{"id":1115199,"date":"2026-06-23T07:11:16","date_gmt":"2026-06-23T07:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1115199\/"},"modified":"2026-06-23T07:11:16","modified_gmt":"2026-06-23T07:11:16","slug":"missbrauchsvorwuerfe-gegen-kardinal-hengsbach-was-bisher-bekannt-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1115199\/","title":{"rendered":"Missbrauchsvorw\u00fcrfe gegen Kardinal Hengsbach \u2013 Was bisher bekannt ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Er geh\u00f6rte zu den kirchlichen Galionsfiguren der Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland: der Gr\u00fcndungsbischof des Ruhrbistums Essen, Kardinal Franz Hengsbach. Heute sehen ihn viele in einem anderen Licht. Denn Hengsbach, der im <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ruhrpott\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ruhrpott<\/a> noch lange nach seinem Tod 1991 hohes Ansehen genoss, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Am Donnerstag stellen Forschende erste Zwischenergebnisse einer Aufarbeitungsstudie zu diesen Hinweisen vor.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ins Rollen kam die Studie im September 2023. Damals berichtete das Bistum Essen in einer Pressemitteilung von Anschuldigungen gegen Hengsbach wegen sexualisierter Gewalt. Einer der F\u00e4lle bezieht sich auf seine Zeit als Bischof von Essen ab 1958, einer auf seine vorherige T\u00e4tigkeit als Weihbischof im Erzbistum <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/paderborn\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paderborn<\/a>. Auch die Paderborner ver\u00f6ffentlichten in der Sache eine Pressemitteilung.<\/p>\n<p>Vorwurf gegen Hengsbach und seinen Bruder      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Den beiden Bist\u00fcmern zufolge ergibt sich aus Kirchenakten folgendes Bild: Hengsbach und sein Bruder, ebenfalls Priester, sollen 1954 im Erzbistum Paderborn einer damals 16-J\u00e4hrigen mehrfach sexuelle Gewalt angetan haben. 2011 meldete sich die Frau bei der Erzdi\u00f6zese. Hengsbach war damals schon lange tot, doch sein Bruder wurde von Kirchenverantwortlichen befragt. Der bestritt die Vorw\u00fcrfe vehement. Mittlerweile ist auch er gestorben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Kirchenverantwortlichen bewerteten die Beschuldigungen als nicht plausibel &#8211; ein Fehler, wie das Erzbistum Paderborn heute betont. Denn gegen den Bruder gab es noch einen weiteren Hinweis einer anderen Frau. Beide Vorw\u00fcrfe h\u00e4tten zusammen betrachtet werden m\u00fcssen. 2023 entschuldigte sich ein Vertreter des Erzbistums bei der Betroffenen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Erzdi\u00f6zese meldete den Fall 2011 an den <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/vatikan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vatikan<\/a>. Der entschied, die Sache fallen zu lassen. Einen Antrag auf Anerkennung des Leids leitete das Erzbistum nicht an die zust\u00e4ndige Stelle bei der Deutschen Bischofskonferenz weiter. Aber: Es informierte den Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, \u00fcber die Angelegenheit. Der war damals seit etwa zwei Jahren im Amt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch Overbeck wurde zun\u00e4chst nicht aktiv. \u201eAufgrund der Zust\u00e4ndigkeit der Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre sah ich den Vorgang als bearbeitet an\u201c, erkl\u00e4rte er sp\u00e4ter &#8211; und entschuldigte sich in einem Brief an die Gemeinden im Bistum Essen f\u00fcr diese Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Bischof gestand eigene Fehler ein. So habe er 2011 seine damalige Missbrauchsbeauftragte nicht informiert. Auch habe er sp\u00e4ter einem Forschungsteam nichts dazu gesagt. Gemeint sind die Sozialwissenschaftler des M\u00fcnchner Instituts IPP, die im Februar 2023 eine Aufarbeitungsstudie zu sexueller Gewalt im Bistum Essen vorlegten. Daraus geht zwar hervor, dass Hengsbach v\u00f6llig unzureichend mit Missbrauchsanschuldigungen gegen Priester umging. Dass er jedoch selbst Missbrauch begangen haben k\u00f6nnte &#8211; dazu gibt es in der Studie keinen Hinweis.