch gesetzte Regeln die Flexibilisierung des Stromverbrauchs in der Industrie.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/114399688\/crop\/c16_9-w100\/1687734727\/156968907\/img9198jpg.jpg\" alt=\"Sie entwickeln in Augsburg die Energiewende fort (von links): Annemarie Binswanger und Christian Rose von der Netztochter der Stadtwerke Augsburg, Michael Warmuth (UPM) und Prof. Hans Ulrich Buhl (Forschungsinstitut f\u00fcr Informationsmanagement FIM und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik FIT).\" title=\"Sie entwickeln in Augsburg die Energiewende fort (von links): Annemarie Binswanger und Christian Rose von der Netztochter der Stadtwerke Augsburg, Michael Warmuth (UPM) und Prof. Hans Ulrich Buhl (Forschungsinstitut f\u00fcr Informationsmanagement FIM und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik FIT).\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Sie entwickeln in Augsburg die Energiewende fort (von links): Annemarie Binswanger und Christian Rose von der Netztochter der Stadtwerke Augsburg, Michael Warmuth (UPM) und Prof. Hans Ulrich Buhl (Forschungsinstitut f\u00fcr Informationsmanagement FIM und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik FIT).<br \/>\n    Foto: Johannes Kiser<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Sie entwickeln in Augsburg die Energiewende fort (von links): Annemarie Binswanger und Christian Rose von der Netztochter der Stadtwerke Augsburg, Michael Warmuth (UPM) und Prof. Hans Ulrich Buhl (Forschungsinstitut f\u00fcr Informationsmanagement FIM und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik FIT).<br \/>\n    Foto: Johannes Kiser<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Unternehmen, die besonders viel Strom ben\u00f6tigen, k\u00f6nnen einen Abschlag auf die Netzentgelte von 70 bis 90 Prozent erhalten, wenn sie diese komplexen Regeln erf\u00fcllen. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie Strom entweder m\u00f6glichst konstant beziehen oder haupts\u00e4chlich zu Zeiten, in denen das Stromnetz wenig belastet ist, erkl\u00e4rt Prof. Hans Ulrich Buhl vom Forschungsinstitut f\u00fcr Informationsmanagement FIM und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik FIT. Er hat zusammen mit UPM das Forschungsprojekt \u201eSynErgie\u201c in Augsburg initiiert und kann von paradoxen Folgen der bisherigen Regelung berichten.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wollen Unternehmen zu Zeiten, in denen viel \u00d6kostrom eingespeist wird, von g\u00fcnstigen Preisen profitieren, k\u00f6nnen sie das nicht: Ihr Verbrauch h\u00e4tte eine Lastspitze und sie w\u00fcrden den Anspruch auf Erm\u00e4\u00dfigung verlieren. Umgekehrt d\u00fcrfen sie etwa bei Dunkelflauten, wenn wenig Wind- und Solarstrom eingespeist wird und die Preise hoch sind, ihren Verbrauch nicht reduzieren, weil sie dann nicht gen\u00fcgend konstante Last h\u00e4tten.\n  <\/p>\n<p>            Mit der Elektrifizierung steigt das Potenzial f\u00fcr Flexibilit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Michael Warmuth ist bei UPM daf\u00fcr verantwortlich, dass das Unternehmen die Chancen, die sich in der neuen Energiewelt bieten, auch nutzt. Ein gro\u00dfer Schritt dahin war die Elektrifizierung der Dampferzeugung. L\u00e4uft die Papiermaschine 3 auf voller Last, verbraucht sie 50 Tonnen Dampf pro Stunde f\u00fcr die Trocknung der Papierbahnen. Fr\u00fcher lieferte ein Kohlekraftwerk die Energie daf\u00fcr, sp\u00e4ter wurde Gas genutzt. Seit 2024 kann ein Elektrokessel mit einer Leistung von 33 Megawatt binnen zwei Minuten auf Volllast hochfahren und die Dampferzeugung \u00fcbernehmen, wenn Strom billiger ist als Gas. Derzeit wird an der Erweiterung des Systems um eine Hochtemperatur-W\u00e4rmepumpe gearbeitet, die den Energiebedarf f\u00fcr die Dampferzeugung senkt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWenn die Kernprozesse eines Unternehmens nicht flexibilisiert werden k\u00f6nnen, ist das f\u00fcr Vor- und Nebenprozesse meist m\u00f6glich\u201c, sagt Projektleiter Buhl. Wie das noch aussehen kann, zeigt Warmuth bei einem Rundgang \u00fcber das Fabrikgel\u00e4nde. Eine Reihe turmhoher Silos s\u00e4umen die Halle mit der Papierfabrik: Lagertanks f\u00fcr Holzschliff. \u201eDie Fasertanks sind quasi unsere Batterien, mit einem Wirkungsgrad von 100 Prozent\u201c, sagt Warmuth.\n  <\/p>\n<p>            Enge Abstimmung mit dem Netzbetreiber<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In einer eigenen Schleiferei gewinnt UPM in Augsburg den Holzschliff f\u00fcr die Papierproduktion. Das Unternehmen verbraucht davon bis zu 100 Tonnen pro Tag. 300 Tonnen k\u00f6nnen in den Speichern gelagert werden. Die Schleiferei ist die flexibelste Anlage im Werk und kann so gefahren werden, dass etwa Wartungsintervalle in Zeiten hoher Strompreise gelegt werden. Umgekehrt kann auf Reserve produziert werden, wenn Strom g\u00fcnstig ist oder, wie zuletzt immer h\u00e4ufiger, Abnehmer sogar f\u00fcr den Verbrauch bezahlt werden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ohne enge Absprachen mit den Stadtwerken Augsburg als Netzbetreiber funktioniert das nicht. UPM braucht so viel Strom, dass ein unerwartetes Abfallen der Last dort das Gegenteil von mehr Stabilit\u00e4t f\u00fcr die Netze bedeuten w\u00fcrde. Gelingt die Flexibilisierung des Verbrauchs aber, sinkt auch der Investitionsbedarf f\u00fcr die Netzbetreiber.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sp\u00e4testens Ende 2031 werden laut Bundesnetzagentur alle bisherigen Erm\u00e4\u00dfigungen beim Netzentgelt f\u00fcr energieintensive Unternehmen auslaufen. Ende 2026 sollen die Ergebnisse aus Augsburg der Beh\u00f6rde \u00fcbergeben werden, die 2027 eine neue Berechnungsformel f\u00fcr die Entlastung aufstellen wird, die ab 2029 gilt. \u201eDas Potenzial f\u00fcr mehr Flexibilit\u00e4t in der Industrie ist da\u201c, sagt Buhl. W\u00fcrden mit den Ergebnissen aus Augsburg neue sinnvolle Regeln aufgestellt, k\u00f6nne es auch gehoben werden.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Dimensionen sind gewaltig: 300 Meter lang und gut zehn Meter breit ist die Papiermaschine 3 im Augsburger&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1095780,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1846],"tags":[680,772,1517,3364,29,1520,548,663,3934,30,232346,13,232347,14,15,17220,12,11734,14276,14152],"class_list":["post-1112961","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-augsburg","tag-augsburg","tag-bayern","tag-bundesnetzagentur","tag-de","tag-deutschland","tag-energiewende","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-hans-ulrich-buhl","tag-headlines","tag-michael-warmuth","tag-nachrichten","tag-news","tag-oekostrom","tag-schlagzeilen","tag-stromnetz","tag-strompreis","tag-verbrauch"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116793038113950389","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1112961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1112961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1112961\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1095780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1112961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1112961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1112961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}