{"id":1116807,"date":"2026-06-23T23:02:26","date_gmt":"2026-06-23T23:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1116807\/"},"modified":"2026-06-23T23:02:26","modified_gmt":"2026-06-23T23:02:26","slug":"brot-schnitzel-und-pommes-made-in-germany-wie-der-klimawandel-unsere-selbstversorgung-mit-lebensmitteln-gefaehrdet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1116807\/","title":{"rendered":"Brot, Schnitzel und Pommes made in Germany? Wie der Klimawandel unsere Selbstversorgung mit Lebensmitteln gef\u00e4hrdet"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/einkaufskorb-lebensmittel-supermarkt-100.webp\" alt=\"Einkaufswagen mit Lebensmitteln in einem Supermarkt.\" title=\"Einkaufswagen mit Lebensmitteln in einem Supermarkt. | IMAGO \/ MiS\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Bauerntag: Wie ist die Lage f\u00fcr Gem\u00fcsebauern in Mitteldeutschland? (3 Min)<\/p>\n<p class=\"topline\">Bauerntag<\/p>\n<p>\n                Stand: 24.06.2026 00:27 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Wie Kriege und Handelskonflikte der deutschen Wirtschaft schaden, haben wir in den letzten Jahren erlebt. Dazu kommt der Klimawandel \u2013 und der wird f\u00fcr Deutschlands Bauern zur besonderen Herausforderung. Ist eine Selbstversorgung bei Lebensmitteln m\u00f6glich und n\u00f6tig? <\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Andreas Sandig und Juliane Neubauer, MDR AKTUELL<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/milchkuehe-melkstand-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/milchkuehe-melkstand-100.webp\" alt=\"Melker legen K\u00fchen am Melkkarusell der Agrarproduktionsgesellschaft Agp L\u00fcbesse (Mecklenburg-Vorpommern) das Melkgeschirr an.\" title=\"Melker legen K\u00fchen am Melkkarusell der Agrarproduktionsgesellschaft Agp L\u00fcbesse (Mecklenburg-Vorpommern) das Melkgeschirr an. | picture alliance \/ dpa | Jens B\u00fcttner\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p class=\"\">Deutschland kann sich bei Grundnahrungsmitteln bislang \u00fcberwiegend selbst versorgen. Wichtige Lebensmittel wie Weizen und Roggen, Kartoffeln, Milch, Fleisch und Zucker werden \u00fcber den Eigenbedarf hinaus produziert und k\u00f6nnen teils sogar exportiert werden. Doch bei Gem\u00fcse und Obst sieht es schon anders aus. Die Gesamtselbstversorgungsrate ist laut Bundesstatistik seit 2000 von 95 Prozent auf etwa 84 Prozent gesunken.<\/p>\n<p>    Ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten und hohe Kosten in Deutschland<\/p>\n<p class=\"\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr sinkende Selbstversorgungsraten sind vielf\u00e4ltig: Es gibt Spezialisierungen im EU-Binnenmarkt auf bestimmte Produkte. Dazu kommt der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit Umwelt-, Tierschutz- und Klimaauflagen in Deutschland, was die Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf globalen M\u00e4rkten erschwert.<\/p>\n<p>Auch ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten spielen eine Rolle: So hat der Verbrauch von Obst und Gem\u00fcse deutlich zugenommen. Da viele Fr\u00fcchte oder Gem\u00fcsesorten in Deutschland nur saisonal oder gar nicht wachsen, muss mehr importiert werden \u2013 vor allem aus S\u00fcdeuropa oder den Niederlanden. Fisch und Fischerzeugnisse werden zu mehr als 80 Prozent eingef\u00fchrt. Reis muss komplett eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Thomas Herzfeld vom Leibniz-Institut f\u00fcr Agrarentwicklung in Halle\/Saale sagte MDR AKTUELL, man m\u00fcsse auch immer die relativ hohen Produktionskosten in Deutschland sehen. Das werde auch so bleiben, &#8222;au\u00dfer die landwirtschaftlichen Arbeitsbedingungen in Spanien, Italien oder Griechenland w\u00fcrden st\u00e4rker reguliert&#8220;, was nicht zu erwarten sei. Herzfeld h\u00e4lt es nicht f\u00fcr erstrebenswert, sich bei der Lebensmittelversorgung unabh\u00e4ngig von Importen zu machen. Wichtiger w\u00e4re diversifizierte Importe aus verschiedenen L\u00e4ndern, um sich gegen Schocks und Krisen zu wappnen.