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In seinem Entschuldigungsbrief schrieb Overbeck, dass er nach den Standards der damaligen Zeit gehandelt habe, \u201edie sich aus heutiger Sicht als vollkommen ungen\u00fcgend darstellen\u201c. Er h\u00e4tte die Dinge infrage stellen m\u00fcssen. Und: \u201eIch konnte auch nicht glauben, dass ein gesch\u00e4tzter Kardinal, der zugleich mein Vorg\u00e4nger im Bischofsamt war, anderen Menschen furchtbares Leid zugef\u00fcgt haben k\u00f6nnte.\u201c Damit sei er einem Muster gefolgt, schrieb er selbstkritisch &#8211; n\u00e4mlich \u201edem Schutz des Ansehens eines kirchlichen W\u00fcrdentr\u00e4gers Vorrang zu geben und die betroffenen Menschen nicht hinreichend zu sehen\u201c.<\/p>\n<p>Weiterer Hinweis gegen Hengsbach      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Oktober 2022 kam es schlie\u00dflich zu einer weiteren Meldung: Eine betroffene Person berichtete dem Bistum Essen, es habe einen sexuellen \u00dcbergriff durch Bischof Hengsbach im Jahr 1967 gegeben. Im M\u00e4rz 2023 erfuhr Overbeck von der Sache und veranlasste weitere Nachforschungen. Unter anderem fragte das Ruhrbistum im Erzbistum Paderborn nach, ob dort Vorw\u00fcrfe gegen den Kardinal vorl\u00e4gen. Hengsbachs Personalakten wurden gepr\u00fcft, der Hinweis aus dem Jahr 2011 kam noch einmal zutage.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Den hatte Overbeck ja urspr\u00fcnglich nicht weiterverfolgt. Doch nun war da dieser neue Vorwurf. Der Bischof entschied, die Beschuldigungen \u00f6ffentlich zu machen. Gleichzeitig riefen das Bistum Essen und das Erzbistum Paderborn m\u00f6gliche weitere Betroffene auf, sich zu melden.<\/p>\n<p>Hengsbach-Statue abgebaut      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Oktober 2024 startete das IPP gemeinsam mit der Forschungsstelle f\u00fcr Zeitgeschichte in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/hamburg\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a> und dem Berliner Institut Dissens eine neue Aufarbeitungsstudie zu den Missbrauchsvorw\u00fcrfen gegen Hengsbach. Ein Schlag f\u00fcr die Forschenden war der Unfalltod des Hamburger Studienleiters Thomas Gro\u00dfb\u00f6lting im Februar 2025. Nun legen sie einen ersten Zwischenstand ihrer Untersuchungen vor. Am Donnerstag wird sich abzeichnen, welches Licht die Forschung auf die einstige Galionsfigur wirft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er geh\u00f6rte zu den kirchlichen Galionsfiguren der Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland: der Gr\u00fcndungsbischof des Ruhrbistums Essen, Kardinal Franz Hengsbach.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1115200,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1834],"tags":[38973,13677,235761,7103,235765,71150,6588,235766,3364,29,27540,3688,235759,235760,30,235762,21856,1209,727,235763,11748,235764,110139],"class_list":["post-1115199","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-essen","tag-ruhrbistum","tag-13677","tag-aufarbeitungsstudie","tag-bischof","tag-bischofsamt","tag-bischofskonferenz","tag-bistum","tag-bistuemern","tag-de","tag-deutschland","tag-erzbistum","tag-essen","tag-franz-hengsbach","tag-franz-josef-overbeck","tag-germany","tag-gruendungsbischof","tag-kardinal","tag-nordrhein-westfalen","tag-paderborn","tag-ruhrbistums","tag-studie","tag-studienleiters","tag-weihbischof"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116798179753077008","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1115199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1115199"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1115199\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1115200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1115199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1115199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1115199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}