{"id":1113462,"date":"2026-06-22T14:16:16","date_gmt":"2026-06-22T14:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1113462\/"},"modified":"2026-06-22T14:16:16","modified_gmt":"2026-06-22T14:16:16","slug":"kunstakademie-klasse-von-danica-dakic-zeigt-freche-ansichten-von-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1113462\/","title":{"rendered":"Kunstakademie-Klasse von Danica Dakic zeigt freche Ansichten von Rom"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"><a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/rom\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rom<\/a> lockt j\u00e4hrlich 22 bis 23 Millionen Touristen an. Sie wollen die 3000-j\u00e4hrige Geschichte in der Kunst, Architektur und Kultur bewundern, str\u00f6men ins Kolosseum und zu den Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle. Auch die Klasse von Danica Dakic, Professorin f\u00fcr Film und Video an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf, besuchte die italienische Metropole. Aber was sie jetzt unter dem Titel \u201eROM. ROM? ROM!\u201c im ehemaligen Domizil von Joseph Beuys am Drakeplatz zeigt, zeugt von einem frischen und frechen Blick.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleich im ersten Raum legt der ehemalige Meistersch\u00fcler Mio Zajac einen originalen Gullydeckel mit einer 24-Karat-Blattgoldumrahmen auf den Boden, so dass er an einen barocken Rahmen erinnert. Diesen Schachtdeckel aus Beton und Gusseisen bekam er \u00fcber eine Ebay-Kleinanzeige von einem Hausbesitzer, der sein Grundst\u00fcck erweitern wollte. Den K\u00fcnstler interessieren unbedeutende Dinge wie Emojis oder eben Gullydeckel. Er hat sein Objekt komplett entrostet und kostbar ummantelt, bezeichnet es aber als \u201eHeilige Schei\u00dfe\u201c (Holy Shit). Ein b\u00f6ser, auch ironischer Titel, der weniger auf die aktuell steigenden Goldpreise im internationalen Handel anspielt als auf den Abgrund einer jeden Stadt, die ohne Gullys nicht existieren k\u00f6nnte. Die Arbeit ist gewichtig, wiegt 118 Kilo und ist schon verkauft. Sie kam als Leihgabe der Galerie Voss in die Brunhilde-Moll-Stiftung, der neuen Eigent\u00fcmerin vom Drakeplatz.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">1902 hatte der Monumentalbildhauer Albert Pehle die Baugenehmigung f\u00fcr die Immobilie in Oberkassel erhalten. Aus dieser Zeit stammt seine Christusfigur im Treppenhaus, eine wei\u00dfe Skulptur auf einer halben Weltkugel stehend. Die respektlose Studentin Maria Golowin h\u00e4ngte ihr ein altmodisches Telefonkabel \u00fcber die segnenden H\u00e4nde und l\u00e4sst den H\u00f6rer herunterbaumeln. Wer ihn ans Ohr h\u00e4lt, bekommt nicht etwa einen Kontakt zu einem h\u00f6heren Wesen, sondern ein St\u00f6rger\u00e4usch aus der H\u00f6rmuschel.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hu Xinyue fuhr auf den \u00c4tna und bemalte ihren K\u00f6rper mit Vulkanasche. \u201eIch bin \u00c4tna\u201c nennt sie ihre Video-Performance, in der sie sich symbolisch die Kr\u00e4fte des Vulkans in einer Form der Selbsterm\u00e4chtigung aneignet. Lezees Abou Hatab stieg in die vor drei Jahren noch funktionst\u00fcchtige U-Bahn-Haltestelle an der Klever Stra\u00dfe und vollzog ein Waschritual. Sie ahmte jedoch keine Gebetswaschung wie im Islam und keine Fu\u00dfwaschung in Erinnerung an das letzte Abendmahl nach, bei dem Jesus seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe wusch. Sie rieb sich selbst mit Granatapfelsaft ein und pr\u00e4sentierte im Video die Sinnlichkeit ihres \u00fcppigen K\u00f6rpers im sterilen Raum der menschenleeren Haltestelle, wo Ritual und Alltag aufeinandertreffen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Chinesin You Xiangyun pr\u00e4sentiert in einem digital verfremdeten Farbvideo die Ber\u00fchrung von H\u00e4nden. Von Michelangelos Erschaffung Adams im Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle keine Spur. Die einander ber\u00fchrenden Finger vom nackten Adam und vom herannahenden Gottvater, eine Ikone der Weltkultur, sind nicht mehr zu sp\u00fcren. Wenig bleibt von der Sch\u00f6pfungsgeschichte im technologischen Zeitalter.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Nachwuchs f\u00fchlt sich kaum zu h\u00f6heren Gef\u00fchlen berufen. Shannon Sinclair pr\u00e4sentiert \u00fcber der Eingangst\u00fcr eine LEG-Laufschrift, wobei sie sich von der k\u00fcnstlichen Intelligenz Sehnsuchtsorte aufzeichnen lie\u00df. Und Michael Driesch zeigt unter dem Titel \u201eDer letzte Tag\u201c ein Video, in dem er sp\u00e4t abends nach einem langen Arbeitstag nach Hause geht und einen Anruf erh\u00e4lt, dass sein Vertrag als Leiharbeiter soeben gek\u00fcndigt wurde. Zur Romantisierung der Rom-Reisenden gesellt sich beim Nachwuchs die raue Wirklichkeit.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Danica Dakic war 2022 von der Bauhaus-Universit\u00e4t in Weimar an die Kunstakademie gewechselt. Sie wohnt seit ihrer eigenen Studienzeit vor \u00fcber 30 Jahren in D\u00fcsseldorf. Sie zeichnet sich durch Gemeinschaftsprojekte mit ihrer Klasse aus, startete das Projekt \u201eROM. ROM? ROM!\u201c im Jahr 2023 mit Themen zur Freiheit und Emanzipation, Sch\u00f6nheit und Liebe frei nach Pasolinis Episodenfilm \u201eWas sind die Wolken?\u201c. Die Rolle der Poesie in einer von Krisen ersch\u00fctterten Welt steht noch immer im Vordergrund. Die Klasse und ihre Professorin lieben es, Fragen aufzuwerfen, statt Antworten zu liefern.<\/p>\n<p class=\"italic richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Info <\/strong>Die Brunhilde-Moll-Stiftung liegt Drakeplatz 4 in D\u00fcsseldorf. \u00d6ffnungszeiten: samstags, sonntags und dienstags, 12 bis 16 Uhr, donnerstags, 14 bis 18 Uhr. Zur Finissage am 12. Juli gibt es eine Performance und einen Katalog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rom lockt j\u00e4hrlich 22 bis 23 Millionen Touristen an. 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