<\/p>\n<p>    Defizite bei Gem\u00fcse, Obst und Speise\u00f6len<\/p>\n<p class=\"\">Bei Gem\u00fcse liegt im Durchschnitt diverser Sorten die Selbstversorgungsquote inzwischen bei nur noch 37 Prozent. Lediglich bei Wei\u00dfkohl und Rotkohl \u00fcbertrifft die Erzeugung den Bedarf. Acht von zehn M\u00f6hren wachsen hierzulande. Beim Spargel als fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig wichtigstem Gem\u00fcse liegt die Selbstversorgung bei etwa 75 Prozent, bei Speisezwiebeln knapp darunter. Bei Gurken sind es rund 30 Prozent. Tomaten als beliebtestes Gem\u00fcse der Deutschen stammen nur zu knapp vier Prozent aus heimischem Anbau.<\/p>\n<p class=\"\">Ein gemischtes Bild zeigt sich auch beim Obst: Bei \u00c4pfeln als wichtigster Kultur im deutschen Obstbau kann nur knapp die H\u00e4lfte des Bedarfs selbst gedeckt werden. Bei Erdbeeren liegt die Rate bei gut 40 Prozent, bei Kirschen und Birnen deutlich unter 20 Prozent.<\/p>\n<p class=\"\">Gro\u00dfe Defizite gibt es auch bei pflanzlichen \u00d6len und Fetten mit einer Selbstversorgung von nur etwa einem Drittel. Die Preisexplosion f\u00fcr Sonnenblumen\u00f6l kurz nach dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine 2022 zeigt die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Lieferketten. Die Ukraine ist bis heute mit mehr als 60 Prozent Anteil bei Sonnnenblumen\u00f6l wichtigster Lieferant nach Deutschland. Der Krieg in der Ukraine sorgte indes auch auf dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/ukraine-krieg-steigende-lebensmittelpreise-welthunger-mdr-100.html\" title=\"L\u00f6sung f\u00fcr Lebensmittelknappheit durch den Ukraine-Krieg: Weniger Fleisch, weniger Biokraftstoffe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">globalen Getreidemarkt zwischenzeitlich f\u00fcr Turbulenzen.<\/a><\/p>\n<p>    Th\u00fcnen-Institut: Selbstversorgung hei\u00dft nicht Versorgungssicherheit<\/p>\n<p class=\"\">Doch ein hoher Selbstversorgungsgrad bedeutet nicht unbedingt hohe Versorgungssicherheit, wie das Th\u00fcnen-Institut f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft auf Anfrage von MDR AKTUELL erkl\u00e4rt. So k\u00f6nnte eine lange Trockenphase im Fr\u00fchjahr in Deutschland Ernten schm\u00e4lern und man w\u00e4re massiv auf Importe angewiesen.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/obst-gemuese-markt-102.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/obst-gemuese-markt-102.webp\" alt=\"Gem\u00fcse und Obst auf einem Markt\" title=\"Gem\u00fcse und Obst auf einem Markt | picture alliance\/dpa | Arne Dedert\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Gem\u00fcse und Obst auf einem Markt<\/p>\n<p class=\"\">Ohnehin ist Landwirtschaft in weiten Teilen ein globales Gesch\u00e4ft. Bei Gem\u00fcse und Obst werden neben deutscher Produktion allein schon deshalb Importe ben\u00f6tigt, um eine jahreszeitlich unabh\u00e4ngige Versorgung zu gew\u00e4hrleisten. In Bezug auf Versorgungssicherheit etwa durch Extremwetterlagen sowohl im Inland als auch bei Produzenten im Ausland, sind aus Sicht der Wissenschaftler mehrere Bezugsquellen mit m\u00f6glichst unterschiedlichen Klimarisiken eine Strategie zur Risikostreuung.<\/p>\n<p class=\"\">Dem Institut zufolge hat die Hitzewelle 2018 gezeigt, dass substanzielle Ernteeinbu\u00dfen durch Extremwetter in Deutschland bereits heute m\u00f6glich sind. Dennoch habe es keine Engp\u00e4sse in der Nahrungsmittelversorgung gegeben. Besonders herausfordernd war demnach die Versorgung von Tieren mit Raufutter. Die meisten Bundesl\u00e4nder h\u00e4tten inzwischen darauf reagiert, indem \u00f6kologische Vorrangfl\u00e4chen zur Futtergewinnung freigegeben wurden.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Ausbau der Gem\u00fcse- und Obstproduktion in Deutschland m\u00fcsste nach Angaben des Instituts au\u00dferdem ausreichend Wasser bereitgestellt werden, mit entsprechenden Regeln bei Wassernutzungsrechten. Im \u00dcbrigen geben es zur strategischen Sicherstellung der Lebensmittelversorgung Programme und Projekte etwa zur Z\u00fcchtung angepasster Sorten, zum Wassermanagement (LAWAMAD), Bodenschutz (HumusKlimaNetz) und Risikomanagement.<\/p>\n<p>    Ausblick 2035: Trockenheit setzt Weizen und Kartoffeln zu<\/p>\n<p class=\"\">Und wie sieht es in zehn Jahren aus? Weizenanbau ist wasserintensiv \u2013 f\u00fcr 1 Kilogramm Weizen werden etwa 1.000 bis 1.500 Liter Wasser ben\u00f6tigt. Roggen mit seinen tieferen Wurzeln kommt hingegen mit 250 bis 300 Liter Wasser aus. Weizen leidet also st\u00e4rker unter Hitze- und D\u00fcrreperioden, vielerorts stagnieren die Ertr\u00e4ge bereits und es sinkt die Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/kartoffelernte-anghaenger-feld-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/kartoffelernte-anghaenger-feld-100.webp\" alt=\"Kartoffeln werden bei der Ernte in einen Anh\u00e4nger gekippt. \" title=\"Kartoffelernte  | picture alliance\/dpa | Uwe Anspach\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Kartoffelernte <\/p>\n<p class=\"\">Der Kartoffelanbau ist im Vergleich wassereffizient. Sortenabh\u00e4ngig braucht es etwa 140 bis 300 Liter Wasser f\u00fcr ein Kilogramm Kartoffeln. In Deutschland kommt der Anbau meist ohne k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung aus. Doch die Ertr\u00e4ge leiden stark unter Wetterextremen wie Hitze und Starkregen. Bis 2035 wird eine drastische Anpassung der Anbaumethoden erwartet sowie neue, hitzeresistente Sorten. Prognosen zufolge muss k\u00fcnftig deutlich mehr k\u00fcnstlich bew\u00e4ssert werden.<\/p>\n<p class=\"\"><a href=\"https:\/\/www.saaten-runion.de\/getreide\/winterroggenhyseed-hybridroggen\/fruchtfolge\/fruchtfolgen-fuer-ertragsschwache-niederschlagslimitierte-sandstandorte\/\" title=\"Verband der Saaten-Z\u00fcchter: Bodenertr\u00e4ge in Deutschland\" class=\"extlink-preface\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wissenschaftliche Untersuchungen auf Versuchsfeldern im brandenburgischen Thyrow<\/a> sagen bei steigenden Temperaturen und Trockenheit vor allem auf leichten, sandigen B\u00f6den sinkende Ertr\u00e4ge voraus. Trockenphasen im Fr\u00fchling und Fr\u00fchsommer w\u00fcrden demnach den Anbau von H\u00fclsenfr\u00fcchten, Sommergetreide, Kartoffeln und Winterraps unwirtschaftlich machen.<\/p>\n<p>Der Versuchsstandort in Thyrow repr\u00e4sentiert typische Anbaubedingungen nord- und ostdeutscher Sandb\u00f6den. Hier ist die Wasserverf\u00fcgbarkeit begrenzt, was zu hohen Ertragsschwankungen f\u00fchrt. Um k\u00fcnftig Ausf\u00e4lle zu minimieren, setzen landwirtschaftliche Betriebe auf trockenresistente Kulturen und bodendeckende sowie n\u00e4hrstoffstabilisierende Fruchtfolgen.<\/p>\n<p>    MDR AKTUELL (ans,jneub)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Bauerntag: Wie ist die Lage f\u00fcr Gem\u00fcsebauern in Mitteldeutschland? 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